{"id":12,"date":"2010-02-17T06:40:25","date_gmt":"2010-02-17T04:40:25","guid":{"rendered":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/circus\/?p=12"},"modified":"2010-02-17T06:40:25","modified_gmt":"2010-02-17T04:40:25","slug":"transkript-empirische-philosophie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/circus\/2010\/02\/17\/transkript-empirische-philosophie\/","title":{"rendered":"Transkript &#8211; empirische Philosophie"},"content":{"rendered":"<p>Jeanne\u00a0<span>Berrenberg<\/span> am 8.12. im v\u00f6llig \u00fcberf\u00fcllten Seminarraum, auf dem Boden mit Zuh\u00f6rern bis vor die T\u00fcren gepflastert, etwa 25 nach sechs eingetroffen.<\/p>\n<p>Das soll also Ethnologie sein?<\/p>\n<p>Merlau-Ponty beschreibe sie als eine &#8222;Art des Denkens&#8220;, Wittgenstein s\u00e4he in ihr den &#8222;Standpunkt, der am weitesten drau\u00dfen liegt&#8220;.<br \/>\nSie beschreibt, was der Fall ist, nicht, was sein sollte.<\/p>\n<p>Das Einnehmen dieses Standpunktes geschieht durch einen Blick auf sozial immer relative, grundlegende Denkkonzepte, deren Pr\u00e4missen zumeist auf unbewussten symbolischen Abstraktionen beruhen, welche symbolische Klassifikationen zulassen.<\/p>\n<p>Sie, die Ethnologie, als empirische Philosophie vorgestellt, beruht dabei auf dem gegenw\u00e4rtigen Stand der Forschung in Erkenntnistheorie und erkennt keine objektiven Wahrheiten an.<\/p>\n<p>Was wir als sch\u00f6nes Wetter empfinden, den Sonnenschein am Strand, kann f\u00fcr einen anderen der Regen nach der D\u00fcrreperiode bedeuten. Mauern m\u00f6gen uns sch\u00fctzen, andernorts werden sie als Einengung wahrgenommen. Eine gute Infrastruktur kann von gro\u00dfer zivilisatorischer Bedeutung sein, doch wo nicht Bequemlichkeit und Tempo &#8222;herrschende&#8220; Maxime sind, sondern vielmehr Gemeinschaft und Kommunikation im Vordergrund stehen, k\u00f6nnen Trinkwasserleitungen nicht den liebgewonnenen Gang zum Brunnen ersetzen, geschweige denn dabei stattfindende Gespr\u00e4che.<\/p>\n<p>Soziale Ph\u00e4nomene sind somit alle konstruiert und damit ziemlich zuf\u00e4llig.<\/p>\n<p>Die Ethnologie richtet hierbei ihr Augenmerk auf das Milieu von Menschen. In diesem mikrosoziologischen Umfeld zur Reproduktion gesellschaftlicher Codes findet sie die impliziten Regeln der Grammatik der symbolischen Ordnung.<\/p>\n<p>Meinen wir ja oder nein wenn wir nicken? Oder wenn wir den Kopf sch\u00fctteln? Was meint jemand, der mit dem Kopf wackelt? Ja, nein, vielleicht, h\u00e4ngt vom Kontext ab?<\/p>\n<p>Wir Anwesende als Potpurri von Individualisten seien somit hochangepasst an die dominante Kultur. Gegenw\u00e4rtige hegemoniale Narrative erf\u00fcllen gr\u00f6\u00dftenteils nicht den Anspruch an eine Freiheit des Geistes, \u00f6konomische Autonomie oder Mitbestimmung.<br \/>\nEs l\u00e4ge an uns, Gegennarrative zu entwickeln.<\/p>\n<p>Der Zufall im Verst\u00e4ndnis unserer Brachialkausalit\u00e4t steht demnach einer Vielf\u00e4ltigkeit von 20 Subkategorien im indischen Sprachraum gegen\u00fcber. Der abendl\u00e4ndischen Logik mit ihrem universalen Anspruch, welcher dem Imperialismus eher gedient als geschadet hat, erweisen wir nur w\u00fcrdige Kritik, wenn wir uns auf unsere indigene, lokale Kultur besinnen und einen Prozess der westlichen wissenschaftlichen Dekolonisierung anstreben.