{"id":224,"date":"2025-01-14T11:36:17","date_gmt":"2025-01-14T10:36:17","guid":{"rendered":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/ewi_biwi\/?p=224"},"modified":"2025-01-14T11:36:17","modified_gmt":"2025-01-14T10:36:17","slug":"auslandssemester-in-island","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/ewi_biwi\/2025\/01\/14\/auslandssemester-in-island\/","title":{"rendered":"Auslandssemester in Island"},"content":{"rendered":"\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Ein Semester lang im Land von Eis und Feuer<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<h4 class=\"has-text-align-right wp-block-heading\">(Ein Beitrag von Britta Mahnke)<\/h4>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-9d6595d7 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p>Britta ist Erasmus-Mentorin f\u00fcr den Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie. Wenn ihr fragen zu ihren Erfahrungen oder zu ihrer Zeit in Island habt, wendet euch gern an sie unter: brim88@zedat.fu-berlin.de <\/p>\n\n\n\n<p>[Kommentar von Ronja Kumpe]<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/bachelor_ewi\/files\/2022\/11\/Bild1.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-534\" \/><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p>An den R\u00e4ndern der Kontinentalplatten finden 90 Prozent aller vulkanischen Aktivit\u00e4ten weltweit statt. Island liegt an genau so einer Bruchstelle oder man sollte wohl besser sagen, Island existiert aufgrund dieser Bruchstelle. Da die Nordamerikanische Platte und die Eurasische Platte mit ca. einem Zentimeter pro Jahr auseinanderdriften, str\u00f6mten vor Jahrmillionen Jahren gro\u00dfe Mengen Magma aus dem sogenannten Hotspot unter dem heutigen Vatnaj\u00f6kull, Islands gr\u00f6\u00dftem Vulkan. Eruptionen finden hier durchschnittlich alle 4 Jahre statt und haben nicht selten verheerende Folgen, die sogar geschichtliche Ereignisse wie die Franz\u00f6sische Revolution 1789 beeinflussten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ausgerechnet eines der aktivsten Vulkangebiete der Erde erw\u00e4hlte ich als mein Ziel f\u00fcr mein Auslandssemester. H\u00e4tte man mir damals 2005, nachdem ich meinen Schulabschluss nach einer Extrarunde an der Realschule machte, gesagt, ich w\u00fcrde eines Tages studieren und in Studium sowohl auf Gletscher klettern als auch entlang aktiver Vulkane spazieren gehen, ich h\u00e4tte es nicht geglaubt. Das Bestreben, mehr aus meinem Leben machen zu wollen, bewog mich, mit 30 Jahren noch einmal das Abitur zu machen und zu studieren. In Alfred Lord Tennysons Gedicht \u201eUlysses\u201c hei\u00dft es: \u201eIch kann nicht rasten vom Reisen. Ich will das Leben trinken, bis zum letzten Tropfen\u201c und weiter \u201eEs ist nicht zu sp\u00e4t, eine neuere Welt zu suchen\u201c. Am Tag der Abiturfeier kam unsere Biologielehrerin auf uns zu und sagte: \u201eIhr habt nun das Abitur und damit die Verantwortung, etwas daraus zu machen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie kann man so einer Verantwortung gerecht werden? In meinem Studium f\u00fcr Bildungs- und Erziehungswissenschaften an der Freien Universit\u00e4t in Berlin lernte ich, dass ich meinen zuk\u00fcnftigen Beruf nur aus\u00fcben kann, wenn ich selbst bestrebt bin, meine Kompetenzen kontinuierlich weiterzuentwickeln. Island sollte sich als perfekte Wahl erweisen, um mich zu f\u00f6rdern und zu fordern. Als Vorzeigeland f\u00fcr Gleichberechtigung, Nachhaltigkeit sowie Klima- und Umweltschutz er\u00f6ffnen sich mir im Studium an der University of Iceland neue Perspektiven, um gesellschaftliche Problematiken kritisch zu beleuchten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Vorbereitung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bevor ich mich f\u00fcr ein Auslandsemester bewarb, musste ich erstmal jede Menge Recherchen- und Reflexionsarbeit bew\u00e4ltigen. Vielen Fragen kamen auf. Wo k\u00f6nnte ich mir vorstellen, ein Auslandssemester zu machen? Was bieten die Universit\u00e4ten f\u00fcr Kurse an? Kann ich es mir leisten? Was passiert mit meiner Wohnung in Berlin? Werde ich vor Heimweh und Sehnsucht nach meiner Familie, dem Pferd und den Familienhunden alles hinschmei\u00dfen?