{"id":69,"date":"2025-09-21T19:00:12","date_gmt":"2025-09-21T17:00:12","guid":{"rendered":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/?page_id=69"},"modified":"2025-10-27T11:39:07","modified_gmt":"2025-10-27T10:39:07","slug":"misogyne-memes","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/misogyne-memes\/","title":{"rendered":"Zwischen Sigma Boys und Alpha Males"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Inwiefern tragen misogyne Memes in sozialen Medien zur Radikalisierung Jugendlicher bei und welche pr\u00e4ventiven Potenziale hat politische Bildung im digitalen Raum?<\/h2>\n\n\n\n<p><em>von Margaret Pleskach und Lukas H\u00e4nel<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Memes sind seit dem Zeitalter von sozialen Medien kaum aus der Online-Kommunikation wegzudenken. Sie dienen nicht nur der Unterhaltung, sondern auch der Identit\u00e4tsbildung im jungen Alter sowie Meinungs\u00e4u\u00dferung. Durch das virale Potenzial sind Memes auch schnell im Bereich der politischen Kommunikation angekommen. Die leicht verst\u00e4ndliche visuelle Form und Reproduzierbarkeit tr\u00e4gt zu einer hohen Reichweite und Anschlussf\u00e4higkeit bei. Auf sozialen Medien wird diese Form der Kommunikation von Influencerinnen, Unternehmen, privaten Nutzerinnen bis hin zu Politikerinnen genutzt. Diese nutzen Meme-Templates, um diverse Botschaften auf humorvolle Art zu \u00fcbermitteln. Doch auch diese Form der Online-Kommunikation bringt Risiken mit sich: getarnt durch Humor werden Memes f\u00fcr die Verbreitung von diskriminierender Hass-Rede genutzt. Besonders auff\u00e4llig ist dies in rechten Szenen, welche Memes f\u00fcr Frauenfeindlichkeit nutzen. Dabei werden misogyne Narrative mit humorvollen Frames an eine junge Zielgruppe vermittelt und Frauenfeindlichkeit normalisiert. Die hohe Social-Media-Nutzung von Jugendlichen und die Plattformmechanismen f\u00fchren dazu, dass junge Nutzerinnen sehr schnell mit misogynen Inhalten konfrontiert sind. Dies ist besonders gef\u00e4hrlich in der Phase der Identit\u00e4tsbildung, da diese Narrative die Entwicklung und Geschlechterrollen pr\u00e4gen. Um dem entgegenzuwirken, gibt es diverse digitale Bildungsformate, die diesbez\u00fcglich aufkl\u00e4ren.<br>Ziel dieser Arbeit ist es, die Wirkungshebel von misogynen Memes auf Jugendliche zu untersuchen und einen Leitfaden f\u00fcr pr\u00e4ventive Bildungsformate auszuarbeiten. Die Grundlage der Case Study bildet eine Umfrage von Jugendlichen zur Rezeption solcher Inhalte sowie qualitative Inhaltsanalysen von ausgew\u00e4hlten Memes und Bildungsformaten. Die Ergebnisse werden in Kombination mit der Uses-and-Gratifications-Theorie, Framing-Ans\u00e4tzen, sozialkognitiven Lerntheorien sowie Modellen der Radikalisierungsforschung untersucht und ausgewertet.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>2.1. Entwicklungspsychologie&nbsp;<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Um das Radikalisierungspotenzial von Jugendlichen beim Konsum von Inhalten auf sozialen Medien zu analysieren, betrachten wir zun\u00e4chst aus entwicklungspsychologischer Sicht, welche Faktoren dabei eine Rolle spielen. Damit soll deutlich werden, inwiefern Jugendliche aufgrund der psychischen, sozialen und gesellschaftlichen Faktoren empf\u00e4nglicher f\u00fcr radikale Narrative und Radikalisierung dadurch sind.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Entwicklungspsychologie befasst sich allgemein mit der Identit\u00e4tsentwicklung und den Sozialisationsprozessen. Dabei sind die Findung und \u00dcbernahme von Geschlechterrollen sowie der Aufbau von Beziehungen essentiell (Havighurst, R. J., 1953). Durch die Digitalisierung sind in der Entwicklung soziale Medien ein starker Faktor, der in der Arbeit stets zu beachten ist.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>2.1.1. Identit\u00e4tsentwicklung und Einfluss von sozialen Medien<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Die Identit\u00e4tsentwicklung beginnt bereits im jungen Alter der Adoleszenz, in der sich Kinder mit der Frage auseinandersetzen, wer sie sind und was sie ausmacht. Diese von Erikson beschriebene Identit\u00e4tskrise dient als Mittel zur Entwicklung einer stabilen Identit\u00e4t (Erikson, 1992, S. 255ff.). Rollenbilder aus dem Umfeld dienen in dieser Zeit als Orientierung. Sie beeinflussen die Identit\u00e4tsbildung durch \u00dcbernahme des Verhaltens und der Perspektiven (Mead, 1934, S. 262). Dazu z\u00e4hlen auch Geschlechterrollen, da diese weniger als biologische Faktoren angesehen werden, sondern als das Resultat von kulturellen und gesellschaftlichen Lernprozessen in der Kindheit und Jugend. Kinder lernen bereits im fr\u00fchen Alter durch die Sozialisation des Umfelds internalisierte Geschlechterrollen, darunter was als \u201etypisch m\u00e4nnlich\u201c und \u201etypisch weiblich\u201c angesehen wird (Hurrelmann, 2018, S. 139; Heinen et. al. 2022, S. 430). \u00dcbernommen werden die Rollen von Vorbildern in der Familie, Freund*innen aber auch Personen online (Hale et al, 2022, S. 428).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Peergruppen spielen in der Entwicklung von Jugendlichen eine zentrale Rolle, da sie ihnen Zugeh\u00f6rigkeit, Orientierung und Best\u00e4tigung bieten k\u00f6nnen (Hurrelmann, 2018, S. 137). Wenn die Anerkennung durch Gleichaltrige fehlt, bildet sich ein Gef\u00fchl der Ablehnung und Einsamkeit, welche Jugendliche anf\u00e4llig f\u00fcr extremistische Narrative macht (Neu, 2023, S. 15). In der Suche nach Anerkennung wenden sich Jugendliche an Subkulturen und alternative R\u00e4ume, welche sich den Mainstream-Normen entgegensetzen und eigene Werte etablieren (Heitmeyer, 2012, S. 105). Soziale Medien bieten Subkulturen einen Raum, sich unabh\u00e4ngig von Ort zu organisieren, ihre Ideologien zu verbreiten und Jugendliche, die nach Anerkennung und Zugeh\u00f6rigkeit suchen, als neue Gruppenmitglieder anzuwerben (Heitmeyer, 2012, S. 105). Diese angef\u00fchrten Dynamiken machen die zentrale Rolle von digitalen Medien auf die Identit\u00e4tsentwicklung deutlich. Digitale Medien sind heutzutage nicht mehr wegzudenken aus dem Alltag, vor allem bei Jugendlichen, die laut dem neuen OECD Bericht von 2025 bis zu 48 Stunden w\u00f6chentlich am Bildschirm verbringen. Angesichts der Popularit\u00e4t von Influencer*innen und popul\u00e4ren Online-Figuren nehmen Jugendliche, denen im direkten sozialen Umfeld Rollenbilder fehlen, diese als Vorbilder (Suter et. al., 2023, S. 3). Die Auswirkungen dieser Faktoren werden in unserer Case Study mitbetrachtet.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>2.2 Radikalisierungsforschung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Als Radikalisierung wird der Prozess des Radikal-Werdens verstanden, also die Entwicklung der Einstellungen und des Verhaltens in eine extremistische Richtung (McCauley et. al., 2008). Dabei betonen Forscher*innen, dass die Radikalisierung ein schleichender Prozess ist und meist auf individueller Ebene beginnt, aber nicht immer in Gewalt endet (M\u00f6ller 2018, S. 6).&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>2.2.1 Modelle von Radikalisierungsprozessen<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Um den Prozess der Radikalisierung zu verstehen, gibt es verschiedene Modelle. In der Studie fokussieren wir uns auf die Modelle von Borum und das 3N Modell von Kruglanski, um alle relevanten Dimensionen der Radikalisierung abzudecken.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei dem Borum-Modell handelt es sich um ein vierstufiges Modell, welches mit der pers\u00f6nlichen Frustration beginnt, zum Gef\u00fchl einer Ungerechtigkeit \u00fcbergeht, die Verantwortung f\u00fcr die Ungerechtigkeit dann einer Zielgruppe zugeschrieben wird und es letztendlich bei einer Distanzierung vom System und Diskreditierung dieses endet (Borum, 2011, S. 40).<\/p>\n\n\n\n<p>Das 3N-Modell wiederum besteht aus drei Elementen: das Bed\u00fcrfnis, das Narrativ und Netzwerk (Kruglanski, 2019, S. 21).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Beide Modelle verdeutlichen, dass Radikalisierung aus einem nicht erf\u00fcllten Bed\u00fcrfnis hervorgeht, das mit negativen Emotionen wie Frustration verkn\u00fcpft ist. Diese Gef\u00fchle f\u00fchren im Fall der Radikalisierung zur Suche nach einem Schuldigen, der ins Narrativ passt. Anders als im Borum-Modell macht Kruglanski die Bedeutung des Netzwerkes deutlich, im Fall der Case Study sind es soziale Netzwerke, die wir erforschen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>2.2.2 Push &amp; Pull-Faktoren<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Bei Push-Faktoren handelt es sich um externe Umst\u00e4nde, die Menschen anf\u00e4llig f\u00fcr Radikalisierung machen. Zu diesen z\u00e4hlen Ausgrenzung, Probleme in Schule oder Familie und auch Diskriminierung. Die Pull-Faktoren beschreiben wiederum die f\u00fcr die Personen ansprechende Inhalte von radikalen Gruppen. Dazu z\u00e4hlen Zugeh\u00f6rigkeit, Identit\u00e4t und Selbstverwirklichung. Push- und Pull Faktoren treten in Kombination auf und werden von diversen Gruppierungen f\u00fcr die Rekrutierung von neuen Mitglieder*innen genutzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Angesichts der aktuellen Lage von Jugendlichen (Maurer, 2024, S. 89) aus entwicklungspsychologischer Sicht sind Jugendliche besonders anf\u00e4llig f\u00fcr Radikalisierung. Sie sind auf der Suche nach Identit\u00e4t und Zugeh\u00f6rigkeit und erleben nach der Covid-Pandemie vermehrt Einsamkeit, die von einem Gro\u00dfteil mit Zeit auf sozialen Medien kompensiert wird (Neu et. al., 2023, S. 37).