{"id":4004,"date":"2021-01-07T20:05:30","date_gmt":"2021-01-07T19:05:30","guid":{"rendered":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/?page_id=4004"},"modified":"2021-05-03T13:24:19","modified_gmt":"2021-05-03T11:24:19","slug":"das-prinzip-der-pflicht-deontologische-moraltheorie","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/das-prinzip-der-pflicht-deontologische-moraltheorie\/","title":{"rendered":"Das Prinzip der Pflicht &#8211; Deontologische Ethik"},"content":{"rendered":"\n<div style=\"height:101px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-cover has-background-dim\" style=\"background-image:url(https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/files\/2020\/11\/background-3581188_640.jpg);background-position:50% 44%;min-height:300px;aspect-ratio:unset;\"><div class=\"wp-block-cover__inner-container is-layout-flow wp-block-cover-is-layout-flow\">\n<h2 class=\"has-text-align-center wp-block-heading\">Das Prinzip der Pflicht &#8211; Deontologische Ethik<\/h2>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p><em>Vorgestellt von Annett Wienmeister<\/em><\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/medien.cedis.fu-berlin.de\/genomedit\/audio_deontologische Ethik_wienmeister.mp3\"><\/audio><figcaption><strong>Text zum Anh\u00f6ren<\/strong><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p>Es gibt Ans\u00e4tze, die moralisch gute Handlugen an die Erreichung eines bestimmten Zieles wie Lust (<a href=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/hedonismus\/\">Hedonismus<\/a>), Gl\u00fcck (<a href=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/das-prinzip-des-gluecks-eudaemonismus\/\">Eudaimonismus<\/a>) oder den gr\u00f6\u00dftm\u00f6glichen Ertrag positiver Werte (<a href=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/das-prinzip-des-nutzens-utilitarismus\/\">Utilitarismus<\/a>) binden. Dar\u00fcber hinaus gibt es aber auch Ans\u00e4tze, die davon ausgehen, dass das, was Handlungen als moralisch gut auszeichnet, um seiner selbst willen gefordert ist:  die sogenannten deontologischen Positionen, die wir uns jetzt anschauen wollen. Der Begriff <em>\u03b4\u03ad\u03bf\u03bd<\/em> (deon) ist altgriechisch und bedeutet so viel wie &#8222;die Pflicht&#8220;, &#8222;das N\u00f6tige&#8220;, &#8222;das Erforderliche&#8220;. Einer der bekanntesten Vertreter_innen der Pflichtethik ist Immanuel Kant. Er lebte und wirkte im 18. Jahrhundert.<a href=\"#ftn01\">[1]<\/a> Schauen wir uns seine Antwort auf die Frage, was Handlungen als moralisch gute Handlungen auszeichnet, genauer an.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n<h4 style=\"padding-left: 40px;text-align: center\">Ohne Einschr\u00e4nkung gut ist allein ein guter Wille<\/h4>\n\n\n<p>F\u00fcr Kant liegt der moralische Wert einer Handlung nicht in unseren Neigungen zur Lust, unserem Streben nach Gl\u00fcck oder in einer Nutzenmaximierung begr\u00fcndet. Ausschlaggebend ist vielmehr, ob die Handlung aus einem guten Willen desjenigen hervorgeht, der sie ausf\u00fchrt. Ein bekanntes Zitat dazu stammt aus dem Buch<em> Grundlegung zur Metaphysik der Sitten<\/em> (GMS), in dem Kant sagt: <\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><span style=\"color:#31a4b4\" class=\"has-inline-color\"><em>\u201eEs <\/em><\/span><em><span style=\"color:#31a4b4\" class=\"has-inline-color\">ist \u00fcberall nichts in der Welt, ja \u00fcberhaupt auch au\u00dfer derselben zu denken m\u00f6glic<\/span><\/em><span style=\"color:#31a4b4\" class=\"has-inline-color\"><em>h, was ohne Einschr\u00e4nkung f\u00fcr gut k\u00f6nnte gehalten werden, als ein guter Wille.