{"id":4184,"date":"2021-01-07T19:52:19","date_gmt":"2021-01-07T18:52:19","guid":{"rendered":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/?page_id=4184"},"modified":"2021-01-31T08:12:14","modified_gmt":"2021-01-31T07:12:14","slug":"das-prinzip-des-gluecks-eudaemonismus","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/das-prinzip-des-gluecks-eudaemonismus\/","title":{"rendered":"Das Prinzip des Gl\u00fccks &#8211; Eud\u00e4monismus"},"content":{"rendered":"\n<div style=\"height:100px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-cover has-background-dim-10 has-background-dim\" style=\"background-image:url(https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/files\/2021\/01\/human-740259_640-heller.jpg);min-height:300px;aspect-ratio:unset;\"><div class=\"wp-block-cover__inner-container is-layout-flow wp-block-cover-is-layout-flow\">\n<h2 class=\"has-text-align-center wp-block-heading\">Das Prinzip des Gl\u00fccks &#8211; Eud\u00e4monismus<\/h2>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div style=\"height:50px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p><em>Vorgestellt von Annett Wienmeister<\/em><\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-audio\"><audio controls src=\"https:\/\/medien.cedis.fu-berlin.de\/genomedit\/audio_eud\u00e4monismus_wienmeister.mp3\"><\/audio><figcaption><strong>Text zum Anh\u00f6ren<\/strong><\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p>Neben dem <a href=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/hedonismus\/\">Hedonismus<\/a> ist ein weiterer teleologischer Ansatz der Eud\u00e4monismus. Er ist ebenfalls eine Form der Gl\u00fccksethik, aber er versteht den Begriff des Gl\u00fccks anders und vor allem weiter als die Bef\u00f6rderung von Lust und die Vermeidung von Unlust. Der Name Eud\u00e4monismus ist vom altgriechischen Wort \u03b5\u1f50\u03b4\u03b1\u03b9\u03bc\u03bf\u03bd\u03af\u03b1 (eudaimon\u00eda) abgeleitet, das so viel bedeutet wie &#8222;Gl\u00fcck&#8220; und &#8222;Gl\u00fcckseligkeit&#8220;. Ein ganz prominenter Vertreter dieser Position ist Aristoteles, der noch vor Epikur in der Antike gelebt hat.<a href=\"#ftn01\">[1]<\/a><\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n<h4 style=\"padding-left: 40px;text-align: center\">Das Gl\u00fcck als das letzte Ziel menschlichen Handelns<\/h4>\n\n\n<p>Welche Antwort gibt Aristoteles auf die Frage, was eine Handlung als moralisch gute Handlung auszeichnet? Er macht zun\u00e4chst eine Feststellung: Er behauptet, dass alle Handlungen, die Menschen ausf\u00fchren, ein Ziel haben \u2013 er nennt dieses Ziel auch ein Gut. Die meisten dieser Ziele sind dabei lediglich Zwischenziele \u2013 so m\u00f6chte ich beispielsweise einkaufen gehen, um etwas zum Essen zu kochen. Essen kochen m\u00f6chte ich, weil ich Freunde einladen und bewirten mag und das tue ich wiederum, weil ich ihnen eine Freude machen oder sie von meinen Kochk\u00fcnsten \u00fcberzeugen m\u00f6chte. Aristoteles meint nun, dass diese Kette von Zwischenzielen nicht unendlich sein kann, weil das menschliche Streben nach Erf\u00fcllung von Zielen sonst vergebens sei. Vielmehr liege am Ende einer solchen Kette von Zwischenzielen hin zu immer h\u00f6heren Zielen ein letztes Ziel, um dessentwillen Menschen letztlich alle anderen Ziele verfolgen und das selbst nicht noch einmal ein Zwischenziel f\u00fcr ein noch h\u00f6heres Ziel oder Gut ist. Es ist eine Art \u201eabschlie\u00dfendes Ziel\u201c \u2013 und das ist eben f\u00fcr Aristoteles das Gl\u00fcck. Das Gl\u00fcck macht das Leben lebenswert und unsere Handlungen letztlich gut.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:65%\">\n<h4 style=\"text-align: center\">Worin besteht das Gl\u00fcck: Lust, Reichtum, Ehre?