{"id":22,"date":"2008-03-26T10:59:46","date_gmt":"2008-03-26T09:59:46","guid":{"rendered":"http:\/\/fsiosi.blogsport.de\/2008\/03\/26\/l-o-o-k-i-s-m-was-schoenheit-mit-herrschaft-zu-tun-hat\/"},"modified":"2008-03-26T10:59:46","modified_gmt":"2008-03-26T09:59:46","slug":"l-o-o-k-i-s-m-was-schoenheit-mit-herrschaft-zu-tun-hat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/fsi_osi\/2008\/03\/26\/l-o-o-k-i-s-m-was-schoenheit-mit-herrschaft-zu-tun-hat\/","title":{"rendered":"L o o k i s m \u2013 was \u201eSch\u00f6nheit\u201c mit Herrschaft zu tun hat"},"content":{"rendered":"<p><em>(th) <\/em>Wenn wir an den Begriff &#8222;Herrschaft&#8220; denken, dann assoziieren wir ihn oftmals mit unterdr\u00fcckten Massen. Der Klassenwiderspruch f\u00e4llt uns ein, vielleicht die Sklaverei oder andere Gei\u00dfeln der Menschheit.<br \/>\nDie Wenigsten w\u00fcrden das Gesicht eines &#8222;h\u00fcbschen&#8220; Models mit Herrschaft in Verbindung bringen. Das ginge ja auch gar nicht, denn diejenigen, die herrschen sind immer b\u00f6se und damit auch &#8222;h\u00e4sslich&#8220;. Ob das nun der fette Kapitalist mit Zigarre, Zylinder, Hakennase, schwulstigen Lippen und fliehender Stirn ist oder M\u00e4rchenfiguren wie die Pechmarie, die Hexe, die b\u00f6se\/h\u00e4ssliche Stiefmutter und Rumpelstielzchen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/userserve-ak.last.fm\/serve\/160\/1912823.jpg\" alt=\"Zwerge im Kampf gegen lookism\" align=\"left\" \/><\/p>\n<p>Die Einheit vom &#8222;Sch\u00f6nen&#8220; und Guten, bzw. vom &#8222;H\u00e4sslichen&#8220; und B\u00f6sen, die wir schon im Kleinkindalter lernen, steckt in uns drin und ist eine Brille, durch die wir andere Menschen beobachten und klassifizieren.<br \/>\nLookism bezeichnet dieses Herrschaftsverh\u00e4ltnis, welches sich \u00fcber das \u00c4u\u00dfere von Menschen konstituiert. Diese Herrschaftsverh\u00e4ltnis steht aber nicht f\u00fcr sich, sondern steht mit anderen in Zusammenhang, z.B. mit Sexismus, Rassismus, Ableism (Diskriminierung von Behinderten), Ageism (Diskriminierung nach dem Alter), Seizism (Diskriminierung von &#8222;dicken&#8220; Menschen).<br \/>\nDiesem Herrschaftsverh\u00e4ltnis kann sich niemand entziehen. Jede_r ist Teil dessen, denn wir sind alle Profis, wenn es darum geht Menschen innerhalb von Millisekunden zu mustern und uns ein Bild von ihnen zu machen. Dieses Bild bleibt nicht folgenlos, denn ob es &#8222;sch\u00f6n&#8220; oder &#8222;h\u00e4sslich&#8220; ist, entscheidet dar\u00fcber, ob wir diesem Menschen begegnen (wollen), und wenn ja, wie. Lehrer_innen geben &#8222;h\u00fcbschen&#8220; Kindern bessere Noten, Arbeitgeber_innen ihren &#8222;gutaussehenden&#8220; Angestellten im Schnitt 10% mehr Lohn, Richter_innen sind milder im Umgang mit &#8222;sch\u00f6nen&#8220; Verbrecher_innen. Das hei\u00dft im Umkehrsschluss, dass &#8222;h\u00e4ssliche&#8220; oder &#8222;durchschnittliche&#8220; Menschen systematisch diskriminiert werden.<br \/>\nSch\u00f6nheit ist ein knappes Gut und jede_r will es haben oder selbst sein. Deswegen gehen wir zum Friseur, rasieren uns, schminken uns, kaufen uns sch\u00f6ne Sachen, lassen uns Muskelimplantate einsetzen oder das Fett absaugen.<br \/>\n&#8222;Sch\u00f6nheitshandeln&#8220; bezeichnet die Soziologin Nina Degele diese T\u00e4tigkeiten, die dazu geeignet sind den eigenen Marktwert zu erh\u00f6hen. Sch\u00f6nheitshandeln ist ein &#8222;Medium der Kommunikation, das der Inszenierung der eigenen Au\u00dfenwirkung zum Zweck der Erlangung von Aufmerksamkeit und Sicherung der eigenen Identit\u00e4t dient. [&#8230;] Sch\u00f6nheitshandeln ist ein Versuch zur Teilhabe an sozialer Macht.