\u201c<\/em> <\/span>(GMS 393)<\/p><\/blockquote>\n\n\n\n<p>Der Mensch kennt Kant zufolge mehrere Bestimmungsgr\u00fcnde f\u00fcr sein Handeln. Zum einen k\u00f6nnen wir uns als Sinneswesen von unseren Trieben, Neigungen und Interessen und generell von \u00e4u\u00dferen Einfl\u00fcssen leiten lassen. In diesem Falle handeln wir aber nicht selbstbestimmt, sondern wir bleiben fremdbestimmt \u2013 Kant nennt das heteronom. Dabei handelt es sich um ein altgriechisches Wort, das sich zusammensetzt aus dem Wort \u1f15\u03c4\u03b5\u03c1\u03bf\u03c2 (h\u00e9teros) f\u00fcr &#8222;anders&#8220;, &#8222;verschieden&#8220;, &#8222;fremd&#8220; und dem Wort \u03bd\u03cc\u03bc\u03bf\u03c2 (n\u00f3mos) f\u00fcr &#8222;Gesetz&#8220;, &#8222;Sitte&#8220;, &#8222;Ordnung&#8220;. Kant zufolge gilt aber auch, dass, selbst wenn ich es dem Zufall \u00fcberlie\u00dfe, was mit mir geschieht, ich nicht selbstbestimmt handeln w\u00fcrde \u2013 denn das w\u00e4re \u00fcberhaupt kein Handeln. Neben Neigungen und Interessen gibt es aber noch einen anderen Bestimmungsgrund unseres Willens und unseres Handelns. Wir sind n\u00e4mlich nicht nur Sinneswesen, sondern auch Vernunftwesen. Und als Vernunftwesen k\u00f6nnen wir uns frei entscheiden, nicht nur nach unseren individuellen Neigungen, sondern auch aus allgemeing\u00fcltigen vern\u00fcnftigen Gr\u00fcnden zu handeln. Und wenn wir uns diese Gr\u00fcnde selbst geben und sie nicht einfach von anderen Autorit\u00e4ten \u00fcbernehmen, dann handeln wir wirklich selbstbestimmt &#8211; Kant nennt das autonom. Dieses Wort setzt sich aus dem altriechischen \u03b1\u1f50\u03c4\u03cc\u03c2 (aut\u00f3s) f\u00fcr &#8222;selbst&#8220; und \u03bd\u03cc\u03bc\u03bf\u03c2 (n\u00f3mos) f\u00fcr &#8222;Gesetz&#8220;, &#8222;Sitte&#8220;, &#8222;Ordnung&#8220; zusammen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n<h4 style=\"text-align: center\">Imperative als Gebote der Vernunft<\/h4>\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:70%\">\n<p>Was macht nun aber konkret unsere Handlungen zu moralisch guten Handlungen? Um diese Frage weitergehend zu beantworten, m\u00fcssen wir uns Kant zufolge verschiedene Weisen anschauen, wie wir mit der Vernunft unseren Willen bestimmen k\u00f6nnen. Es handelt sich dabei um verschiedene Handlungsaufforderungen, die sich in sogenannten Imperativen der Vernunft ausdr\u00fccken. Kant unterscheidet zwei hypothetische Imperative vom kategorischen Imperativ &#8211; schauen wir uns zun\u00e4chst die hypothetischen Imperative an. <\/p>\n\n\n\n<p><em>Der hypothetisch-technische Imperativ<\/em>: Wenn es z. B. darum geht, die notwendigen Mittel zur Erf\u00fcllung einer beliebigen Absicht zu erw\u00e4gen, dann handelt es sich um einen sogenannten hypothetisch-technischen Imperativ. Dieser besagt in etwa Folgendes: F\u00fcr den Fall, dass du X erreichen m\u00f6chtest, musst du Y daf\u00fcr tun. X kann dabei alles M\u00f6gliche sein \u2013 Schwimmen oder Klavierspielen lernen beispielsweise. Y steht f\u00fcr diejenigen Handlungen, die am Ehesten zur Erreichung des Ziels f\u00fchren, z. B. Schwimm- oder Klavierunterricht nehmen. Kant nennt diese hypothetisch-technischen Imperative auch Regeln der Geschicklichkeit.