{"id":174,"date":"2011-12-09T16:43:02","date_gmt":"2011-12-09T15:43:02","guid":{"rendered":"http:\/\/fsiosi.blogsport.de\/?p=174"},"modified":"2011-12-09T16:43:02","modified_gmt":"2011-12-09T15:43:02","slug":"institutsrat-am-7-12-das-fane-prinzip-am-osi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/fsi_osi\/2011\/12\/09\/institutsrat-am-7-12-das-fane-prinzip-am-osi\/","title":{"rendered":"Institutsrat am 7.12. \u2013 das FANE-Prinzip am OSI"},"content":{"rendered":"<p><em>FANE (Abk.): F\u00fcr Argumente nicht empf\u00e4nglich. Beschreibt die Neigung, sich Argumente und Widerreden mehr oder weniger geduldig, v.a. aber folgenlos, anzuh\u00f6ren, weil mensch sich genau bewusst ist, dass die Entscheidung schon feststeht.<\/em><\/p>\n<p>Am Mittwochmorgen traf sich der Institutsrat (IR) des OSI zu seiner vorletzten Sitzung im Jahr 2011. Es sollte eine kontroverse Sitzung werden, und letztendlich auch eine frustrierende. Angesichts der Bedeutung der anstehenden Themen \u2013 besonders der BA-Reform und der Zukunft der Ideengeschichte als eigenst\u00e4ndiges Modul \u2013 war die Beteiligung von IR-Mitgliedern geradezu entt\u00e4uschend: mit M\u00fch und Not ging das Gremium als beschlussf\u00e4hig durch. Daf\u00fcr f\u00fcllten ca. 30-40 interessierte Studierende den Saal; ihnen bot sich ein Schauspiel, das auch noch dem\/der Letzten klar gemacht haben d\u00fcrfte, wie es um Demokratie und Mitbestimmung am OSI und der FU bestellt ist. <\/p>\n<p>Von Anfang an gab es Streit an diesem Mittwoch: etwa als die Studierendenvertreter wissen wollten, was es mit dem von Thomas Risse mitverfassten <a href=\"http:\/\/www.che.org.il\/download\/files\/Ben%20Gurion%20Report_1.pdf\"><em>Gutachten<\/em><\/a> \u00fcber die Ben-Gurion-Universit\u00e4t in Tel Aviv auf sich hat. Darin, so das Ger\u00fccht (\u00fcber das bspw. die <a href=\"http:\/\/osi-zeitung.de\/aktuell\/risse-empfiehlt-schliesung-linksorientierter-fakultat\/\"><em>OSI-Zeitung berichtet<\/em><\/a>), soll die von Risse geleitete Kommission die Schlie\u00dfung des Instituts auf Grund \u2013 vereinfacht gesagt \u2013 allzu \u201elinker\u201c Positionen gefordert haben. Risse reagierte geradezu aggressiv auf die Anfrage, behauptete, das habe die Presse erfunden und rief immer wieder \u201elesen Sie doch den Bericht!\u201c. Erst viel gutes Zureden durch Sitzungsleiterin Tanja B\u00f6rzel konnte ihn schlie\u00dflich dazu bewegen, wenigstens kurz die Position des Berichts zusammenzufassen.<br \/>\nDes Weiteren wurde auf Anfrage der studentischen Vertreter best\u00e4tigt, dass Susanne L\u00fctz nicht ihrem Ruf nach Freiburg gefolgt ist und dem OSI erhalten bleibt. Unklar ist, ob sie in ihren Bleibeverhandlungen zus\u00e4tzliches Personal und Gelder aushandeln konnte, was letztendlich auf Kosten der prekarisierten Bereiche am OSI ginge.