<\/h4>\n\n\n\n<p>Worin besteht nun das Gl\u00fcck? Diese Frage, so Aristoteles, ist gar nicht so leicht zu beantworten, weil verschiedene Menschen nat\u00fcrlich ganz verschiedene Antworten darauf geben. Er schaut sich deshalb drei g\u00e4ngige Meinungen dazu an und weist alle zur\u00fcck: Zum ersten kann das Gl\u00fcck nicht in einem Leben voller Lust bestehen, weil sich der Mensch dabei wie die Tiere sklavenhaft seinen Begierden und Trieben unterwirft und nicht frei handelt. Zum Zweiten kann ein gl\u00fcckliches Leben nicht im Streben nach Reichtum bestehen, weil Reichtum Aristoteles zufolge lediglich ein Zwischenziel zur Erreichung h\u00f6herer Ziele ist. Zum dritten ist es auch nicht die Ehre, nach der alle Menschen letztlich streben, da die Anerkennung von Ehre zu sehr von anderen Menschen abh\u00e4ngig ist. Das h\u00f6chste Gut habe aber einen eigenst\u00e4ndigen Status, den man einer Person nicht einfach so wegnehmen kann, wie das evtl. bei der Aberkennung von Ehre der Fall w\u00e4re.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:35%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/files\/2020\/12\/640px-Aristotle_Vienna_Cod._Phil._gr._64.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4208\" width=\"211\" height=\"295\" srcset=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/files\/2020\/12\/640px-Aristotle_Vienna_Cod._Phil._gr._64.jpg 640w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/files\/2020\/12\/640px-Aristotle_Vienna_Cod._Phil._gr._64-214x300.jpg 214w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/files\/2020\/12\/640px-Aristotle_Vienna_Cod._Phil._gr._64-230x323.jpg 230w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/files\/2020\/12\/640px-Aristotle_Vienna_Cod._Phil._gr._64-480x674.jpg 480w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/files\/2020\/12\/640px-Aristotle_Vienna_Cod._Phil._gr._64-250x351.jpg 250w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/files\/2020\/12\/640px-Aristotle_Vienna_Cod._Phil._gr._64-128x180.jpg 128w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/files\/2020\/12\/640px-Aristotle_Vienna_Cod._Phil._gr._64-356x500.jpg 356w\" sizes=\"auto, (max-width: 211px) 100vw, 211px\" \/><figcaption>Aristoteles (384 &#8211; 322)  <\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n<h4 style=\"text-align: center\">Gl\u00fcck und Vernunft<\/h4>\n\n\n<p>Wenn es diese drei \u2013 Lust, Reichtum, Ehre \u2013 nicht sind, wie kommen wir dann zu einer n\u00e4heren Bestimmung dessen, was das h\u00f6chste Gut menschlichen Handelns ist? Aristoteles zufolge m\u00fcssen wir uns daf\u00fcr anschauen, was menschliches Handeln auszeichnet, das hei\u00dft welche besondere Funktion das Handeln der Menschen hat &#8211; im Gegensatz etwa zu den Dingen, die Pflanzen und Tiere tun. W\u00e4hrend Pflanzen durch Ern\u00e4hrung und Wachstum gekennzeichnet sind und Tiere dar\u00fcber hinaus noch \u00fcber das Wahrnehmungsverm\u00f6gen, zeichnet die Menschen zus\u00e4tzlich und ganz grundlegend deren Vernunft aus. Laut Aristoteles haben allein Menschen Vernunft, mithilfe derer sie entweder selber denken k\u00f6nnen oder aber dem Denken anderer (z. B. ihrer Vorbilder) folgen k\u00f6nnen. Das h\u00f6chste Gut besteht nun darin, ein Leben zu f\u00fchren, in welchem wir genau diese spezifische Eigenschaft des Menschen, Vernunft zu besitzen, auch tats\u00e4chlich aus\u00fcben. Gutes und somit Gl\u00fcck bewirkendes Handeln zeichnet sich somit als vernunftgeleitetes Handeln aus.