Literaturtipps und Software

Interviewleitfäden
Interviewführung
Analyse und Auswertung
Software
Nützliche Links

 

Interviewleitfäden

1. Grenzlandmuseum Eichsfeld / Stiftung Aufarbeitung

Download (PDF, 32 Seiten)

Dieser in Kollaboration erarbeitete Leitfaden hat eigentlich Schüler*innen als Zielgruppe. Entsprechend werden keine methodischen Grundkenntnisse vorausgesetzt. Jeder Schritt des Zeitzeugeninterviews, von der Vorbereitung bis zur Analyse, wird ausführlich erklärt. Als nützlich erweisen sich die Hinweise zur weiterführenden Literatur und die Verweise auf Internetseiten am Ende des Leitfadens.

 

2. Henke-Bockschatz, Gerhard: Zeitzeugenbefragung. In: Bergmann, Klaus u.a. (Hg.): Forum historisches Lernen. Schwalbach 2004. S. 354-369.

Dr. Gerhard Henke-Bockschatz, Professor für Didaktik der Geschichte an der Goethe-Universität Frankfurt a.M., liefert mit seinem Aufsatz ein gutes Überblickswerk, das sich besonders für den Eintieg in das Thema Zeitzeugenbefragung eignet. Enthalten sind unter anderem eine Checkliste für das Interview, Tipps für die Interviewführung und, was man selten findet, Regeln für das korrekte Transkribieren von Interviews inklusive Abkürzungen. Darüber hinaus kann man sich für die Auswertung des Interviews an seinem Vorschlag orientieren, die Analyse in drei Schritte zu unterteilen:

  1. Die Erstellung eines tabellarischen Überblicks über das Leben des Zeitzeugen / der Zeitzeugin.
  2. Die Überprüfung der Glaubwürdigkeit und Vollständigkeit mit Hilfe von anderen Quellen.
  3. Das Herausarbeiten verschiedener Perspektiven, also was unterscheidet die damals handelnde Person von der Person heute?

Wenn man diese Tipps beherzigt und noch in Bezug auf die Interviewführung die Vorschläge Judith Moyers annimmt, kann man das Interview ganz entspannt angehen und auswerten.

 

3. Gedächtnis der Nation

Download (PDF, 10 Seiten)

Der Leitfaden setzt keinerlei Vorkenntnisse voraus und ist insofern gut als Einstieg in die Oral History geeignet. Hier werden kurz und knapp die wichtigsten Dinge in einfachen Worten erklärt. Insbesondere geht der Leitfaden dabei auf die Grundzüge der Videoaufnahme ein. Allerdings ist der Leitfaden durch seine Kürze nicht als einziger Text zur Vorbereitung eines Interviews geeignet. An einigen Stellen wird dafür zu stark abgekürzt.

 

4. Zeitzeug*inneninterviews: So leiten sie Jugendliche an, Anne Frank Zentrum

Download (PDF, 54 Seiten)

Dieser Leitfaden richtet sich primär an Lehrer*innen und andere, die zusammen mit Jugendlichen ein Interviewprojekt durchführen wollen. Allerdings ist der Text so ausführlich, dass auch andere Gruppen von ihm profitieren können. Der Leitfaden ist übersichtlich gegliedert und in einem gut verständlichen Stil formuliert. Insgesamt geht der Text recht detailliert auf die verschiedenen Aspekte eines Zeitzeug*inneninterviews ein, wobei die Theorie der Oral History nicht näher betrachtet wird.

 

Interviewführung

1. Von Plato, Alexander: Zeitzeugen und die historische Zunft. Erinnerung, kommunikative Tradierung und kommunikatives Gedächtnis in der qualitativen Geschichtswissenschaft – ein Problemaufriss. In: Bios 13 (2000), S. 5 – 29.

Download (PDF, 25 Seiten)

Dieser Aufsatz bietet neben theoretischen Aspekten der Oral History auch umfassende Informationen zu Situationen und Problemen, die beim Führen eines Interviews auftreten können. Dies tut er speziell ab Seite 17 durch eine Reihe von differenziert und anschaulich beschriebenen Beispielen. Sucht man im Verlaufe der Vorbereitung also nach möglichst konkreten Hinweisen, wie Interviewsituationen sich entwickeln und problematisieren können, ist man bei diesem Aufsatz an der richtigen Adresse.

 

2. Truesdell, Barbara: How to Organize and Conduct Oral History Interviews.

Download (PDF, 8 Seiten)

Diese hervorragende englischsprachige Quelle gibt sehr detaillierte Informationen zum Thema Führen eines Oral History Interviews. Dr. Truesdell, die Autorin des wissenschaftlichen Textes ist stellvertretende Leiterin des Institutes für Geschichte und Erinnerung an der Universität von Indiana. Es werden wertvolle und wichtige Hinweise in Bezug auf das Führen von Interviews gemacht, vor allem: Art der Fragen (offen vs. geschlossen), praktische Hinweise in Bezug auf einen professionellen Umgang mit Interviewpartnern und Rechtliches. Des Weiteren wird darauf hingewiesen, wie man Neutralität und professionelle Distanz zum Interviewpartner wahrt und welche Komplikationen während eines Interviews evtl. auftreten könnten, zum Beispiel die eigene Unkonzentriertheit oder Müdigkeit.