&#8220; Daneben l\u00e4sst sich der eigene Marktwert auch damit erh\u00f6hen, dass der_die Partner_in\/die Menschen, die eine_n umgeben zumindest nicht &#8222;h\u00e4sslicher&#8220;, besser aber &#8222;sch\u00f6ner&#8220; ist\/sind. Wer diese Qualit\u00e4ten nicht hat, kann versuchen sein eigenes Geld in die Waagschale zu werfen und damit mangelnde &#8222;Sch\u00f6nheit&#8220; zu kompensieren versuchen.<br \/>\nIn gewisser Hinsicht wird das funktionieren, denn Sch\u00f6nheitshandeln kostet Geld. Es f\u00e4ngt bei Kleidung und Kosmetika an und gipfelt bei teuren Sch\u00f6nheitsoperationen.<br \/>\nDoch was hei\u00dft das &#8222;H\u00e4ssliche&#8220;oder &#8222;Sch\u00f6ne&#8220;. Fehlende Gliedma\u00dfen verfehlen die Norm aufs Sch\u00e4rfste, wer zu &#8222;dick&#8220; ist, wird geh\u00e4nselt. Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten in der Symmetrie des eigenen Gesichts bringen das Etikett &#8222;h\u00e4sslich&#8220; mit sich. Jedes Kind wei\u00df, dass Menschen, die so aussehen eben nicht &#8222;sch\u00f6n&#8220; sind. Was aber hat es mit einem behaarten Bein auf sich? Ist ein behaartes Bein &#8222;sch\u00f6n&#8220; oder &#8222;h\u00e4sslich&#8220;. Bevor wir das feststellen k\u00f6nnen, steht die Frage nach dem Geschlecht, an dem das Bein h\u00e4ngt. Bei M\u00e4nnern sind haarige Beine in Ordnung, bei Frauen wird das gesellschaftlich ge\u00e4chtet. Sch\u00f6nheitsnormen sind also geschlechtsspezifisch, was wiederum ein Ausdruck von Heteronormativit\u00e4t ist. Frauen m\u00fcssten M\u00e4nnern gefallen, und andersherum. Homosexualit\u00e4t wird vollkommen ausgeblendet, oder dient dazu Menschen, die nicht der Norm entsprechen zu stigmatisieren. Rasiert sich ein Mann Achseln und Beine, wird er als &#8222;Schwuchtel&#8220; gebranntmarkt, Frauen mit behaarten Beinen als &#8222;Mannsweiber&#8220;.<br \/>\nViel zu oft wird behauptet, dass Sch\u00f6nheitsnormen doch einen Zweck erf\u00fcllten und nat\u00fcrlich seien. Diese &#8222;Nat\u00fcrlichkeit&#8220; h\u00e4lt einen Blick in die Menschheitsgeschichte auf die damals g\u00e4ngigen Sch\u00f6nheitsnormen nicht Stand. Im Barock galten &#8222;dicke&#8220; Menschen als &#8222;sch\u00f6n&#8220;, heute werden sie nur noch bemitleidet. Blasse Haut galt im Mittelalter als Luxus und war somit &#8222;h\u00fcbsch&#8220;. Wer es sich also leisten konnte nicht auf dem Feld arbeiten zu m\u00fcssen und f\u00fcr dessen leibliches Wohl gesorgt war, der_die galt als die Norm. Wer heute das Geld hat auf gesunde Ern\u00e4hrung zu achten und wer sich Reisen in die S\u00fcden leisten kann, besitzt die Definitionsmacht \u00fcber das, was als &#8222;sch\u00f6n&#8220; gilt.<br \/>\nIm Weltma\u00dfstab gilt europ\u00e4isches Aussehen als das Ma\u00df aller Dinge. Schlanke wei\u00dfe K\u00f6rper sind das Ziel. Die Folgen sind nicht verwunderlich. Hautausbleichende Kosmetika und Augenlidoperationen haben in Asien Hochkonjunktur.<br \/>\nSch\u00f6nheitsnormen haben also vielmehr sozio\u00f6konomische Hintergr\u00fcnde und sind sozial konstruiert. Die Rede von der &#8222;Nat\u00fcrlichkeit&#8220; soll diesen Herrschaftsmechanismus unsichtbar und nicht angreifbar machen. Wir m\u00fcssen diese Mechanismen aufdecken und benennen, aber auch selbstkritisch an die Thematik herangehen und unsere eigene Position in diesem System \u00fcberdenken. Inwieweit tragen wir zu lookism bei?<\/p>\n<p>Weitere Informationen: <a href=\"http:\/\/www.lookism.info\">www.lookism.info<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(th) Wenn wir an den Begriff &#8222;Herrschaft&#8220; denken, dann assoziieren wir ihn oftmals mit unterdr\u00fcckten Massen. Der Klassenwiderspruch f\u00e4llt uns ein, vielleicht die Sklaverei oder andere Gei\u00dfeln der Menschheit. Die Wenigsten w\u00fcrden das Gesicht eines &#8222;h\u00fcbschen&#8220; Models mit Herrschaft in Verbindung bringen. 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