<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/bachelor_ewi\/files\/2022\/11\/Bild2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-537\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Die Entscheidung, ein Auslandssemester zu machen, ist eine sehr schwierige Entscheidung. Aber ist sie erstmal getroffen, kommt die Motivation f\u00fcr die Vorbereitung von selbst. Als ich die Liste f\u00fcr die m\u00f6glichen Universit\u00e4ten f\u00fcr meinen Bildungsgang las, fiel mein Blick sofort auf Island. Als ein Mensch der Sonnenschein, W\u00e4rme und im Meer schwimmen liebt, war Island die denkbar ung\u00fcnstigste Wahl. Aber Island hatte etwas, was seit meiner Kindheit auf der Bucket-Liste stand: Wale. Als ich dann noch das Angebot der Kurse der University of Iceland las, war ich vollst\u00e4ndig verliebt. Ich bewarb mich im Januar 2020 und schrieb meine Bewerbung hingebungsvoll f\u00fcr dieses Land. Da ich jedoch mehrere L\u00e4nder angeben musste, falls der Erstwunsch nicht klappt, gab ich noch Norwegen an. Ich brauche nicht l\u00fcgen, wenn ich sage, dass ich ein wenig entt\u00e4uscht war, als ich dann die Zusage f\u00fcr Norwegen erhielt. Doch das war schnell verflogen und ich freute mich einfach darauf, ein Auslandssemester machen zu d\u00fcrfen. Ich hatte mich bereits f\u00fcr die Uni in Stavanger eingeschrieben, als die Nachricht kam: Cancellation of all mobility. Corona l\u00e4sst gr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass das Auslandssemester abgesagt wurde, traf mich sehr hart. Der Kommentar meiner Mutter: Wer wei\u00df, wof\u00fcr das noch gut ist. Laut Erasmus hatte ich nun die M\u00f6glichkeit mich erneut f\u00fcr n\u00e4chstes Jahr zu bewerben und h\u00e4tte bevorzugten Status bei Norwegen. Also versuchte ich es im Januar 2021 nochmal mit der University \u00ed Agder. Durch die aufmerksame Mitarbeit im Erasmus B\u00fcro erhielt ich die Information, dass ich es trotzdem nochmal mit einer Island Bewerbung versuchen k\u00f6nnte. Meine Mutter hatte Recht, es hatte tats\u00e4chlich noch was Gutes das Norwegen wegen Corona abgesagt wurde. Im M\u00e4rz erhielt ich die Zusage f\u00fcr Island und war unendlich happy.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch gab es viele H\u00fcrden zu meistern. Versicherungen abkl\u00e4ren, in den Universit\u00e4ten an- und abmelden, Finanzierungen kl\u00e4ren, Kurse w\u00e4hlen und viele weitere Dinge, die f\u00fcr ein 4-monatiges Auslandssemester wichtig sind. Sprachliche Vorbereitungen in Englisch hatte ich nicht getroffen. Ich hoffte einfach, dass mein B2\/C1 Wissen ausreicht. Die Anmeldung f\u00fcr die Universit\u00e4t in Island (und auch in Norwegen) war erstaunlich einfach. Es gab Videos und Webseiten, die jeden Schritt genau erkl\u00e4rten. Schwierigkeiten traten nur durch die Ungewissheit auf, ob Corona nicht doch noch wieder alles platzen l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Unterkunft im Gastland<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Einer der ersten wichtigen Schritte war es, eine geeignete Unterkunft zu finden. Auf der Webseite der Universit\u00e4t wurde darauf hingewiesen, sich fr\u00fchestm\u00f6glich darum zu k\u00fcmmern. Das Problem: zu diesem Zeitpunkt kennt man keine genauen Zeiten, wann das Semester anf\u00e4ngt und endet. Das hei\u00dft ich musste meine Wohnung buchen, auch mit der Eventualit\u00e4t, dass es zeitlich nicht ganz passt und ich m\u00f6glicherweise eine Zeit lang ohne Wohnung dastehe. Unterst\u00fctzung in Sachen Wohnungssuche gab es von der Universit\u00e4t, bis auf dem Verweis auf eine Webseite f\u00fcr die Vermietung von Wohnungen und des Studentenwohnheims, nicht.