{"id":155,"date":"2019-03-25T11:54:50","date_gmt":"2019-03-25T10:54:50","guid":{"rendered":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/journalismus_moe\/?page_id=155"},"modified":"2019-03-25T11:56:54","modified_gmt":"2019-03-25T10:56:54","slug":"investigativer-journalismus-wie-sich-das-rise-projekt-den-journalistischen-herausforderungen-in-rumaenien-und-der-republik-moldau-stellt","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/journalismus_moe\/journalistische-angebote\/investigativer-journalismus-wie-sich-das-rise-projekt-den-journalistischen-herausforderungen-in-rumaenien-und-der-republik-moldau-stellt\/","title":{"rendered":"Investigativer Journalismus: Wie sich das RISE-Projekt den journalistischen Herausforderungen in Rum\u00e4nien und der Republik Moldau stellt"},"content":{"rendered":"<p><em>Von Julia Wasser<\/em><\/p>\n<ol>\n<li><strong>Das RISE-Projekt und der investigative Journalismus<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Das RISE-Projekt ist eine Non-Profit-Organisation, die 2012 von rum\u00e4nischen Journalist*innen und Programmier*innen gegr\u00fcndet wurde (<a href=\"https:\/\/www.riseproject.ro\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/AnnualReport_RISE2013.pdf\">Annual Report RISE 2013<\/a>, S. 3). Das RISE-Projekt, nachfolgend auch RISE Netzwerk oder RISE genannt, in der Republik Moldau wurde 2014 ins Leben gerufen (<a href=\"https:\/\/www.rise.md\/membru\/\">Rise Moldova, 2019<\/a>) Es hat sich zur Aufgabe gemacht, organisiertes Verbrechen und Korruption in Rum\u00e4nien und in der Republik Moldau zu bek\u00e4mpfen (<a href=\"https:\/\/www.riseproject.ro\/membru\/\">Rise-Project, 2019<\/a>; <a href=\"https:\/\/www.rise.md\/membru\/\">Rise Moldova, 2019<\/a>). Anhand der Analyse von Dokumenten aus Offshore-Gebieten und der Erstellung von Datenbanken w\u00fcrden die Journalist*innen Informationen zusammenf\u00fcgen, die\u00a0 Politiker*innen und Gesch\u00e4ftsleute zu verheimlichen versuchten. Dabei handele es sich in ihren Berichten oftmals um die Themen Geldw\u00e4sche, Schmuggel, Steuerbetrug oder Waffenhandel. So ist RISE auch Bestandteil der internationalen Recherchen zu den <a href=\"https:\/\/panamapapers.sueddeutsche.de\/\">Panama Papers<\/a> (<a href=\"https:\/\/www.rise.md\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/RISE-Moldova-Annual-Report-2016-English-Version.pdf\">Rise Moldova Annual Activity Report 2016<\/a>, S. 16). Die Informationen aus den Panama Papers halfen den Journalist*innen von RISE, ein System korrupter und krimineller Gesch\u00e4fte aufzudecken, das namhafte Politiker*innen, Medienvertreter*innen und Gesch\u00e4ftsleute des Landes nutzten, um sich finanziell zu bereichern (<a href=\"https:\/\/en.hromadske.ua\/posts\/panama-papers-is-a-gift-that-keeps-on-giving-paul-radu-occrp\">Hromadske internationa<\/a>l; <a href=\"https:\/\/www.rise.md\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/RISE-Moldova-Annual-Report-2016-English-Version.pdf\">Rise Moldova Annual Activity Report 2016<\/a>; <a href=\"https:\/\/www.rise.md\/panamapapers\/\">RISE Panama Papers<\/a>). \u00a0So belasteten die Recherchen zum Beispiel den ehemaligen Ministerpr\u00e4sidenten der Republik Moldau Ion Sturza (ebd.). Laut Paul Radu, Gr\u00fcnder von RISE in Rum\u00e4nien, haben die Recherchen zu den Panama Papers einen ersten Beitrag dazu geleistet, die Durchf\u00fchrung illegaler Geldgesch\u00e4fte f\u00fcr die Beteiligten zu erschweren (<a href=\"https:\/\/en.hromadske.ua\/posts\/panama-papers-is-a-gift-that-keeps-on-giving-paul-radu-occrp\">Hromadske international<\/a>).<\/p>\n<p>Alternative Online-Nachrichtenmedien, insbesondere RISE, \u00a0spielen im investigativen Journalismus in Osteuropa eine tragende Rolle (Stetka &amp; \u00d6rnebring, 2013, S. 413, 423). So haben sie gegen\u00fcber den Printmedien den Vorteil, dass Inhalte ohne Zeitverzug ver\u00f6ffentlicht und nicht so leicht zensiert werden k\u00f6nnen (ebd., S. 423).<br \/>\nDas Besondere am RISE-Projekt ist au\u00dferdem, dass die Journalist*innen vornehmlich investigativ arbeiten und sich somit vom g\u00e4ngigen Journalismus in ihren L\u00e4ndern (siehe 2. Die Mediensysteme der Republik Moldau und Rum\u00e4nien) abheben.<\/p>\n<figure id=\"attachment_403\" aria-describedby=\"caption-attachment-403\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-403\" src=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/journalismus_moe\/files\/2019\/03\/Bild-RISE-bei-der-Arbeit_cr-300x200.