{"id":3547,"date":"2020-11-23T14:45:30","date_gmt":"2020-11-23T13:45:30","guid":{"rendered":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/?page_id=3547"},"modified":"2021-04-16T11:15:55","modified_gmt":"2021-04-16T09:15:55","slug":"schwaechen-eines-argumentes-erkennen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/lernen\/argumentieren\/hinterfrage-dein-argument\/schwaechen-eines-argumentes-erkennen\/","title":{"rendered":"Die Schw\u00e4chen eines Argumentes erkennen"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Ein Beitrag von Hannah Schickl<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Oft erscheinen Argumente vordergr\u00fcndig als gute Argumente, bis man genauer und kritisch hinsieht. Deswegen bedarf es bestimmter Methoden, um die Schw\u00e4chen eines Arguments zu entdecken. Zwei Methoden werden hier vorgestellt: einerseits Argumente in eine logische Form zu bringen und andererseits analoge Argumente zu bilden.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">1. Logisch umformulieren<\/h2>\n\n\n\n<p>Ein Hilfsmittel ist zum Beispiel, ein Argument<span style=\"color:#000000\" class=\"has-inline-color\"> in eine Standardform <\/span>zu bringen: <strong>Pr\u00e4misse P1, Pr\u00e4misse P2<\/strong> etc.,<strong> Konklusion K<\/strong>. Dabei k\u00f6nnen beispielsweise implizite Pr\u00e4missen verdeutlicht werden, das hei\u00dft Annahmen, die das Argument braucht, aber (bewusst oder unbewusst) nicht ausgesprochen werden. Zum Beispiel k\u00f6nnen bestimmte Grund\u00fcberzeugungen oder pers\u00f6nliche Meinungen bei einem Argument im Hintergrund mitschwingen, denen nicht jeder zustimmen kann, die aber ebenfalls \u00fcberpr\u00fcft werden m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>Beispiel-Argument: &#8222;Die genetische Ausstattung sollte nicht ver\u00e4ndert werden, weil sie nat\u00fcrlich ist.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-background\" style=\"background-color:#37c8ab\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<p><span class=\"has-inline-color has-very-dark-gray-color\">Standardform<\/span><\/p>\n\n\n\n<p><strong>P1<\/strong>: Nat\u00fcrliches hat einen Eigenwert. [Implizite Pr\u00e4misse]<\/p>\n\n\n\n<p><strong>P2<\/strong>: Was einen Eigenwert hat, sollte nicht ver\u00e4ndert werden. [Implizite Pr\u00e4misse]<\/p>\n\n\n\n<p><strong>K1<\/strong> Nat\u00fcrliches sollte nicht ver\u00e4ndert werden. [Implizite Konklusion]<\/p>\n\n\n\n<p><strong>P3<\/strong>: Die genetische Ausstattung ist nat\u00fcrlich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>K2<\/strong>: Die genetische Ausstattung sollte nicht ver\u00e4ndert werden.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>Die logische Umformulierung macht die impliziten Pr\u00e4missen P1 und P2 sowie die implizite Konklusion K1 deutlich. Halten diese (Vor-)Annahmen einer kritischen Pr\u00fcfung nicht stand, fehlt K2 die begr\u00fcndende Basis. <\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">2. Analoge Argumente bilden<\/h2>\n\n\n\n<p>Ein weiteres Hilfsmittel ist, ein analoges Argument zu bauen, das dieselbe Struktur hat, dessen Konklusion aber offensichtlich falsch ist. Dies ist dann ein Hinweis darauf, dass das urspr\u00fcngliche Argument ebenfalls fehlerhaft ist. <\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>Beispiel-Argument: &#8222;Die genetische Ausstattung sollte nicht ver\u00e4ndert werden, weil sie nat\u00fcrlich ist.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-background\" style=\"background-color:#37c8ab\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<p>Standardform:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>P1<\/strong>: Nat\u00fcrlichkeit hat einen Wert an sich. [Implizite Pr\u00e4misse]<\/p>\n\n\n\n<p><strong>P2:<\/strong> Was einen Wert an sich hat, sollte nicht ver\u00e4ndert werden. [Implizite Pr\u00e4misse]<\/p>\n\n\n\n<p><strong>P3<\/strong>: Die genetische Ausstattung ist nat\u00fcrlich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>K<\/strong>: Die genetische Ausstattung sollte nicht ver\u00e4ndert werden.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-background\" style=\"background-color:#ff9854\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<p>Analoges Gegenbeispiel:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>P1<\/strong>: Nat\u00fcrlichkeit hat einen Wert an sich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>P2:<\/strong> Was einen Wert an sich hat, sollte nicht ver\u00e4ndert werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>P3<\/strong>: Krankheiten sind nat\u00fcrlich.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>K<\/strong>: Krankheiten sollten nicht durch Therapie oder \u00c4hnliches ver\u00e4ndert werden.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>Das Gegenbeispiel verdeutlicht das inhaltliche Problem des Arguments, dass die pr\u00e4skriptive Annahme in P1, dass Nat\u00fcrlichkeit an sich wertvoll ist, zu weit geht und damit an sich fraglich wird. Es ist ein h\u00e4ufiger inhaltlicher Fehler, dass \u201enat\u00fcrlich\u201c mit \u201egut\u201c gleichgesetzt wird. <\/p>\n\n\n\n<p>Ein Argument ist allerdings nicht allein deswegen unschl\u00fcssig oder ung\u00fcltig, weil die Konklusion der eigenen Meinung oder Position widerspricht. Wenn wir das Gef\u00fchl haben, dass mit einem Gegenargument etwas nicht stimmt, es pr\u00fcfen und f\u00fcr korrekt befinden, m\u00fcssen wir unsere eigene Meinung oder Position auch kritisch hinterfragen. Aus diesem Grund wechseln oder passen die meisten Philosophen im Laufe ihres Lebens mindestens einmal oder auch mehrmals ihre eigene Position an.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Beitrag von Hannah Schickl Oft erscheinen Argumente vordergr\u00fcndig als [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4241,"featured_media":0,"parent":1606,"menu_order":3,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-3547","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/3547","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4241"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3547"}],"version-history":[{"count":71,"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/3547\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8549,"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/3547\/revisions\/8549"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1606"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3547"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}