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>2.3 Medienwirkungsforschung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Um zu verstehen, wie Inhalte auf sozialen Medien Einstellungen und Verhalten Jugendlicher beeinflussen k\u00f6nnen, betrachten wir aus medienwirkungs\u00adtheoretischer Perspektive zentrale Wirkmechanismen. Damit soll sichtbar werden, inwiefern Modelllernen, Deutungsrahmen, Thematisierungseffekte sowie nutzerseitige Motive und kognitive Verzerrungen in algorithmisch kuratierten Feeds zur Aufnahme und Verfestigung bestimmter Narrative beitragen. Die Medienwirkungsforschung untersucht dabei, wie Reize, Darstellungsformen und Verbreitungslogiken auf Wahrnehmung, Bewertung und Handeln wirken.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>2.3.1 Sozialkognitive Lerntheorie<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Die sozialkognitive Lerntheorie nach Albert Bandura (1986) geht davon aus, dass menschliches Verhalten ma\u00dfgeblich durch Beobachtung, Nachahmung und soziale Verst\u00e4rkung gepr\u00e4gt wird. Zentral ist dabei das Konzept des Modelllernens. Menschen, insbesondere Kinder und Jugendliche, \u00fcbernehmen Einstellungen und Handlungen, indem sie das Verhalten von Vorbildern beobachten, bewerten und schlie\u00dflich selbst reproduzieren (Bandura, 2001). In digitalen Medienumgebungen, in denen Influencer*innen, Content Creator oder selbstironisch inszenierte \u201cAlpha Male\u201d-Figuren gro\u00dfe Reichweiten erzielen, fungieren solche Akteure als soziale Modelle, die bestimmte Formen von Geschlechtsidentit\u00e4t, \u00dcberlegenheitsanspruch und frauenverachtender Ideologie performen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In einer k\u00fcrzlich erschienen Studie, die sich mit dem Aufstreben misogyner Inhalte durch die Manosphere auseinandersetzt, wurde herausgefunden, dass Jugendliche insbesondere dann empf\u00e4nglich f\u00fcr solche Vorbilder sind, wenn diese als erfolgreich, authentisch oder \u201ccool\u201c wahrgenommen werden und gleichzeitig Anschluss an die Lebenswelt der Zielgruppe bieten (Haslop et al., 2024, S. 9). Inhalte, die etwa toxische M\u00e4nnlichkeitsideale inszenieren, wie Dominanzverhalten, Abwertung von Feminismus oder sexualisierte Gewaltfantasien, werden dabei nicht nur konsumiert, sondern zunehmend auch weiterverbreitet und verinnerlicht. Gerade Plattformen wie TikTok oder Instagram, deren algorithmische Empfehlungsstrukturen Inhalte anhand von Engagement belohnen, f\u00f6rdern die Sichtbarkeit solcher Modelle und deren Nachahmung (Regehr et al., 2024, S. 3; Thomas &amp; B\u00e1lint, 2022, S. 4).<\/p>\n\n\n\n<p>Bandura betont in diesem Zusammenhang die Rolle von Selbstwirksamkeit. Wenn Jugendliche in ihrem sozialen Umfeld wenig Orientierung oder Anerkennung erfahren, kann die Identifikation mit Online-Vorbildern eine L\u00fccke schlie\u00dfen, allerdings auch in problematischer Richtung, wenn dies mit menschenfeindlichen Ideologien verkn\u00fcpft ist. Die Kombination aus Identifikationsbereitschaft, algorithmisch verst\u00e4rktem Vorbildverhalten und einer oft fehlenden kritischen Medienkompetenz birgt damit ein erhebliches Radikalisierungspotenzial.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>2.3.2 Framing und Agenda Setting in Memes<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Memes sind zentrale Akteure politischer Kommunikation im digitalen Raum geworden. Durch ihre visuelle Kompaktheit, popkulturelle Anschlussf\u00e4higkeit und schnelle Reproduzierbarkeit eignen sie sich besonders gut, um politische Deutungsmuster zu transportieren und zu verankern (Huwald et al., 2023, S. 6). In Anlehnung an die Framing-Theorie von Entman (Entman, 1993, S. 52) werden in misogynen Meme-Formaten gezielt bestimmte Aspekte der Realit\u00e4t hervorgehoben, etwa die vermeintliche Gef\u00e4hrlichkeit feministischer Bewegungen oder die Vorstellung einer \u201everweichlichten\u201c Gesellschaft, w\u00e4hrend andere Perspektiven ausgeblendet werden. So entsteht ein Deutungsrahmen, der sexistische Narrative normalisiert, indem sie als humorvoll oder ironisch kodiert werden (NCTV, 2024, S. 6).<\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig fungieren Memes im Sinne des Agenda-Setting als Mittel zur Thematisierung und Priorisierung antifeministischer Inhalte. Die weite Verbreitung entsprechender Memes in Social-Media-Feeds sorgt daf\u00fcr, dass sexistische Botschaften hohe Sichtbarkeit erlangen und durch Humor h\u00e4ufig nicht als explizit politisch wahrgenommen werden. (Dafaure, 2022, S. 2). Dies beg\u00fcnstigt insbesondere bei Jugendlichen eine schleichende Verschiebung dessen, was gesellschaftlich als sagbar oder normal gilt (Knopp et al., 2023, S. 33).<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>2.3.3. Uses und Gratifications<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Die Uses-and-Gratifications-Theorie versteht Mediennutzung als zielgerichtetes Handeln, bei dem Rezipient*innen aktiv jene Angebote ausw\u00e4hlen, die spezifische Bed\u00fcrfnisse (gratifications) stillen (Katz et. al., 1973). Klassische Kategorien wie Information, Unterhaltung, soziale Interaktion, Identit\u00e4tsmanagement und Selbstwirksamkeit wurden in neueren Studien auf Social Media Szenarien \u00fcbertragen und erweitert. Unterhaltung, Eskapismus, Identit\u00e4tsexperimente sowie der Wunsch nach Viralit\u00e4t sind zentrale Nutzungsmotive (Stamenkovi\u0107, 2023; Vaterlaus &amp; Winter, 2021). Misogyne Memes profitieren davon in zweifacher Hinsicht. Erstens bedienen sie das Unterhaltungs- und Zugeh\u00f6rigkeitsbed\u00fcrfnis durch ironische Inszenierung, zweitens liefern sie in Phasen jugendlicher Unsicherheit scheinbar einfache Erkl\u00e4rungen zu Beziehung, M\u00e4nnlichkeit und Status. Wenn diese Bed\u00fcrfnisse innerhalb algorithmisch erzeugter Filterblasen befriedigt werden, verschr\u00e4nkt sich gratifikationsorientierter Konsum mit Confirmation Bias und Echo-Chamber-Strukturen, eine Konstellation, die die Aufnahme radikaler Gender-Narrative erleichtert und ihre Kritik erschwert. (Thomas &amp; B\u00e1lint, 2022; Haslop et. al., 2024)<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>2.4. Medienp\u00e4dagogik und politische Bildung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Aus den theoretisch beschriebenen Wirkmechanismen lassen sich Bewertungs- und Gestaltungsma\u00dfst\u00e4be ableiten, die auf medienp\u00e4dagogische Ans\u00e4tze als Mittel zur F\u00f6rderung von Medien- und Informationskompetenz angewendet werden k\u00f6nnen. Ziel ist zu skizzieren, wie digitale politische Bildung in plattformspezifischen Formaten ansetzt, welche Chancen und Reichweiten sich daraus ergeben und welche informellen Lernr\u00e4ume auf Social Media hierf\u00fcr relevant sind.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>2.4.1 Digitale politische Bildung<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Digitale politische Bildung hat sich in den letzten Jahren in Richtung formatvielf\u00e4ltiger, plattformangepasster Lernangebote entwickelt. Zentrale Leitplanken liefern die Kernprinzipien der Medienkompetenzbildung: Medienbotschaften sind konstruiert, verfolgen Zwecke, transportieren Werte und werden von Rezipient*innen aktiv gedeutet. Medienkompetenzbildung zielt deshalb auf starke, fall\u00fcbergreifende Kritikf\u00e4higkeit und evidenzbasierte Argumentation, nicht auf das Ersetzen von Perspektiven (National Association for Media Literacy Education, 2007, 2023). Lernende werden systematisch bef\u00e4higt, Fragen an Form, Funktion, Quelle, Intention und Wirkung von Inhalten zu stellen, auch dann, wenn sie den Aussagen zustimmen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Laut Digital News Report des Reuters Institute w\u00e4chst der Anteil von Social- und Videoplattformen f\u00fcr Nachrichten- und Politikbez\u00fcge besonders bei 18- bis 24-J\u00e4hrigen. Die Verlagerung auf Feeds und Creator-Vermittlung ver\u00e4ndert sowohl Zug\u00e4nge als auch Vertrauensurteile (Newman et. al., 2025, S. 10). F\u00fcr Angebote politischer Bildung hei\u00dft das, Sichtbarkeit entsteht nicht prim\u00e4r \u00fcber Websites, sondern \u00fcber kurzformatige, creator-nahe und serielle Inhalte, die Such-\/ Entdeckungsmechanismen ber\u00fccksichtigen. Mit Blick auf die deutsche F\u00f6rderlandschaft zeigen Projekte und Dossiers der Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung (bpb) konkret, wie Lernen mit und \u00fcber TikTok funktionieren kann. Diese Ressourcen rahmen TikTok didaktisch, ohne die Plattform unkritisch zu p\u00e4dagogisieren (B\u00f6sch, 2023). Zugleich weiten \u00f6ffentlich-rechtliche und beh\u00f6rdliche Akteure ihre Social-Media-Pr\u00e4senz aus, bis hin zu einem offiziellen TikTok-Kanal der Bundesregierung, wodurch die institutionelle Sichtbarkeit im Jugendumfeld erh\u00f6ht wird und Ankn\u00fcpfungspunkte f\u00fcr Bildungskooperationen geschaffen werden (Bundesregierung, 2025).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-tiktok wp-block-embed-tiktok\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<blockquote class=\"tiktok-embed\" cite=\"https:\/\/www.tiktok.com\/@bundeskanzler\/video\/7502839554605501718\" data-video-id=\"7502839554605501718\" data-embed-from=\"oembed\" style=\"max-width:605px; min-width:325px;\"> <section> <a target=\"_blank\" title=\"@bundeskanzler\" href=\"https:\/\/www.tiktok.com\/@bundeskanzler?refer=embed\">@bundeskanzler<\/a> <p>Take care and we keep in touch. Always if you want. You can call.  <a title=\"bundeskanzler\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.tiktok.com\/tag\/bundeskanzler?refer=embed\">#Bundeskanzler<\/a> <a title=\"friedrichmerz\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.tiktok.com\/tag\/friedrichmerz?refer=embed\">#FriedrichMerz<\/a> <a title=\"ukraine\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.tiktok.com\/tag\/ukraine?refer=embed\">#Ukraine<\/a>  <\/p> <a target=\"_blank\" title=\"\u266c Requiem for a Dream - Oleg Kirilkov\" href=\"https:\/\/www.tiktok.com\/music\/Requiem-for-a-Dream-6751083097405523969?refer=embed\">\u266c Requiem for a Dream &#8211; Oleg Kirilkov<\/a> <\/section> <\/blockquote> <script async src=\"https:\/\/www.tiktok.com\/embed.js\"><\/script>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>2.4.2 Informelle Bildungsr\u00e4ume auf Social Media<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Neben schulischen Settings entstehen informelle Lerngelegenheiten in den Feeds sozialer Netzwerke, h\u00e4ufig situativ und peer-gesteuert. Lernwirksam sind diese R\u00e4ume, wenn sie die Prinzipien der Medienkompetenzbildung implizit st\u00fctzen, z. B. wenn ein Creator die Quellensuche transparent macht, Stitch\/Duett-Funktionen f\u00fcr Metakommentare nutzt oder wenn Online-Communities eigene Fact-Checking-Routinen entwickeln. Peer-Programme wie das Teen Fact-Checking Network der dpa illustrieren, dass von Jugendlichen f\u00fcr Jugendliche produzierte, kurze Faktenchecks (u. a. auf TikTok) Reichweite mit Kompetenzaufbau verbinden, ohne schulische Bindungspflicht, aber mit redaktioneller Rahmung (Kollar, 2023; dpa, 2025).&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Peer-to-Peer-Lernen ist auch jenseits expliziter Faktenchecks relevant, etwa zur Einbindung von Jungen in kontroverse Debatten, z. B. bei M\u00e4nnlichkeits- oder Geschlechterfragen. Die Evidenzlage aus Gesundheits- und Medienkompetenzforschung zeigt, dass peer-basierte Interventionen Wissen und Einstellungen messbar beeinflussen, aber besonders dann wirken, wenn Inhalte zielgruppennah,&nbsp; identifikationsorientiert und sozial eingebettet sind (Widnall et al., 2024).&nbsp; Im Kontext digitaler politischer Bildung empfehlen internationale Leitf\u00e4den der Organization for Security and Co-operation in Europe (OSCE), Peer-Formate und Medienkompetenzbildung gezielt einzusetzen (OSCE, 2024).<\/p>\n\n\n\n<p>Aus medienp\u00e4dagogischer Sicht er\u00f6ffnet TikTok als multimodale Lernumgebung (Video, Text, Sound, Remix) besondere Gelegenheiten. Plattform-Kompetenz umfa\u00dft hier u. a. das Verstehen des For-You-Algorithmus, das Erkennen plattformspezifischer Frames (Trend-Sounds, Templates, Features), die Reflexion von Sichtbarkeitsanreizen und die Nachvollziehbarkeit von Schnitt\/Audio-Manipulation. Konkrete Materialien der Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung bieten hierf\u00fcr direkte Unterrichts- und Praxisimpulse (B\u00f6sch, 2023).&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Informelle R\u00e4ume sind keine Ersatzschule, aber hoch relevante Lern\u00f6kologien, in denen Medienkompetenzziele \u00fcber Peer-Governance, Creator-Kooperationen und sichtbare Verifikationspraktiken verankert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>2.4.3 Grenzen und Herausforderungen<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Trotz vielf\u00e4ltiger Chancen, die sich durch diese neuen Lernumgebungen ergeben, stehen P\u00e4dagog*innen vor massiven Herausforderungen und Grenzen, die von unterschiedlichen Faktoren beeinflusst werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Empfehlungsfeeds priorisieren Aufmerksamkeit, Verweildauer und Interaktionswahrscheinlichkeit. Empirisch zeigt sich, dass Filterblasen nicht monokausal sind, sondern Algorithmus- und Nutzerentscheidungen zusammenwirken. (Bakshy et al., 2015; Guess et al., 2019). Medienkompetenzbildung muss Selbstselektion thematisieren, Quellenvielfalt aktiv trainieren und algorithmische Lesekompetenz st\u00e4rken. Weiterhin k\u00f6nnen Netzwerkstrukturen Minderheitspositionen lokal mehrheits\u00e4hnlich erscheinen lassen (Filterblasen), was subjektive Normalit\u00e4t und Anschlusskommunikation verst\u00e4rkt (Lerman et al., 2016). Lernsettings ben\u00f6tigen Metareflexion \u00fcber Kennzahlen und Gegenbeispiele. Weiterhin zeigt die Forschung langfristige Versuche auf, gaming-nahe R\u00e4ume (Livestreams, Voice-Chat, Discord) f\u00fcr Ideologie-\u201eSeeding\u201c zu nutzen, indem konkrete Insider in der Sprache, Humor oder der \u00c4sthetik aufgegriffen werden (Schlegel, 2021). F\u00fcr politische Bildung erh\u00f6ht das die Notwendigkeit \u00e4sthetik-sensibler Analysen, z.B. von Memes, Wordings, Sound-Trends und Community-basierter Gegengewichte durch Creator-Kooperationen. TikTok vereint Remix-Affordanzen und algorithmische Feeds mit geringer Quellenaufsicht. Eine Analyse der Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung beschreibt sowohl Potenziale, wie niedrige Einstiegsh\u00fcrden als auch Risiken, z.B. Intransparenz oder personalisierte Realit\u00e4ten. F\u00fcr Medienkompetenzbildung spricht das f\u00fcr eine plattformbezogene Wissensvermittlung, Transparenzpraktiken zu Quellen und Begleitmaterial wie Checklisten oder Guidelines (Schmitt, 2023). Doch nicht alle Jugendlichen, und gerade vulnerable Gruppen, werden \u00fcber offene Feeds erreicht. Der OSCE-Rahmen f\u00fcr Medienkompetenzbildung im Kontext der Pr\u00e4vention von Radikalisierung betont daher Kontextsensibilit\u00e4t, Menschenrechtsorientierung und Kooperation mit Zivilgesellschaft\/Plattformen. Er r\u00e4t zu regional angepassten Formaten, die Offline-Angebote wie Workshops in Jugendzentren mit Online-\u00d6ffentlichkeiten verkn\u00fcpfen (OSCE, 2024).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>3. Forschungsstand<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Misogyne Inhalte im Internet sind kein neues Ph\u00e4nomen und konnten stets in diversen Foren auf Plattformen gefunden werden, jedoch wurde in den letzten Jahren von Organisationen und Forscher*innen ein deutlicher Anstieg von frauenfeindlichen Inhalten beobachtet. Dabei handelt es sich nicht nur um altmodische Geschlechterrollen und sexistische Witze, sondern auch um offene Aufrufe zu Gewalt gegen Frauen (Internetmatters.org, 2023). Neben dem Anstieg von misogynen Inhalten online konsumieren auch immer mehr Jugendliche und Kinder diese Inhalte aufgrund der Algorithmen der Plattformen (Regehr et. al., 2024). Die Verbreitung von misogynen Inhalten sowie deren Wirkung auf Jugendliche ist in den letzten Jahren in den Fokus von internationalen Studien ger\u00fcckt, nicht zuletzt auch wegen der steigenden Gewalt on- und offline gegen Frauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine k\u00fcrzlich durchgef\u00fchrte Studie von Regehr et. al. simulierte TikTok-Nutzungsverl\u00e4ufe anhand von Nutzerdaten, was die Erkenntnis brachte, dass die Empfehlungsrate von misogynen Inhalten nach f\u00fcnf Tagen von 13 Prozent auf 56 Prozent anstieg (Regehr et. al., 2024, S. 17). Eine weitere Studie der NGO Internetmatters hat beobachtet, dass die Inhalte dabei gezielt auch Themen wie Einsamkeit und mentale Gesundheit nutzten \u2013 anfangs bedienten sich die Creator an Themen wie soziale Unterschiede und zeigten Mitgef\u00fchl. Mit der zunehmenden Verweildauer stieg das Radikalisierungspotenzial, da die Inhalte zunehmend Gef\u00fchle wie Wut und Schuldzuweisungen erzeugen (Internetmatters.org, 2023, S. 2).<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c4hnliche Befunde zeigt die Pilotstudie Mapping the GerManosphere von G\u00fclay \u00c7a\u011flar et. al., in der \u00fcber 350 Akteure identifiziert wurden, die online frauenfeindliches Gedankengut und Gewaltfantasien verbreiten mit einem Fokus auf dem deutschsprachigen Raum. Eine Analyse des deutschen Raumes ist dabei besonders wichtig, da bisher ein Gro\u00dfteil der Forschung im amerikanischen Raum stattfand. Dabei stand der Fokus auf amerikanischen Influencer*innen wie Andrew Tate, den nach einer Umfrage im Jahr 2023 knapp ein Viertel der Befragten Jugendlichen positiv bewertet haben (Internetmatters.org, 2023, S. 2). Influencer*innen spielen aufgrund der Vorbildrolle auch in diesem Fall eine essentielle Rolle.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Dringlichkeit der Forschung wird besonders deutlich nach Berichten von Schulpersonal, dass online Inhalte und Rhetorik sich zunehmend in den Schulalltag integrieren \u2013 von sexistischen Spr\u00fcchen und Witzen bis hin zu Gewalt (Regher et. al., 2024). Begrifflichkeiten und Narrative aus ehemals Subkulturen wie den Incels gelangen in den Mainstream und werden unreflektiert von Kindern \u00fcbernommen. Auch Fachinterviews zeigen dabei deutlich, dass Inhalte wie Memes die Akzeptanz frauenfeindlicher Inhalte f\u00f6rdern (Temel et. al., 2024). Dadurch werden toxische M\u00e4nnlichkeitsbilder und konservative Geschlechterrollen, die Frauen abwerten, verfestigt (Temel et. al, 2024).<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der anderen Seite gibt es diverse Studien, die Ans\u00e4tze zur Pr\u00e4vention untersuchen. Diese setzen vermehrt auf Bildung, die kritisches Denken f\u00f6rdert mit der Absicht, Geschlechterstereotype und frauenfeindliche Inhalte zu hinterfragen (Washington, 2022). Dabei ist es wichtig, die Medienkompetenz von Jugendlichen zu verbessern, aber auch zu menschenfeindlichen und gewaltvollen Inhalten zu sensibilisieren (Stahel, S. 60). Daraus ergibt sich folgende Forschungsfrage:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Unter welchen Bedingungen unterst\u00fctzen Aufkl\u00e4rungsclips auf Social Media das Verst\u00e4ndnis und die Reflexion sexistischer Deutungsmuster bei Jugendlichen?