{"id":4054,"date":"2021-01-07T15:41:56","date_gmt":"2021-01-07T14:41:56","guid":{"rendered":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/?page_id=4054"},"modified":"2021-01-21T14:42:14","modified_gmt":"2021-01-21T13:42:14","slug":"andere-menschen-verstehen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/lernen\/situation-analysieren\/perspektiven-einnehmen\/andere-menschen-verstehen\/","title":{"rendered":"Andere Menschen verstehen"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Ein Beitrag von Maria Hawlitzki<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><strong>&#8222;Ethische Probleme&#8220; &#8211; Das sind Aufgaben oder Herausforderungen, die auf eine andere Weise eine gedankliche Auseinandersetzung erfordern, als beispielsweise Sudoko-Knobelaufgaben oder Aufbauanleitungen f\u00fcr d\u00e4nische Holzm\u00f6bel.<\/strong> <strong>Sie erfordern, dass jeder sich selbst positioniert und gehen gleichzeitig \u00fcber die eigene Perspektive hinaus. Wie kann das gemeint sein?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Ein ethisches Urteil beansprucht, im Allgemeinen g\u00fcltig zu sein, nicht nur subjektiv. &#8222;Himbeereis ist lecker&#8220; bedeutet vor allem &#8222;Himbeereis schmeckt mir lecker&#8220;. Es handelt sich also nicht um ein objektives Urteil \u00fcber die Eigenschaft von Himbeereis. Schlie\u00dflich w\u00fcrde ich nicht anfangen, an meiner Vorliebe f\u00fcr Himbeereis zu zweifeln, unabh\u00e4ngig davon, wie viele Menschen f\u00fcr sich feststellen, Himbeereis nicht zu m\u00f6gen. Die unterschiedlichen Bewertungen von Himbeereis &#8222;tun sich gegenseitig nichts&#8220;. Geschmacksurteile k\u00f6nnen nebeneinander existieren. \u201e\u00dcber Geschmack l\u00e4sst sich nicht streiten\u201c. In ethischen Fragen sieht die Sache anders aus. \u00dcber ethische Urteile muss man streiten, weil sie eine Sache der Perspektive ist. N\u00e4mlich der systematischen, \u201eprofessionellen\u201c Perspektiv\u00fcbernahme.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Genauer: Es kann mir nicht gleichg\u00fcltig sein, wenn ich zu der Einsch\u00e4tzung komme, dass unter den gegebenen Umst\u00e4nden y die Handlung z geboten w\u00e4re und jemand anderes zu einem anderen Urteil kommt. Wir beide werden in dieser Konstellation davon ausgehen, dass mindestens einer von uns beiden falsch liegt. In einigen F\u00e4llen l\u00e4sst sich durch eine aufgeschlossene, interessierte und an der Sache (der Wahrheit n\u00e4herzukommen) orientierte Unterhaltung dazu f\u00fchren, dass einer von uns den anderen mit seinen Begr\u00fcndungen \u00fcberzeugen kann und der Widerspruch sich aufl\u00f6st. In vielen F\u00e4llen k\u00f6nnte es sein, dass wir trotz des Austauschs von Begr\u00fcndungen mit unterschiedlichen \u00dcberzeugungen die Unterhaltung beenden. Aber diese Tatsache ist mit Himbeereis nicht zu vergleichen. Denn dieser Zustand \u201etut sich durchaus etwas\u201c. Auch wenn nicht gekl\u00e4rt werden konnte, wer recht hat &#8211; wir gehen beide immer noch davon aus, dass eins unserer beiden Urteile (x sollte unter den gegebenen Umst\u00e4nden y z tun) auf jede Person x unter den Umst\u00e4nden y zutrifft. Unser Urteil gilt allgemein, es ist allgemeing\u00fcltig. Nur dann kann man von einem ethischen Urteil sprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Hat man den \u201eAllgemeing\u00fcltigkeitsanspruch\u201c erst einmal erkannt, dann geh\u00f6rt zu einer intensiven Auseinandersetzung dazu, den Ausdruck &#8222;jede Person x&#8220; genauer unter die Lupe zu nehmen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was ist also mit der Aufforderung gemeint, verschiedene Perspektiven einzunehmen?<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Gemeint ist, \u00fcber Folgendes nachzudenken:<em> Wer geh\u00f6rt zu &#8222;jede Person x&#8220;? Aus welchen Gr\u00fcnden kommen einige Personen vielleicht zu anderen Urteilen? Sind die Gr\u00fcnde, aus denen andere Personen zu anderen Urteilen kommen, unbedingt zu ber\u00fccksichtigen? Warum ja oder warum gerade nicht?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Oft liest man, man m\u00f6ge sich in andere Personen (mit anderen Erfahrungen, Wertvorstellungen, Ressourcen, Interessen&#8230;) &#8222;hineinversetzen&#8220;. Das kann missverstanden werden. Es geht nicht darum, individuelle, biografisch und gesellschaftlich bedingte Dispositionen nachzuf\u00fchlen. Ein &#8222;Hineinversetzen&#8220; darf nicht dazu f\u00fchren, die jeweiligen \u00dcberzeugungen der Person x<sub>n<\/sub> unreflektiert zu \u00fcbernehmen (Diese Gefahr besteht vor allem auch bei der Ber\u00fccksichtigung der eigenen Perspektive). Mit \u201ePerspektiven einnehmen\u201c ist in diesem Zusammenhang auch nicht die deskriptive Darstellung und psychologische Interpretation von individuellen Entscheidungen gemeint.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die Perspektive eines (beliebigen) anderen einzunehmen, erm\u00f6glicht es mir, zu verstehen, wie es dazu kommen kann, dass jemand zu seiner Beurteilung gekommen ist <\/strong>(notwendig)<strong>.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die kritische Pr\u00fcfung der Urteile anderer (und vor allem auch der eigenen) \u00dcberzeugungen bleibt als Aufgabe dabei immer bestehen <\/strong>(hinreichend)<strong>. Nach genauer Pr\u00fcfung sollten die aus der Perspektiveinnahme gewonnenen Erkenntnisse in die eigenen Begr\u00fcndungen integriert werden.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Sie finden im Folgenden eine Vielzahl von fiktiven Briefen. Sie sind im Schulunterricht (Grundkurs Philosophie) entstanden. Sch\u00fcler\/innen eines Kurses haben sich bem\u00fcht, in dieser Form ihre \u00dcberlegungen auf das Thema Genom Editing aus der Perspektive unterschiedlicher beteiligter Akteur\/innen darzulegen. Sie sind herzlich eingeladen, einzelne Briefe zu lesen, eigene fiktive Briefe zu erg\u00e4nzen, auf einen Brief aus der jeweilig angesprochenen Perspektive zu antworten &#8230;<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:35px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Sch\u00fclerbriefe<\/h2>\n\n\n<div class=\"h5p-iframe-wrapper\"><iframe id=\"h5p-iframe-84\" class=\"h5p-iframe\" data-content-id=\"84\" style=\"height:1px\" src=\"about:blank\" frameBorder=\"0\" scrolling=\"no\" title=\"Sch\u00fclerbriefe\"><\/iframe><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p><\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\"><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Beitrag von Maria Hawlitzki &#8222;Ethische Probleme&#8220; &#8211; Das sind [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4241,"featured_media":0,"parent":1183,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-4054","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4054","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4241"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4054"}],"version-history":[{"count":19,"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4054\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7606,"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4054\/revisions\/7606"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1183"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4054"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}