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\" srcset=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/journalismus_moe\/files\/2019\/03\/Bild-RISE-bei-der-Arbeit_cr-300x200.png 300w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/journalismus_moe\/files\/2019\/03\/Bild-RISE-bei-der-Arbeit_cr-768x512.png 768w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/journalismus_moe\/files\/2019\/03\/Bild-RISE-bei-der-Arbeit_cr.png 843w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-403\" class=\"wp-caption-text\">Die Journalisen von RISE bei ihrer Arbeit (<a href=\"https:\/\/www.riseproject.ro\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/AnnualReport_RISE2013.pdf\">Annual Report RISE 2013<\/a>, S. 3)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Journalismus im Allgemeinen \u201c<em>provides the public independently and periodically with information and issues that are considered newsworthy, relevant and fact-based<\/em>\u201d (Weischenberg, Malik, &amp; Scholl 2012, 208f.). Journalist*innen sollten nur wahre und von ihnen gepr\u00fcfte Informationen an ihr Publikum weitergeben (Kovach &amp; Rosenstiel 2007, S. 12f). Sie seien Beobachter*innen der M\u00e4chtigen einer Gesellschaft und somit auch W\u00e4chter*innen \u00fcber die freiheitlichen Rechte ihres Publikums.<\/p>\n<p><strong>Investigativer Journalismus<\/strong> im Speziellen kann verstanden werden als nachhaltige Berichterstattung \u00fcber Verst\u00f6\u00dfe gegen Recht und Moral, die hochrangigen Personen zugeschrieben werden (Stetka &amp; \u00d6rnebring, 2013, S. 415). Kurz: Investigativer Journalismus bringt die versteckte Wahrheit ans Licht (Gerli, Mazzoni, &amp; Mincigrucci, 2018, S. 25) und <strong>setzt<\/strong> somit <strong>einen<\/strong> verst\u00e4rkten <strong>Fokus auf die Beobachtung der M\u00e4chtigen und die Wahrung der Rechte der Bev\u00f6lkerung<\/strong>. Im Gegensatz zum herk\u00f6mmlichen Journalismus erfordert die investigative Recherche jedoch mehr finanzielle und personelle Ressourcen (Stetka &amp; \u00d6rnebring, 2013, S. 415). So m\u00fcssten vor der Ver\u00f6ffentlichung von Artikeln teils geheime Dokumente beschafft, analysiert und ausgewertet werden, Personen interviewt und Beweise gesammelt werden.<\/p>\n<p>Um die Relevanz der Arbeit von RISE zu verstehen, folgt ein kurzer \u00dcberblick \u00fcber die medienspezifischen Rahmenbedingungen in den L\u00e4ndern Republik Moldau und Rum\u00e4nien.<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong> Die Mediensysteme der Republik Moldau und Rum\u00e4nien<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Laut <a href=\"https:\/\/www.reporter-ohne-grenzen.de\/moldau\/\">Reportern ohne Grenzen (2019)<\/a> nimmt die <a href=\"https:\/\/www.auswaertiges-amt.de\/de\/aussenpolitik\/laender\/moldau-node\">Republik Moldau<\/a>\u00a0von 180 gelisteten L\u00e4ndern, Platz 81 in Bezug auf die im Land vorherrschende Pressefreiheit ein. Grund hierf\u00fcr ist das intransparente, oft von der politischen und wirtschaftlichen Elite des Landes beeinflusste Mediensystem (ebd., auch interessant: <a href=\"https:\/\/www.reporter-ohne-grenzen.de\/nc\/moldau\/alle-meldungen\/meldung\/mehr-unabhaengigkeit-der-medien-noetig\/\">Mehr Unabh\u00e4ngigkeit der Medien n\u00f6tig<\/a>).\u00a0So besteht die Fernsehlandschaft einerseits aus staatlichen Kan\u00e4len und andererseits aus privaten Sendern, deren Eigent\u00fcmer*innen meist im Hintergrund agieren, weshalb von Verflechtungen in wirtschaftliche und politische Kreise ausgegangen wird (ebd.). Die Arbeit von Journalist*innen in der Republik Moldau ist nicht einfach, da Gewaltandrohungen und die korrupte Justiz tiefgr\u00fcndige Recherchen erschweren k\u00f6nnen (ebd.). Auf dem <a href=\"https:\/\/www.transparency.org\/cpi2018\">Korruptionsindex von Transparency International (2018)<\/a> (Skala: 0= sehr korrupt, 100= einwandfrei) erreicht die Republik Moldau daher nur 33 Punkte.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.auswaertiges-amt.de\/de\/aussenpolitik\/laender\/rumaenien-node\">Rum\u00e4nien<\/a>\u00a0erreicht eine Punktzahl von 47 auf dem Korruptionsindex (<a href=\"https:\/\/www.transparency.org\/cpi2018\">Transparency International 2018<\/a>) sowie einen im Vergleich zur Republik Moldau besseren, aber dennoch auf gravierende Schw\u00e4chen hinweisenden, Platz 44 auf dem Index f\u00fcr Pressefreiheit (<a href=\"https:\/\/www.reporter-ohne-grenzen.de\/rumaenien\/\">Reporter ohne Grenzen, 2019<\/a>). Zahlreiche Fernsehsender geh\u00f6ren politisch motivierten Gesch\u00e4ftsleuten, die Einfluss auf die Berichterstattung nehmen, um ihren pers\u00f6nlichen politischen und wirtschaftlichen Zielen n\u00e4her zu kommen (ebd.). Auch in Rum\u00e4nien wird Journalist*innen mit Gewalt gedroht, wenn ihre Recherchen Missst\u00e4nde aufdecken k\u00f6nnten (ebd.). Folgt man den <a href=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/journalismus_moe\/rethinking-hallin-and-mancini-beyond-the-west-an-analysis-of-media-systems-in-central-and-eastern-europe\/\">Ergebnissen von Castro Herrero, Humprecht, &amp; Engesser et al. (2017)<\/a> l\u00e4sst sich das Mediensystem von Rum\u00e4nien in das Ost(europ\u00e4ische)-cluster einordnen. Laut den Autor*innen (ebd., S. 4810) sind die Merkmale dieser Mediensysteme vor allem geringe Pressefreiheit, hoher politischer Parallelismus und geringe Investitionen in den \u00f6ffentlichen Rundfunk. Weitere Merkmale des Ost-Clusters sind der geringe Professionalisierungsgrad von Journalist*innen und die nicht vorhandene Regulierung in Bezug auf die Eigent\u00fcmerschaft von Medien.