Schelling über Geist und Natur
Die Natur muss sich unter Gesetze schmiegen,
ruhig zu meinen Füßen liegen.
Streckt zwar ein Riesengeist darinnen,
ist aber versteinert mit seinen Sinnen,
kann nicht aus dem engen Panzer heraus,
noch sprengen das eiserne Kerkerhaus,
obgleich er oft die Flügel regt,
sich gewaltig dehnt und bewegt,
in toten und lebend´gen Dingen
tut nach Bewusstsein mächtig ringen -
Allmählich: lernt er im Kleinen Raum gewinnen,
darin er zuerst kommt zum Besinnen.
In einen Zwergen eingeschlossen,
von schöner Gestalt und graden Sprossen,
heißt in der Sprache Menschenkind,
der Riesengeist sich selber find´t.
Vom eisernen Schlaf, vom bangen Traum
erwacht, sich selber erkennend kaum,
über sich gar verwundert ist,
mit großen Augen sich grüßt und misst.
Möcht alsbald wieder mit allen Sinnen
in die große Natur zerrinnen,
ist aber einmal losgerissen,
kann nicht wieder zurückfließen
und steht zeitlebens eng und klein
in der eignen großen Welt allein.
Fürchtet wohl in bangen Träumen
der Riese könnt sich ermannen und bäumen
und wie der alte Gott Satorn
seine Kinder verschlingen im Zorn.
Denkt nicht, dass er es selber ist,
seiner Abkunft ganz vergisst,
tut sich mit Gespenstern plagen,
könnt also zu sich selber sagen:
Ich bin der Gott, der sie am Busen hegt,
der Geist, der sich in allem bewegt.
Vom ersten Ringen dunkler Kräfte
bis zum Erguss der ersten Lebenssäfte,
wo Kraft in Stoff und Stoff in Kraft verquillt,
die erste Blüt´, die erste Knospe schwillt,
zum ersten Strahl von neugebor´nem Licht,
das durch die Nacht wie zweite Schöpfung bricht
und aus den tausend Augen der Welt
den Himmel so Tag und Nacht erhellt,
hinauf zu des Gedankens Jugendkraft,
wodurch Natur verjüngt sich wieder schafft,
ist eine Kraft, ein Pulsschlag nur, ein Leben,
ein Wechselspiel von Hemmen und Streben.
























