{"id":475,"date":"2023-10-10T19:27:34","date_gmt":"2023-10-10T17:27:34","guid":{"rendered":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/china_studieren\/?p=475"},"modified":"2023-10-10T19:30:13","modified_gmt":"2023-10-10T17:30:13","slug":"armutsbekaempfung-in-xinjiang-von-johannes-nentwig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/china_studieren\/2023\/10\/10\/armutsbekaempfung-in-xinjiang-von-johannes-nentwig\/","title":{"rendered":"Armutsbek\u00e4mpfung in Xinjiang (von Johannes Nentwig)"},"content":{"rendered":"\n<p>Im Seminar \u201eKontinuit\u00e4t und Wandel in der chinesischen Armutsminderung\u201c im Sommersemester 2023 haben wir in mehreren Sitzungen einerseits \u00fcber verschiedene Formen von Armut und andererseits \u00fcber die gro\u00dfen regionalen Unterschiede bei der Verbreitung von Armut in China diskutiert. Insbesondere das erhebliche Ungleichgewicht in der Entwicklung zwischen Stadt und Land und zwischen der K\u00fcstenregion im Osten und dem westlich gelegenen \u201eHinterland\u201c war wiederholt Thema. Immer wieder musste ich dabei an das nordwestchinesische Gebiet Xinjiang denken, das auf der einen Seite innerhalb Chinas zu den l\u00e4ndlichen und \u00e4rmeren Regionen z\u00e4hlt, und auf der anderen Seite auch selbst als Region eine gro\u00dfe Stadt-Land-Diskrepanz bei der Verteilung von zum Beispiel Einkommen oder Bildung aufweist. Dazu kommt in Xinjiang ein weiterer Faktor, der wiederum mit geografischen wie wirtschaftlichen Faktoren eng verkn\u00fcpft ist: die Zugeh\u00f6rigkeit eines Gro\u00dfteils der Bev\u00f6lkerung zu einer der turksprachigen ethnischen Minderheiten, in der Regel zur Ethnie der Uiguren.<\/p>\n\n\n\n<p>Im ersten Teil dieses Beitrages wird Xinjiang etwas genauer vorgestellt und au\u00dferdem beschreibe ich einige Zusammenh\u00e4nge zwischen ethnischer Zugeh\u00f6rigkeit und der wirtschaftlichen Situation. Im zweiten Teil gehe ich kurz auf staatliche Repressalien gegen die Minderheitsbev\u00f6lkerung ein, bevor ich im dritten Teil den Ausbau des Tourismus als eine St\u00fctze der Armutsbek\u00e4mpfung etwas genauer beleuchte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ethnische&nbsp;Minderheiten&nbsp;und&nbsp;\u00f6konomische&nbsp;Ungleichheit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Sp\u00e4testens seit dem Jahr 2000 liegt in China mit der Strategie der \u201e<a href=\"https:\/\/www.jstor.org\/stable\/20192337\">Gro\u00dfen Entwicklung des<\/a>&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.jstor.org\/stable\/20192337\">Westens<\/a>\u201c (kurz GEW; chinesisch&nbsp;\u897f\u90e8\u5927\u5f00\u53d1&nbsp;X\u012bb\u00f9 d\u00e0 k\u0101if\u0101) ein Fokus auf der wirtschaftlichen Entwicklung des westlichen Teils des Landes, der bis dahin noch nicht im gro\u00dfen Stil vom sprunghaften Wachstum der Wirtschaft erfasst worden war. Unter dieser Dachstrategie wurden Infrastruktur- und Entwicklungsprojekte zusammengefasst, die diese Unterschiede \u00fcberbr\u00fccken sollten und so \u201eauch die Grenzregionen st\u00e4rker an die Zentrale [\u2026] binden\u201c sollten&nbsp;(&nbsp;<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.25972\/WUP-978-3-95826-163-1\">Alpermann<\/a>, 61). Zum \u201eEntwicklungsgebiet\u201c geh\u00f6rt u. a. auch das Uigurische Autonome Gebiet Xinjiang (kurz Xinjiang, chinesisch&nbsp;\u65b0 \u7586&nbsp;X\u012bnji\u0101ng). Dieses ist mit 1,66 Millionen km\u00b2 Fl\u00e4che die gr\u00f6\u00dfte Verwaltungseinheit der Volksrepublik China, jedoch ist es mit 25,87 Millionen&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.statista.com\/statistics\/1391718\/china-population-of-xinjiang-autonomous-region\/\">Einwohnern<\/a>&nbsp;(2022) nur