<br \/>\nDas Mediensystem der Republik Moldau tendiert ebenfalls zum Ost-Cluster, mit den oben beschriebenen Merkmalen (Milewski, 2013, S. 249). Es kann jedoch auch als pluralistisch betrachtet werden (Parmelee, 2009, S. 279). So lie\u00dfen die allgemeinen Rahmenbedingungen im Land, wie die privatisierte Wirtschaft, fehlende staatliche Zensur privater Medien sowie die sprachliche, ethische und kulturelle Vielfalt, Raum f\u00fcr verschiedene Medienkan\u00e4le und journalistische Sichtweisen (ebd, S. 289). St\u00e4rker gewichtet werden, sollte jedoch die schwache Wirtschaftsleistung, die dazu f\u00fchre, dass Journalist*innen auf Jobs bei Medienkan\u00e4len angewiesen sein, die vom Staat oder einzelnen Parteien beeinflusst w\u00fcrden (ebd.). Das kann wiederum dazu f\u00fchren, dass sich die eventuell vorhandene Meinungsvielfalt der Journalist*innen nicht in der Berichterstattung wiederfindet.<br \/>\nAn dieser Stelle ist anzumerken, dass obwohl Rum\u00e4nien und die Republik Moldau Nachbarl\u00e4nder sind, nat\u00fcrlich nicht exakt gleiche Bedingungen in beiden L\u00e4ndern vorliegen. So ist Rum\u00e4nien im Gegensatz zur <a href=\"https:\/\/europa.eu\/european-union\/about-eu\/countries\/member-countries_de\">Republik Moldau seit 2017 EU-Mitglied<\/a>. Dieser Text geht jedoch davon aus, dass die relevanten medienspezifischen Verh\u00e4ltnisse in den beiden L\u00e4ndern \u00e4hnlich sind.<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><strong> Die Herausforderungen des investigativen Journalismus in der Republik Moldau und Rum\u00e4nien<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Nachfolgend werden die medienspezifischen Herausforderungen in der Republik Moldau und Rum\u00e4nien, mit denen sich die investigativen Journalist*innen konfrontiert sehen, erl\u00e4utert. Dies sind<strong> (Un-)Abh\u00e4ngigkeit der Berichterstattung von Politik und Wirtschaft, Transparenz, Finanzierung, Zugang zu und Umgang mit Daten<\/strong>, die <strong>Professionalit\u00e4t der Journalist*innen<\/strong> sowie das <strong>mangelnde Publikumsinteresse<\/strong>. Es soll darauf aufbauend den Fragestellungen nachgegangen werden (1) Wie tritt RISE den Herausforderungen der l\u00e4nderspezifischen Mediensysteme entgegen? Und (2) Inwiefern kann RISE unter diesen Umst\u00e4nden seiner Beobachterfunktion nachgehen?<\/p>\n<p><strong>3.1 (Un-)Abh\u00e4ngigkeit der Berichterstattung von Politik und Wirtschaft<\/strong><\/p>\n<p>Zwar geben im Vergleich mit anderen zentral- und osteurop\u00e4ischen L\u00e4ndern \u00fcberdurchschnittlich viele Journalist*innen in Rum\u00e4nien an, investigativ zu arbeiten (Stetka &amp; \u00d6rnebring, 2013, S. 420). Es bestehe jedoch der Verdacht, dass manche von ihnen \u201e<em>\u201cpseudo\u201d investigative journalists<\/em>\u201c (ebd.) sind. Das hei\u00dft, dass sie nur vorgeben frei, unabh\u00e4ngig und tiefgreifend zu recherchieren, w\u00e4hrend sie in Wirklichkeit eigene politische und wirtschaftliche Interessen verfolgen.<br \/>\nSo sind viele einflussreiche Positionen bei Medienkan\u00e4len in Rum\u00e4nien von Politiker*innen besetzt (Coman, 2010, S. 588). Sie nutzen die damit verbundene M\u00f6glichkeit, sich selbst in der \u00d6ffentlichkeit zu inszenieren, um ihre eigenen politischen Karrieren voranzutreiben (ebd., S. 588, S. 591). F\u00fcr einen wirtschaftlichen Vorteil treffen Eigent\u00fcmer*innen von Massenmedien geheime Vereinbarungen mit verschiedenen politischen Gruppen. F\u00fcr Coman (ebd.) ist das Thema Pressefreiheit in Rum\u00e4nien daher eng verflochten mit politischer und wirtschaftlicher (Un-)Abh\u00e4ngigkeit (S. 588).<br \/>\nIm Laufe der Zeit sind immer mehr Medienkan\u00e4le in den Besitz von Medienmogulen \u00fcbergegangen (Coman, 2010, S. 589f.). Ihre geheimen Absprachen mit Politik und Wirtschaft h\u00e4tten Anteil an der mangelnden Medienfreiheit und dem schwachen Einfluss von Journalist*innen im Land (,siehe auch <a href=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/journalismus_moe\/problemlagen\/klientelismus\/\">Klientelismus und Korruption<\/a>). Medienmogule werden in ihren Vorhaben unterst\u00fctzt durch \u201e<em>journalist-managers<\/em>\u201c (ebd., S. 590). Diese erhalten viel Geld. Nicht daf\u00fcr, dass sie ein Presseunternehmen managen, sondern daf\u00fcr, dass sie ihre besondere Position ausnutzen, um Verbindungen zur Politik oder wirtschaftlichen Interessengruppen einzugehen, die dem Medienmogul zu Gute kommen (ebd., S. 592f.).