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/bachelor_ewi\/files\/2022\/11\/Bild3.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-538\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Da ich mit meinen 33 Jahren nicht unbedingt in ein Studentenwohnheim ziehen wollte, suchte ich mir eine Wohnung in der N\u00e4he der Uni. Was mir schon von Anfang an klar war, aber nochmal mehr bei der Wohnungssuche offensichtlich wurde: Island ist teuer\u2026 sehr teuer\u2026 Ich fand \u00fcber die Plattform HousingAnywhere eine Wohnung (12 min Fu\u00dfweg zur Uni), die zwar nicht preiswert war, aber ich zumindest ein eigenes Bad und K\u00fcche hatte (zum Vergleich: in Berlin bezahlte ich f\u00fcr meine 54 m\u00b2 Wohnung 430\u20ac &#8211; in Island bezahlte ich das Doppelte f\u00fcr die H\u00e4lfte des Platzes). Ich bereue diese Entscheidung nicht, denn durch meine eigene K\u00fcche war ich der Host vieler sch\u00f6ner Friday Cooking Abende mit Kommilitonen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00c4rger gab es mit den Vermietern, als ich meinen Vertrag in der vorgegebenen Frist zwar k\u00fcndigte, aber die Vermieter dies nicht akzeptieren wollten und mich aufforderten den vollen Betrag zu bezahlen, auch wenn ich fr\u00fcher abreisen musste. Da ich aber rechtzeitig gek\u00fcndigt hatte und diese K\u00fcndigung im Chatverlauf von HousingAnywhere festgehalten waren, gewann ich letztendlich den Konflikt.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Studium an der Gasthochschule<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Da Island viel vom Tourismus lebt, sprechen fast alle dort gutes bis sehr gutes Englisch. Um im Unterricht gut mitzukommen, war ein solides B2 oder im Idealfall C1 Voraussetzung. Unsere Dozentin in History of Iceland war Amerikanerin und sprach teilweise sehr schnell, was dazu f\u00fchrte das einige den Kurs wieder verlie\u00dfen. Wer jedoch blieb, durfte sich auf ein paar sehr spannende Seminare freuen. Eines Tages brachte sie zwei Isl\u00e4nder in echter Wikingerkleidung mit, die uns erkl\u00e4rten, wie Rundschilde und \u00c4xte fr\u00fcher benutzt wurden. Einer von ihnen war au\u00dferdem Musiker, der f\u00fcr Danheim Musik machte und einige Lieder auf seiner Lyra f\u00fcr uns spielte. Die beste Unterrichtsstunde die ich je hatte!<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/bachelor_ewi\/files\/2022\/11\/Bild4.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-540\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Ich besuchte die Kurse History of Iceland, Iceland Nature and Culture und einen Kurs der Nachhaltigkeit und Gleichberechtigung in Island und der Welt diskutierte. Die Kurse haben mir sehr gro\u00dfen Spa\u00df gemacht, auch wenn sie im Vergleich zu den Kursen, die ich an der FU belegte, um einiges fordernder waren. Alle Kurse erwarteten w\u00f6chentliche Assignments mit dazugeh\u00f6rigen Readings, dann ein Abschluss Essay und eine Abschlusspr\u00fcfung. Die Pr\u00fcfungen waren anspruchsvoll, aber fair und machbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Aufgrund einer Regelung durch die University of Iceland h\u00e4tte ich noch zus\u00e4tzlich einen Kurs besuchen m\u00fcssen, wo ich mich aber bewusst dagegen entschied. Studieren ist wichtig, aber das Leben genie\u00dfen auch. Ich war nicht gewillt einen Kurs zu besuchen, den ich weder f\u00fcr meine Studieninhalte brauchte noch daf\u00fcr ECTS Punkte angerechnet bekomme. In dieser Zeit lernte ich viel wichtigere Sachen zum Beispiel wie der ber\u00fchmte Hot Dog, den Bill Clinton in Island probierte, schmeckte und warum Isl\u00e4nder in einer kleinen Stadt wie Reykjavik mehr als 8 hei\u00dfe