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n<h4 style=\"padding-left: 40px;text-align: center\">Tugendhaft handelt, wer zwischen zwei Extremen die rechte Mitte findet<\/h4>\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:37.5%\">\n<div class=\"wp-block-cover has-background-dim\" style=\"background-color:#ffd153\"><div class=\"wp-block-cover__inner-container is-layout-flow wp-block-cover-is-layout-flow\">\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p><strong><span style=\"color: #000000\">Aristoteles \u00fcber Tugend<\/span><\/strong><\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\"><p><em><span style=\"color:#000000\" class=\"has-inline-color\">\u201eDie Tugend ist also eine Disposition [Haltung], die sich in Vors\u00e4tzen \u00e4u\u00dfert, wobei sie in einer Mitte liegt, und zwar der Mitte in Bezug auf uns, die bestimmt wird durch <\/span><\/em><span style=\"color:#000000\" class=\"has-inline-color\"><em>\u00dcberlegung, das hei\u00dft so, wie der Kluge sie bestimmen w\u00fcrde. Sie ist die Mitte zwischen zwei Lastern, von denen eine auf \u00dcberma\u00df, das andere auf Mangel beruht.\u201c <\/em>(Nikomachische Ethik, Zweites Buch, Abschnitt 6).<\/span><\/p><\/blockquote>\n<\/div><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:62.5%\">\n<p>Jetzt k\u00f6nnen wir allerdings gleich weiterfragen \u2013 was sind vernunftgeleitete Handlungen, die uns gl\u00fccklich machen? Aristoteles nennt diese Handlungen auch tugendhafte Handlungen. Tugendhaft handelt, wer zwischen zwei Extremen das rechte Ma\u00df oder die rechte Mitte findet. Wenn man etwa in eine furchterregende Situation ger\u00e4t, gilt es die Mitte zu finden zwischen einem Mangel \u2013 das w\u00e4re die Feigheit \u2013 und einem \u00dcberma\u00df \u2013 das w\u00e4re Tollk\u00fchnheit. Wer tollk\u00fchn handelt, handelt aus einem die Gefahr untersch\u00e4tzendem Wagemut. Laut Aristoteles ist die rechte Mitte zwischen diesen beiden Extremen die Tapferkeit. Wir handeln also tugendhaft, wenn wir in einer furchterregenden Situation tapfer handeln. Nehmen wir noch ein Beispiel: Wenn wir abw\u00e4gen m\u00fcssen, wie spendabel wir sein wollen, findet sich eine Mitte zwischen den beiden Extremen des Geizes auf der einen Seite und der Verschwendung auf der anderen Seite. Diese Mitte ist die Freigebigkeit. W\u00e4hrend Aristoteles die Mitte als Tugend bezeichnet (das altgriechische Wort f\u00fcr Tugend lautet \u1f00\u03c1\u03b5\u03c4\u03ae [aret\u1e17]), werden die beiden Extreme des Mangels und des \u00dcberma\u00dfes Laster genannt. Neben Tugenden und Lastern gibt es ihm zufolge aber auch Handlungen, die an sich schlecht sind, bei denen es also keine gute Mitte gibt, so z. B. Schadenfreude, Ehebruch, Diebstahl oder Mord.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p>Wie bestimme ich nun diese Mitte und komme damit zur tugendhaften Handlung? Aristoteles denkt hier nicht an eine Art mathematische Berechnung der Mitte einer bestimmten Menge. Es ist auch nicht so, dass die Mitte zwischen zwei Extremen in jeder Handlungssituation gleich ist \u2013 es kommt dabei immer auf die Umst\u00e4nde an. Was f\u00fcr eine \u00e4ngstliche Person schon tapfer ist, kann f\u00fcr eine wagemutige Person noch feige sein. Die Bestimmung der rechten Mitte h\u00e4ngt dar\u00fcber hinaus auch noch von den Zielen und Zwecken der beteiligten Personen ab und auf welche Weise sie diese verfolgen, aber auch vom Ort und der Zeit. All diese Dinge m\u00fcssen wir ber\u00fccksichtigen, wenn wir \u00fcberlegt mit unseren eigenen Leidenschaften umgehen und somit unsere Charaktertugenden ausbilden wollen. <\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n<h4 style=\"padding-left: 40px;text-align: center\">Wie findet man die rechte Mitte?