{"id":5757,"date":"2021-01-07T19:42:07","date_gmt":"2021-01-07T18:42:07","guid":{"rendered":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/?page_id=5757"},"modified":"2021-02-01T12:38:58","modified_gmt":"2021-02-01T11:38:58","slug":"poster","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/ethik-vermitteln\/materialien-lehre\/poster\/","title":{"rendered":"Kritisches Poster: &#8222;Genome Editing. Wissenschaftliche Grundlagen und ethische Fragen&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Ein Beitrag von Sebastian Brodkorb, Julia Dietrich und Annett Wienmeister<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Sichtung von Unterrichtsmaterialien im Bereich der Angewandten Ethik bzw. der Bioethik ist uns immer wieder aufgefallen, wie unterschiedlich die jeweils naturwissenschaftlichen und ethischen Voraussetzungen f\u00fcr die ethische Urteilsbildung in diesen Materialien dargestellt werden. H\u00e4ufig ist dies mit medialen Stereotypen verbunden, die &#8222;heimliche Botschaften&#8220; zum Anspruch und zur Leistungsf\u00e4higkeit von Naturwissenschaft und Ethik senden. So wird zum Beispiel bereits im Titel unseres Beitrags ein solches Stereotyp zitiert: &#8222;Genome Editing. Wissenschaftliche Grundlagen und ethische Fragen&#8220;. Aha: Wissenschaft und Ethik werden gegen\u00fcbergestellt, so, als ob Ethik keine Wissenschaft sein k\u00f6nne &#8211; denn implizit ist ja klar, dass mit &#8222;Wissenschaft&#8220; eigentlich nur &#8222;Naturwissenschaft&#8220; gemeint ist. Und dann braucht man erst einmal Grundlagen, bevor es an die Ethik gehen kann &#8211; aber diese Grundlagen kommen allein aus der Naturwissenschaft und nicht etwa auch aus der Ethik selbst, die im \u00dcbrigen darauf reduziert wird, dass sie Fragen stellt, so als ob sie nicht auch Antworten zu bieten h\u00e4tte. Da ist doch schon naheglegt, welche Disziplin leistungsf\u00e4higer ist, oder?!<\/p>\n\n\n\n<p>Die stereotypischen Darstellungsformen sind nicht unbedingt im engeren Sinne falsch &#8211; denn es gibt ja tats\u00e4chlich wissenschaftliche Grundlagen und ethische Fragen. Aber sie sind eben sehr einseitig und treffen theoretische Vorentscheidungen, die nicht mehr als solche transparent sind. In ihrer Einseitigkeit, Allgegenwart und Gesamtheit k\u00f6nnen sie dazu f\u00fchren, dass die Ethik immer als die schw\u00e4chere Disziplin erscheint, welche auf naturwissenschaftliche Entwicklungen nur fu\u00dflahm reagieren kann und in der es weniger zu wissen, zu k\u00f6nnen und zu lernen gibt &#8211; und das hat uns nat\u00fcrlich ge\u00e4rgert. Wir haben daher viele Stereotype, Einseitigkeiten und heimliche Botschaften in einem einzigen Poster zusammengestellt, wobei wir uns das Meiste aus tats\u00e4chlich publizierten Unterrichtsmaterialien abgeschaut und einfach nur auf das Genome Editing beim Menschen \u00fcbertragen haben. Wir mussten am Schluss dieses Poster mit einem warnenden roten Rand versehen, denn viele Kolleg_innen, denen wir es bei der Planung gezeigt haben, haben es f\u00fcr ein echtes und gutes Unterrichtsmaterial gehalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei der Suche nach den &#8222;kritischen Punkten&#8220; kann man sich von einigen Grundz\u00fcgen einer Didaktik der Angewandten Ethik leiten lassen und sich z. B. fragen: Wird ein nicht-reduktionistisches Wissenschaftsverst\u00e4ndnis erm\u00f6glicht, dass nicht nur die Anwendungsdimension einer technischen Entwicklung, sondern z. B. auch den Forschungsprozess selbst als eine ergebnisoffene und ethisch relevante Praxis umfasst? Inwiefern wird auch die Ethik als eine wissenschaftliche Disziplin deutlich, in der es intersubjektive Standards gibt? In welcher Form wird die Interdisziplinarit\u00e4t zwischen beiden charakterisiert und wie wird deutlich, dass f\u00fcr die ethische Urteilsbildung beide gleichberechtigt notwendig sind? Und \u00fcbergreifend: Werden mit der medialen Darstellungsweise bereits bestimmte naturwissenschaftliche, ethische oder philosophische Vorannahmen, Thesen, Positionen oder Deutungen nahegelegt?<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich spiegeln sich in Materialien auch didaktisch-methodische Entscheidungen wider, die vom jeweiligen Lehr-Lernziel in Bezug auf eine bestimmte Lerngruppe geleitet sind, so dass manche Vereinfachungen in bestimmten Kontexten notwendig sind. Wir haben daher auch keine &#8222;Musterl\u00f6sung&#8220;, aus der heraus sich erg\u00e4be, was legitim ist und was nicht. Es geht uns hier vor allem darum, den Blick f\u00fcr die allzu selbstverst\u00e4ndlichen, immer gleichen Darstellungsformen zu sch\u00e4rfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wieviele Stereotypen, Einseitigkeiten und heimliche Botschaften sind im Poster versteckt?! Es sind nicht nur die, die wir mit einem &#8222;minus&#8220; markiert haben! Wer die meisten findet, gewinnt!<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:30px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n<div class=\"h5p-iframe-wrapper\"><iframe id=\"h5p-iframe-15\" class=\"h5p-iframe\" data-content-id=\"15\" style=\"height:1px\" src=\"about:blank\" frameBorder=\"0\" scrolling=\"no\" title=\"Welche problematischen Reduktionismen finden Sie auf dem Poster?\"><\/iframe><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Beitrag von Sebastian Brodkorb, Julia Dietrich und Annett Wienmeister [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4241,"featured_media":0,"parent":1521,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-5757","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/5757","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4241"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5757"}],"version-history":[{"count":22,"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/5757\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8490,"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/5757\/revisions\/8490"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1521"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5757"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}