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend die Aufmerksamkeit f\u00fcr misogyne Inhalte und die Wirkung in der Forschung steigt, fehlen bisher Studien mit Langzeit-Daten um fundierte Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahmen und Handlungsempfehlungen auszuarbeiten. Au\u00dferdem werden vermeintlich humorvolle Inhalte wie Memes nicht direkt in den Fokus genommen und subtile Witze und Codew\u00f6rter \u00fcbersehen, weshalb unsere Case Study sich genau mit dieser Thematik befasst. Ableitend stellt sich die Forschungsfrage: <em>Inwiefern beeinflussen vermeintlich humorvolle Elemente in misogynen Memes das Radikalisierungspotenzial von Jugendlichen und welche Elemente fungieren dabei als Wirkungshebel?<\/em><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>4. Forschungsdesign<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Das Forschungsdesign folgt einem dreistufigen, explorativen Mixed-Methods-Ansatz: (1) Zun\u00e4chst wurde eine Online-Umfrage unter Jugendlichen durchgef\u00fchrt, um Nutzungspraktiken, Kontakt- und Bewertungsmuster sowie Einstellungen zu Geschlechterrollen und Aufkl\u00e4rungsinhalten zu erfassen. (2) Darauf aufbauend erfolgte eine qualitative Inhaltsanalyse misogyn codierter Memes, die die in der Umfrage sichtbar gewordenen Rezeptionslogiken mit konkreten Darstellungsweisen auf TikTok verkn\u00fcpft. (3) Abschlie\u00dfend wurde eine Inhaltsanalyse politischer Bildungsinhalte vorgenommen, um didaktische und plattformnative Gestaltungsmerkmale zu identifizieren und mit den Befunden aus Umfrage und Meme-Analyse zu spiegeln. Beide Analysen orientierten sich am Verfahren der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring, um systematisch Kategorien zu entwickeln und zentrale Wirkmechanismen zu erfassen (Mayring, 2019).<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>4.1 Umfrage<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Die Online-Umfrage wurde als anonyme, freiwillige Querschnittsbefragung (Formular) mit einer Auswertungsstichprobe von N = 75 m\u00e4nnlichen Jugendlichen (12\u201315 Jahre) umgesetzt. Erhoben wurden: t\u00e4gliche Nutzungsdauer (kategorial), genutzte Plattformen (Mehrfachnennungen), Kontakt und Bewertung misogyn codierter Memes, ein Rollenstereotypie-Index, soziale Kontexte sowie Kontakt, Qualit\u00e4ten und Gesamtbewertung von Aufkl\u00e4rungsinhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus mehreren inhaltlich zusammengeh\u00f6rigen Items wurden zusammengesetzte Indizes gebildet und zur Vergleichbarkeit auf 0\u20131 reskaliert.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Rollenstereotypie-Index (0\u20131): h\u00f6here Werte = traditionellere Rollenannahmen.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Bewertungs-\/Akzeptanzindex Aufkl\u00e4rungsinhalte (0\u20131): h\u00f6here Werte = neutralere\/positivere Haltung gegen\u00fcber Aufkl\u00e4rungscontent.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Dichotome Variablen wurden deskriptiv als Anteile (%) berichtet. Die konkrete Itemzusammensetzung, Codierung und Reskalierung ist im Anhang dokumentiert. Reliabilit\u00e4ten wurden im Rahmen des explorativen Designs nicht ausgewiesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Analyse erfolgte deskriptiv sowie \u00fcber Kreuztabellen zentraler Zusammenh\u00e4nge. Aufgrund der explorativen, nicht repr\u00e4sentativen Stichprobe wurden keine Inferenztests berichtet. Ethisch wurde auf Anonymit\u00e4t, Freiwilligkeit und die Vermeidung personenbezogener Daten geachtet. Grenzen liegen u. a. in Selbstbericht, Gelegenheitsstichprobe und der nicht kausal interpretierbaren Querschnittslage.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Umfrage dient im Design als Grundlage f\u00fcr die beiden inhaltlichen Analyseschritte: Sie informierte die Stichprobenauswahl und den Kodierfokus der Meme-Analyse und begr\u00fcndete die Gewichtung zentraler didaktischer Merkmale in der Analyse der Bildungsinhalte. So werden Triangulationen zwischen Nutzung\/Pr\u00e4ferenzen (Umfrage), Wirkhebeln problematischer Inhalte (Meme-Analyse) und Gestaltungsmerkmalen wirksamer Aufkl\u00e4rungsclips (Bildungsanalyse) m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>4.2 Inhaltsanalyse Memes&nbsp;<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Inhaltsanalyse der Memes wurden im ersten Schritt zehn Memes randomisiert auf TikTok ausgesucht. Um den Einfluss der eigenen bereits aufgebauten Pr\u00e4ferenzen wurden daf\u00fcr neue Profile erstellt und durch Gef\u00e4llt mir Angaben bei konservativen Videos der Algorithmus trainiert, um geeignete Video-Memes ausgespielt zu bekommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Darauf wurden die Memes anhand von sieben ausgew\u00e4hlten typische Meme-Archetypen codiert: Abwertung durch Humor, m\u00e4nnliche \u00dcberlegenheit, Opfer-T\u00e4ter-Umkehr, Pseudo-Dating-Regeln, Body-Shaming, Anti-Feminismus und Pseudowissenschaft. Au\u00dferdem wurden die Memes die Wirkungshebel codiert anhand von f\u00fcnf Punkten: Modellskript (M1), Humor (M2), Frames (M3), Plattform-Affordanzen (M4) und Gratifikation (M5). Diese wurden auf einer Skala von null bis zwei codiert, wobei null bedeutet, dass der Wirkungshebel fehlt und zwei, dass der Wirkungshebel deutlich identifizierbar ist. Aus Basis der Codes wurde ein Meme-Score aus der Summe gebildet, der die Wirksamkeit der Memes angibt:&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Meme-Wirkungs-Score = M1 + M2 + M3 + M4 + M5&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Au\u00dferdem wurde die Resonanz der Memes anhand der Angabe von Gef\u00e4llt-mir-Angaben, Kommentaren und Shares dokumentiert.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>4.3 Inhaltsanalyse Bildungsinhalte<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Analyse der Aufkl\u00e4rungsclips wurden sechs Kurzvideos auf TikTok ausgew\u00e4hlt, die sich thematisch mit Misogynie im Netz befassen und verschiedene Creator-Typen abdecken (Institution, NGO, unabh\u00e4ngige Creator). Die Auswahl erfolgte zweckorientiert, um zentrale didaktische Ansatzformen sowie plattformspezifische Macharten zu ber\u00fccksichtigen. Die Resonanz (Likes\/Kommentare\/Shares) wurden deskriptiv mitdokumentiert, ohne sie als Qualit\u00e4tsma\u00df allein zu interpretieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Clips wurden anschlie\u00dfend anhand didaktischer Wirkhebel codiert: K\u00fcrze &amp; Struktur (B1), Verst\u00e4ndlichkeit (B2), Lebensweltbezug (B3), Transparenz\/Quellen (B4), Call-to-Think (B5), Debunking (B6), Humor (B7), Sprachebene\/Peer-Ton (B8), TikTok-Elemente\/Affordanzen (B9) sowie Peer-Tonalit\u00e4t (B10). Die Codierung erfolgte auf einer dreistufigen Skala (0\u20132), wobei 0 = Merkmal fehlt, 1 = teilweise erkennbar und 2 = klar ausgepr\u00e4gt bedeutet. On-Screen-Quellen (Links\/Screenshost) wurden bei B4 h\u00f6her bewertet als rein verbale Bez\u00fcge.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Zur Einsch\u00e4tzung der Anschlussf\u00e4higkeit wurde ein Anschluss-Index berechnet, der die in der Umfrage als wichtig identifizierten Treiber kurz, verst\u00e4ndlich, lebensweltlich st\u00e4rker gewichtet:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Anschluss-Index = 2\u00d7(B1+B2+B3) + (B4+B5+B6+B9+B10).<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Erg\u00e4nzend wurden Resonanzdaten (Likes\/Kommentare\/Shares) erfasst, um Kontext zu geben. M\u00f6gliche Verzerrungen durch Account-Gr\u00f6\u00dfe und Bestands-Audience wurden bei der Interpretation ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>4.4 G\u00fctekriterien und Limitation<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>\u200b\u200bUm die wissenschaftliche Qualit\u00e4t zu gew\u00e4hrleisten, wurden bei der Case Study etablierte sozialwissenschaftliche G\u00fctekriterien eingehalten. Die anonyme Online-Umfrage erfolgte standardisiert mit einheitlichen Fragen und Antwortoptionen. Die Fragen wurden aus der Theorie abgeleitet, um die Inhaltsvalidit\u00e4t zu garantieren. Die Inhaltsanalyse erfolgte nach einem klar definierten Codebuch, um auch die Reliabilit\u00e4t sicherzustellen. Die Ergebnisse wurden theoriegeleitet ausgewertet.<\/p>\n\n\n\n<p>Da die Stichprobe nur 75 Jungen aus Berlin umfasst, sind die Ergebnisse nur eingeschr\u00e4nkt verallgemeinbar. Die Ergebnisse w\u00fcrden in Regionen au\u00dferhalb Berlin wom\u00f6glich anders aussehen und es wird eine progressivere Einstellung in Berlin vermutet. Au\u00dferdem k\u00f6nnen die Antworten bei der Umfrage verzerrt sein durch soziale Erw\u00fcnschtheit. Die Auswahl der Memes und Aufkl\u00e4rungsvideos wurde durch den TikTok-Algorithmus beeinflusst. Auch wenn zur Sicherstellung der Objektivit\u00e4t neue Accounts erstellt wurden, gab es nur eine eingeschr\u00e4nkte Kontrolle dar\u00fcber, wie repr\u00e4sentativ die Inhalte f\u00fcr Memes sind, die Jugendliche in dem Alter tats\u00e4chlich konsumieren.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>5. Auswertung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Dieses Kapitel b\u00fcndelt die empirischen Ergebnisse unserer Case Study und f\u00fchrt sie entlang der Forschungsfragen zusammen:<em> Inwiefern tragen misogyne Memes zur Radikalisierung Jugendlicher bei \u2013 und welches Pr\u00e4ventionspotenzial hat digitale politische Bildung?