{"id":194,"date":"2025-01-14T11:26:43","date_gmt":"2025-01-14T10:26:43","guid":{"rendered":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/ewi_biwi\/?p=194"},"modified":"2025-01-14T11:26:43","modified_gmt":"2025-01-14T10:26:43","slug":"praktikum-in-einer-kinder-und-jugendpsychiatrie-ein-erfahrungsbericht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/ewi_biwi\/2025\/01\/14\/praktikum-in-einer-kinder-und-jugendpsychiatrie-ein-erfahrungsbericht\/","title":{"rendered":"Praktikum in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie: Ein Erfahrungsbericht"},"content":{"rendered":"\n<h4 class=\"has-text-align-right wp-block-heading\">(Ein Beitrag von Anonym)<\/h4>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr das dritte Fachsemester war das obligatorische Berufspraktikum vorgesehen. Die M\u00f6glichkeit im Rahmen des Studiums ein Praktikum zu absolvieren war ehrlich gesagt einer der Gr\u00fcnde, weswegen ich mich f\u00fcr den Bachelorstudiengang in Bildung- und Erziehungswissenschaft an der FU entschieden habe. Die M\u00f6glichkeit einen praktischen Einblick neben der theoretischen Grundlage zu bekommen, war mich sehr interessiert hat. Ich hatte schon seit ein paar Jahren den Gedanken, dass ich gerne eine Ausbildung zur Kinder- und Jugendpsychotherapeutin machen w\u00fcrde und meine Erfahrungen \u00fcber das erste Studienjahr haben dies nur best\u00e4rkt. Das Berufspraktikum bot da die perfekte Gelegenheit, um meine theoretische Vorstellung vom Bereich der Kinder- und Jugendpsychotherapie erstmal in der Praxis zu erproben und Anhaltspunkte zu finden, ob das wirklich das richtige f\u00fcr mich ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor dem Gedanken nach Praktikumsstellen zu suchen, mich zu bewerben, geschweige den das Praktikum anzutreten hatte ich allerdings auch ordentlich Respekt. Ich habe gleich nach dem Abitur mit dem Studium begonnen und hatte nur ein kleines Praktikum von zwei Wochen in der 8ten Klasse gemacht. Meine berufliche Erfahrung war somit gleich Null und neben meinen Kommiliton*innen, die beispielsweise bereits eine Berufsausbildung, ein FSJ oder anderweitige berufliche Erfahrungen gesammelt hatten, f\u00fchlte ich mich unerfahren und jung und hatte kein gro\u00dfes Vertrauen \u00fcberhaupt eine Stelle in dem Bereich zu bekommen, den ich mir w\u00fcnschte.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Endeffekt habe ich mich dann am in der Klinik f\u00fcr Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik des Ernst-von-Bergmann-Klinikums in Potsdam beworben und hatte das gro\u00dfe Gl\u00fcck hier einen Praktikumsplatz zu bekommen. Ich wurde bei meinem Bewerbungsgespr\u00e4ch gefragt, ob ich mir auch vorstellen k\u00f6nnte l\u00e4nger als drei Monate (mit 400 Stunden der regul\u00e4re Zeitumfang des Berufspraktikums) da zu sein, da sie h\u00e4ufiger Praktikant*innen haben die nur 6 bis 12 Wochen da sind und hier die Erfahrungen gemacht haben, dass \u201eman sie gerade eingearbeitet hat und sie gerade eine gute Unterst\u00fctzung werden und schon sind sie wieder weg\u201c. Deshalb boten sie mir ein Praktikum von 6 Monaten an, dass ich annahm, da ich mir dachte: \u201eJe mehr Erfahrung, desto besser.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>An meinem ersten Tag wurde ich der Akut- und Jugendlichen-Station zugeteilt, wo ich auch bis auf ein paar Ausnahmen die gesamten 6 Monate war. Hier wurden 14 bis 18-j\u00e4hrige in einem geschlossenen psychotherapeutischen Angebot behandelt. Ich habe mich \u00fcber diese Entscheidung am Anfang ziemlich gewundert. Ich hatte erwartet der Kinder- oder Intermedi\u00e4r-Station zugeteilt zu werden. Wie sollte ich mit meinen 19 Jahren denn bitte von jemandem, der kaum ein paar Jahre j\u00fcnger ist als ich, als Autorit\u00e4tsperson wahrgenommen werden?