<br \/>\nAuf die Abh\u00e4ngigkeit der Journalisten von den Manager*innen der Medienunternehmen weist auch eine <a href=\"https:\/\/epub.ub.uni-muenchen.de\/30986\/1\/Country_report_Moldova.pdf\">Befragung von Milewski (2016)<\/a> in der Republik Moldau hin. So gaben circa 30 % der Journalist*innen an, dass ihre Arbeit von den Besitzer*innen und auch den Manager*innen der jeweiligen Nachrichtenorganisation beeinflusst wird (ebd., S. 4). Befragt nach ihrem Rollenverst\u00e4ndnis antworteten die meisten moldauischen Journalist*innen jedoch, dass sie eher neutral gegen\u00fcber der Regierung sind (Milewski, 2016, S. 2). Die meisten bezeichnen sich weder als Gegner*innen der Regierung, noch wollen sie ein besonders positives Bild von der Regierung zeichnen. Die Antworten derartiger Befragungen k\u00f6nnen jedoch immer von dem Ph\u00e4nomen der sozialen Erw\u00fcnschtheit verzerrt sein. Das hei\u00dft, dass die Befragten unter Umst\u00e4nden nicht zugegeben haben k\u00f6nnten, politisch beeinflusst zu sein, um keinen negativen Einfluss bei der Interviewerin zu hinterlassen.<\/p>\n<p>Bezogen auf die Unabh\u00e4ngigkeit von RISE l\u00e4sst sich feststellen, dass das Netzwerk gemeinn\u00fctzig und nicht gewinnorientiert arbeitet. Initiator und Leiter des RISE-Projektes in Rum\u00e4nien ist <a href=\"https:\/\/www.icij.org\/journalists\/paul-cristian-radu\/\">Paul Radu<\/a> (<a href=\"https:\/\/www.riseproject.ro\/membru\/\">Rise Project, 2019<\/a>). Sein Lebenslauf l\u00e4sst keinerlei Absichten erkennen, die RISE politisch oder wirtschaftlich beeinflussen k\u00f6nnten. Er scheint sich ganz dem investigativen Journalismus verschrieben zu haben. So ist Radu auch Vorstandsvorsitzender und Mitbegr\u00fcnder des <a href=\"https:\/\/www.occrp.org\/en\/about-us\">Organized Crime and Corruption Reporting Project (OCCRP)<\/a>\u00a0und Mitglied des International <a href=\"https:\/\/www.icij.org\/\">Consortium of Investigative Journalists (ICIJ)<\/a>\u00a0(ebd.).\u00a0Es ist davon auszugehen, dass seine zahlreichen internationalen absolvierten Stipendien zu einer hervorragenden journalistischen Ausbildung beigetragen haben. Hierbei ist hinzuzuf\u00fcgen, dass er im Rahmen seiner Stipendien in den USA (drei Aufenthalte) und in \u00d6sterreich ausgebildet wurde. Lurie Sanduta leitet RISE in der Republik Moldau (<a href=\"https:\/\/www.rise.md\/membru\/\">RISE Moldova, 2019<\/a>). Er ist ebenfalls Mitglied des OCCRP. Seine Recherchen wurden mehrfach ausgezeichnet, was auf die Qualit\u00e4t seiner Arbeiten hinweist. N\u00e4heres zum Lebenslauf des Journalisten l\u00e4sst sich leider nicht in Erfahrung bringen.<\/p>\n<p>Das RISE-Projekt ist international anerkannt und erh\u00e4lt Unterst\u00fctzung durch verschiedene weltweite Partnerschaften. So ist ein Partner des RISE-Projektes in Rum\u00e4nien das Nachrichten-Internetportal <a href=\"https:\/\/www.hotnews.ro\/\">Hotnews<\/a> <a href=\"https:\/\/www.riseproject.ro\/membru\/\">(Rise Project, 2019<\/a>). Sein Bekanntheitsgrad ist in Rum\u00e4nien relativ hoch und es gibt an, politisch neutral zu berichten (<a href=\"https:\/\/www.eurotopics.net\/de\/148568\/hotnews\">Eurotopics, 2018<\/a>). So w\u00fcrden auch Artikel \u00fcber Korruption ver\u00f6ffentlicht werden. Partner von Hotnews ist im \u00dcbrigen auch die Deutsche Welle (<a href=\"https:\/\/www.hotnews.ro\/)\">Hotnews, 2019<\/a>), sodass man, auch in Anbetracht fehlender Untersuchungen, davon ausgehen kann, dass es sich eher um ein qualitativ gutes Medium handelt, von dem RISE politisch unabh\u00e4ngig ist.<br \/>\nAu\u00dferdem ist RISE in Rum\u00e4nien und in der Republik Moldau\u00a0Bestandteil des <a href=\"https:\/\/gijn.org\/\">Global Investigative Journalism Network<\/a> und Mitglied des oben bereits erw\u00e4hnten\u00a0OCCRP (<a href=\"https:\/\/www.riseproject.ro\/membru\/\">Rise Project, 2019<\/a>). Als Plattform f\u00fcr investigativen Journalismus verbindet es Projekte und Journalist*innen weltweit (<a href=\"https:\/\/www.occrp.org\/en\/about-us\">OCCRP, 2019<\/a>). Es wird finanziert durch verschiedene, mehrheitlich US-amerikanische Institutionen und Stiftungen (ebd.). Das Global Investigative Journalism Network verbindet ebenfalls verschiedene internationale Organisationen von Journalist*innen und setzt sich f\u00fcr den Informationsaustausch zwischen ihnen ein. Auch diese Organisation ist in den USA registriert und wird von diversen US-amerikanischen Stiftungen finanziert.