sehr d\u00fcnn besiedelt, da es landschaftlich zu einem gro\u00dfen Teil von W\u00fcsten und Hochgebirgen dominiert wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Der zunehmende Zuzug von Han-Chinesen in das Gebiet und deren h\u00e4ufige Vormachtstellung in gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen f\u00fchrt zu fortw\u00e4hrenden interethnischen Spannungen (Alpermann, 62). So waren bei der ersten&nbsp;<a href=\"http:\/\/english.scio.gov.cn\/whitepapers\/2021-09\/26\/content_77775276_3.htm\">Volksz\u00e4hlung<\/a>&nbsp;der&nbsp;Volksrepublik China 1953 von 4,78 Millionen Menschen in Xinjiang noch 93% Angeh\u00f6rige einer ethnischer Minderheiten; bereits deutlich vor der Kampagne zur wirtschaftlichen Entwicklung, im Jahr 1990, waren es nur noch 62,4% und auch seitdem ist der Wert weiter, auf 57,7% im Jahr 2020, zur\u00fcckgegangen. Beim Zensus 2020 wurden 11,62 Millionen Uiguren gez\u00e4hlt, was einem Anteil von 45% der Gesamtbev\u00f6lkerung&nbsp;bzw.von&nbsp;77,8%&nbsp;der&nbsp;ethnischen&nbsp;Minderheiten&nbsp;entsprach.&nbsp;(Im&nbsp;verlinkten \u201eWei\u00dfbuch\u201c zur Bev\u00f6lkerung Xinjiangs wird in absoluten Zahlen ein Wachstum der Minderheitsbev\u00f6lkerung ausgewiesen, bei Betrachtung der relativen Zahlen erkennt man aber einen&nbsp;R\u00fcckgang.)<\/p>\n\n\n\n<p>Bei&nbsp;der geografischen&nbsp;Verteilung&nbsp;der Bev\u00f6lkerung&nbsp;zeigen&nbsp;sich deutliche&nbsp;Ungleichheiten,&nbsp;n\u00e4mlich&nbsp;z.B. dass die Verbreitung der Minderheiten, besonders der uigurischen Bev\u00f6lkerung, im s\u00fcdlichen Xinjiang deutlich gr\u00f6\u00dfer ist als im Norden und dass die ihr Angeh\u00f6rigen deutlich h\u00e4ufiger in l\u00e4ndlichen Gebieten als in den St\u00e4dten leben. Entscheidend sind diese Faktoren, wenn man betrachtet, dass es beim Pro-Kopf-Einkommen ein erhebliches Nord-S\u00fcd-Gef\u00e4lle sowie gr\u00f6\u00dfere Stadt-Land-Unterschiede gibt und dass viele Investitionen vorrangig in den Norden geflossen sind (Alpermann, 75).<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Armutsbek\u00e4mpfung&nbsp;und&nbsp;staatliche&nbsp;Repressalien<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Die GEW oder auch besonders auf Xinjiang ausgerichteten Teilbereiche der sp\u00e4ter folgenden \u201eBelt and Road Initiative\u201c(BRI) zielten beide nicht direkt auf&nbsp;Armutsminderung, sondern b\u00fcndelten viele Projekte und waren auf allgemeine wirtschaftliche Entwicklung ausgerichtet. Daneben gab es auch gezielte Kampagnen zum Kampf gegen Armut. Mit gro\u00dfen&nbsp;<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1186\/s41257-021-00059-0\">finanziellen Investitionen und hohem<\/a>&nbsp;<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1186\/s41257-021-00059-0\">personellen Aufwand<\/a>&nbsp;wurden Gebiete mit unterdurchschnittlichem Haushaltseinkommen ausgemacht und bei der Eliminierung von absoluter Armut unterst\u00fctzt, so dass diese schlie\u00dflich, nach offiziellen Angaben, 2020 \u00fcberwunden werden konnte. Auch l\u00e4ngerfristig gesehen kann best\u00e4tigt werden, dass sich, zumindest aus wirtschaftlicher Perspektive, die&nbsp;<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1057\/s41599-023-01858-w\">Lebensbedingungen<\/a>&nbsp;<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1057\/s41599-023-01858-w\">verbessert&nbsp;haben<\/a>,&nbsp;sei&nbsp;es&nbsp;durch&nbsp;besser ausgebaute medizinische&nbsp;Versorgung&nbsp;oder&nbsp;gestiegene&nbsp;L\u00f6hne&nbsp;in landwirtschaftlichen Betrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl Entwicklungsprojekte und