Schwimmb\u00e4der haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die University of Iceland schm\u00fcckte sich gern mit dem Ruf einer der besten Universit\u00e4ten der Welt zu sein und stellte sich gern auf gleicher Ebene wie Princeton oder Stanford. Da ich diese amerikanischen Unis nicht besucht habe, kann ich keinen Vergleich ziehen, jedoch kann ich nur Gutes \u00fcber diese Uni berichten. Die Ausstattung der R\u00e4ume ist modern, Computerr\u00e4ume sind frei verf\u00fcgbar, moderne Laptops k\u00f6nnen ausgeliehen werden, alle R\u00e4ume hatten gro\u00dfe Beamer und PCs. Die Uni hatte sogar ein eigenes Kino, wo teilweise Vorlesungen stattfanden, um den Abstand aufgrund von Corona wahren zu k\u00f6nnen. Bis auf eine Ausnahme hatte ich ausschlie\u00dflich hervorragende Dozenten, die sehr engagiert, h\u00f6flich und vor allem interessiert an den Studenten waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn in meinem Auslandssemester alles sehr gut lief, gibt es nat\u00fcrlich auch Probleme zu bew\u00e4ltigen. So hatte ich einige Konfrontationen mit einem Dozenten, der offensichtlich kein Interesse an seinen Studenten hatte und mit einer Ratio von einer Folie per 45 min Monolog seine Seminare gestaltete. Zudem gab es mehrere Vorkommnisse in dem er sich unangemessen gegen\u00fcber den Studenten verhielt. Ich legte Beschwerde ein und erhielt erstaunlich viel Unterst\u00fctzung durch die Universit\u00e4t. Die Beschwerde wurde auf h\u00f6chster Ebene bearbeitet und ernst genommen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kompetenz und Lernerfolg<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe absolut keinen Zweifel daran, dass dieses Auslandssemester extrem wertvoll f\u00fcr meine Weiterentwicklung war. Ich habe Anregungen f\u00fcr meine Bachelorarbeit bekommen, habe meine Organisations- und Probleml\u00f6sungsf\u00e4higkeiten ausgebaut, Wissenszuwachs in allen Bereichen die Bildung und Erziehung und dar\u00fcber hinaus enthalten, meine sozialen Kompetenzen weiterentwickelt und vor allem viel \u00fcber mich selbst gelernt.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/bachelor_ewi\/files\/2022\/11\/Bild5.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-541\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Durch den vorher\/nachher Englisch Test konnte ich \u00fcberpr\u00fcfen wie stark sich mein Englisch ver\u00e4ndert hat und ich war doch sehr \u00fcberrascht \u00fcber das Ergebnis. Grammatik hatte sich aufgrund meiner Grammatik- und Rechtschreibschw\u00e4che nicht ver\u00e4ndert und blieb bei B2. Vokabeln verbesserte sich von B2 auf C1, Lese- und H\u00f6rverst\u00e4ndnis verbesserten sich von C1 auf C2. Das freut mich sehr.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Alltag und Freizeit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein sehr wichtiger Aspekt im Studium ist es, die Balance zwischen Studium und Freizeit zu finden. Man sollte zufrieden mit dem Verlauf seiner Arbeit beim Lernen sein, aber auch seine geistige Gesundheit erhalten, indem man viel au\u00dferhalb der Uni unternimmt. Meine Therapie hie\u00df Thermalbad und davon gibt es in Reykjavik viele. Ich war zwei bis drei Mal die Woche dort und stellte erstaunt fest, dass ich tats\u00e4chlich eine Zahl auf der Waage wiederfand, die ich schon seit 10 Jahren nicht mehr gesehen hatte und ich h\u00e4tte schw\u00f6ren k\u00f6nnen, dass jemand sie vom Zahlenblatt gestohlen hatte. Durch eine Mischung aus regelm\u00e4\u00dfigen Wanderungen in der wundersch\u00f6nen Natur Islands, erh\u00f6hter geistiger Bet\u00e4tigung beim Verarbeiten von Eindr\u00fccken und dem viel zu teuren Essen in Island, purzelten die Pfunde nur so von der H\u00fcfte. Reykjavik hat ein sehr breites Angebot von Kultur und Freizeit. Ich habe in meiner Zeit dort viele Museen besucht und war zum Bespiel auf einem Of Monsters and Men Konzert, dem Air Waves Festival und einem Harry Potter Film mit Livemusik der isl\u00e4ndischen Philharmonie. Alles mit Maske versteht sich, aber immerhin fand es \u00fcberhaupt statt.