<br \/>\nDer einzige konfliktfreie Punkt war ein Antrag auf Institutsgeld, um einen pensionierten Methoden-Professor der Bundeswehruni M\u00fcnchen zu einem Vortrag einzuladen. Diesem stimmte der IR ohne Gegenstimme bei zwei Enthaltungen zu. <\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend kam dann der Punkt, auf den v.a. die Studierenden gewartet hatten: Ingo Peters, Studiendekan am Fachbereich PolSoz, stellte den Vorschlag der Studienreformkommission (SRK) zur \u00dcberarbeitung der BA-Studienordnung vor. Warum Peters diese Aufgabe \u00fcbernahm, ist unklar: er war nicht mal Kommissionsmitglied. Vielleicht hatte der Vorsitzende der SRK, Thomas Risse, keinen Bock \u2013 seine \u201ePerformance\u201c in der sp\u00e4teren Diskussion l\u00e4sst darauf schlie\u00dfen. <\/p>\n<p>Ingo Peters rief zun\u00e4chst allen Anwesenden noch mal die Notwendigkeit einer Studienreform in Erinnerung: der BA-Studiengang wurde bei einer internen Begutachtung mit dem Pr\u00e4dikat \u201e\u00fcberarbeitungsw\u00fcrdig\u201c versehen (s. auch <a href=\"http:\/\/fsiosi.blogsport.de\/2011\/05\/12\/institutsrat-klappe-die-zweite\/\"><em>Institutsratbericht<\/em><\/a> vom 11.5.2011), auch das Peer-Review-Gutachten einer FU-fremden Kommission (\u00fcber deren Ortstermin wir <a href=\"http:\/\/fsiosi.blogsport.de\/2010\/02\/09\/systemakkreditierung-das-wars\/\"><em>hier berichtet<\/em><\/a> haben) kam zu dem Schluss, dass der Bachelor reformiert werden m\u00fcsste. Und schlie\u00dflich zwingen die drohenden Unp\u00e4\u00dflichkeiten in der Lehre durch die Reform des Berliner Hochschulgesetzes (wir <a href=\"http:\/\/fsiosi.blogsport.de\/2011\/06\/24\/geld-oder-lehre\/\"><em>berichteten<\/em><\/a>) das OSI dazu, sein Lehrangebot st\u00e4rker an den bestehenden Kapazit\u00e4ten auszurichten. Vor allem der letzte Punkt macht das ganze Konfliktpotenzial deutlich: sind doch die Mittel und Stellen am OSI \u00e4u\u00dferst ungleich verteilt. So verf\u00fcgt etwa der Bereich Internationale Beziehungen \u00fcber ca. die H\u00e4lfte der etwas \u00fcber 100 Stellen (WiMis, studentische Hilfskr\u00e4fte etc.) am OSI, w\u00e4hrend sich der Bereich Theoretische Grundlagen der Politik mit weniger als einem halben Dutzend zufrieden geben muss. Eine \u00c4nderung der Studienordnung anhand bestehender Kapazit\u00e4ten muss also fast automatisch zu einer Abwertung der politischen Theorie f\u00fchren. <\/p>\n<p>Entsprechend sah auch der Vorschlag aus, den Peters pr\u00e4sentierte: aus f\u00fcnf Pflichtmodulen (Ideengeschichte, Moderne Politische Theorie, System der BRD, Vergleichende Analyse und IB) sollen vier werden. Ideengeschichte und Moderne Politische Theorie werden zum Modul \u201ePolitische Theorie\u201c verschmolzen, dieses schl\u00e4gt mit 15 LP zu Buche und beinhaltet zwei Vorlesungen und ein Proseminar. Die Einf\u00fchrungsvorlesung samt Tutorium wird von 5 auf 10 LP aufgestockt, das (bisherige Wahlpflicht-) Modul \u201eRechtliche Grundlagen der Politik\u201c entf\u00e4llt ganz. Auch die BA-Arbeit wird ein wenig aufgewertet: von 10 auf 12 LP; unterm Strich bleiben nun 3 LP \u00fcbrig, die noch irgendwo \u201euntergebracht\u201c werden m\u00fcssen. Klausuren in Vorlesungen sollen k\u00fcnftig nur noch 120 Minuten lang sein, das Pr\u00e4sidium w\u00fcnscht sich \u00fcberdies in den Wahlpflichtmodulen verpflichtende Vorlesungen. Bisher k\u00f6nnen die Studis zwischen Vorlesung + Proseminar oder zwei Proseminaren w\u00e4hlen. Dies soll auch nach dem Willen des IR so bleiben, hier wird noch nachverhandelt.