{"id":8199,"date":"2021-01-30T14:08:03","date_gmt":"2021-01-30T13:08:03","guid":{"rendered":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/?page_id=8199"},"modified":"2021-09-23T10:44:12","modified_gmt":"2021-09-23T08:44:12","slug":"didaktik-angewandter-ethik","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/didaktik-angewandter-ethik\/","title":{"rendered":"Didaktik Angewandter Ethik"},"content":{"rendered":"\n<p>Die Lernplattform steht im Kontext einer Didaktik Angewandter Ethik, deren programmatische Grundz\u00fcge ich hier kurz skizzieren m\u00f6chte (f\u00fcr eine ausf\u00fchrliche Begr\u00fcndung siehe Dietrich: Didaktik Angewandter Ethik, in Vorbereitung).<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p style=\"font-size:21px\"><strong>Angewandte Ethik<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-background has-light-green-cyan-background-color\">Die Angewandte Ethik besch\u00e4ftigt sich ergebnisoffen mit ethischen Fragestellungen, die real oder zumindest realistisch, konkret zuschreibbar und handlungsrelevant sind und zwar mit dem Ziel, die handlungsorientierende Urteilsbildung kritisch-reflexiv zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p style=\"font-size:21px\"><strong> Ein integratives Modell Angewandter Ethik<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-background has-luminous-vivid-amber-background-color\">Die Angewandte Ethik muss Vermittlungsprozesse notwendigerweise in ihre Theoriebildung integrieren. Vermittlungsprozesse in Schule, Hochschule, Erwachsenenbildung und gesellschaftlichem Diskurs sind f\u00fcr die Angewandte Ethik n\u00e4mlich nicht nur nachtr\u00e4glich in dem Sinne, dass das als tragf\u00e4hig oder wichtig Begr\u00fcndete durch darauffolgende Vermittlungsprozesse verst\u00e4ndlich zu machen und zur Diskussion zu stellen ist. Es ist auch ganz umgekehrt: Die Angewandte Ethik basiert immer schon auf Vermittlungsprozessen, wird durch diese gepr\u00e4gt, f\u00fchrt sie weiter fort und sollte sie auch als Ursachen, Folgen und L\u00f6sungen von ethischen Problemen ernst nehmen. Wenn z. B. jemand ein weltweit als fragw\u00fcrdig angesehenes Experiment an Menschen durchf\u00fchrt, dann hat &#8211; neben vielen anderen Personen, Institutionen und Mechanismen &#8211; auch das Bildungssystem dies zumindest zugelassen, nicht verhindert oder aber vielleicht gerade gef\u00f6rdert. Es kann in gleicher Weise dazu beitragen, in Zukunft eine &#8211; und das ist eigentlich die Pointe &#8211; rechtzeitige, explizite und mit anderen geteilte ethische Reflexion in den Wissenschaften zu st\u00e4rken. Denn eine ethische Reflexion findet vielleicht h\u00e4ufiger statt als man denkt, gerade auch, wenn man \u201edaf\u00fcr\u201c ist. Nur eben vielleicht nicht immer rechtzeitig und explizit und mit anderen geteilt.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p style=\"font-size:21px\"><strong>Ethische Grundbildung als Recht<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-background has-pale-pink-background-color\">Wenn man die M\u00f6glichkeit, an gesellschaftlichen Diskursen zu Fragen Angewandte Ethik teilzuhaben, als b\u00fcrgerschaftliches Recht voraussetzt und dementsprechend Fragen Angewandter Ethik in den allgemeinbildenden Auftrag eines (selektierenden) Bildungssystems einbezieht und wenn man dar\u00fcber hinaus konzediert, dass in einer wissenschaftsorientierten Gesellschaft die gesellschaftliche Teilhabe ganz wesentlich durch wissenschaftliche Strukturen mit bestimmt wird &#8211; was man kritisieren kann &#8211; dann gilt dies auch f\u00fcr die Ethik als Wissenschaft. Das hei\u00dft, dass jede_r ein Recht darauf hat, im Rahmen des allgemeinbildenden Auftrags einen Zugang zu ethischer Grundbildung zu erhalten. Diese Forderung ist nicht so zu verstehen, als sei das Recht auf Teilhabe an gesellschaftlichen Diskursen selbst an irgendwelche Vorbedingungen gebunden. F\u00fcr seine Umsetzung sind nur seitens des Bildungssystems die geeigneten Voraussetzungen zu schaffen und zu st\u00e4rken &#8211; was zum Beispiel bedeutet, Ethik als Pflichtfach f\u00fcr alle einzuf\u00fchren und in Bildungsprogrammen nicht implizit die gymnasiale Oberstufe, sondern die Sekundarstufe 1 als vorrangigen Adressaten vor Augen zu haben.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p style=\"font-size:21px\"><strong>Ein formales Profil (wissenschafts-) ethischer Grundbildung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-background has-very-light-gray-background-color\">F\u00fcr die Umsetzung einer ethischen Grundbildung als Recht bedarf es eines formalen Profils ethischer Grundbildung in dem Sinne, dass elementare Kompetenzen und Kenntnisse f\u00fcr die ethische Urteilsbildung ausgewiesen bzw. diskutiert werden (siehe hierzu die Videoclips zu der Frage <a href=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/ethik-vermitteln\/konzepte-die-ethik-des-genome-editing-im-fachdidaktischen-kontext\/was-muessen-menschen-koennen\/\">\u201eWas m\u00fcssen Menschen k\u00f6nnen, um sich ein ethisches Urteil bilden zu k\u00f6nnen?