Armutsbek\u00e4mpfungskampagnen darauf ausgelegt sind, der lokalen Bev\u00f6lkerung zugutezukommen, so erreichen sie ihr Ziel doch nicht immer oder verkehren&nbsp;es sogar ins Gegenteil. Beispielsweise k\u00f6nnen durch die besser ausgebaute Infrastruktur auch gr\u00f6\u00dfere (vorwiegend Han-chinesische) Handels- und Transportunternehmen im Grenzverkehr operieren und verdr\u00e4ngen damit gewachsene lokale Netzwerke uigurischer H\u00e4ndler. F\u00fcr die Entwicklung touristischer Attraktionen musste teilweise traditionelle Weidewirtschaft aufgegeben werden, damit Touristen \u201enat\u00fcrliche\u201c Landschaften genie\u00dfen k\u00f6nnen (Alpermann, 78, 82). Au\u00dferdem ist davon auszugehen, dass eine weitere Intensivierung der Landwirtschaft, insbesondere des Baumwollanbaus, zu \u00f6kologischen Problemen f\u00fchren wird, da bereits jetzt&nbsp;<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1177\/186810261104000305\">Wassermangel<\/a>&nbsp;im Tarimbecken, d. h. im s\u00fcdlichen Xinjiang, herrscht.<\/p>\n\n\n\n<p>Abgesehen von der \u201ereinen\u201c&nbsp;Armutsminderung bzw. der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung m\u00fcssen insbesondere in Xinjiang staatliche Ma\u00dfnahmen auch im Hinblick auf die&nbsp;Angeh\u00f6rigen der ethnische Minderheiten betrachtet werden. (Gleiches gilt nat\u00fcrlich auch f\u00fcr die anderen autonomen Gebiete und weitere entsprechende Regionen.) Die viel beschworene Schaffung von&nbsp;Arbeitspl\u00e4tzen z. B. in der&nbsp;<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1057\/s41599-023-01858-w\">Textilindustrie<\/a>&nbsp;und die damit verbundene Eingliederung von uigurischen Menschen in ein staatlich gelenktes System wird z. B. von Adrian Zenz als&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.jpolrisk.com\/beyond-the-camps-beijings-long-term-scheme-of-coercive-labor-poverty-alleviation-and-social-control-in-xinjiang\/\">Ma\u00dfnahme zur \u00dcberwachung<\/a>&nbsp;interpretiert. Noch dazu scheint es einen Zwang zur Arbeit in zugewiesenen Betrieben zu geben bzw. die Verpflichtung, dass mindestens ein Haushaltsmitglied einer Lohnarbeit in einem staatlich regulierten Betrieb nachgeht. Verbunden mit der \u201eindustriebasierten Armutsbeseitigung\u201c (\u201eindustrial poverty alleviation\u201c in einigenenglischsprachigen&nbsp;Artikeln)&nbsp;gibt&nbsp;es&nbsp;ein&nbsp;umfassendes&nbsp;System&nbsp;von&nbsp;gef\u00e4ngnisartigen <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1080\/02634937.2018.1507997\">Umerziehungslagern<\/a>. In diesen erhalten die Insassen zwar auch teils eine Art Berufsausbildung, aber vorrangig sind sie auf Indoktrination von Parteimaterial, sogenannte \u201eDe-Radikalisierung\u201c angeblicher religi\u00f6ser Extremisten und erzwungenen Chinesisch-Unterricht ausgerichtet. Auch diese starke Fixierung auf die chinesische Sprache in o. g. Lagern, aber auch generell im Ausbau des Bildungsbereichs bis hin zu&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=2qy9ZWa91-c\">Kinderg\u00e4rten<\/a>&nbsp;(Alpermann, 96), kann als ein Zeichen von Geringsch\u00e4tzung oder gar Unterdr\u00fcckung des Uigurischen gelesen werden, mindestens kommt aber das Gef\u00fchlt auf, uigurischsprachigen Menschen w\u00fcrden Entwicklung und Fortschritt nicht&nbsp;zugetraut.