{"id":154,"date":"2011-06-24T18:36:38","date_gmt":"2011-06-24T17:36:38","guid":{"rendered":"http:\/\/fsiosi.blogsport.de\/?p=154"},"modified":"2011-06-24T18:36:38","modified_gmt":"2011-06-24T17:36:38","slug":"geld-oder-lehre","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/fsi_osi\/2011\/06\/24\/geld-oder-lehre\/","title":{"rendered":"Geld oder Lehre?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Bisher: prek\u00e4r, prek\u00e4rer, am OSI lehrend<\/strong><\/p>\n<p>Die Lehre am OSI wird, vor allem in grundst\u00e4ndigen Bereichen (Proseminare und &#8222;normale&#8220; Hauptseminare), vielfach von Lehrbeauftragten geleistet. Dazu kommen Bereiche des Studiums, beispielsweise die Ideengeschichte oder die rechtlichen Grundlagen, die personell so schwach aufgestellt sind, dass ein Mindestma\u00df an Lehre in diesen Gebieten nur durch den &#8222;Zukauf&#8220; von Angeboten von Externen gew\u00e4hrleistet werden kann. Gekauft im herk\u00f6mmlichen Sinne wird dabei aber nur selten: zwei Drittel der vergebenen Lehrauftr\u00e4ge sind unbezahlt. Das OSI vergibt bisher Lehrauftr\u00e4ge im Umfang von ca. 140 Semesterwochenstunden, also etwa 70 Seminare, von denen gut 20 bezahlt werden. Ein Gro\u00dfteil der Dozent_innen, die am OSI lehren wollten, ging bisher also leer aus; viele beantragten erst gar keine Besoldung, immer wieder mussten aber auch einzelne Lehrauftr\u00e4ge gestrichen werden, bei denen sich die Dozierenden unbezahlte Arbeit nicht leisten konnten oder zumuten wollten. H\u00e4ufig lie\u00df sich erst im Institutsrat (IR), der das Lehrangebot letztlich beschlie\u00dfen muss, eine Finanzierung f\u00fcr unverzichtbare Lehrauftr\u00e4ge finden (vgl. den <a href=\"http:\/\/fsiosi.blogsport.de\/2011\/01\/21\/bericht-aus-dem-institutsrat-vom-19-1\/\"><em>Bericht aus dem IR vom 19.1.<\/em><\/a>).  Damit ist nun anscheinend Schluss.<\/p>\n<p><strong>In Erw\u00e4gung, es will euch nicht gl\u00fccken&#8230;<\/strong><\/p>\n<p>&#8230; <em><a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=UCMSVpTrzuo&amp;feature=player_detailpage#t=159s\">uns zu zahlen &#8217;nen gerechten Lohn<\/a><\/em> &#8211; das dachte sich wohl auch der rot-rote Berliner Senat bei der Novellierung des Berliner Hochschulgesetzes (BerlHG; der AStA <a href=\"http:\/\/www.astafu.de\/aktuelles\/archiv\/a_2011\/presse_03-22\"><em>informierte<\/em><\/a>) in den vergangenen 12 Monaten. Unbesoldete Lehrauftr\u00e4ge gibt es nur noch, wenn die\/der betreffende Dozent_in freiwillig, nach Erteilung eines besoldeten Lehrauftrags, auf das Geld verzichtet. Pro Semester sind das etwa 1000 \u20ac (30 \u20ac\/Semesterwochenstunde). Das war bisher niemandem am OSI so richtig bewusst, und kam in der vergangenen Woche eher zuf\u00e4llig an&#8217;s Tageslicht. Auf eine Nachfrage beim Rechtsamt der FU bez\u00fcglich der Frage, ob Privatdozent_innen einen Lehrauftrag ben\u00f6tigten, wurde der Lehrplanung und der Ausbildungskommission eher nebenbei mitgeteilt, dass Lehrauftr\u00e4ge gem\u00e4\u00df dem neugefassten \u00a7 120, Abs. 4 des BerlHG nur noch besoldet vergeben werden d\u00fcrfen.