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:30%\">\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/files\/2020\/12\/Immanuel_Kant_painted_portrait-711x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4121\" width=\"190\" height=\"274\" srcset=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/files\/2020\/12\/Immanuel_Kant_painted_portrait-711x1024.jpg 711w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/files\/2020\/12\/Immanuel_Kant_painted_portrait-208x300.jpg 208w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/files\/2020\/12\/Immanuel_Kant_painted_portrait-768x1106.jpg 768w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/files\/2020\/12\/Immanuel_Kant_painted_portrait-830x1195.jpg 830w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/files\/2020\/12\/Immanuel_Kant_painted_portrait-230x331.jpg 230w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/files\/2020\/12\/Immanuel_Kant_painted_portrait-350x504.jpg 350w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/files\/2020\/12\/Immanuel_Kant_painted_portrait-480x691.jpg 480w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/files\/2020\/12\/Immanuel_Kant_painted_portrait-250x360.jpg 250w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/files\/2020\/12\/Immanuel_Kant_painted_portrait-550x792.jpg 550w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/files\/2020\/12\/Immanuel_Kant_painted_portrait-800x1152.jpg 800w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/files\/2020\/12\/Immanuel_Kant_painted_portrait-125x180.jpg 125w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/files\/2020\/12\/Immanuel_Kant_painted_portrait-347x500.jpg 347w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/files\/2020\/12\/Immanuel_Kant_painted_portrait.jpg 964w\" sizes=\"auto, (max-width: 190px) 100vw, 190px\" \/><figcaption>Immanuel Kant (1724 &#8211; 1804)<\/figcaption><\/figure><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p><em>Der hypothetisch-pragmatische Imperativ<\/em>: Ein zweiter hypothetischer Imperativ ist der sogenannte pragmatische Imperativ der Klugheit. Er richtet sich laut Kant an alle Menschen und nicht nur an diejenigen, die ganz spezifische Absichten verfolgen. Er richtet sich an alle, weil die Menschen ihm zufolge eine ganz bestimmte Absicht miteinander teilen, n\u00e4mlich die der Gl\u00fcckseligkeit. Die sogenannten Imperative der Klugheit legen entsprechend Ma\u00dfnahmen f\u00fcr die Bef\u00f6rderung des Gl\u00fccks oder des Wohlergehens nahe, so z. B. Empfehlungen f\u00fcr eine gesunde Lebensf\u00fchrung. Da jedoch die konkrete Ausgestaltung eines gl\u00fccklichen Lebens individuell verschieden ist, handelt es sich im strengen Sinne hier lediglich um Ratschl\u00e4ge der Klugheit. <\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n<h4 style=\"padding-left: 40px;text-align: center\"><strong>Das moralische Gebot der Vernunft ist der kategorische Imperativ<br><\/strong><\/h4>\n\n\n<p><em>Der kategorische Imperativ<\/em>: Eine dritte Art des Imperativs als Forderung der Vernunft gebietet eine Handlung nicht nur hypothetisch als Mittel f\u00fcr die Erf\u00fcllung einer beliebigen Absicht oder einer allgemeinen Gl\u00fccksabsicht, sondern kategorisch, weil die Handlung an sich geboten ist. Der kategorische Imperativ ist also nicht durch andere Zwecke oder Ziele bedingt, er gilt notwendig und ist damit ein Gesetz. Kant nennt den kategorischen Imperativ deshalb auch das Gesetz der Sittlichkeit. Und nur wenn unser Wille durch dieses Gesetz bestimmt ist, dann haben wir einen guten Willen und die aus ihm folgenden Handlungen sind moralisch gute Handlungen. Wie lautet nun der Kategorische Imperativ? Nun, es gibt verschiedene Formulierungen dieses einen Sittengesetzes. Am bekanntesten ist wohl die <strong>Universalisierungsformel<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:37.5%\">\n<div class=\"wp-block-cover has-pale-cyan-blue-background-color has-background-dim\" style=\"min-height:317px;aspect-ratio:unset;\"><div class=\"wp-block-cover__inner-container is-layout-flow wp-block-cover-is-layout-flow\">\n<p style=\"text-align: center\"><span style=\"color: #000000\"><strong>Die Universaliserungsformel des Kategorischen Imperativs<\/strong><\/span><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><em><span style=\"color:#000000\" class=\"has-inline-color\">\u201eHandle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines <\/span><\/em><span style=\"color:#000000\" class=\"has-inline-color\"><em>Gesetz werde.\u201c <\/em>(GMS 421)<\/span><\/p><\/blockquote>\n<\/div><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:62.5%\">\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<p>Unter dem Begriff einer Maxime versteht Kant unsere subjektiven Grunds\u00e4tze, Grundhaltungen und Vors\u00e4tze, nach denen wir unsere einzelnen Handlungen ausrichten. Der kategorische Imperativ besagt nun, dass wir diejenigen Grunds\u00e4tze w\u00e4hlen sollen, die zugleich ein allgemeines Gesetz werden k\u00f6nnen, das auch alle anderen vern\u00fcnftigen Wesen mit guten Gr\u00fcnden anerkennen w\u00fcrden. Es handelt sich hierbei nicht um die sogenannte \u201eGoldene Regel\u201c, die sagt: \u201eWas du nicht willst, dass man dir tu, das f\u00fcg auch keinem anderen zu\u201c. Der kategorische Imperativ und die goldene Regel sind nicht dasselbe, zum einen, weil man nicht davon ausgehen kann, dass die eigenen Vorstellungen von Gl\u00fcck und Wohlbefinden von allen Menschen geteilt werden (das ist bestimmt nicht so). Zum anderen verlangt der kategorische Imperativ von uns aus Gr\u00fcnden der Vernunft zu handeln, selbst dann, wenn wir gar keine Lust darauf haben bzw. wenn wir keine Neigung zu dieser Handlung versp\u00fcren. Vielmehr noch: Kant sagt, gerade dann, wenn wir die Handlung, die der kategorische Imperativ von uns erfordert, v\u00f6llig unabh\u00e4ngig sowohl von unseren Neigungen als auch von den m\u00f6glichen Folgen ausf\u00fchren, gerade und erst dann, handeln wir wirklich autonom und moralisch. Wir handeln Kant zufolge in diesem Fall aus Pflicht.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:62.5%\">\n<p>Wir haben gesehen, dass die Ausrichtung der Maximen unseres Handelns am kategorischen Imperativ bedeutet, dass wir unseren Willen nach vern\u00fcnftigen Gr\u00fcnden bestimmen, die f\u00fcr alle anderen vern\u00fcnftigen Wesen verst\u00e4ndlich und akzeptierbar sind. Dadurch schlie\u00dfen wir zugleich auch aus, dass wir andere vern\u00fcnftige Personen lediglich f\u00fcr unsere egoistischen Ziele einspannen und sie somit als Mittel f\u00fcr unsere eigenen subjektiven Zwecke gebrauchen. Eine weitere Fassung des kategorischen Imperativs ist dementsprechend die <strong>Selbstzweckformel<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Dass wir uns selbst und andere Personen nicht ausschlie\u00dflich als Mittel zum Zweck nutzen, dr\u00fcckt sich auch in unserer Achtung f\u00fcr unsere und ihre Menschenw\u00fcrde aus. Vern\u00fcnftige Personen haben laut Kant als Zwecke an sich selbst deshalb nicht blo\u00df einen relativen Wert, sondern einen inneren, absoluten Wert, eben eine W\u00fcrde.