<br \/>\nDie Finanzierung durch gemeinn\u00fctzige Stiftungen kann sowohl positiv als auch negativ bewertet werden (f\u00fcr eine Zusammenfassung der Debatte siehe <a href=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/journalismus_moe\/kontexte\/medienunternehmerische-krise-stiftungsfinanzierung-als-alternative\/\">Medienunternehmerische Krise: Stiftungsfinanzierung als Alternative?<\/a>). So steht die gemeinn\u00fctzige Unterst\u00fctzung investigativer Recherchen und die St\u00e4rkung von Pressefreiheit und demokratischen Werten einem potentiellen Einfluss privater Interessen der Stifter*innen auf die Unabh\u00e4ngigkeit der Journalist*innen gegen\u00fcber (Holland-Letz, 2017). Leider l\u00e4sst sich im Rahmen dieser Arbeit nicht genau ermitteln, welchen Einfluss die RISE, direkt oder indirekt (zum Beispiel \u00fcber das OCCRP) f\u00f6rdernden, Stiftungen auf die Arbeit der Journalist*innen haben. Positiv zu werten ist, dass das Projekt von vielen Stiftungen gef\u00f6rdert wird, sodass vermutet werden kann, dass das Netzwerk nicht von den Interessen einer einzelnen Person, wie einem Medienmogul, beeinflusst wird. Dass die Stiftungen mehrheitlich US-amerikanisch sind und auch die zahlreichen Aufenthalte Paul Radus in den USA, k\u00f6nnten jedoch eine bestimmte Pr\u00e4gung hinterlassen. So ist langfristig zu vermuten, dass eine mit der St\u00e4rkung des Journalismus eventuell einhergehende fortschreitende Demokratisierung und \u00d6ffnung von Rum\u00e4nien und der Republik Moldau gegen\u00fcber dem Westen von Vorteil f\u00fcr wirtschaftliche und politische Partnerschaften zugunsten der USA w\u00e4ren. Die Finanzierung durch Stiftungen bleibt dennoch vor dem Hintergrund weniger anderer M\u00f6glichkeiten, eine gute Alternative ein Projekt wie RISE zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p><strong>3.2 Transparenz<\/strong><\/p>\n<p>Die Transparenz der Arbeit von RISE ist eher mittelm\u00e4\u00dfig zu bewerten. So finden sich in den der \u00d6ffentlichkeit zur Verf\u00fcgung stehenden, professionell gestalteten, Gesch\u00e4ftsberichten zwar viele relevante Informationen \u00fcber ihre Arbeit. Seit 2013 hat RISE Rum\u00e4nien jedoch keinen Gesch\u00e4ftsbericht mehr auf seiner Homepage ver\u00f6ffentlicht. Der letzte von RISE in der Republik Moldau ver\u00f6ffentlichte Gesch\u00e4ftsbericht stammt aus 2017. In die englische Sprache \u00fcbersetzt wurde der Bericht jedoch zuletzt 2016. Es ist zu vermuten, dass ein Grund f\u00fcr die nicht aktuellen Berichte der Mangel an personellen und finanziellen Ressourcen des Netzwerkes ist.<\/p>\n<p><strong>3.3 Finanzierung<\/strong><\/p>\n<p>Wie oben bereits angeklungen, ist es eine der gr\u00f6\u00dften und das Genre pr\u00e4genden Herausforderungen, den investigativen Journalismus zu finanzieren (Stetka &amp; \u00d6rnebring, 2013, S. 425). So finden sich selten Zeitungsinhaber*innen, die bereit sind, Geld f\u00fcr investigativen Journalismus bereitzustellen, wenn dieser ihnen keinerlei pers\u00f6nliche, in Bezug auf wirtschaftliche oder private Ziele, Vorteile bringt (Gerli et al., 2018, S. 25).<\/p>\n<p>Ein gro\u00dfer Teil der Arbeit am RISE-Projekt basiert auf gemeinn\u00fctziger, das hei\u00dft unbezahlter Arbeit (<a href=\"https:\/\/www.riseproject.ro\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/AnnualReport_RISE2013.pdf\">Annual Report RISE 2013<\/a>, S. 6). Wie bereits erw\u00e4hnt, werden die Journalist*innen durch Zuwendungen verschiedener, meist internationaler Organisationen, unterst\u00fctzt (f\u00fcr genauere Informationen siehe <a href=\"https:\/\/www.riseproject.ro\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/AnnualReport_RISE2013.pdf\">Annual Report RISE 2013<\/a>, S. 6 und <a href=\"https:\/\/www.rise.md\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/RISE-Moldova-Annual-Report-2016-English-Version.pdf\">Rise Moldova Annual Activity Report 2016<\/a>, S. 38). So flie\u00dfen unter Anderem Mittel aus der EU, den USA, England und der <a href=\"http:\/\/www.swiss-contribution.ro\/swiss\/afisarePagina.html?method=afisarePagina&amp;tip=50&amp;categoriebunuri=prezentaregen%20en&amp;pagina=Institutii&amp;locale=en&amp;meniu=Institutii_en\">Schweiz<\/a>. Auch das deutsche Bundesministerium f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung f\u00f6rdert RISE, und zwar indirekt durch das Journalisten-Netzwerk <a href=\"https:\/\/www.n-ost.org\/17-n-vestigate#Rechercheprojekte\">n-vestigate<\/a>.<br \/>\nProblematisch zu sehen, ist vor allem die Nachhaltigkeit der Finanzierung. Da F\u00f6rdersummen und -Zeitr\u00e4ume begrenzt sind, m\u00fcssen sich die Organisator*innen des Netzwerkes stetig um neue Gelder bem\u00fchen. Auch der b\u00fcrokratische Aufwand nimmt Zeit in Anspruch, die die Journalist*innen sicherlich lieber in ihre Recherchen investieren w\u00fcrden. Um dem Mangel an finanziellen Ressourcen entgegenzuwirken, informiert RISE auf seinen Webseiten zudem \u00fcber die M\u00f6glichkeit f\u00fcr Privatleute f\u00fcr das Projekt zu spenden (<a href=\"https:\/\/www.riseproject.ro\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/AnnualReport_RISE2013.pdf\">Annual Report RISE 2013<\/a>, S. 6).