&#8220;<\/a>). Ein solches Profil ist in dem Sinne formal, dass es keine bestimmten moralischen Positionen vorgibt. Es wird aber &#8211; wie auch in anderen F\u00e4chern &#8211; nicht vollst\u00e4ndig neutral sein k\u00f6nnen und einen schwachen Kanon implizieren, weil nat\u00fcrlich der Ausweis als \u201eelementar\u201c auf bestimmten erkenntnis- und wissenschaftstheoretischen sowie didaktischen und damit letztlich ethischen Voraussetzungen beruht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-background has-very-light-gray-background-color\">Zum gegenw\u00e4rtigen Zeitpunkt l\u00e4sst sich mit guten Gr\u00fcnden der Praktische Syllogismus als Grundstruktur eines Kompetenzmodells heranziehen, wie es auch der sog. <a href=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wie-du-einen-ethischen-fall-analysieren-kannst\/wie-du-mit-einem-ethischen-fall-umgehen-kannst\/\">Fallanalyse<\/a> und der <a href=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/projekt\/konzeption-der-lp\/\">Konzeption dieser Lernplattform<\/a> zugrunde liegt und das mit einem schwachen materialen Kanon an grundlegenden ethischen Begriffen und Unterscheidungen verbunden werden kann. Ethische Theoriebausteine wie z. B. die Idee des Handelns oder die Unterscheidung von Fragen des Gelingens des Lebens und Fragen der Gerechtigkeit lassen sich als Heuristiken zur theoriegeleiteten Erschlie\u00dfung von ethischen Fragen einsetzen. Der \u201eDreh- und Angelpunkt\u201c eines formalen Profils ethischer Grundbildung ist dann die F\u00e4higkeit, eine ethische Fragestellung \u00fcberhaupt als solche zu erkennen und nicht nur, aber auch theoriegeleitet zu erschlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-background has-very-light-gray-background-color\">Da die Angewandte Ethik h\u00e4ufig spezifisch wissenschaftsethische Fragen wie z. B. in Bezug auf die Entwicklung einer neuen Technologie bearbeitet, l\u00e4sst sich auch diesbez\u00fcglich fragen, ob es grundlegende theoretische Unterscheidungen oder Zug\u00e4nge gibt, die in ein Profil wissenschaftsethischer Grundbildung Eingang finden sollten. Hier erscheint es elementar, den Begriff der Wissenschaft und dann auch der Ethik selbst sowie ihr Verh\u00e4ltnis zu erschlie\u00dfen und Reduktionismen zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p style=\"font-size:21px\"><strong>Ressourcenorientierte Ethikdidaktik und \u201edidaktische Exploration\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-background has-pale-cyan-blue-background-color\">Vor dem Hintergrund der Idee einer ethischen Grundbildung als Recht stellt sich die forschungsprogrammatische Frage, wie in der Ethikdidaktik an den bereits vorhandenen Ressourcen eines Menschen, sein Leben selbst zu gestalten, angeschlossen werden kann. \u00dcblicherweise wird in der Didaktik von einem wissenschaftlichen Forschungsstand her gedacht, der dann einer sog. didaktischen Reduktion unterworfen wird &#8211; weswegen dann derjenige, der lernt, immer irgendwie defizit\u00e4r an einem noch nicht erreichten Ideal gemessen wird. Hier ist das Gegenmodell einer \u201edidaktischen Exploration\u201c zu entwickeln, das systematisch von der Frage ausgeht, was wir denn schon k\u00f6nnen, um uns \u00fcberhaupt eine ethische Frage stellen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<div style=\"height:20px\" aria-hidden=\"true\" class=\"wp-block-spacer\"><\/div>\n\n\n\n<p style=\"font-size:21px\"><strong>Fachwissenschaftliche Prinzipien und methodische Fragen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-background has-light-green-cyan-background-color\">Die oben skizzierten Grundz\u00fcge einer Didaktik Angewandter Ethik lassen sich zu fachwissenschaftlichen Prinzipien umformulieren, welche bei der Planung von Vermittlungsprozessen ber\u00fccksichtigt werden sollten: \u201eWenn Du Fragen Angewandter Ethik vermitteln willst, dann achte darauf, dass die Kennzeichen der Angewandten Ethik auch umgesetzt werden und Du nicht wom\u00f6glich mit Gedankenexperimenten oder fiktiven Beispielen den realen Handlungsspielraum \u00fcbergehst.\u201c oder \u201eWenn Du wissenschaftsethische Fragen behandelst, dann achte darauf, dass Du nicht wom\u00f6glich ein reduktionistisches Wissenschaftsverst\u00e4ndnis f\u00f6rderst, indem z. B. Wissenschaft nicht auch als offener Forschungsprozess deutlich wird.\u201c (vgl. hierzu das <a href=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/ethik-vermitteln\/materialien-lehre\/poster\/\">\u201eKritische Poster\u201c<\/a>). Eine solche Methodik der Angewandten Ethik kann nat\u00fcrlich auf viele Ans\u00e4tze in verschiedenen Fachdidaktiken und auf die reichhaltigen Erfahrungen aus einer Vielzahl von Vermittlungsprozessen zur\u00fcckgreifen, w\u00e4re aber erst noch systematisch und f\u00e4cher\u00fcbergreifend auszuarbeiten und dann auch empirisch zu evaluieren.<\/p>\n\n\n\n<p style=\"color:#2c9f7c\" class=\"has-text-color\"><br><br><\/p>\n\n\n\n<p><br><br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Lernplattform steht im Kontext einer Didaktik Angewandter Ethik, deren [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":5785,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-8199","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/8199","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5785"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8199"}],"version-history":[{"count":22,"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/8199\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8571,"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/8199\/revisions\/8571"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/genome-editing\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8199"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}