<br \/>\nF\u00fcr den Master-Studiengang, der ebenfalls \u00fcberarbeitet werden m\u00fcsste, gibt es noch keinen Vorschlag. <\/p>\n<p>Nachdem Peters geendet hatte, begann die Diskussion: die Studierenden verwiesen auf \u00a74, Abs. 1 der geltenden Studienordnung, der in gleicher Form auch im Entwurf f\u00fcr die neue enthalten ist, und in dem es unter \u201eQualifikationsziele\u201c hei\u00dft: <\/p>\n<p>\u201eDie Absolventen und Absolventinnen dieses Bachelor-Studiengangs verf\u00fcgen \u00fcber grundlegende theoretische, methodische und empirische Kenntnisse zu den ideellen und normativen Grundlagen von Politik, einschlie\u00dflich philosophisch-ideengeschichtlicher Ans\u00e4tze, politikwissenschaftlicher Theorien, in historischer, soziologischer oder \u00f6konomischen Tradition.\u201c<\/p>\n<p>Wie das denn vereinbar sei mit der Abschaffung des Moduls Ideengeschichte, wurde beispielsweise gefragt. Warum das Defizit an Lehrkapazit\u00e4t im Bereich Ideengeschichte f\u00fcr so gravierend gehalten wird, dass gleich das ganze Modul abgeschafft werden muss, wo doch etwa der Bereich \u201eSystem der BRD\u201c ein \u00e4hnlich gro\u00dfes Defizit aufweist. Warum die Rechtlichen Grundlagen komplett gestrichen werden, obwohl nach wie vor eine W3-Professur im Strukturplan des OSI steht (Antwort Frau B\u00f6rzel: \u201eIm Strukturplan steht so vieles, das hat doch nix zu bedeuten!\u201c). Und, die wohl wichtigste Frage: wie es \u00fcberhaupt zu einem Verfahren kommen konnte, bei dem zuerst strukturelle  Fakten geschaffen werden \u2013 die Streichung der Ideengeschichts-Vollprofessur beispielsweise \u2013 und dann \u00fcberlegt wird, welche Studienordnung sich daraus ergeben kann.<br \/>\nAuf keine dieser Fragen gab es eine befriedigende Antwort. Die professorale Mehrheit der IR-Mitglieder gab sich stattdessen redliche M\u00fche mit Scheindiskussionen \u00fcber die Benennung des Aufbaumoduls \u201ePolitische Theorie und Grundlagen der Politik\u201c, die aus einem einfachen Druckfehler entstanden war. Bei zahlreichen genaueren Nachfragen etwa \u00fcber die H\u00f6he des Defizits an Lehre in einzelnen Bereichen gl\u00e4nzte v.a. der SRK-Vorsitzende Thomas Risse mit geradezu schockierender Ahungslosigkeit \u2013 hier konnten immerhin die studentischen Mitglieder der Kommission etwas Aufkl\u00e4rung leisten. Stellte sich in solchen F\u00e4llen heraus, dass die von Risse genannten Zahlen falsch waren, wiederholte er immer wieder den lapidaren Kommentar \u201ewir k\u00f6nnen das auch komplett streichen, wenn das so ist\u201c. <\/p>\n<p>Besonders frustrierend, gerade f\u00fcr viele IR-Neulinge, d\u00fcrfte dabei die v\u00f6llige Beratungsresistenz der professoralen Mehrheit gewesen sein. Die Studierenden zeigten immer wieder m\u00f6gliche L\u00f6sungen auf (manche davon zugegebenerma\u00dfen ad hoc entstanden und folglich nicht zu 100% ausgereift), die schlicht ignoriert wurden. Zu einer vorgeschlagenen Umwidmung der W3-Professur \u201eRechtliche Grundlagen\u201c in eine Professur f\u00fcr \u201eIdeengeschichtliche und Staatsrechtliche Grundlagen der Politik\u201c, die auch dem Bereich System der BRD h\u00e4tte unter die Arme greifen k\u00f6nnen, meinte B\u00f6rzel: \u201eDas dauert dann wieder 3-4 Jahre, das Pr\u00e4sidium will aber jetzt Ergebnisse sehen!