<\/p>\n<p><strong>3.4 Zugang zu Daten<\/strong><\/p>\n<p>Schwierigkeiten macht den Journalist*innen in der Republik Moldau vor allem der Zugang zu Daten f\u00fcr ihre Recherchen (<a href=\"https:\/\/cms.n-ost.org\/files\/uploads\/EN_Report_Moldova_FOI.pdf\">Turcanu, 2016<\/a>, S. 2f.). So w\u00fcrde die Regierung oftmals Informationen, mit der Begr\u00fcndung sie fielen unter den Datenschutz, nicht ver\u00f6ffentlichen. Auch \u00f6ffentliche Institutionen w\u00fcrden Daten aus Angst vor negativer Berichterstattung zur\u00fcckhalten. F\u00fcr den Zugang zu wirtschaftlichen Daten m\u00fcssten Journalist*innen sogar zahlen. So habe sich eine Industrie um den Handel mit Daten gebildet und staatliche Unternehmen n\u00fctzten diese als Einnahmequelle.<\/p>\n<p>Aus dem Gesch\u00e4ftsbericht von RISE in Rum\u00e4nien geht hervor, dass 2000 US-Dollar, die 2013 durch Spenden von Privatleuten zusammengekommen sind, f\u00fcr Reisen der Journalist*innen und f\u00fcr Geb\u00fchren f\u00fcr den Zugang zu \u00f6ffentlichen Registern verwendet wurden (<a href=\"https:\/\/www.riseproject.ro\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/AnnualReport_RISE2013.pdf\">Annual Report RISE 2013<\/a>, S. 6). Langfristig gesehen, sind private Spenden jedoch eine unsichere Einnahmequelle, um den Datenzugang finanzieren.<\/p>\n<p><strong>3.5 Umgang mit Daten und Professionalit\u00e4t der Journalist*innen<\/strong><\/p>\n<p>Eine weitere Herausforderung ist der Umgang mit den Daten selbst (<a href=\"https:\/\/cms.n-ost.org\/files\/uploads\/EN_Report_Moldova_FOI.pdf\">Turcanu, 2016<\/a>, S. 2f.). Die technischen M\u00f6glichkeiten, die mit der Digitalisierung einhergehen, w\u00fcrden den Journalist*innen Kenntnisse \u00fcber Datenvisualisierung und Datenanalyse abverlangen, \u00fcber die sie oftmals nicht verf\u00fcgten.<br \/>\nDem setzt RISE entgegen, dass es sich nicht nur die Aufdeckung von Kriminalit\u00e4t und Korruption zum Ziel gesetzt hat, sondern auch Schulungen f\u00fcr Journalist*innen anbietet (<a href=\"https:\/\/www.rise.md\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/RISE-Moldova-Annual-Report-2016-English-Version.pdf\">Rise Moldova Annual Activity Report 2016<\/a>, S. 32). In 2016 wurden von RISE in der Republik Moldau \u00fcber 20 Trainings mit 20 Journalist*innen zu Themen des investigativen Journalismus durchgef\u00fchrt (ebd.). So wurde unter anderem der Umgang mit Datenbanken, die Weiterverarbeitung von Daten, Fact-checking und die bildliche Aufbereitung von Informationen vermittelt (ebd.). Dies ist besonders positiv zu bewerten, da es eine M\u00f6glichkeit bietet, die, laut Merkmalen des Ostclusters, zu wenig professionellen Journalist*innen f\u00fcr die technischen Herausforderungen des zeitgem\u00e4\u00dfen Journalismus zu wappnen. Die Arbeiten der Journalist*innen von RISE sind mehrfach ausgezeichnet (<a href=\"https:\/\/www.rise.md\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/RISE-Moldova-Annual-Report-2016-English-Version.pdf\">Rise Moldova Annual Activity Report 2016<\/a>, S. 4), so dass man auch deshalb davon ausgehen kann, dass die Trainings einen Mehrwert f\u00fcr andere Journalist*innen darstellen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_404\" aria-describedby=\"caption-attachment-404\" style=\"width: 260px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-404\" src=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/journalismus_moe\/files\/2019\/03\/Bild-RISE-Training_cr.png\" alt=\"\" width=\"260\" height=\"173\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-404\" class=\"wp-caption-text\">RISE Journalisten geben ihr Wissen weiter (<a href=\"https:\/\/www.riseproject.ro\/wp-content\/uploads\/2012\/02\/AnnualReport_RISE2013.pdf\">Annual Report RISE 2013<\/a>, S. 21)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>3.6 Mangelndes Publikumsinteresse<\/strong><\/p>\n<p>Das Publikumsinteresse in Presseerzeugnisse ist in Rum\u00e4nien sehr gering (Standard-Eurobarometer 88 Herbst 2017, S. 12). So gaben nur 6 % der Rum\u00e4n*innen bei einer Befragung im Rahmen des Eurobarometers an, t\u00e4glich Zeitung zu lesen. 47 %, und damit die meisten Menschen im EU-Vergleich, sagten, dass sie nie Zeitung lesen w\u00fcrden (ebd.). Die Rum\u00e4n*innen nutzen au\u00dferdem, auch bezogen auf die europ\u00e4ischen Nachbarn, am seltensten das Internet: Nur 42 % der Menschen sind t\u00e4glich oder fast t\u00e4glich online (ebd. S. 15). Das am meisten genutzte Medium in Rum\u00e4nien ist das Fernsehen (ebd. S. 5). Die Rum\u00e4n*innen bringen folglich dem Fernsehen das meiste Vertrauen entgegen (61%), gefolgt von Printmedien (46%). Dem Internet wird am wenigsten Vertrauen beigemessen (37%).