<\/em> Die Auswertung erfolgt in drei Schritten: (1) eine Online-Umfrage unter 12- bis 15-j\u00e4hrigen Sch\u00fclern, (2) eine Inhaltsanalyse misogyn codierter Memes und (3) eine Inhaltsanalyse ausgew\u00e4hlter Aufkl\u00e4rungsinhalte auf TikTok. Wir berichten vorrangig Prozentwerte, Mittelwerte und Muster, die f\u00fcr die Theoriemodelle relevant sind, und stellen Bez\u00fcge zwischen Nutzungsmustern, Meme-Mechaniken und didaktischen Merkmalen her. Die Ergebnisse sind explorativ und nicht repr\u00e4sentativ, sie liefern jedoch robuste Hinweise darauf, wo Risiko- und Schutzfaktoren im digitalen Alltag Jugendlicher liegen und welche Gestaltungsprinzipien politische Bildungsarbeit im Netz wirksam machen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>5.1. Umfrage<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:100%\">\n<p>An der Umfrage haben 75 Sch\u00fcler von Berliner Schulen im Alter zwischen zw\u00f6lf und f\u00fcnfzehn Jahren teilgenommen. Die Altersspanne wurde bewusst ausgesucht, da es aus der entwicklungspsychologischer Sicht die Phase der Identit\u00e4tsentwicklung ist. Au\u00dferdem sind in diesem Alter Peer-Gruppen und Online-Communities besonders bedeutend. Die Bedeutung von Online-Communities wird deutlich durch den t\u00e4glichen Gebrauch von sozialen Medien. 30 Prozent der Sch\u00fcler geben an, dass sie \u00fcber vier Stunden t\u00e4glich im Internet verbringen. Dar\u00fcber hinaus geben neunzehn der Sch\u00fcler an, ihre Zeit haupts\u00e4chlich mit Menschen online zu verbringen. Die Recherche und Umfrage deuten an, dass bei vielen Sch\u00fclern Online-Communities reale Freundesgruppen ersetzen und den Sch\u00fclern wom\u00f6glich die Zugeh\u00f6rigkeit und Best\u00e4tigung geben, die sie sonst im privaten Umfeld nicht finden (Suter et. al., 2023). <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"487\" src=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-16-1024x487.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-740\" style=\"width:642px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-16-1024x487.png 1024w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-16-300x143.png 300w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-16-768x365.png 768w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-16-1536x730.png 1536w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-16-2048x974.png 2048w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-16-648x308.png 648w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-16-404x192.png 404w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p>Das zeigt, dass die Peer-Gruppen online auch ein zentraler Sozialisationsraum geworden sind. Mit der Mediennutzungsintensit\u00e4t steigt auch der Kontakt zu misogynen Memes deutlich (\u2265 4 Std.\/Tag: 78,3 %). Das st\u00fctzt die Annahme, dass gratifikations- und plattformlogische Mechanismen (algorithmische Verst\u00e4rkung von zuvor interagieren Inhalten) die Sichtbarkeit solcher Memes in Kurzvideo-Feeds erh\u00f6hen. Zeitgem\u00e4\u00df verbringt der Gro\u00dfteil der Befragten t\u00e4glich mehrere Stunden auf den Plattformen TikTok, Youtube, Instagram und Twitch. Bei den angegebenen Accounts, dem die Befragten folgen, ist auff\u00e4llig, dass die meisten Accounts auch von M\u00e4nnern betrieben werden. Viele der Accounts sind aus dem Gaming Bereich, aber auch gro\u00dfe amerikanische Influencer wie Mr. Beast. Wie bereits in der Theorie etabliert, sehen Jugendliche mittlerweile auch Influencer als Rollenbilder f\u00fcr sich (Suter et. al., 2023). Dies l\u00e4sst vermuten, dass die online Rollenbilder der Befragten auch haupts\u00e4chlich m\u00e4nnlich und aus der Gaming Community sind.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Um die Wirkung und das Radikalisierungspotenzial von Memes einsch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen, wurden die Sch\u00fcler bei der Umfrage auch nach ihrem Wohlbefinden befragt. Die Mehrheit antwortet auf die Frage \u201cWie gehts dir?\u201d mit \u201cGanz okay\u201d oder \u201cSchwer zu sagen\u201d. Ein F\u00fcnftel gibt an, sie f\u00fchlen sich \u201ceher gelangweilt\u201d oder \u201ctraurig und gestresst\u201d. Die negativen Gef\u00fchle h\u00e4ngen bei ihnen zusammen mit \u201cSchulproblemen\u201d oder \u201cStress zu Hause\u201d. Au\u00dferdem geben 18,1 Prozent an, sie f\u00fchlen sich oft bis sehr oft alleine. Ableitend von der Theorie stellen Einsamkeit, Unzufriedenheit und fehlendes Zugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl einen Push-Faktor f\u00fcr Radikalisierung dar und k\u00f6nnen als Einstiegspunkt f\u00fcr Misogynie und weitere problematische Narrative gewertet werden (Maurer et. al., 2024).<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"431\" src=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-20-1024x431.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-745\" srcset=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-20-1024x431.png 1024w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-20-300x126.png 300w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-20-768x323.png 768w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-20-1536x646.png 1536w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-20-2048x862.png 2048w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-20-648x273.png 648w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-20-456x192.png 456w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Bei der Frage, wie viele der Befragten bereits misogyne Memes online gesehen haben, wird die weite Verbreitung und Normalisierung der Memes deutlich, denn \u00fcber 60 Prozent geben an, bereits solche Memes gesehen zu haben. Auf die Frage, wie sie solche Inhalte finden, geben 20 Prozent an, sie \u201clustig\u201d zu finden. Jugendliche mit Discord-Nutzung berichten h\u00e4ufiger Kontakt (79,2 %) und positivere Bewertung solcher Memes (41,7 % \u201elustig\u201c). Dabei wird deutlich, dass die Grenze zwischen Humor und Abwertung verschwimmt und sexistische Stereotype verharmlost werden. Humor kann hier als Einstieg f\u00fcr die Normalisierung und Verbreitung von misogynen Narrativen dienen. Die Verharmlosung solcher Inhalte kann au\u00dferdem zu einer Reduktion von Empathie gegen\u00fcber Betroffenen f\u00fchren. Der Gro\u00dfteil der Befragten gibt an, nicht bewusst \u00fcber die Inhalte nachzudenken.&nbsp; Diese fehlende Reflektion deutet auch auf eine schleichende Normalisierung hin.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Um die Wirkung von Memes auf Geschlechterrollen zu analysieren, wurden die Befragten gebeten, Aussagen zur Rolle von Jungs und M\u00e4dchen zu bewerten. Die Aussagen basieren auf traditionellen Geschlechterrollen, die in misogynen Memes reproduziert werden. Der Aussage, dass ein richtiger Junge keine Gef\u00fchle zeigt, hat \u00fcber die H\u00e4lfte abgelehnt, allerdings haben ein Viertel dem zugestimmt. 29 Prozent stimmen der Aussage zu, dass ein Junge viele M\u00e4dchen beeindrucken sollte und 25 Prozent stimmen zu, dass Jungs den Ton in der Beziehung angeben sollten. Zur Rolle von M\u00e4dchen haben 30 Prozent zugestimmt, dass M\u00e4dchen sich um andere k\u00fcmmern sollten, da es in ihrer Natur liegt. Diese traditionellen Rollenbilder finden sich in Subkulturen von toxischer M\u00e4nnlichkeit wieder und stellen M\u00e4nner als stark dar (Wacker, 2006). Frauen werden hingegen als schwach, f\u00fcrsorglich, ruhig und zur\u00fcckhaltend dargestellt (Wacker, 2006). Die Verbreitung und Normalisierung von traditionellen Rollenbildern durch Memes kann dabei die Entwicklung von Jugendlichen pr\u00e4gen und gibt ihnen ein klares Gef\u00fchl davon, wie sich M\u00e4nner und Frauen zu verhalten haben (Washington et. al., 2022).\u00a0 <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"431\" src=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-21-1024x431.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-746\" srcset=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-21-1024x431.png 1024w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-21-300x126.png 300w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-21-768x323.png 768w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-21-1536x646.png 1536w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-21-2048x862.png 2048w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-21-648x273.png 648w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-21-456x192.png 456w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Befragte, die misogyne Memes als \u201elustig\u201c finden, weisen im Mittel traditionellere Rollenbilder auf (Stereotypie-Index M = 1,38) als Befragte ohne diese Bewertung (M = 0,75). Humor fungiert damit als normalisierender Frame, der anschlussf\u00e4hige Deutungen von Geschlechterrollen beg\u00fcnstigt. Hier lassen sich auch Pull-Faktoren ableiten: das Gef\u00fchl von St\u00e4rke als Mann, sowie die Kontrolle und \u00dcberlegenheit \u00fcber Frauen. Dies kann vor allem Jugendliche anziehen, die sich in ihrem Alltag einsam f\u00fchlen, negative Erfahrungen oder Abweisung erlebt haben und keine Kontrolle \u00fcber ihre Entscheidungen haben. Der Konsum von misogynen Memes kann aufgrund des starken Wirkungspotenziales dabei ein Einstiegspunkt f\u00fcr die ideologische Radikalisierung sein.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"431\" src=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-22-1024x431.