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/bachelor_ewi\/files\/2022\/11\/Bild7.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-543\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Das Verkehrsnetz in Island ist gut ausgebaut. Busse fahren dem kleinen Land entsprechend in gewissen Abst\u00e4nden, aber alles ist mit Planung gut machbar. Beste M\u00f6glichkeit Island zu erkunden, bot die Mietung eines Autos in Gruppen. Dabei erwies sich unsere gro\u00dfe WhatsApp Gruppe mit knapp 266 internationalen Studenten, die ihr Studium an der UoI machten, als sehr hilfreich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zus\u00e4tzliche Kosten\/Finanzierung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ohja, ein sehr gro\u00dfer Knackpunkt beim Thema Auslandssemester. Wie gesagt, Island ist teuer\u2026 sehr teuer\u2026 Ich habe sowohl Auslands-Baf\u00f6g als auch die Erasmuspauschale erhalten, aber die k\u00f6nnen nicht im Entferntesten die Kosten decken. Meine monatlichen Ausgaben betrugen etwa 1500\u20ac-2000\u20ac und ohne den Kredit meiner Familie h\u00e4tte ich dies nicht machen k\u00f6nnen. Man kommt sicher billiger weg, jedoch sollte man dann im Blick behalten, dass einem dadurch viel entgeht und man die M\u00f6glichkeit nutzen sollte, soviel es geht. Ein Auslandssemester findet nicht alle Tage statt. Ich f\u00fcr meinen Teil hab es vollends ausgekostet und bereue nichts davon. Auch wenn jetzt erstmal der G\u00fcrtel k\u00fcrzer geschnallt wird, um die Ausgaben wieder reinzubekommen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/bachelor_ewi\/files\/2022\/11\/Bild8.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-544\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p><strong>Interkulturelle Erfahrungen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Zuallererst mal: Die Isl\u00e4nder sind viel netter als die Deutschen (was ja nicht all zu schwer ist, bei den grumligen Deutschen). Ich erlebte sehr h\u00e4ufig eine freundliche Hilfsbereitschaft und vor allem ein freundliches L\u00e4cheln. Das war sehr erfrischend.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/bachelor_ewi\/files\/2022\/11\/Bild9.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-545\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Als ich nach Island kam, hatte ich die Vorstellung, dass es dort keine B\u00e4ume gab, da ich das so mal im Internet gelesen hatte. Als ich mein erstes Bild von Reykjavik an meine Familie schickte, sagte mein Bruder, dass ich mich verflogen haben musste, denn dort stehen B\u00e4ume. Es gab tats\u00e4chlich B\u00e4ume dort, aber diese waren recht putzig. Die Aufforstung hatte erst \u00fcber die letzten Jahrzehnte stattgefunden, dementsprechend waren sie noch recht klein. Isl\u00e4nder nennen ihren Wald einen Wald, wenn bereits mehr als 15 B\u00e4umchen da stehen. Au\u00dferdem ein isl\u00e4ndischer Witz: \u201eWas machst du, wenn du dich in einem isl\u00e4ndischen Wald verirrst?\u201c \u201eAufstehen\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Frage aus der Nachbereitungsumfrage (Pflichtteil f\u00fcr alle Auslandsstudenten), ob ich mich nach meinem Auslandsaufenthalt mehr als EU-B\u00fcrger f\u00fchle, verstehe ich nicht ganz. In erster Linie f\u00fchle ich mich mehr als Mensch. Ich bin mir mehr \u00fcber meine St\u00e4rken und meine Schw\u00e4chen bewusst geworden. Sicherlich hat es den Prozess sehr erleichtert, dass Island zur European Economic Area geh\u00f6rt, wodurch ich kein Visum beantragen musste und ich au\u00dferdem eine EU-F\u00f6rderung erhielt. An meinem nationalen Bewusstsein \u00e4ndert dies jedoch nichts. Ich f\u00fchle mich weder besonders Deutsch noch besonders Europ\u00e4isch. Aber ich f\u00fchle mich sehr dankbar f\u00fcr die M\u00f6glichkeiten, die mir durch Deutschland und EU geboten werden *kurzer Seitenblick nach Gro\u00df Britannien*.