 

3. Moyer, Judith: Step-by-Step Guide to Oral History. DoHistory Website, 1993, revised 1999.

Link zum Ratgeber

Eine weitere exzellente englischsprachige Quelle, die genauestens auf die Methoden und Techniken des Interviewführens im Zuge von Oral History eingeht. Es werden spezifische Hinweise gegeben (siehe II. Guidelines and Suggestions), die dem*der Interviewer*in äußerst hilfreich sind. Wenn man sich an die Vorschläge von Judith Moyer hält, kann man kaum etwas falsch machen. Nicht nur inhaltliche Hinweise zu der Art der Fragen werden gegeben, sondern auch Hinweise zu oft ignorierten Punkten wie Intonation der Sprache, Körpersprache, Höflichkeit und Zeitplanung. Die DoHistory Website wurde vom Film Study Center der Harvard University entwickelt und wird von der George Mason University betreut.

 

Analyse und Auswertung

1. »Familiengedächtnis«. In: Welzer, Harald / Moller, Sabine, u.a.: »Opa war kein Nazi«. Nationalsozialismus und Holocaust im Familiengedächtnis. Frankfurt am Main 2002. S. 18-43.

Das Kapitel wirft einen interessanten Blick auf das gemeinsame Interviewen von mehreren Personen einer Bezugsgruppe. Der Text erläutert die Wahrnehmungsverschiebungen, die sich in der Betrachtung der selben Geschichte durch mehrere Personen ergeben, und zeigt deutlich die Tendenz zur Beschönigung der eigenen Vergangenheit auf, die es in einem Zeitzeug*inneninterview möglichst zu umgehen gilt. Dabei werden die sich ergebenden Probleme anschaulich dargelegt. Dieser Text ist kein Leitfaden sondern vielmehr eine Problemanalyse, die treffend auf eine mögliche Problematik beim Führen eines Zeitzeugeninterviews hinweist.

 

2. Niethammer, Lutz (Hg.): Lebensgeschichte und Sozialkultur im Ruhrgebiet 1930 bis 1960. 1. »Die Jahre weiß man nicht, wo man die heute hinsetzen soll«: Faschismuserfahrungen im Ruhrgebiet. Berlin 1983.

Das Projekt gilt als Meilenstein der westdeutschen Oral-History-Forschung und trug maßgeblich zur Etablierung der Methode in den Geschichtswissenschaften bei. Anfang der 1980er Jahre führte eine Forschungsgruppe rund um den Historiker Lutz Niethammer lebensgeschichtliche Interviews mit Personen aus verschiedenen sozialen Schichten und Milieus im Ruhrgebiet. Die zentrale Fragestellung des Projektes lautete: Wie hat die Arbeiterbevölkerung das Dritte Reich erlebt und welche Auswirkungen hatte der Nationalsozialismus auf »das Volk« im Ruhrgebiet?

Um dieser Fragestellung nachzugehen, führte die Forschergruppe Interviews mit Arbeiterfamilien, VertreterInnen der katholischen Arbeiterbewegung und polnischen Einwanderern. Dabei standen Fragen nach biographischen Verlaufszügen im Interesse der Forschenden. Im ersten Band sind Aufsätze der Forschergruppe enthalten, in denen sie die geführten Interviews anschaulich interpretieren und auswerten.

 

3. Vorländer, Herwart (Hg.): Oral History. Mündlich erfragte Geschichte. Göttingen 1990.

Dieser Band enthält acht Beiträge, die sich unter anderem mit der Rolle der Oral History in der Frauenforschung, der Geschichtsdidaktik und der Musikgeschichte beschäftigen. In den Aufsätzen werden mögliche Probleme der mündlichen Befragung aus einem theoretischen Blickwinkel betrachtet. Dabei wird zum Beispiel der Quellenwert von Interviews oder die Bedeutung der verschiedenen Gedächtnisformen kritisch thematisiert. Dieser problemorientierte Ansatz wird anschaulich anhand von vielfältigen Forschungsprojekten dargestellt. (Befragung von Arbeiterfrauen oder einem Oral History-Projekt zur Gesamtdeutschen Volkspartei). Obwohl der Band bereits im Jahr 1990 veröffentlicht wurde, überzeugt er noch immer durch eine übersichtliche Darstellung. Durch die thematische Vielfalt der Aufsätze verbindet er praktische Beispiele mit methodischen Überlegungen zur Oral History.