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-747\" srcset=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-22-1024x431.png 1024w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-22-300x126.png 300w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-22-768x323.png 768w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-22-1536x646.png 1536w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-22-2048x862.png 2048w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-22-648x273.png 648w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-22-456x192.png 456w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Als Ursprungbewegung von misogynen Memes ist die Reichweite von Begriffen und Narrativen aus der Incel-Subkultur besonders interessant. Schon bei der Recherche nach Memes ist aufgefallen, dass Begriffe aus der Subkultur im Mainstream angekommen sind. Bei der Umfrage geben \u00fcber 80 Prozent an, Begriffe \u201cSigma Boy\u201d und \u201cAlpha Male\u201d zu kennen. Die Begriffe k\u00f6nnten durch die weite Verbreitung als Einstiegspunkt in weitere toxische Narrative dienen. Besorgniserregend ist die Tatsache, dass f\u00fcnf Teilnehmer extreme Begriffe aus der Subkultur wie \u201cRoping\u201d und \u201cFemoid\u201d kennen. W\u00e4hrend es sich bei dem ersten Begriff um Suizid handelt, welcher von Incels benutzt wird, wenn sie keine Hoffnung mehr f\u00fcr sich sehen aufgrund des Incel-Seins, handelt es sich beim zweiten Begriff um eine starke Abwertung von Frauen (Amadeu Antonio Stiftung, 2021). Der Begriff \u201cFemoid\u201d setzt sich zusammen aus den Worten \u201cfemale\u201d und \u201chumanoid\u201d zusammen und entmenschlicht dabei Frauen. Der Begriff wird genutzt, um Frauen auf ihre biologische Funktion als geb\u00e4rf\u00e4hige Menschen zu reduzieren (Amadeu Antonio Stiftung, 2021). Der Fakt, dass Jugendliche im jungen Alter den Begriff kennen, zeigt, wie weitreichend die extremen und toxischen Narrative aus der Incel-Bewegung sind und unterstreicht das Wirkungspotenzial.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"520\" src=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-23-1024x520.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-748\" srcset=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-23-1024x520.png 1024w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-23-300x152.png 300w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-23-768x390.png 768w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-23-1536x781.png 1536w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-23-2048x1041.png 2048w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-23-648x329.png 648w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-23-378x192.png 378w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Ein Gro\u00dfteil der Befragten (67 von 75) gaben an, bereits Aufkl\u00e4rungsinhalte zu den Themen Gef\u00fchle, Mobbing oder Gerechtigkeit gesehen zu haben. Diese wurden vor allem \u00fcber TikTok ( 62,7 %) und YouTube (55,2 %) angeschaut, Instagram liegt bei 29,9 Prozent. Schul-Apps und WhatsApp wurden deutlich seltener genannt. Das spricht f\u00fcr eine prim\u00e4r plattformnative Ansprache \u00fcber Kurzvideo- und Creator-Formate, wie sie auf TikTok, YouTube und Instagram \u00fcblich sind. Am h\u00e4ufigsten heben die Befragten hervor, dass Inhalte \u201eeinfach erkl\u00e4rt\u201c sind (43,3 %) und \u201ekurz und verst\u00e4ndlich\u201c (34,3 %). Ebenfalls relevant ist der Lebensweltbezug (\u201eThemen, die mich betreffen\u201c, 19,4 %). Seltener werden \u201ewitzig\/kreativ\u201c (7,5 %) genannt, 7,5 % geben an, solche Inhalte nicht zu m\u00f6gen, 28,4 % sind unsicher oder wissen es nicht. Unter denjenigen, die solche Inhalte gesehen haben, wurden sie \u00fcberwiegend neutral-positiv bewertet (\u201eOkay\u201c 56,7 %, \u201eGut\u201c 32,8 %, \u201eEher nicht gut\u201c 9,0 %, \u201eGar nicht gut\u201c 1,5 %). Damit sind pr\u00e4ventiv-p\u00e4dagogische Formate grunds\u00e4tzlich anschlussf\u00e4hig, sofern sie kurz, verst\u00e4ndlich und lebensweltlich bleiben. Befragte mit positiver Bewertung der Aufkl\u00e4rungsinhalte (\u201eGut\u201c) weisen im Mittel einen niedrigeren Rollenstereotypie-Index auf (M = 0,65) als Befragte mit neutraler Haltung (\u201eOkay\u201c: M = 0,98) oder eher negativer Bewertung (\u201eEher nicht gut\u201c: M = 1,17). Die kleine Gruppe \u201eGar nicht gut\u201c zeigt M = 0,56 (n gering). Das deutet darauf hin, dass akzeptierte Aufkl\u00e4rungsimpulse mit weniger stereotypen Rollenannahmen einhergehen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"464\" src=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-24-1024x464.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-749\" srcset=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-24-1024x464.png 1024w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-24-300x136.png 300w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-24-768x348.png 768w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-24-1536x697.png 1536w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-24-2048x929.png 2048w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-24-648x294.png 648w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-24-423x192.png 423w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"487\" src=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-25-1024x487.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-750\" srcset=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-25-1024x487.png 1024w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-25-300x143.png 300w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-25-768x365.png 768w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-25-1536x730.png 1536w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-25-2048x974.png 2048w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-25-648x308.png 648w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/image-25-404x192.png 404w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Zusammenfassend l\u00e4sst sich sagen, dass die zentrale Rolle von Online-Communities und die Normalisierung von misogynen Humor gekoppelt mit psychosozialen Faktoren wie Einsamkeit und fehlendes Zugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl die Anf\u00e4lligkeit f\u00fcr Radikalisierung stark erh\u00f6hen k\u00f6nnen. Ein gro\u00dfer Teil der Befragten stimmt traditionellen Rollenbildern zu, die M\u00e4nner als stark und \u00fcberlegen darstellen. Die Ergebnisse weisen nicht nur auf eine Normalisierung von misogynen Gedankengut auf online Plattformen hin, sondern auch, dass sich dieses Gedankengut auf die Denkweisen der Jugendlichen auswirken kann. Die Inhalte k\u00f6nnen langfristige Folgen f\u00fcr die Identit\u00e4tsentwicklung und Werte von Jugendlichen haben. Gleichzeitig werden aufkl\u00e4rerische Inhalte \u00fcberwiegend neutral bis positiv bewertet, besonders, wenn sie kurz, verst\u00e4ndlich und lebensweltlich sind. Dies bietet einen konkreten Ankn\u00fcpfungspunkt f\u00fcr pr\u00e4ventive Bildungsarbeit. Auff\u00e4llig ist zudem, dass Befragte mit positiver Haltung zu solchen Aufkl\u00e4rungsformaten tendenziell seltener traditionellen Rollenannahmen zustimmen, was auf ein m\u00f6gliches Schutzpotenzial niedrigschwelliger Aufkl\u00e4rung hinweisen kann.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>5.2. Auswertung der Inhaltsanalysen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>In diesem Abschnitt werden zentrale Muster aus der Analyse von zehn misogynen TikTok-Memes sowie sechs Bildungsclips dargestellt. Ziel ist es, die Wirkmechanismen beider Formate zu verstehen: <em>Wie tragen Memes zur Normalisierung von Misogynie bei, und welche Faktoren machen Bildungsinhalte anschlussf\u00e4hig? <\/em>Grundlage der Auswertung sind theoriegeleitete Codes, die auf plattformspezifische Hebel, Sprache und soziale Effekte fokussieren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>5.2.1. Auswertung ausgew\u00e4hlter Memes<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Auswertung der Memes wurden zehn TikTok-Videos analysiert, die typischen misogynen Content repr\u00e4sentieren. Sie beinhalten Elemente wie Abwertung durch Humor, T\u00e4ter-Opfer-Umkehr sowie Incel-Sprach. Die Memes wurden anhand der definierten Wirkhebel (M-Codes) codiert, um die Frage zu beantworten, welche Mechanismen die Normalisierung von misogynen Content unterst\u00fctzt sowie das Radikalisierungspotenzial erh\u00f6ht.<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt findet sich eine starke Kombination aus Humor und plattformtypischen Elementen wieder. Typische Affordanzen sind dabei Text-Overlays, virale Sounds und Trends, die genutzt werden, um die misogyne Kernaussagen vereinfacht zu kommunizieren. Somit erweist sich Humor und die Plattformlogiken als zentrale Hebel, die die abwertenden Inhalte als Entertainment und Trends tarnen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-tiktok wp-block-embed-tiktok\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<blockquote class=\"tiktok-embed\" cite=\"https:\/\/www.tiktok.com\/@davizin_ba06\/video\/7492511150534331679\" data-video-id=\"7492511150534331679\" data-embed-from=\"oembed\" style=\"max-width:605px; min-width:325px;\"> <section> <a target=\"_blank\" title=\"@davizin_ba06\" href=\"https:\/\/www.tiktok.com\/@davizin_ba06?refer=embed\">@davizin_ba06<\/a> <p>Im lost <a title=\"girlfriend\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.tiktok.com\/tag\/girlfriend?refer=embed\">#girlfriend<\/a> <a title=\"women\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.tiktok.com\/tag\/women?refer=embed\">#women<\/a> <a title=\"target\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.tiktok.com\/tag\/target?refer=embed\">#target<\/a> <a title=\"fyp\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.tiktok.com\/tag\/fyp?refer=embed\">#fyp<\/a> @maria\ud83c\udf80 <\/p> <a target=\"_blank\" title=\"\u266c Careless Whisper - \ud835\udcdc\ud835\udcea\ud835\udced\ud835\udcee\ud835\udcf5\ud835\udcf2\ud835\udcf7\ud835\udcee\" href=\"https:\/\/www.tiktok.com\/music\/Careless-Whisper-7399744677647993632?refer=embed\">\u266c Careless Whisper &#8211; \ud835\udcdc\ud835\udcea\ud835\udced\ud835\udcee\ud835\udcf5\ud835\udcf2\ud835\udcf7\ud835\udcee<\/a> <\/section> <\/blockquote> <script async src=\"https:\/\/www.tiktok.com\/embed.js\"><\/script>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Das Radikalisierungspotenzial wird vor allem durch den Status- und Zugeh\u00f6rigkeitsgewinn verst\u00e4rkt. Die durch den Content vermittelten einfachen und scheinbar logischen Weltbilder und Stereotype geben den Nutzer*innen ein Gef\u00fchl von \u00dcberlegenheit und Zugeh\u00f6rigkeit. Die Algorithmen und Plattformlogiken f\u00fchren au\u00dferdem dazu, dass \u00e4u\u00dfere Probleme und Sorgen ausgeblendet werden oder sogar eine Erkl\u00e4rung f\u00fcr diese liefern. Die Kombination aus Humor und Vereinfachung der Inhalte f\u00fchrt zur Normalisierung von gewaltvollen Inhalten und verschiebt dabei die moralischen Grenzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Schaut man sich die Meme-Wirksamkeits-Werte an, wird deutlich, dass Inhalte mit Meme-Templates und simplen, abwertenden Aussagen \u00fcber Frauen eine hohe Anschlussf\u00e4higkeit aufweisen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-tiktok wp-block-embed-tiktok\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<blockquote class=\"tiktok-embed\" cite=\"https:\/\/www.tiktok.com\/@memezlla\/video\/7467496232345242885\" data-video-id=\"7467496232345242885\" data-embed-from=\"oembed\" style=\"max-width:605px; min-width:325px;\"> <section> <a target=\"_blank\" title=\"@memezlla\" href=\"https:\/\/www.tiktok.com\/@memezlla?refer=embed\">@memezlla<\/a> <p>\ud83d\ude2a\ud83e\udd26\ud83c\udffc\u200d\u2642\ufe0f <a title=\"memezlla\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.tiktok.com\/tag\/memezlla?refer=embed\">#memezlla<\/a> <a title=\"tictokmemes\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.tiktok.com\/tag\/tictokmemes?refer=embed\">#tictokmemes<\/a> <a title=\"memestiktok\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.tiktok.com\/tag\/memestiktok?refer=embed\">#memestiktok<\/a> <a title=\"blowup\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.tiktok.com\/tag\/blowup?refer=embed\">#blowup<\/a> <a title=\"fyppage\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.tiktok.com\/tag\/fyppage?refer=embed\">#fyppage<\/a> <a title=\"goviral\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.tiktok.com\/tag\/goviral?refer=embed\">#goviral<\/a>  <\/p> <a target=\"_blank\" title=\"\u266c original sound - MEMEZILLA\" href=\"https:\/\/www.tiktok.com\/music\/original-sound-7467496244400409350?refer=embed\">\u266c original sound &#8211; MEMEZILLA<\/a> <\/section> <\/blockquote> <script async src=\"https:\/\/www.tiktok.com\/embed.js\"><\/script>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Die hohen Interaktionszahlen der Videos zeigen wie beliebt solche Inhalte sind. Vor Allem auf TikTok findet sich eine gro\u00dfe Community, die misogyne Inhalte interessant findet.<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt best\u00e4tigt die Inhaltsanalyse der Memes, dass Humor, Plattformlogiken und soziale Gratifikationen die dominanten Hebel sind. Um diese Inhalte und daraus entstehende Gedankengut nachhaltig zu ver\u00e4ndern, braucht es eine erfolgreiche Aufkl\u00e4rung. Diese muss mit den drei Haupthebeln der K\u00fcrze, Verst\u00e4ndlichkeit und Alltagsbezug arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>5.2.2. Auswertung der Bildungsinhalte<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Auswertung der Bildungsinhalte wurden sechs TikTok-Kurzvideos, die sich mit Misogynie im Netz befassen, entlang der zuvor definierten Codes (B-Codes) analysiert. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche didaktischen und plattformtypischen Merkmale die Anschlussf\u00e4higkeit an die Zielgruppe erh\u00f6hen. Die B-Codes wurden theoriegeleitet und anhand der Umfrageergebnisse operationalisiert. Deshalb wurden K\u00fcrze &amp; Struktur, Verst\u00e4ndlichkeit und Lebensweltbezug (B1\u2013B3) im Anschluss-Index doppelt gewichtet, da sie in der Umfrage als zentrale Motivatoren angegeben wurden.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-tiktok wp-block-embed-tiktok\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<blockquote class=\"tiktok-embed\" cite=\"https:\/\/www.tiktok.com\/@scrollnichtweg\/video\/7373708241089383713\" data-video-id=\"7373708241089383713\" data-embed-from=\"oembed\" style=\"max-width:605px; min-width:325px;\"> <section> <a target=\"_blank\" title=\"@scrollnichtweg\" href=\"https:\/\/www.tiktok.com\/@scrollnichtweg?refer=embed\">@scrollnichtweg<\/a> <p><\/p> <a target=\"_blank\" title=\"\u266c Originalton - scroll nicht weg\" href=\"https:\/\/www.tiktok.com\/music\/Originalton-7373708339982699297?refer=embed\">\u266c Originalton &#8211; scroll nicht weg<\/a> <\/section> <\/blockquote> <script async src=\"https:\/\/www.tiktok.com\/embed.js\"><\/script>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>Insgesamt zeigen die meisten Clips eine peer-nahe Sprechart und eine konsequent visuelle Ausgestaltung. Untertitel und Text-Overlays sind in allen F\u00e4llen vorhanden und st\u00fctzen die Kernaussagen. K\u00fcrze und klare Struktur erweisen sich erwartungskonform als zentrale St\u00e4rke der anschlussf\u00e4higen Beitr\u00e4ge. Formate mit Hook und kompakter TikTok-Dramaturgie (Problem\/ Beispiel\/ Erkl\u00e4rung\/ kurzer Abschluss) schneiden konsistent besser ab als l\u00e4ngere Videos. Die Verst\u00e4ndlichkeit ist insgesamt hoch, punktuell fehlen bei bestimmten Fachbegriffen aber noch Erkl\u00e4rungen, was auf die Zielgruppe verwirrend wirken kann. Lebensweltbez\u00fcge sind vorhanden, indem Vergleiche angebracht werden, der Zuschauende wird allerdings in keinem der Videos konkret dazu angehalten, eine Situation auf das eigene Leben zu \u00fcbertragen. Transparenz wirkt als klarer Differenzierungsfaktor, Videos mit On-Screen-Quellen (Link, Screenshot) erh\u00f6hen die Anschlussf\u00e4higkeit gegen\u00fcber rein verbalen Bez\u00fcgen. Reflexionsimpulse und das Aufdecken von Falschinformationen und Manipulationstechniken (Debunking) sind teils vorhanden, allerdings oft indirekt formuliert. Humor taucht, konsistent mit Thema und Umfrage, nicht als Stilmittel auf, wodurch Missverst\u00e4ndnisse vermieden werden. Ein auff\u00e4lliger Reichweitenhebel ist die Nutzung von der Peer-Tonalit\u00e4t und von Plattform-Affordanzen wie Stitches oder typischer Plattform-Dramaturgien, die in vier F\u00e4llen sichtbar genutzt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Detail erreichen die Videos von \u201ckimphilipsc\u201d (Freiz\u00fcgigkeit \u2260 Schuld) und \u201cbulwma\u201d (M\u00e4nner als \u201eFeinde\u201c behandeln) die h\u00f6chsten Anschluss-Werte. Beide Beitr\u00e4ge kombinieren Hook, einfache Sprache, alltagsnahe Beispiele und zum Teil sichtbare Evidenz, indem Links oder Screenshots des Ursprungs im Video gezeigt werden. Der Creator \u201ciconicfelix\u201d (Frauenfeindlichkeit im Netz) und \u201cdpa_factchecking\u201d (Meinung vs. Fakt) liegen im guten Bereich. Bei dem Video der dpa f\u00e4llt die definitorische Klarheit des Inhalts sowie die Nennung von Quellen positiv auf, es fehlt jedoch ein konkreter Bezug zur Lebenswelt der Zielgruppe. Bei \u201ciconicfelix\u201d st\u00fctzen Peer-Tonalit\u00e4t und ein Vertrauensvorschuss des Accounts (300k+ Follower) die Resonanz, obwohl das Video l\u00e4nger ist. Die Videos von \u201cdie_parallelklasse\u201d (Propaganda in Memes) und \u201cscrollnichtweg\u201d (Incels erkl\u00e4rt) fallen uneinheitlich aus. Erstere ist sehr kurz und interaktiv angelegt, was f\u00fcr eine plattformtypische Gestaltung spricht, verschenkt aber Potential bei Verst\u00e4ndlichkeit oder der Verwendung von On-Screen-Quellen. Letzteres ist informativ, jedoch l\u00e4nger und abstrakter, mit geringem Lebensweltbezug und ohne klare Reflexionsfrage \u2013 Faktoren, die den Anschlusswert d\u00e4mpfen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-tiktok wp-block-embed-tiktok\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<blockquote class=\"tiktok-embed\" cite=\"https:\/\/www.tiktok.com\/@iconicfelix\/video\/7448681561970494742\" data-video-id=\"7448681561970494742\" data-embed-from=\"oembed\" style=\"max-width:605px; min-width:325px;\"> <section> <a target=\"_blank\" title=\"@iconicfelix\" href=\"https:\/\/www.tiktok.com\/@iconicfelix?refer=embed\">@iconicfelix<\/a> <p>Es muss jetzt etwas passieren!  <a title=\"konsequenzenf\u00fcrstreamer\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.tiktok.com\/tag\/konsequenzenf%C3%BCrstreamer?refer=embed\">#KonsequenzenF\u00fcrStreamer<\/a><\/p> <a target=\"_blank\" title=\"\u266c Originalton - Felix \u26a1\ufe0f\" href=\"https:\/\/www.tiktok.com\/music\/Originalton-7448681599912479510?refer=embed\">\u266c Originalton &#8211; Felix \u26a1\ufe0f<\/a> <\/section> <\/blockquote> <script async src=\"https:\/\/www.tiktok.com\/embed.js\"><\/script>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-tiktok wp-block-embed-tiktok\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<blockquote class=\"tiktok-embed\" cite=\"https:\/\/www.tiktok.com\/@bulwma\/video\/7457840244411403522\" data-video-id=\"7457840244411403522\" data-embed-from=\"oembed\" style=\"max-width:605px; min-width:325px;\"> <section> <a target=\"_blank\" title=\"@bulwma\" href=\"https:\/\/www.tiktok.com\/@bulwma?refer=embed\">@bulwma<\/a> <p>Einfach mal zu versuchen zuzuh\u00f4ren wird dir nicht schaden <a title=\"politik\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.tiktok.com\/tag\/politik?refer=embed\">#politik<\/a> <a title=\"fyp\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.tiktok.com\/tag\/fyp?refer=embed\">#fyp<\/a> <a title=\"dielinke\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.tiktok.com\/tag\/dielinke?refer=embed\">#dielinke<\/a> <a title=\"fckafd\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.tiktok.com\/tag\/fckafd?refer=embed\">#fckafd<\/a> <a title=\"fckafdpolitiker\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.tiktok.com\/tag\/fckafdpolitiker?refer=embed\">#fckafdpolitiker<\/a> <a title=\"feminismus\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.tiktok.com\/tag\/feminismus?refer=embed\">#feminismus<\/a> <a title=\"feminism\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.tiktok.com\/tag\/feminism?refer=embed\">#feminism<\/a> <\/p> <a target=\"_blank\" title=\"\u266c original sound - bulwma\" href=\"https:\/\/www.tiktok.com\/music\/original-sound-7457840244474383126?refer=embed\">\u266c original sound &#8211; bulwma<\/a> <\/section> <\/blockquote> <script async src=\"https:\/\/www.tiktok.com\/embed.js\"><\/script>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>7. Diskussion<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Die Case Study best\u00e4tigt durch die Inhaltsanalysen der Memes in Kombination mit der Auswertung der Umfrage, dass misogyne Memes auf sozialen Plattformen wie Tiktok durch den vermeintlich humorvollen Inhalt die Anschlussf\u00e4higkeit zu misogynen Narrativen verst\u00e4rken k\u00f6nnen. Dies deckt sich mit der Uses-and-Gratification-Theorie, dass Jugendliche online nicht nur nach Unterhaltung, sondern auch nach Zugeh\u00f6rigkeit suchen. Dies best\u00e4tigen die Umfrageergebnisse, bei denen die Jugendlichen angeben, mehrere Stunden t\u00e4glich auf sozialen Medien zu verbringen und diese somit eine zentrale Rolle f\u00fcr die Identit\u00e4tsbildung spielen. Sowohl das Borum und das 3N-Modell der Radikalisierung sprechen Einsamkeit, Unsicherheit und fehlende Zugeh\u00f6rigkeit als Push-Faktoren an. Diese Gef\u00fchle von Einsamkeit wurden auch bei der Umfrage erhoben und best\u00e4tigt. Dies bietet eine h\u00f6here Anf\u00e4lligkeit f\u00fcr Radikalisierung durch Pull-Faktoren der Memes wie \u00dcberlegenheits- und Zugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl.&nbsp; Ein bedeutender Aspekt dabei ist die algorithmische Verst\u00e4rkung, durch die misogyne Inhalte gepaart mit technischen Affordanzen wie Stitches und Trends zu einer h\u00f6heren Sichtbarkeit f\u00fchren. Dies best\u00e4tigen auch die hohen Interaktionszahlen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Normalisierung und Verbreitung misogyner Memes best\u00e4tigt sich auch durch die Umfrage, bei der \u00fcber 60 % der Teilnehmer angaben, solchen Content zu kennen und diesen auch lustig zu finden oder nicht weiter dar\u00fcber nachzudenken. Die durch Humor entpolitisieren frauenfeindlichen Botschaften kn\u00fcpfen damit an die Framing-Theorie von Entman an. Die humorvollen Frames verbunden mit Pull-Faktoren der Zugeh\u00f6rigkeit und \u00dcberlegenheit stellen dabei die gr\u00f6\u00dften Hebel f\u00fcr die Radikalisierung dar, die dar\u00fcber hinaus auch Teil der Alltagskultur au\u00dferhalb des Online-Raums wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig zeigt die Analyse der Bildungsinhalte, dass kurze, klar strukturierte und lebensweltlich verankerte Formate die h\u00f6chste Anschlussf\u00e4higkeit erzielen. Beitr\u00e4ge mit guter Hook, peer-naher Sprache und einer konkreten Szenen aus Inhalten, \u00fcber die gesprochen wird, schneiden konsistent besser ab als l\u00e4ngere, erkl\u00e4rlastige St\u00fccke. On-Screen-Quellen (Link\/Screenshot) erzeugen eine h\u00f6here Glaubw\u00fcrdigkeit als rein verbale Verweise. Wo Reflexionsimpulse (Call-to-Think) und Debunking explizit gesetzt werden, entsteht eher eine kognitive Auseinandersetzung als blo\u00dfe Zustimmung. Diese Muster decken sich mit dem theoretischen Rahmen, denn aus der sozialkognitiven Perspektive wirken peer-nahe Rollenmodelle und identifikationsf\u00e4hige Sprecher*innen als T\u00fcr\u00f6ffner. Die Uses &amp; Gratifications Theorie st\u00fctzt den Befund, dass K\u00fcrze, Verst\u00e4ndlichkeit und Alltagsn\u00e4he Zugangsh\u00fcrden senken und es gleichzeitig notwendig ist, Inhalte plattform-nativ und niedrigschwellig zu gestalten, damit Lernumgebungen situativ im Feed entstehen. Die in den Clips sichtbare Peer-Tonalit\u00e4t und der Verzicht auf belehrende Sprache st\u00fctzen das Prinzip peernahen Lernens. Jugendliche kn\u00fcpfen an Rollenmodelle an, diskutieren in Mikro-\u00d6ffentlichkeiten (Kommentare, Stitches) und erproben Medienkritik in Echtzeit. Dass Creator-Inhalte tendenziell besser abschneiden als Beitr\u00e4ge von Organisationen, passt zu dieser Logik. Vertraute Personen, ein pers\u00f6nlicher Bezug und plattformnative Affordanzen erzeugen N\u00e4he und Interaktion, w\u00e4hrend institutionelle Accounts vor allem mit definitorischer Klarheit und korrekter Evidenz punkten, aber Potenzial verschenken, wenn es den Inhalten an einer plattformspezifischen Dramaturgie und dialogischer Ankn\u00fcpfung (z.B. Stich-M\u00f6glichkeit, Frage an die Community) fehlt. Daraus l\u00e4sst sich ableiten, dass Kombinationen aus institutioneller Glaubw\u00fcrdigkeit und creator-basierter Vermittlung besonders aussichtsreich sind, z. B. wenn sie in Form von Co-Creations, Creator-Patenschaften oder redaktionell gest\u00fctzter Peer-Formate daherkommen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>8. Fazit<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Abschlie\u00dfend l\u00e4sst sich sagen, dass misogyne Memes auf sozialen Medien vor allem deshalb wirkm\u00e4chtig sind, weil sie niedrigschwellige Tr\u00e4ger feindseliger Deutungen darstellen. Humor und Ironie kaschieren Abwertung, pseudo-objektive Fakten liefern einfache Schuldzuweisungen, und plattformspezifische Affordanzen beschleunigen Reichweite und Anschlusskommunikation. In der Adoleszenz trifft das auf identit\u00e4re Suchprozesse, Bed\u00fcrfnis nach Zugeh\u00f6rigkeit und Status, besonders bei Jugendlichen, die sich einsam oder marginalisiert f\u00fchlen. Empfehlungslogiken und homophile Netzwerkeffekte verst\u00e4rken diese Dynamik, erzeugen einen falschen Konsens und verschieben Grenznormen (\u201enur Spa\u00df\u201c) in Richtung legitimer Abwertung. So werden antifeministische Frames normalisiert, Feindbilder stabilisiert und Einstiegstore in breitere extremistische Narrative ge\u00f6ffnet. Radikalisierung passiert nicht als pl\u00f6tzlicher Sprung, sondern als schleichende kumulative Verschiebung von Wahrnehmung, Sprache und Zugeh\u00f6rigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Demgegen\u00fcber zeigt sich das pr\u00e4ventive Potenzial politischer Bildung im digitalen Raum dort am gr\u00f6\u00dften, wo sie mit den identifizierten Logiken informeller Lernr\u00e4ume arbeitet. Inhalte m\u00fcssen kurz, klar, lebensweltlich und plattform-nativ sein, um wirksam zu sein. Formate, die einen fr\u00fchen Hook setzen, zentrale Punkte in peer-naher Sprache erkl\u00e4ren, die sichtbare Evidenz bereitstellen und Reflexion statt Moralisierung ansto\u00dfen, erreichen die Zielgruppe am effektivsten. Peer-nahe Rollenmodelle und Creator-Formate schaffen Zugeh\u00f6rigkeit ohne Abwertung, institutionelle Partner sichern inhaltliche Qualit\u00e4t \u2013 ideal in Co-Creation, die Reichweite mit Evidenz verbindet. Erg\u00e4nzend braucht es Plattform- und Quellenkompetenz, Debunking mit Beleg, sowie Br\u00fccken in informelle R\u00e4ume wie WhatsApp oder Discord. Daf\u00fcr sind hybride Bildungsangebote, die Sch\u00fcler auch offline in ihrer Lebenswelt erreichen, n\u00f6tig, weil sie digitale Impulse mit Pr\u00e4senztreffen verbinden, sichere Gespr\u00e4chsr\u00e4ume schaffen und so den Schritt ins Alltagshandeln und zu passenden Hilfen erleichtern. Wenn Aufkl\u00e4rung so gestaltet ist, kann sie die Normalisierung misogynen Humors durchbrechen, Erkenn- und Einordnungsf\u00e4higkeit st\u00e4rken und Jugendliche in ihrer demokratischen Widerstandsf\u00e4higkeit unterst\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<div data-wp-interactive=\"core\/file\" class=\"wp-block-file\"><object data-wp-bind--hidden=\"!state.hasPdfPreview\" hidden class=\"wp-block-file__embed\" data=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/2508_CaseStudy_Misogyne_Memes_Pleskach_Haenel.pdf\" type=\"application\/pdf\" style=\"width:100%;height:600px\" aria-label=\"Einbettung von Case Study Misogyne Memes.\"><\/object><a id=\"wp-block-file--media-41f97653-525a-44a6-881c-58e1913bf4b0\" href=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/2508_CaseStudy_Misogyne_Memes_Pleskach_Haenel.pdf\">Case Study Misogyne Memes<\/a><a href=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/aktivismus-journalismus-journal\/files\/2025\/10\/2508_CaseStudy_Misogyne_Memes_Pleskach_Haenel.pdf\" class=\"wp-block-file__button wp-element-button\" download aria-describedby=\"wp-block-file--media-41f97653-525a-44a6-881c-58e1913bf4b0\">Herunterladen<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Inwiefern tragen misogyne Memes in sozialen Medien zur Radikalisierung Jugendlicher bei und welche pr\u00e4ventiven Potenziale hat politische Bildung im digitalen Raum? von Margaret Pleskach und Lukas H\u00e4nel Memes sind seit dem Zeitalter von sozialen Medien kaum aus der Online-Kommunikation wegzudenken. 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