<\/p>\n<p>Das geringe Internetvertrauen spiegelt sich auch in den Nutzungszahlen von RISE wider. So verzeichnete die Webseite von RISE in der Republik Moldau 2017 insgesamt 240.566 Besuche von 229.966 Nutzer*innen. Diese blieben durchschnittlich 1,34 Minuten auf der Webseite (ebd.). Bezogen auf die <a href=\"http:\/\/statbank.statistica.md\/pxweb\/pxweb\/en\/20%20Populatia%20si%20procesele%20demografice\/20%20Populatia%20si%20procesele%20demografice__POP010\/POP010100.px\/table\/tableViewLayout1\/?rxid=b2ff27d7-0b96-43c9-934b-42e1a2a9a774\">3.547.539 moldauischen Einwohner*innen<\/a>,\u00a0informierten sich zuletzt gerade einmal ca. 6,5 % von ihnen auf der RISE Webseite. Der <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/risemoldova\/\">Facebook-Account von RISE in der Republik Moldau<\/a> gef\u00e4llt aktuell 29.703 Nutzer*innen (abgerufen 20.03.19). Im Durchschnitt wurden die letzten 10 Beitr\u00e4ge nur 50 Mal geteilt.<br \/>\nNoch weniger Traffic verzeichnete die Webseite von RISE in Rum\u00e4nien mit 197.194 Besuchen von 145.392 Nutzer*innen und einer durchschnittlichen Verweildauer von 2 Minuten in 2013 (;aktuellere Daten liegen leider nicht vor). Die Verweildauer ist zwar etwas l\u00e4nger als bei RISE in der Republik Moldau, sie reicht jedoch ebenso wenig f\u00fcr eine tiefgr\u00fcndige Auseinandersetzung mit einem Thema aus. Bei der <a href=\"https:\/\/countrymeters.info\/de\/Romania\">Gesamtbev\u00f6lkerung in Rum\u00e4nien von\u00a0 18.936.946<\/a>\u00a0informierten sich gerade einmal ca. 0,8 % der Bev\u00f6lkerung in 2013 auf der RISE Webseite. Der <a href=\"https:\/\/de-de.facebook.com\/RiseProjectRo\/\">Facebook-Account von RISE in Rum\u00e4nien<\/a> hat derzeit 145.524 Likes (abgerufen 20.03.19). Durchschnittlich wurden die letzten 10 Beitr\u00e4ge immerhin 1118 Mal geteilt. Die geringen Nutzungszahlen und das generelle Misstrauen in das Internet lassen vermuten, dass der Einfluss der Recherchen von RISE nicht sehr gro\u00df ist.<\/p>\n<ol start=\"4\">\n<li><strong> Inwiefern kann RISE unter diesen Umst\u00e4nden seiner Beobachterfunktion nachgehen?<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Die journalistische Arbeit von RISE kann als eine vorbildliche Antwort auf die Herausforderungen des Journalismus in Osteuropa verstanden werden. So lie\u00dfen sich anhand der obigen Recherchen keine stichhaltigen Hinweise auf eine direkte politische oder wirtschaftliche Beeinflussung finden. Die Finanzierung aus Stiftungen und die damit verbundene internationale Unterst\u00fctzung bedarf zwar stetiger Beobachtung, kann aus Mangel an anderen M\u00f6glichkeiten jedoch vorerst als die Unabh\u00e4ngigkeit nicht beeintr\u00e4chtigend hingenommen werden. Das Netzwerk tr\u00e4gt mit seinem Informationsaustausch und seinen Schulungen dazu bei, die Professionalisierung der Journalist*innen und somit die journalistische Qualit\u00e4t zu verbessern. W\u00fcnschenswert w\u00e4re jedoch eine stetige Ver\u00f6ffentlichung von Gesch\u00e4ftsberichten. Um die wenigen Ressourcen des Projektes zu schonen und dennoch die \u00d6ffentlichkeit zu informieren, gen\u00fcge hierbei auch eine weniger aufw\u00e4ndige Aufmachung der Gesch\u00e4ftsberichte als bisher.<\/p>\n<p>Das Fortbestehen von investigativen Online-Nachrichten-Medien wie RISE ist abh\u00e4ngig von der Nachhaltigkeit ihres Finanzierungsmodells (Stetka &amp; \u00d6rnebring 2013, S. 429). Dies ist eng verbunden mit der Unterst\u00fctzung dieser journalistischen Arbeit durch die \u00d6ffentlichkeit (ebd.). Die geringen Nutzungszahlen von RISE stimmen daher wenig optimistisch. Der Einfluss von investigativem Journalismus in Osteuropa ist zudem als sehr schwach einzusch\u00e4tzen\u00a0 (Stetka und \u00d6rnebring 2013, S. 426; bez\u00fcglich Republik Moldau: <a href=\"https:\/\/cms.n-ost.org\/files\/uploads\/EN_Report_Moldova_FOI.pdf\">\u0162urcanu, 2016<\/a>, S. 3). So haben Stetka und \u00d6rnebring (2013) herausgefunden, dass Personen, \u00fcber deren kriminelle Gesch\u00e4fte berichtet wurde, nur sehr selten von der Justiz verurteilt werden (ebd.). Investigativer Journalismus k\u00f6nne nur an Einfluss gewinnen, wenn seine Arbeit nicht nur unabh\u00e4ngig von Politik und Wirtschaft ist, sondern auch von den verantwortlichen Institutionen wie der Polizei und der Justiz unterst\u00fctzt wird (Stetka &amp; \u00d6rnebring, 2013, S. 427; <a href=\"https:\/\/cms.n-ost.org\/files\/uploads\/EN_Report_Moldova_FOI.pdf\">\u0162urcanu, 2016<\/a>, S. 3). Es kann folglich (noch) nicht von einem effektiven investigativen Journalismus in Rum\u00e4nien und der Republik Moldau gesprochen werden, solange die Berichte der Journalist*innen nicht zur \u00c4nderung der angeprangerten gesellschaftlichen Strukturen f\u00fchren.