Transkript – empirische Philosophie

Jeanne Berrenberg am 8.12. im völlig überfüllten Seminarraum, auf dem Boden mit Zuhörern bis vor die Türen gepflastert, etwa 25 nach sechs eingetroffen.

Das soll also Ethnologie sein?

Merlau-Ponty beschreibe sie als eine „Art des Denkens“, Wittgenstein sähe in ihr den „Standpunkt, der am weitesten draußen liegt“.
Sie beschreibt, was der Fall ist, nicht, was sein sollte.

Das Einnehmen dieses Standpunktes geschieht durch einen Blick auf sozial immer relative, grundlegende Denkkonzepte, deren Prämissen zumeist auf unbewussten symbolischen Abstraktionen beruhen, welche symbolische Klassifikationen zulassen.

Sie, die Ethnologie, als empirische Philosophie vorgestellt, beruht dabei auf dem gegenwärtigen Stand der Forschung in Erkenntnistheorie und erkennt keine objektiven Wahrheiten an.

Was wir als schönes Wetter empfinden, den Sonnenschein am Strand, kann für einen anderen der Regen nach der Dürreperiode bedeuten. Mauern mögen uns schützen, andernorts werden sie als Einengung wahrgenommen. Eine gute Infrastruktur kann von großer zivilisatorischer Bedeutung sein, doch wo nicht Bequemlichkeit und Tempo „herrschende“ Maxime sind, sondern vielmehr Gemeinschaft und Kommunikation im Vordergrund stehen, können Trinkwasserleitungen nicht den liebgewonnenen Gang zum Brunnen ersetzen, geschweige denn dabei stattfindende Gespräche.

Soziale Phänomene sind somit alle konstruiert und damit ziemlich zufällig.

Die Ethnologie richtet hierbei ihr Augenmerk auf das Milieu von Menschen. In diesem mikrosoziologischen Umfeld zur Reproduktion gesellschaftlicher Codes findet sie die impliziten Regeln der Grammatik der symbolischen Ordnung.

Meinen wir ja oder nein wenn wir nicken? Oder wenn wir den Kopf schütteln? Was meint jemand, der mit dem Kopf wackelt? Ja, nein, vielleicht, hängt vom Kontext ab?

Wir Anwesende als Potpurri von Individualisten seien somit hochangepasst an die dominante Kultur. Gegenwärtige hegemoniale Narrative erfüllen größtenteils nicht den Anspruch an eine Freiheit des Geistes, ökonomische Autonomie oder Mitbestimmung.
Es läge an uns, Gegennarrative zu entwickeln.

Der Zufall im Verständnis unserer Brachialkausalität steht demnach einer Vielfältigkeit von 20 Subkategorien im indischen Sprachraum gegenüber. Der abendländischen Logik mit ihrem universalen Anspruch, welcher dem Imperialismus eher gedient als geschadet hat, erweisen wir nur würdige Kritik, wenn wir uns auf unsere indigene, lokale Kultur besinnen und einen Prozess der westlichen wissenschaftlichen Dekolonisierung anstreben.

Aus Wittgensteins Grenzen der Sprache, welche gleichermaßen die Grenzen der Welt seien, schließt Berrenberg darauf, dass wir nicht nicht-sprachlich denken können. Wenn denken Sprache voraussetzt, ja. Wenn denken jedoch jegliche Art von Geistesaktivität sein könnte, widerspräche ich ihr.

Ähnlich wie beim Zufall stehen unserer historizistisch, linearen Konzeption von Zeit Vorstellungen von pulsierenden, sozialen, gar kreisläufigen Zeiten bei.

Unsere Vorstellung von geistigem Eigentum bedingen die Prämissen der Existenz des Individualismus als Gesellschaftskonstruktion sowie des privaten Eigentums. Wir bräuchten eine moralökonomische Einbettung des gesellschaftlichen Lebens der Menschen, kein marktökonomisches. Auf Recht, Administration, Politik, Bildung, etc. , (jegliche hegemonialen Narrative) sei kein Verlaß.

Vertrauen muss erwiesen werden, denn es basiert auf einer kulturellen Gedächtnisspur.

„Der Apparat als Ressource für wenige“, am Beispiel Russlands eingehender erläutert, steht bspw. für Willkür, die man mit ethnologischen Mitteln herauslesen kann.

Aus dem zähleibigen Habitus, entstanden durch Sozialisation, Erfahrungen und Narrative, entstehen durch Interaktionen die Reproduktionen dieser symbolischen Klassifikationen..

Es folgen Kommentare zu den 68ern, der Mafia in Italien und…

…9/11.

Es zeigte sich einmal mehr deutlich, wie „das Andere immer im Raster der Eigenkultur wahrgenommen und bewertet“ wird.

Afghanistan nenne man nicht ohne Grund den „Friedhof der Invasionäre“.

Die Medien erschüfen nun im öffentlichen Diskurs ein Bewusstsein nach dem Motto:
„macht man etwas nicht so wie bei uns, macht man es falsch“

Solche diskursiven Leitplanken entsprüngen demnach einem Verständnis von unilinearer Kausalität, wohingegen viel eher etwas Systemtheorie angespickt mit Dekonstruktion und einem Hauch Chaostheorie angebrachter wären.

Wir sollen in die Lage versetzt werden, unser „geleitet sein durch Diskurse erkennen und durchschauen“ zu können.

Es geht um den Erhalt einer dynamischen Machtbalanche eigenkultureller Logiken am Ort, welche z.T. nur äußerst schwierig in unserer Sprache darzustellen sind.

Kommentare zum Verhältnis der Begriffe Autorität und Herrschaftslosigkeit im Kontext der Organisationsstrukturen westländischen und afghanischen Militärs sowie das Kopftuch wurden kurz vor meinem Entschwinden auch noch erwähnt, jedoch enthält alles bis hierhin gesagt bereits genügend Zündstoff, welcher Stück für Stück abgefackelt werden kann.

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