<br \/>\nDas betrifft im n\u00e4chsten Wintersemester zun\u00e4chst 47 Lehrauftr\u00e4ge, deren Finanzierung bisher nicht vorhanden war, bei denen keine Besoldung angefragt wurde oder die bei einer ersten Durchsicht auf Grund einer &#8222;wenn, nur besoldet&#8220;-Ansage gestrichen wurden. Das bedeutet: f\u00fcr ein ohnehin schon knapp kalkuliertes Lehrangebot fehlen dem OSI knapp 50 000 Euro. Geld, das nat\u00fcrlich nicht da ist. Zudem sollen im n\u00e4chsten Semester etwa 25% mehr Studierende als sonst am OSI ein Studium beginnen &#8211; damit soll der Ansturm, den doppelte Abiturjahrg\u00e4nge und das Ende der Wehrpflicht verursachen, aufgefangen werden. Ohne die 47 Lehrveranstaltungen, deren Finanzierung derzeit noch nicht gekl\u00e4rt ist, m\u00fcsste das OSI dagegen sch\u00e4tzungsweise 30-40% <strong>weniger<\/strong> Studierende als sonst aufnehmen. Andernfalls w\u00fcrden wohl selbst Seminare am Montagmorgen um 8:30 Uhr aus allen N\u00e4hten platzen.<\/p>\n<p><strong>Populismus des Berliner Senats oder handfeste Verbesserung f\u00fcr prekarisierte Wissenschaftler_innen?<\/strong><\/p>\n<p>Das OSI hat, soviel vorneweg, keine realistische Option, diese 47 Lehrauftr\u00e4ge zu streichen. Nach einer solchen Streichung bliebe ein Rumpf-Lehrangebot \u00fcbrig, das weder die derzeit Immatrikulierten noch die im Wintersemester neu anfangenden Studierenden verkraften k\u00f6nnte. Am OSI etatisiertes (=fest angestelltes) Personal kann die Situation nicht entsch\u00e4rfen &#8211; es sei denn, Profs und Mittelbau erkl\u00e4ren sich bereit, im n\u00e4chsten Semester auf ein Leben au\u00dferhalb von Seminarr\u00e4umen zu verzichten. Und dass die Studis am OSI ungem\u00fctlich werden k\u00f6nnen, wenn die Lehrsituation v\u00f6llig den Bach runtergeht, <em><a href=\"http:\/\/fsiosi.blogsport.de\/2011\/06\/06\/ungewohnter-besuch-im-fachbereichsrat\/\">erkennt mittlerweile selbst Tanja B\u00f6rzel an<\/a><\/em>.<br \/>\nGefragt ist nun zun\u00e4chst die Universit\u00e4tsleitung. Aus zentralen Haushaltsmitteln kann noch am wahrscheinlichsten Geld herbeigeschafft werden, wenn das Problem uni-intern gel\u00f6st werden soll. Hier st\u00f6\u00dft mensch allerdings ganz schnell auf ein weiteres Problem: Lehrauftr\u00e4ge werden nicht nur am OSI vergeben, m\u00f6glicherweise kommen nun FU-weit Forderungen (in welcher H\u00f6he, k\u00f6nnen zumindest wir derzeit nicht \u00fcberblicken) auf das Pr\u00e4sidium zu. Und dann ist es ganz schnell wieder vorbei mit einer &#8211; ohnehin unsicheren &#8211; Aufstockung aus dem zentralen Universit\u00e4tshaushalt. Bleibt letztendlich nur, Druck auf den Berliner Senat auszu\u00fcben. Denn so begr\u00fc\u00dfenswert die Ausfinanzierung von Lehrauftr\u00e4gen auch ist, so wenig wurde bei der Durchsetzung offenbar nachgedacht. Das l\u00e4sst den Verdacht aufkeimen, dass das Verbot von unbezahlten Lehrauftr\u00e4gen eine populistische Ma\u00dfnahme ist, die zahlreichen prek\u00e4r lebenden Wissenschaftler_innen eine Verbesserung ihrer Lage verspricht, dieses Versprechen aber nicht halten kann. <\/p>\n<p>F\u00fcr uns ist dabei ganz klar: Wir lassen uns nicht gegeneinander ausspielen, weder gegen Studis an anderen Instituten, noch gegen zuk\u00fcnftige Studis, noch gegen die zahlreichen Nachwuchswissenschaftler_innen, die bis vor einem Jahr noch nicht mal eine Kopierkarte f\u00fcr ihr Lehrangebot bekamen. Der Berliner Senat muss den Unis die Mittel an die Hand geben, um seine Gesetzes\u00e4nderungen auch umsetzen zu k\u00f6nnen. Sonst k\u00f6nnte der Herbst ganz schnell hei\u00dfer werden, als ihnen lieb ist&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bisher: prek\u00e4r, prek\u00e4rer, am OSI lehrend Die Lehre am OSI wird, vor allem in grundst\u00e4ndigen Bereichen (Proseminare und &#8222;normale&#8220; Hauptseminare), vielfach von Lehrbeauftragten geleistet. 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