<\/p>\n<p>Aus Wittgensteins Grenzen der Sprache, welche gleicherma\u00dfen die Grenzen der Welt seien, schlie\u00dft\u00a0<span>Berrenberg<\/span> darauf, dass wir nicht nicht-sprachlich denken k\u00f6nnen. Wenn denken Sprache voraussetzt, ja. Wenn denken jedoch jegliche Art von Geistesaktivit\u00e4t sein k\u00f6nnte, widerspr\u00e4che ich ihr.<\/p>\n<p>\u00c4hnlich wie beim Zufall stehen unserer historizistisch, linearen Konzeption von Zeit Vorstellungen von pulsierenden, sozialen, gar kreisl\u00e4ufigen Zeiten bei.<\/p>\n<p>Unsere Vorstellung von geistigem Eigentum bedingen die Pr\u00e4missen der Existenz des Individualismus als Gesellschaftskonstruktion sowie des privaten Eigentums. Wir br\u00e4uchten eine moral\u00f6konomische Einbettung des gesellschaftlichen Lebens der Menschen, kein markt\u00f6konomisches. Auf Recht, Administration, Politik, Bildung, etc. , (jegliche hegemonialen Narrative) sei kein Verla\u00df.<\/p>\n<p>Vertrauen muss erwiesen werden, denn es basiert auf einer kulturellen Ged\u00e4chtnisspur.<\/p>\n<p>&#8222;Der Apparat als Ressource f\u00fcr wenige&#8220;, am Beispiel Russlands eingehender erl\u00e4utert, steht bspw. f\u00fcr Willk\u00fcr, die man mit ethnologischen Mitteln herauslesen kann.<\/p>\n<p>Aus dem z\u00e4hleibigen Habitus, entstanden durch Sozialisation, Erfahrungen und Narrative, entstehen durch Interaktionen die Reproduktionen dieser symbolischen Klassifikationen..<\/p>\n<p>Es folgen Kommentare zu den 68ern, der Mafia in Italien und&#8230;<\/p>\n<p>&#8230;9\/11.<\/p>\n<p>Es zeigte sich einmal mehr deutlich, wie &#8222;das Andere immer im Raster der Eigenkultur wahrgenommen und bewertet&#8220; wird.<\/p>\n<p>Afghanistan nenne man nicht ohne Grund den &#8222;Friedhof der Invasion\u00e4re&#8220;.<\/p>\n<p>Die Medien ersch\u00fcfen nun im \u00f6ffentlichen Diskurs ein Bewusstsein nach dem Motto:<br \/>\n&#8222;macht man etwas nicht so wie bei uns, macht man es falsch&#8220;<\/p>\n<p>Solche diskursiven Leitplanken entspr\u00fcngen demnach einem Verst\u00e4ndnis von unilinearer Kausalit\u00e4t, wohingegen viel eher etwas Systemtheorie angespickt mit Dekonstruktion und einem Hauch Chaostheorie angebrachter w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Wir sollen in die Lage versetzt werden, unser &#8222;geleitet sein durch Diskurse erkennen und durchschauen&#8220; zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Es geht um den Erhalt einer dynamischen Machtbalanche eigenkultureller Logiken am Ort, welche z.T. nur \u00e4u\u00dferst schwierig in unserer Sprache darzustellen sind.<\/p>\n<p>Kommentare zum Verh\u00e4ltnis der Begriffe Autorit\u00e4t und Herrschaftslosigkeit im Kontext der Organisationsstrukturen westl\u00e4ndischen und afghanischen Milit\u00e4rs sowie das Kopftuch wurden kurz vor meinem Entschwinden auch noch erw\u00e4hnt, jedoch enth\u00e4lt alles bis hierhin gesagt bereits gen\u00fcgend Z\u00fcndstoff, welcher St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck abgefackelt werden kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jeanne\u00a0Berrenberg am 8.12. im v\u00f6llig \u00fcberf\u00fcllten Seminarraum, auf dem Boden mit Zuh\u00f6rern bis vor die T\u00fcren gepflastert, etwa 25 nach sechs eingetroffen. 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