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:37.5%\">\n<div class=\"wp-block-cover has-pale-cyan-blue-background-color has-background-dim\" style=\"min-height:250px;aspect-ratio:unset;\"><div class=\"wp-block-cover__inner-container is-layout-flow wp-block-cover-is-layout-flow\">\n<p style=\"text-align: center\"><span style=\"color: #000000\"><strong>Die Selbstzweckformel des Kategorischen Imperativs<\/strong><\/span><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><em><span style=\"color:#000000\" class=\"has-inline-color\">\u201eHandle so, dass du die Menschheit, sowohl in deiner Person als in der Person eines <\/span><\/em><span style=\"color:#000000\" class=\"has-inline-color\"><em>jeden anderen, jederzeit zugleich als Zweck, niemals blo\u00df als Mittel gebrauchst\u201c<\/em>. (GMS 429).<\/span><\/p><\/blockquote>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p>Die beiden Formulierungen des kategorischen Imperativs sind recht formal \u2013 Kant gibt uns also keine konkreten moralischen Gebote an die Hand, sondern ein ganz allgemeines Kriterium, welches uns anzeigt, wann unsere Handlungen moralisch gut sind und wann nicht. Schauen wir uns deshalb ein Beispiel von Kant an, um besser verstehen zu k\u00f6nnen, welchen Anspruch der kategorische Imperativ an unsere Willensbestimmungen und Handlungen stellt (klicke auf das Fragezeichen f\u00fcr die L\u00f6sung):<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:20%\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:60%\"><div class=\"h5p-iframe-wrapper\"><iframe id=\"h5p-iframe-79\" class=\"h5p-iframe\" data-content-id=\"79\" style=\"height:1px\" src=\"about:blank\" frameBorder=\"0\" scrolling=\"no\" title=\"Beispiel L\u00fcge\"><\/iframe><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:20%\"><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n<h4 style=\"padding-left: 40px;text-align: center\"><span style=\"color: #000000\">Warum sollten wir moralisch handeln wollen, v\u00f6llig unabh\u00e4ngig von pers\u00f6nlichen Gl\u00fcckserw\u00e4gungen?<\/span><\/h4>\n\n\n<p>Kants kategorischer Imperativ bietet eine Alternative zu den verschiedenen Prinzipien teleologischer Ethik, etwa der Lustbef\u00f6rderung beim Hedonismus, dem Gl\u00fccksstreben beim Eud\u00e4monismus und der Nutzenmaximierung beim Utilitarismus. Nat\u00fcrlich ist auch seine deontologische Ethik kritischen Fragen ausgesetzt. <span class=\"has-inline-color has-very-dark-gray-color\">Eine Nachfrage betrifft die Motivation zum moralischen Handeln \u2013 warum sollten wir moralisch handeln wollen, wenn wir unseren Willen allein nach dem formalen Gesetz des kategorischen Imperativs bestimmen, v\u00f6llig unabh\u00e4ngig von pers\u00f6nlichen Neigungen und Gl\u00fcckserw\u00e4gungen? W<\/span>ie Kant diesem Einwand begegnen w\u00fcrde, ist umstritten. Manche sehen in seiner Theorie schlicht eine lustfeindliche und lebensfremde Moraltheorie. Andere weisen darauf hin, dass es ihm nicht so sehr darum geht, moralisches Handeln und Neigungen bzw. Gl\u00fcck gegeneinander auszuspielen, sondern vielmehr darum, dass wir verpflichtet sind, moralisch zu handeln, egal ob wir dazu geneigt sind oder nicht. Seine Theorie biete uns daher einen Rahmen f\u00fcr die Bewertung ethischer Probleme, der von pers\u00f6nlichen Befindlichkeiten abstrahiert und eine unparteische und konsensuell tragf\u00e4hige Entscheidungsgrundlage erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiterer Kritikpunkt an Kants Pflichtethik betrifft seine Ablehnung der Ber\u00fccksichtigung von Folgen als moralisch relevantem Bestimmungsgrund unserer Handlungen. Im Volksmund wird der Einwand gerne so formuliert: \u201eGut gemeint ist nicht gleich gut gemacht\u201c. Aber auch in diesem Punkt gehen die Kant-Interpretationen auseinander: Manche Kritiker_innen werfen Kant vor, die Folgen von Handlungen komplett zu vernachl\u00e4ssigen. Andere Interpret_innen relativieren den Einwand und weisen darauf hin, dass Folgen laut Kant lediglich f\u00fcr die Rechtfertigung von moralischen Handlungen zu vernachl\u00e4ssigen sind, nicht jedoch f\u00fcr \u00dcberlegungen zu konkreten Anwendungen moralischer Maximen. Demzufolge gilt es laut Kant sehr wohl, die Folgen unseres Handelns auf andere Personen mit zu bedenken (wie etwa beim Beispiel des falschen Versprechens) und es ist ihm zufolge auch moralisch geboten, das Wohlergehen anderer Menschen mit unseren Handlungen zu bef\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n<h4 style=\"text-align: center\">Unparteilichkeit und Menschenw\u00fcrde<\/h4>\n\n\n<p>Diese spannenden Forschungsfragen k\u00f6nnen an dieser Stelle nur erw\u00e4hnt werden. Zum Abschluss m\u00f6chte ich noch fragen, inwiefern die deontologische Theorie von Kant f\u00fcr die Urteilsfindung zum Thema Genome Editing relevant sein k\u00f6nnte. Kant weist uns darauf hin, dass moralische Fragen keine Fragen des rein individuellen Wohlergehens und des Gl\u00fccks sind. Moralisch handeln wir vielmehr dann, wenn wir unseren Willen nicht durch unsere pers\u00f6nlichen Neigungen und Interessen bestimmen. Sobald wir nach der moralischen Vertretbarkeit des Genome Editing am Menschen fragen, fragen wir also nicht danach, was f\u00fcr uns pers\u00f6nlich gut w\u00e4re. Wir fragen vielmehr unter Ber\u00fccksichtigung aller vern\u00fcnftigen Wesen, was in einer bestimmten Situation als ein allgemeines Gesetz gelten k\u00f6nnte. Dabei gilt es immer auch, die W\u00fcrde eines jeden Menschen im Blick zu behalten &#8211; eine reine Instrumentalisierung von Menschen, etwa f\u00fcr Forschungszwecke, w\u00e4re schlichtweg unmoralisch. Andererseits l\u00e4sst sich jedoch auch \u00fcberlegen, ob nicht bestimmte Eingriffe mit Genome Editing, die zur Vermeidung schwerer Krankheiten und somit zur Bef\u00f6rderung eines Lebens in vern\u00fcnftiger Selbstbestimmung beitragen, vor dem Hintergrund der Menschenw\u00fcrde im Kantischen Sinne geboten sind.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container is-layout-flow wp-block-group-is-layout-flow\">\n<p>Textquelle: Immanuel Kant, <em>Grundlegung zur Metaphysik der Sitten<\/em>, herausgegeben von Bernd Kraft und Dieter Sch\u00f6necker, Felix Meiner Verlag, Hamburg 1999. <\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><p id=\"ftn01\">[1] Eine zeitgen\u00f6ssische Autorin, die die Ethik Kants aufgreift, ist beispielsweise <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Christine_Korsgaard\" target=\"_blank\">Christine Korsgaard<\/a>.<\/p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorgestellt von Annett Wienmeister Es gibt Ans\u00e4tze, die moralisch gute [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4281,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"page-templates\/page_front-page.php","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-4004","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4004","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4281"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4004"}],"version-history":[{"count":188,"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4004\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8553,"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4004\/revisions\/8553"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4004"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}