<\/p>\n\n\n\n<p>Meine Hauptbetreuerin im Praktikum war eine Sozialarbeiterin und war gerade in der Anfangsphase eine gro\u00dfe Unterst\u00fctzung darin meine Rolle und meinen Handlungsspielraum (Was ist meine Aufgabe? Wie will ich von den Patient*innen gesehen werden?) aufzuarbeiten. Mit der Zeit habe ich mich dann zunehmend wohler gef\u00fchlt, konnte gut eine professionelle Dynamik mit den Patient*innen etablieren und habe sogar die Erfahrung gemacht, dass mein Alter teilweise auch ein Vorteil sein konnte, da mich bestimmte Jugendlichen eher als Vertrauensperson sahen. F\u00fcr mein Berufspraktikum, wo h\u00e4ufig auch sehr sensible Thematiken behandelt wurden, war besonders ein Seminar, das ich im Rahmen des Moduls 6 besucht habe, eine gro\u00dfe Hilfestellung. Hier haben wir Spannungsfelder behandelt und besonders das Wissen zum Spannungsfeld von \u201eN\u00e4he und Distanz\u201c konnte ich sehr gut auf meine aktuelle Situation \u00fcbertragen. Emotionale N\u00e4he aufbauen, damit Vertrauen entsteht und man besser unterst\u00fctzen und Unterst\u00fctzungsangebote angenommen werden, aber gleichzeitig die Distanz zu wahren, damit keine Grenzen \u00fcberschritten werden und man in eine Abh\u00e4ngigkeit ger\u00e4t. Diesen Grat zu wandern war nicht immer einfach und ich muss zugeben, dass ich nat\u00fcrlich im Laufe der 6 Monate ein paar Patient*innen hatte die mir \u2013 ob ich wollte oder nicht \u2013 ans Herz gewachsen sind und deren Therapieerfolge oder auch Misserfolge mich bewegt haben. Meine Anleiterin hatte mir diesbez\u00fcglich einen sehr guten Rat gegeben, auf den ich auch auf anderen Kontexten bezogen immer noch gerne st\u00fctze: \u201eAm Ende kannst du nur alle Hilfestellungen geben und hoffen das sie angenommen werden. Die Patient*innen m\u00fcssen selbst den Weg antreten und laufen. Das kannst nicht du f\u00fcr sie \u00fcbernehmen. Und ob sie das tun oder nicht hat nichts mit dir oder der Wertigkeit deiner Hilfestellung zu tun.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Im allt\u00e4glichen Arbeiten war ich direkt auf der Station und habe in den T\u00e4tigkeiten des Pflege- und Erziehungsdienstes unterst\u00fctzt (z.B. Unterst\u00fctzung bei der Reintegration in den Alltag, Dokumentation von Verhalten oder Planung von Aktivit\u00e4ten). Ich konnte auch bei diversen Fachtherapien (z.B. Ergo-, Musik- oder Sporttherapie) sowie in der Klinikschule hospitieren. Ich war auch sehr froh, dass ich mich dazu entschieden hatte mein Praktikum \u00fcber 6 Monate zu machen, da ich hierdurch einige Patient*innen von Anfang bis Ende ihres Aufenthaltes begleiten konnte und solche Entwicklungsschritte mitzubekommen w\u00e4re in drei Monaten glaube ich nicht m\u00f6glich gewesen. Nach meinem Praktikum wurde mir eine studentische Aushilfsstelle angeboten und ich habe die Station noch f\u00fcr 1 Jahr neben dem Studium unterst\u00fctzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe in dieser Zeit unglaublich viele wertvolle Erfahrungen f\u00fcr mich gemacht und konnte erste praktische Anhaltspunkte daf\u00fcr bekommen, ob ich mir in diesem Bereich zu arbeiten wirklich vorstellen k\u00f6nnte. F\u00fcr mich hat sich diese Frage zu diesem Zeitpunkt erst einmal mit einem \u201eJa\u201c beantworten lassen, ich kannte aber auch Kommiliton*innen von mir, bei denen das Berufspraktikum genau das Gegenteil bewirkt hat und das ist auch ok. Das Berufspraktikum ist daf\u00fcr da Erfahrungen zu sammeln und ich w\u00fcrde euch allen raten es auch genau daf\u00fcr zu nutzen. Und rauszufinden, dass eben genau dieses Feld nicht zu euch passt, ist eine ebenso wichtige Erfahrung. Fragt euch: Welcher Bereich hat mich schon immer interessiert? So lange es einen erziehungswissenschaftlichen Bezug hat, sollte das eigentlich nie ein Problem darstellen. Und habt keine Angst und traut euch! Ich bin sehr froh, dass ich mich getraut habe mein Praktikum in der Kinder- und Jugendpsychiatrie zu machen, obwohl ich dachte ich w\u00e4re zu jung und unerfahren. Denn wie soll man sonst Erfahrungen sammeln.<\/p>\n\n\n\n<p>Viel Erfolg allen, die nach einem Praktikum suchen oder gerade eins antreten. Ihr schafft das!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Ein Beitrag von Anonym) F\u00fcr das dritte Fachsemester war das obligatorische Berufspraktikum vorgesehen. Die M\u00f6glichkeit im Rahmen des Studiums ein Praktikum zu absolvieren war ehrlich gesagt einer der Gr\u00fcnde, weswegen ich mich f\u00fcr den Bachelorstudiengang in Bildung- und Erziehungswissenschaft an der FU entschieden habe. 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