<\/h4>\n\n\n<p>Das h\u00f6rt sich alles recht kompliziert an. Und es stimmt, f\u00fcr Aristoteles ist es eben nicht so, dass es im Bereich des praktischen Handelns allgemeing\u00fcltige Regeln ohne Ausnahmen gibt, die wir nur einmal kennen m\u00fcssen, um zu wissen, was jeweils zu tun ist. Vielmehr ist es so, dass wir f\u00fcr Fragen des guten Handelns im Verlauf unseres Lebens eine Art Klugheit ausbilden m\u00fcssen, die uns beim Finden der rechten Mitte hilft. Wie aber werden wir nun auf diese Weise klug?<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<p>Zuallererst, sagt Aristoteles, sind wir immer schon von Natur aus in der Lage, Tugenden auszubilden, auch wenn sie uns nicht angeboren sind \u2013 kleine Kinder und junge Menschen haben sie noch nicht. An tugendhaftes Verhalten m\u00fcssen wir in einem ersten Schritt durch Erziehung erst gew\u00f6hnt werden. In einem zweiten Schritt lernen wir dann, das eingew\u00f6hnte Verhalten bewusst und \u00fcberlegt auszuf\u00fchren. Die Praxis des guten Handelns k\u00f6nnen und m\u00fcssen wir im Laufe unseres Lebens also stetig ausbauen und verbessern, um aus \u00dcberlegung und mit voller \u00dcberzeugung das Handeln gem\u00e4\u00df der Tugend zu w\u00e4hlen.<strong> \u00dcbung macht hierbei  die Meisterin<\/strong>: Freigebig werden wir n\u00e4mlich, indem wir immer wieder freigebig handeln, bis wir dies verl\u00e4sslich und mit Freude tun. Die Tugenden werden auf diese Weise zu einem festen Bestandteil unserer Pers\u00f6nlichkeit, einer Haltung, und eine tugendhafte Person zeichnet sich entsprechend dadurch aus, dass sie zu ihren Affekten und Leidenschaften ein vern\u00fcnftiges Verh\u00e4ltnis gefunden hat.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"426\" src=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/files\/2021\/01\/canyon-4641080_640.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-6856\" srcset=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/files\/2021\/01\/canyon-4641080_640.jpg 640w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/files\/2021\/01\/canyon-4641080_640-300x200.jpg 300w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/files\/2021\/01\/canyon-4641080_640-230x153.jpg 230w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/files\/2021\/01\/canyon-4641080_640-350x233.jpg 350w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/files\/2021\/01\/canyon-4641080_640-480x320.jpg 480w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/files\/2021\/01\/canyon-4641080_640-250x166.jpg 250w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/files\/2021\/01\/canyon-4641080_640-550x366.jpg 550w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/files\/2021\/01\/canyon-4641080_640-270x180.jpg 270w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/files\/2021\/01\/canyon-4641080_640-451x300.jpg 451w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption>Oft ist es gar nicht so leicht, den guten Mittelweg zu finden!<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<p>Eine gro\u00dfe Hilfe k\u00f6nnen uns hierbei <strong>Vorbilder<\/strong> sein, denn von diesen Menschen glauben wir, dass sie bereits einen tugendhaften Charakter ausgebildet haben. Bleibt nun zuletzt die Frage: Wie erkennen wir tugendhafte und somit kluge Personen, die uns als Vorbild dienen k\u00f6nnen? M\u00fcssen wir daf\u00fcr nicht selbst schon wissen, was tugendhaftes Handeln ausmacht? Aristoteles ist daf\u00fcr kritisiert worden, dass er uns hier kein externes Kriterium mehr an die Hand gibt, das es uns erlaubt, tugendhaftes Handeln von au\u00dfen zu erkennen und bewerten. Vielleicht k\u00f6nnen wir mit ihm aber sagen, dass es uns doch m\u00f6glich ist, durch l\u00e4ngere Beobachtung von Menschen und ihren Handlungen zu lernen. Dabei k\u00f6nnen wir uns immer auch fragen, ob diese Menschen \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum ein gl\u00fcckliches Leben f\u00fchren. Und wir k\u00f6nnen pr\u00fcfen und ausprobieren, welche Handlungen, die f\u00fcr sie tugendhaft sind, auch f\u00fcr uns tugendhaft sein k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-28f84493 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:35%\">\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"543\" height=\"236\" src=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/files\/2020\/12\/Spangenberg_-_Schule_des_Aristoteles.