<\/p>\n<p>Die beschriebenen medienspezifischen Rahmenbedingungen, insbesondere die Beeinflussung der Medien durch die Eigent\u00fcmer*innen und die geringe Professionalisierung der Journalist*innen hindern den investigativen Journalismus in Osteuropa derzeit daran, eine effektive Beobachterrolle einzunehmen (Gerli et al. 2018, S. 34). Das RISE-Projekt, als vorbildliches Beispiel f\u00fcr investigativen Journalismus, hat das Potential diesen Kreislauf in Zukunft zu durchbrechen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Literatur<\/p>\n<p>Castro Herrero, L., Humprecht, E., Engesser, S., Br\u00fcggemann, M., &amp; B\u00fcchel, F. (2017). Rethinking Hallin and Mancini. Beyond the West: An Analysis of Media Systems in Central and Eastern Europe. In International Journal of Communication, 11 (S. 4797\u20134823).<\/p>\n<p>Coman, M. (2010). Journalistic elites in post-communist romania. In Journalism Studies, 11:4 (S. 587-595).<\/p>\n<p>Gerli, M., Mazzoni, M., &amp; Mincigrucci, R. (2018). Constraints and limitations\u00a0 of investigative journalism\u00a0 in Hungary, Italy, Latvia\u00a0 and Romania. In European Journal of Communication, 33:1 (S. 22-36).<\/p>\n<p>Holland-Letz, M. (2017). Wenn Stiftungen Journalismus finanzieren. In Forschungsjournal Soziale Bewegungen, 30:4 (S. 91-98).<\/p>\n<p>Kovach, B. &amp; Rosenstiel, T. (2007). The Elements of Journalism: What Newspeople Should Know and the Public Should Expect. New York: Three Rivers Press.<\/p>\n<p>Milewski, N. (2013). Mapping the Moldovan media system and journalism culture. In Central European Journal of Communication, 2 (S. 249-261).<\/p>\n<p>Standard-Eurobarometer 88 Herbst 2017 (2017). Die Mediennutzung in der Europ\u00e4ischen Union, TNS Opinion &amp; Social im Auftrag der Europ\u00e4ischen Kommission.<\/p>\n<p>Stetka, V. &amp; \u00d6rnebring, H. (2013). Investigative Journalism in Central and Eastern Europe: Autonomy, Business Models, and Democratic Roles. In The International Journal of Press\/Politics, 18:4 (S. 413-435).<\/p>\n<p>Weischenberg, S., Malik, M., &amp; Scholl, A. (2012). Journalists in Germany in the 21st Century. In D. Weaver (Hrsg.) &amp; L. Willnat, The Global Journalist in the 21st Century (S. 205-219). New York: Routledge.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Julia Wasser Das RISE-Projekt und der investigative Journalismus Das RISE-Projekt ist eine Non-Profit-Organisation, die 2012 von rum\u00e4nischen Journalist*innen und Programmier*innen gegr\u00fcndet wurde (Annual Report RISE 2013, S. 3). Das RISE-Projekt, nachfolgend auch RISE Netzwerk oder RISE genannt, in der Republik Moldau wurde 2014 ins Leben gerufen (Rise Moldova, 2019) Es hat sich zur Aufgabe &hellip; <a href=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/journalismus_moe\/journalistische-angebote\/investigativer-journalismus-wie-sich-das-rise-projekt-den-journalistischen-herausforderungen-in-rumaenien-und-der-republik-moldau-stellt\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Investigativer Journalismus: Wie sich das RISE-Projekt den journalistischen Herausforderungen in Rum\u00e4nien und der Republik Moldau stellt<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3688,"featured_media":400,"parent":59,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-155","page","type-page","status-publish","has-post-thumbnail","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/journalismus_moe\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/155","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/journalismus_moe\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/journalismus_moe\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/journalismus_moe\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3688"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/journalismus_moe\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=155"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/journalismus_moe\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/155\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":409,"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/journalismus_moe\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/155\/revisions\/409"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/journalismus_moe\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/59"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/journalismus_moe\/wp-json\/wp\/v2\/media\/400"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/journalismus_moe\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=155"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}