<\/p>\n\n\n\n<p>Neben den o. g. Kampagnen wird in Xinjiang au\u00dferdem seit geraumer Zeit eine Kampagne zur Bek\u00e4mpfung der drei \u201e\u00dcbel\u201c, namentlich Terrorismus, Extremismus und Separatismus, gefahren, die nach gewaltsamen Unruhen in der Hauptstadt \u00dcr\u00fcmqi 2009 und nach gr\u00f6\u00dferen Anschl\u00e4gen&nbsp;2014 noch versch\u00e4rft wurde (Alpermann, 63, 144). Die Kampagnen laufen teils Hand in Hand und sind im Ergebnis nicht klar voneinander zu trennen, da z. B. f\u00fcr einen gro\u00dfangelegten Ausbau der Polizei und anderer Sicherheitskr\u00e4fte tausende Stellen geschaffen wurden (Alpermann, 169) oder Menschen in Lagern oder anderswo zu&nbsp;Arbeit gezwungen werden, um sie einerseits aus der&nbsp;Armut zu \u201eheben\u201c und andererseits von ihren angeblichen extremistischen Gedanken zu befreien.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr den Zeitraum von 1994 bis 2000 konnte eine\u00a0Studie\u00a0herausfinden, dass finanzielle Mittel der Zentralregierung,\u00a0die eine\u00a0Verringerung\u00a0von\u00a0Armut\u00a0zum\u00a0Ziel\u00a0hatten,\u00a0insgesamt\u00a0eher\u00a0genutzt wurden, um den Staats- und Sicherheitsapparat auszubauen und langfristig die staatliche Kontrolle zu st\u00e4rken. Eine aktuelle Untersuchung gibt es dazu nicht direkt, jedoch lassen all die genannten\u00a0Punkte f\u00fcr die heutige Zeit auf ein \u00e4hnliches Ergebnis schlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Entwicklung&nbsp;von&nbsp;Tourismus&nbsp;als&nbsp;wichtiger&nbsp;Beitrag&nbsp;zur&nbsp;Armutsbek\u00e4mpfung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Wie in anderen Regionen mit gr\u00f6\u00dferer Minderheitenbev\u00f6lkerung auch, wird in Xinjiang zur Armutsbek\u00e4mpfung&nbsp;aufeinen&nbsp;deutlichen&nbsp;Ausbau&nbsp;des&nbsp;Tourismus&nbsp;gesetzt.&nbsp;Aufgrund&nbsp;der bisherigen\u201eR\u00fcckst\u00e4ndigkeit\u201c in der Entwicklung und der dezentralen Lage seien die nat\u00fcrlichen Landschaften und&nbsp;die&nbsp;lokalen&nbsp;Br\u00e4uche&nbsp;noch\u201erelativ&nbsp;intakt\u201c&nbsp;und&nbsp;w\u00fcrden&nbsp;dazu&nbsp;einladen,&nbsp;den touristischen&nbsp;Markt&nbsp;zu entwickeln. Allerdings gehen auch mit der steigenden Zahl der Reisenden wiederum staatliche&nbsp;Ma\u00dfnahmen einher, die f\u00fcr die Lokalbev\u00f6lkerung nicht nur von Vorteil sein d\u00fcrften: Durch viele Inlandstouristen l\u00e4sst sich auch gut die Bevorzugung der chinesischen Sprache rechtfertigen; der Abriss und Neubau der&nbsp;Altstadt von Kashgar h\u00fcbscht sie nicht nur f\u00fcr Besucherinnen und Besucher auf,&nbsp;sondern&nbsp;macht&nbsp;sie&nbsp;auchgleichzeitig&nbsp;besser&nbsp;\u00fcberwachbar,&nbsp;weil&nbsp;Stra\u00dfen&nbsp;und&nbsp;Wege&nbsp;verbreitert&nbsp;und begradigt wurden und Innenh\u00f6fe nicht mehr \u00fcberdacht werden d\u00fcrfen (Alpermann, 81).<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem Ausbau des Tourismus wird aber neben der Schaffung von Jobs auch noch ein weiteres Ziel verfolgt, n\u00e4mlich in Xinjiang die Kultur \u201e<a href=\"https:\/\/www.chinafile.com\/investing-tourism-xinjiang-beijing-seeks-new-ways-control-regions-culture\">anzureichern<\/a>\u201c mit Elementen aus der Han- chinesischen Kultur. Dazu wurden beispielsweise Ausstellungen \u00fcber traditionelle Scherenschnitte nach Xinjiang gebracht oder ein ganzes Museum \u00fcber den Konfuzianismus errichtet. Gleichzeitig werden religi\u00f6se Elemente der uigurischen Kultur negiert und ausgeblendet,&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.volkskrant.nl\/kijkverder\/v\/2021\/how-china-is-destroying-the-uyghur-mosques~v440216\/?referrer=https%3A%2F%2Fwww.chinafile.com%2F\">Moscheen<\/a>&nbsp;wurden abgerissen und sogar&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.scmp.com\/news\/china\/politics\/article\/3032646\/no-space-mourn-destruction-uygur-graveyards-xinjiang\">Friedh\u00f6fe<\/a>&nbsp;wurden zerst\u00f6rt und ber\u00e4umt. Und auch dass ausgew\u00e4hlte Elemente (quasi \u201ew\u00fcnschenswerte\u201c) uigurischer Kultur gef\u00f6rdert und zu einer Touristenattraktion gemacht wird, seien es Tanzshows, Musikdarbietungen oder traditionelle Kleidung als Souvenir, ist insofern problematisch, dass dahinter eine gewisse staatliche Lenkung steht, die den Betroffenen wenig bis keinen Spielraum bietet, wie und ob sie selbst ihre Kultur und ihre Traditionen pr\u00e4sentieren und entwickeln wollen. Vereinheitlichte T\u00e4nze und dem chinesischen Geschmack angepasste Musik haben zudem nicht mehr viel mit traditionellen Praktiken zu tun, wenn sie noch dazu nicht mehr zu ihren urspr\u00fcnglichen Anl\u00e4ssen aufgef\u00fchrt bzw. zelebriert werden k\u00f6nnen, sondern nur noch zur Schau gestellt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz&nbsp;der&nbsp;Einkommenssteigerung&nbsp;und&nbsp;objektiv&nbsp;gesehen&nbsp;verbesserten&nbsp;Lebensumst\u00e4nden,&nbsp;die&nbsp;u.&nbsp;a.&nbsp;mit dem Ausbau des Tourismus einhergingen, bleiben Menschen in Xinjiang so weiter in niedriger bezahlten Service-Jobs und die ethnischen Minderheiten werden einerseits assimiliert, aber gleichzeitig weiterhin&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.jstor.org\/stable\/189464\">exotisiert<\/a>&nbsp;und als r\u00fcckst\u00e4ndig und \u201enoch zu entwickeln\u201c marginalisiert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Erfolg? Eine Frage der Perspektive.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Es ist schwierig, die Lage in Xinjiang einheitlich zu beurteilen. Einerseits gesehen ist die Armutsbek\u00e4mpfung ein nomineller Erfolg und durch einen \u201eKrieg des Volkes\u201c konnte die absolute Armut \u2013 nat\u00fcrlich \u201eplansollerf\u00fcllend\u201c Ende des Jahres 2020 \u2013 in ganz China eliminiert werden. Trotzdem bleiben erhebliche regionale Unterschiede in der wirtschaftlichen Entwicklung innerhalb Chinas bestehen und so bleibt die relative Armut weiter ein Thema. Die vielfache Besch\u00e4ftigung von Uigurinnen und Uiguren in Hilfsberufen in der Industrie, Landwirtschaft und im Tourismus wird auch weiterhin f\u00fcr ein gewisses Ungleichgewicht und eine Marginalisierung aufgrund von ethnischer Zugeh\u00f6rigkeit und Sprache sorgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Abgesehen von der materiellen Armut kann man auch von anderen Formen der Armut sprechen. Statt einer kulturellen und sprachlichen Vielfalt und auch Autonomie, wie man sie in einem sogenannten Autonomen Gebiet erwarten k\u00f6nnte, scheint sich eher eine kulturelle und sprachliche Armut auszubreiten, die von politischen und wirtschaftlichen Interessen des chinesischen Staats gesteuert wird.<\/p>\n<div class=\"shariff shariff-align-flex-start shariff-widget-align-flex-start\" data-services=\"facebook\" data-url=\"https%3A%2F%2Fuserblogs.fu-berlin.de%2Fchina_studieren%2F2023%2F10%2F10%2Farmutsbekaempfung-in-xinjiang-von-johannes-nentwig%2F\" data-timestamp=\"1696966213\" data-backendurl=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/china_studieren\/wp-json\/shariff\/v1\/share_counts?\"><ul class=\"shariff-buttons theme-round orientation-horizontal buttonsize-small\"><li class=\"shariff-button mastodon shariff-nocustomcolor\" style=\"background-color:#563ACC\"><a href=\"https:\/\/s2f.kytta.dev\/?text=Armutsbek%C3%A4mpfung%20in%20Xinjiang%20%28von%20Johannes%20Nentwig%29 https%3A%2F%2Fuserblogs.fu-berlin.de%2Fchina_studieren%2F2023%2F10%2F10%2Farmutsbekaempfung-in-xinjiang-von-johannes-nentwig%2F\" title=\"Share on Mastodon\" aria-label=\"Share on Mastodon\" role=\"button\" rel=\"noopener nofollow\" class=\"shariff-link\" style=\"; 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