 

Software

 

Transkription

1. f4 (Windows) / f5 (Mac OS)

Audiotranskription f4

Mit diesem für die Betriebssysteme Windows und Mac OS erhältlichen Programm lassen sich sowohl Videos als auch Audiodateien öffnen. Es bietet eine Reihe von Funktionen, die das Transkribieren von Interviews deutlich vereinfachen und beschleunigen. Besonders hilfreich sind dabei drei Dinge: Zum ersten die Tatsache, dass ein Schreibprogramm integriert ist, man also nicht zwischen zwei Programmen hin- und herwechseln muss. Zum zweiten die Funktion, die Geschwindigkeit der Audiospur in vielen kleinen Stufen herunterzufahren. Dadurch ist es möglich, ohne Zwangspausen zügig zu transkribieren. Drittens werden, sollte man doch eine Pause machen müssen, jeweils die letzten fünf vorhergegangenen Worte wiederholt. Dies vereinfacht das Schreiben weiter. Es gibt an diesem Programm praktisch nur einen Haken: Es ist nicht kostenlos. Auf der Website steht zwar eine Demoversion mit allen verfügbaren Funktionen zum herunterladen bereit, mit dieser lassen sich jedoch jeweils nur die ersten zehn Minuten einer Datei abspielen. Will man dieses Programm für längere Interviews nutzen, ist folglich der Kauf einer Lizenz über die Website vonnöten.

 

2. iMote

MKD-Software

iMote ist eine Erweiterung für iTunes (leider nur mit Mac-Betriebssystem nutzbar). Mithilfe von iMote kann eine Tastenkombination frei gewählt werden, die man beim Transkribieren in jedem beliebigen Textverarbeitungsprogramm tippen kann, um das Audio, das man über iTunes abspielt, zu pausieren (kein Mausklick, kein Wechseln des Fensters). In den Einstellungen „StepBack“ kann außerdem eine Zeitspanne definiert werden, um die das Audio beim Weiterspielen zurückspringt, so kann man beim Transkribieren ganz einfach das Audiosteuern und flüssig mitschreiben.

 

3. Windows Media Player (Windows)

Windows Media Player

Mit dem mittlerweile in den aktuellen Versionen nur doch dem namensgebenden Betriebssystem zur Verfügung stehenden Windows Media Player lassen sich Videos und Audiodateien öffnen. In Ansätzen bietet er Funktionen, die auch das Transkribieren von Interviews ermöglichen. So lässt sich z.B. ab der Version 12.0 die Wiedergabegeschwindigkeit in drei Stufen einstellen, dies jedoch nur in drei Stufen (langsam, normal, schnell). Zudem ist der Player kostenlos und auf allen Computer mit dem Betriebssystem Windows vorhanden. Dem gegenüber stehen einige Nachteile. So lassen sich zumindest mit älteren Versionen des Windows Media Player einige Dateitypen nicht öffnen. Auch muss zusätzlich zum Transkribieren ein Schreibprogramm geöffnet werden. Dies führt dazu, dass man grob gerechnet alle 30 Sekunden zwischen dem Schreibprogramm und dem Player hin und herwechseln muss. Bei der Transkription eines möglicherweise mehrstündigen Interviews summiert sich dieser zusätzliche Arbeitsaufwand. Für häufigeres Transkribieren von längeren Interviews ist der Windows Media Player daher ungeeignet.

 

Schnitt

1. Audacity

Link zum Download

Audacity ist ein kostenloses Programm, mit dem man Audiodateien schneiden, Musik aufnehmen und Dateien konvertieren kann. Es werden alle gängigen Audioformate unterstützt. Große Vorteile sind die intuitive Bedienung und Möglichkeit, nicht relevante Stellen des Interviews mit wenigen Klicks herauszuschneiden. Eine benutzerfreundliche Anleitung zum Schneiden mit Audacity findet ihr hier.

 

Nützliche Links

http://www.archiv-der-zeitzeugen.com/ (Verzeichnis von Zeitzeugeninterviews, diese kann man auch downloaden)

http://www.bpb.de/lernen/unterrichten/geschichte-begreifen/42324/oral-history (Dossier zur Oral History der BpB)

http://www.dhm.de/lemo/zeitzeugen (Nach Epochen geordnete Zeitzeugenberichte)

https://www.fernuni-hagen.de/geschichteundbiographie/deutschesgedaechtnis/#online (Archiv des Instituts für Geschichte und Biographie der Fernuni Hagen)

http://www.memoro.org/de-de/index.php (Weiteres Portal mit Video- und Audiomaterial zur Lebenserfahrung)

http://www.zeitzeugenboerse.de/ (Plattform für die Vermittlung von Zeitzeugen)

http://www.zeitzeugenbuero.de (Suchportal für Zeitzeugen, Angebot der Stiftung Aufarbeitung)

http://www.zeitzeugengeschichte.de (Plattform für den Austausch von Zeitzeugenprojekten zum Nationalsozialismus, Seminare, Workshops)

http://www.ddr-zeitzeuge.de (Plattform für die Vermittlung von Zeitzeugen aus der ehemaligen DDR)