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4225\" srcset=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/files\/2020\/12\/Spangenberg_-_Schule_des_Aristoteles.jpg 543w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/files\/2020\/12\/Spangenberg_-_Schule_des_Aristoteles-300x130.jpg 300w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/files\/2020\/12\/Spangenberg_-_Schule_des_Aristoteles-230x100.jpg 230w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/files\/2020\/12\/Spangenberg_-_Schule_des_Aristoteles-350x152.jpg 350w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/files\/2020\/12\/Spangenberg_-_Schule_des_Aristoteles-480x209.jpg 480w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/files\/2020\/12\/Spangenberg_-_Schule_des_Aristoteles-250x109.jpg 250w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/files\/2020\/12\/Spangenberg_-_Schule_des_Aristoteles-414x180.jpg 414w\" sizes=\"auto, (max-width: 543px) 100vw, 543px\" \/><figcaption>Gustav Adolph Spangenberg, Die Schule des Aristoteles, Fresko (1883-1888)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\" style=\"flex-basis:65%\">\n<p> Und hier kommt doch noch einmal die Lust ins Spiel \u2013 denn obwohl Aristoteles Lust, im Sinne einer individuellen kurzfristigen Bed\u00fcrfnisbefriedigung, als h\u00f6chstes Ziel menschlichen Handelns ablehnt, so glaubt er dennoch, dass eine Person, die reflektiert mit ihren Begierden und Leidenschaften umgeht, eine besondere Form der Lust erf\u00e4hrt. Diese Form der durch vern\u00fcnftige \u00dcberlegung vermittelte Lust bzw. Freude ist bleibend, auch \u00fcber die Widrigkeiten und Widerst\u00e4nde des Alltags und des Lebens hinweg. Wenn dar\u00fcber hinaus in einem Leben auch \u00e4u\u00dfere G\u00fcter, wie z. B. ein gewisses Ma\u00df an Wohlstand und Einfluss, gegeben sind, dann bringt einen wahrhaft tugendhaften und somit gl\u00fccklichen Menschen so rasch nichts aus der Fassung. Und an solchen Menschen, so Aristoteles, k\u00f6nnen wir uns orientieren.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n<h4 style=\"padding-left: 40px;text-align: center\">Es kommt auf die Situation an<\/h4>\n\n\n<p>Inwiefern, so m\u00f6chte ich nun abschlie\u00dfend fragen, ist die eud\u00e4monistische Position bei der Bewertung des Genome Editing am Menschen hilfreich? Zum einen kann man mitnehmen, dass es bei der Bewertung der Technologie immer darauf ankommt, die Situation, den Kontext und die beteiligten Personen genau zu erfassen und deren und die eigenen Umst\u00e4nde und Ziele mit in die Bewertung einzubeziehen. Laut Aristoteles sind wir soziale Wesen und unser je individuelles Gl\u00fcck ist eng durch das Leben in einer bestimmten Gemeinschaft gepr\u00e4gt. Zum anderen kann uns Aristoteles daran erinnern, immer wieder zu hinterfragen, was eigentlich ein gl\u00fcckliches Leben in der heutigen Zeit ausmacht. Hier lediglich eingew\u00f6hnte Verhaltensmuster zu \u00fcbernehmen, w\u00e4re unzureichend. Dabei stellen sich jedoch mindestens zwei Herausforderungen: Heutige, moderne Gesellschaften sind durch einen starken Individualismus gepr\u00e4gt \u2013 was ein gutes und gl\u00fcckliches Leben ausmacht, kann ganz