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Sonstiges<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Was man aus Deutschland mitnehmen muss nach Island? Naja, ich kann jetzt sagen, was man definitiv nicht braucht: einen Regenschirm. Absolut sinnlos. H\u00e4lt etwa 5 min. Man braucht sehr gute winddichte Regenkleidung (Schuhe, Hose, Jacke, M\u00fctze &#8211; volles Paket). Au\u00dferdem Lebkuchen. Es gab keine vern\u00fcnftigen gef\u00fcllten Lebkuchen zur Weihnachtszeit in Island.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/bachelor_ewi\/files\/2022\/11\/Bild10.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-546\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Zus\u00e4tzlich sollte man an genug Platz im Koffer f\u00fcr die R\u00fcckreise denken, da sich in 4 Monaten viele Souvenirs anstauen. Was mir auch erst sp\u00e4ter klar wurde, ist, dass Island kaum Medikamente gegen Erk\u00e4ltung anbietet. Es gibt dort nur Immunaufbauprodukte f\u00fcr teures Geld zu kaufen. Auch die Vitamin D Tablette sind dort wahnsinnig teuer, die hier nur ein paar Euro kosten, die jedoch sehr wichtig f\u00fcr die geistige Gesundheit aufgrund des niedrigen Sonnenstandes im Winter sind.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Bis auf die kleine Auseinandersetzung mit dem Dozenten verlief mein Auslandssemester sehr sehr gut. Die gro\u00dfe \u00dcberraschung erlebte ich erst nach dem Aufenthalt, als ich mein Inlands-Baf\u00f6g beantragte. Aufgrund der unterschiedlichen Semesterzeiten entstand ein Freiraum mit F\u00f6rderung. Ich hatte im August angefangen mit dem Auslandsstudium und war im Dezember fertig. In dieser Zeit hatte ich mich per Urlaubssemester von den Semestergeb\u00fchren an der FU freistellen lassen. Ein Fehler wie sich sp\u00e4ter herausstellte. Das Urlaubssemester gilt bis zum Beginn des n\u00e4chsten Semesters, was Sinn macht, jedoch besagt eine Klausel im Inlands-Baf\u00f6g, dass Urlaubssemester nur 2 Monate vor Beginn des n\u00e4chsten Semesters gef\u00f6rdert werden. Somit fehlte mir nun ein ganzes Monatsgehalt der F\u00f6rderung. Ein harter Schlag nach dem ohnehin schon teuren Aufenthalt. Bereue ich aufgrund der hohen Kosten meinen Aufenthalt? Nein, keinesfalls. Es waren mit die sch\u00f6nsten 4 Monate meines Lebens und was ich da erleben durfte, wird mich mein Leben lang begleiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li>Wale gesehen (!)<\/li><li>im hei\u00dfen nat\u00fcrlichen Fluss in den schneebedeckten Bergen gebadet<\/li><li>einen Schneemann im botanischen Garten von Akureyri gebaut<\/li><li>eine Solar Eruption erlebt, sodass der ganze Himmel von Nordlichtern gl\u00fchte<\/li><li>Vulkane und Gletscher besucht<\/li><li>den Schauspieler Nikolaj Coster-Waldau (Game of Thrones) gesehen<\/li><li>im hei\u00dfen Salz-Pool gesessen und Nordlichter beobachtet<\/li><li>mit dem deutschen Botschafter in seinem schicken Haus und bei leckerem Essen einer Politik Diskussion mit Deutschen und Isl\u00e4ndern beigewohnt<\/li><li>einen Zeitungsartikel \u00fcber Island verfasst, der in der mecklenburgischen Zeitung ver\u00f6ffentlicht wurde<\/li><li>ja ja und nat\u00fcrlich mich akademisch stark weiterentwickelt\u2026 Aber wichtiger: Wale!!!<\/li><\/ul>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/bachelor_ewi\/files\/2022\/11\/Bild11.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-547\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Semester lang im Land von Eis und Feuer (Ein Beitrag von Britta Mahnke) Britta ist Erasmus-Mentorin f\u00fcr den Fachbereich Erziehungswissenschaft und Psychologie. 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