\u201c Zur Erinnerung: Umbenennung und Neubesetzung der ehemaligen Professur f\u00fcr Ideengeschichte schaffte das OSI in weniger als einem Jahr.<br \/>\nDie von Thomas Eimer in der <a href=\"http:\/\/osi-zeitung.de\/aktuell\/zur-stellung-der-politischen-theorie-am-osi\/\"><em>OSI-Zeitung<\/em><\/a> vorgeschlagene Idee, Ideengeschichte und Politische Theorie durch Lehrveranstaltungen anderer Bereiche zu unterst\u00fctzen \u2013 etwa mittels Co-Ank\u00fcndigungen \u2013 wurde mit Verweis auf die (angeblichen) riesigen Defizite in Punkto Lehrkapazit\u00e4t f\u00fcr unpraktikabel erkl\u00e4rt. Ob diese Defizite dabei wirklich so hoch sind, darf getrost bezweifelt werden \u2013 immerhin lag Thomas Risse mit keiner einzigen (!) konkreten Zahl, die er nannte, richtig. <\/p>\n<p>Allen Argumenten und allem Protest zum Trotz schritt der IR letztlich zur Abstimmung. Die weitere Arbeit der SRK, so Tanja B\u00f6rzel, sei sinnlos, wenn nicht die Frage des Fortbestehens der Ideengeschichte gekl\u00e4rt sei. Da in der vorherigen Diskussion dieser Punkt nur am Rande angesprochen wurde, verlangten die studentischen Vertreter eine weitere Aussprache. Hier wurden abermals Vorschl\u00e4ge und Alternativen eingebracht, denen die Professor_innen erneut mit Sachzw\u00e4ngen und Sturheit entgegentraten. Es kam letztendlich zu einer Abstimmung \u00fcber die Reduzierung der politischen Theorie von 20 auf 15 LP. Hier zeigte sich eindrucksvoll wie demokratisch Gremien an der Universit\u00e4t sind. Die professorale Mehrheit stimmte unisono f\u00fcr die Reduzierung. Von den anwesenden Student_innen durften nur zwei \u2013 die studentischen Vertreter \u2013 Abstimmen, konnten aber mit einem Gruppenveto die Entscheidung auf n\u00e4chste Woche verschieben. Mensch muss sich hier die Frage stellen warum an einem Institut mit ca. 3500 Student_innen und nur einem Dutzend Professor_innen letztere die Stimmmehrheit haben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Durch das studentische Gruppenveto muss der Institutsrat in der n\u00e4chsten Woche (<strong>14.12. um 8 Uhr im H\u00f6rsaal 21\/B<\/strong>) erneut \u00fcber diese Entscheidung abstimmen. Laut Tanja B\u00f6rzel soll Ende Januar die fertige Studienordnung im Fachbereichsrat durchgestimmt werden und dann f\u00fcr die neuen Student_innen im Wintersemester 2012\/13 gelten. Anfang Januar wird ein Institutstag stattfinden, welcher vor allem die Problematik dieser Entscheidung und m\u00f6gliche Alternativen ausf\u00fchrlich diskutieren wird. Genaueres findet ihr bald auf unserem Blog.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>FANE (Abk.): F\u00fcr Argumente nicht empf\u00e4nglich. Beschreibt die Neigung, sich Argumente und Widerreden mehr oder weniger geduldig, v.a. aber folgenlos, anzuh\u00f6ren, weil mensch sich genau bewusst ist, dass die Entscheidung schon feststeht. Am Mittwochmorgen traf sich der Institutsrat (IR) des OSI zu seiner vorletzten Sitzung im Jahr 2011. 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