unterschiedlich von den einzelnen Individuen eingesch\u00e4tzt werden. Zwar ging auch Aristoteles davon aus, dass es nicht die eine Anleitung zum gl\u00fccklichen Leben gibt, aber in unserer heutigen Gesellschaft k\u00f6nnen die Individuen doch freier als noch in der Antike \u00fcber ihre Lebensweise bestimmen. Eine Vielfalt an Lebensformen ist uns heute ein hohes Gut. Die Frage, was ein gutes Leben ausmacht und die Frage, was moralisch richtig ist, liegen also heute nicht mehr so nah bei einander. Zwar ist es einerseits sinnvoll, \u00fcber Handlungen nachzudenken, die m\u00f6glicherweise alle Menschen gl\u00fccklich machen. Andererseits kommen wir aber bei der Beantwortung der Frage nach dem moralisch Richtigen im Falle sich widerstreitender Vorstellungen vom gl\u00fccklichen Leben mit einer eud\u00e4monistischen Ethik an Grenzen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n<h4 style=\"text-align: center\">Wie sollen wir mit neuen Technologien umgehen?<\/h4>\n\n\n<p>Eine zweite Herausforderung ergibt sich durch die Neuartigkeit des Ph\u00e4nomens des Genome Editing. Gemessen an der Entwicklungsgeschichte menschlicher Kulturen sind wir noch nicht sehr lange in der Lage, das Erbgut anderer Lebewesen zu ver\u00e4ndern, geschweige das von Menschen. Woran k\u00f6nnen wir uns orientieren bei der Bewertung von Technologien, die v\u00f6llig neue Situationen schaffen? Was w\u00fcrde eine kluge Person tun? Diese Fragen zu beantworten ist gar nicht so leicht, wenn die Herausforderung so neu ist. Eine m\u00f6gliche Antwort w\u00e4re es zu sagen, dass die Einf\u00fchrung von Genome Editing nicht in allen Aspekten neu ist: Fragen des guten und richtigen Lebens sind sehr alt und sie bleiben auch heute relevant. Auch die ethische Bewertung von neuen Technologien gibt es schon seit es diese Technologien gibt. Wir fangen also bei der Bewertung des Genome Editing nicht bei null an \u2013 und dieser Gedanke, dass wir uns immer schon in bestimmten Handlungsvollz\u00fcgen befinden, die wir kritisch reflektieren und verbessern k\u00f6nnen, ist einer, der in der eud\u00e4monistischen Ethik von Aristoteles ganz wichtig ist.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p>Textquelle: Aristoteles, <em>Nikomachische Ethik<\/em>, \u00fcbersetzt und herausgegeben von Ursula Wolf, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek bei Hamburg 2006.<\/p>\n\n\n\n<p><p id=\"ftn01\">[1] F\u00fcr j\u00fcngere und zeitgen\u00f6ssische Ans\u00e4tze in der Philosophie, die sich auf die Ethik des Aristoteles beziehen, siehe beispielsweise die Arbeiten von <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Philippa_Foot\">Philippa Foot<\/a>, <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Martha_Nussbaum\">Martha Nussbaum<\/a> oder <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Alasdair_MacIntyre\">Alasdair MacIntyre<\/a>.<\/p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorgestellt von Annett Wienmeister Neben dem Hedonismus ist ein weiterer [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4281,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"page-templates\/page_front-page.php","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-4184","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4184","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4281"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4184"}],"version-history":[{"count":106,"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4184\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8365,"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4184\/revisions\/8365"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4184"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}