Im Westen bzw. Kreuzberg und Neukölln geht abends mittlerweile der meiste Berlin-Punk ab…
Wie die Zeiten sich doch ändern und wir uns in der Zeit ändern - kann man am besten in der Hauptstadt Berlin sehen!
Denn über Jahre nach der Wende war ausschließlich der Osten der Stadt hip und die Bezirke Mitte, Friedrichshain und natürlich der Prenzlauer Berg die absoluten Ausgehzentren Berlins.
Selbstverständlich wohnte man dann auch gleich dort, wo man mehrmals in der Woche abends in irgendwelche Undergrounnd-Locations ausging.
Im neuen Jahrtausend erlebte dann Berlin innerstädtisch schleichend seine „zweite“ Wende!
Denn plötzlich galt der Prenzlauer Berg als spießig, Mitte als touristenverseucht und Friedrichshain als einziger großer Jugendclub – sprich der ganze Osten war laaaaaaaaaaaaaangweilig geworden – und die Mieten nahezu „münchnerisch“.
Daher war es für die Berliner Subkultur logisch und konsequent, dass sie dem Osten den Rücken kehrte und sich dem jahrelang als megaout geltenden Westen zuwandte (es blieb ja auch kein wirklich guter „zentraler“ Ausweg möglich“).
Die Inkarnation dieser quasi Kehrtwende hin zu den Westteilen, die ja vor der eigentlichen Wende zwangsläufig schon einmal das Underground-Epizentrum Berlins waren – wurde nun anhand von ausschließlich ZWEI Stadtteilen erneut real: von Kreuzberg und Neukölln.
Denn was in diesen zwei Stadtteilen mittlerweile an subkulturellen Ausgehperlen existiert, ist mindestens genauso bombastisch wie vor bzw. nach der Wende im Westen resp. Osten von Berlin.
Schließlich sind aus den jahrlangen unveränderten Bezirken Kreuzberg und Neukölln in einer unglaublichen Schnelligkeit wahnsinnig gute und krass faszinierende Underground-Bezirke geworden.
Das Ausgehbarometer der Subkultur-Jünger spricht nämlich eine eindeutige Sprache, und zwar ausschließlich X-bergerisch, X-köllnerisch oder neuköllnerisch.
Und der Osten ist gewissermaßen wie früher wieder ein einziges großes Sperrgebiet bzw. No-go-Area…
Leider haben sich auch in beiden Stadtteilen Neukölln und Kreuzberg auch raketenmäßig die Mietpreise verändert – eine sehr unschöne Begleiterscheinung des Hiphiphip-Status.
Daher bin ich mir sicher, dass irgendwann, wenn sich die Zeiten noch weiter diesbezüglich negativ verändert haben werden, die Subkultur-Szene wieder weiterziehen wird. Es fragt sich dann nur – quo vadis!
Vielleicht wieder zurück in den Osten, wer weiß, dann aber sicherlich in die weiter entfernten Ost-Bezirke – oder vielleicht doch im Westen bleibend.
Schließlich gab es ja gerade in den Vorwende-Zeiten in den 60er, 70er und 80er Jahren noch viele andere hippe West-Bezirke, wie Schöneberg, Wedding oder Charlottenburg – die natürlich auch vielleicht nur darauf warten wieder subkulturell hip zu werden!
Ich schwelge jedenfalls jetzt schon in Ostalgie, Nostalgie und Westalgie…
