{"id":590,"date":"2010-08-23T13:25:40","date_gmt":"2010-08-23T12:25:40","guid":{"rendered":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/?page_id=590"},"modified":"2010-08-23T13:25:40","modified_gmt":"2010-08-23T12:25:40","slug":"liebe-ohne-grenzen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/?page_id=590","title":{"rendered":"Liebe ohne Grenzen"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: justify\">Binationale Paare suchen, finden und verlieren ihr Gl\u00fcck<\/h2>\n<p>von <strong>EKATERINA DOLGINA<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/files\/2010\/08\/liebeohnegrenzen2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-591\" title=\"liebeohnegrenzen2\" src=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/files\/2010\/08\/liebeohnegrenzen2.jpg\" alt=\"\" width=\"420\" height=\"315\" \/><\/a>Die Globalisierung kennt keine Grenzen. Sie hat die Wirtschaft, die Politik und die Wissenschaft ergriffen. Aber das ist nicht alles. In der Metro oder im Nachtclub auf einer Party fallen immer \u00f6fter gemischte Paare auf. Gelangt die Globalisierung schon bis in unser Privatleben? Und wie f\u00fchlt man sich, wenn man in einer internationalen Beziehung steckt? Mit welchen Schwierigkeiten muss man sich dann befassen? Und gibt es eigentlich eine Liebe ohne Grenzen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Maria, ein 25j\u00e4hriges M\u00e4dchen aus Russland, sagt, sie wolle sich nicht mehr mit russischen M\u00e4nnern verabreden. In den letzten Jahren hatte sie genauso viele ausl\u00e4ndische Freunde wie russische. Die Beziehung mit Russen seien aber nur \u201eAff\u00e4ren\u201c gewesen, die mit Ausl\u00e4ndern schon \u201eetwas ernster\u201c. Wenn ihre Freunde h\u00f6ren, dass ein neuer Gast aus irgendeinem Land in ihre Stadt kommt, f\u00e4llt ihnen sofort Maria ein und sie scherzen, dass sie wieder einen Versuch machen wird, ihre gro\u00dfe Liebe zu finden. B\u00f6se Zungen behaupten, dass sie \u201eviel zu international\u201c sei und dass sie einfach die Staatsangeh\u00f6rigkeit ersetzen wolle, um damit ein neues, besseres Leben zu beginnen. Jedoch beweist Maria, dass dies so nicht stimmt, denn in der Liste ihrer Liebhaber sind auch M\u00e4nner, die aus weniger wohlhabenden L\u00e4ndern stammen. Sie ist der Meinung, russische M\u00e4nner k\u00f6nnen nicht lieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Diese Behauptung kann auch Angelina, eine winzige Moskauerin best\u00e4tigen. Sie hat mit ihrem zerbrechlichen \u00c4u\u00dferen aber einem starken Charakter bei einem Sommerkurs an der Universit\u00e4t Ilmenau die Aufmerksamkeit von Matthias auf sich gezogen. F\u00fcr den Ingenieur aus M\u00fcnchen war diese russische Frau mit ihren asiatischen Gesichtsz\u00fcgen reine Exotik. Er wollte sie besser kennenlernen und es entspann sich eine Beziehung zwischen den beiden. Die deutschen M\u00e4nner schienen in Angelinas Augen perfekt, ihre Ordnung und P\u00fcnktlichkeit haben ihr gefallen. Ihre Beziehung zu Matthias hat sich ungest\u00fcm entwickelt, sie ist nach Deutschland gereist, er hat sie oft in Russland besucht. Ein Jahr nach ihrem ersten Treffen war die Journalistin bereit, ihre Karriere, Freunde und Verwandte zu verlassen und nach Deutschland zu ziehen. Aber kurz vor der Hochzeit hat Matthias beschlossen, die Beziehung zu beenden. \u201eEs ist eine zu gro\u00dfe Verantwortung, eine ausl\u00e4ndische Frau zu haben\u201d, hat er ihr seine Entscheidung erkl\u00e4rt. F\u00fcr Angelina war es nicht leicht, die Trennung zu verwinden. Heute bedauert sie nicht, dass er sie nicht geheiratet hat. Zu Beginn, als die beiden sehr verliebt waren, seien die Unterschiede in der Mentalit\u00e4t nicht bemerkbar gewesen. Aber im Laufe der Zeit h\u00e4tten sich die Gegens\u00e4tze immer mehr offenbart. Die Impulsivit\u00e4t und Emotionalit\u00e4t der russischen Frau waren manchmal zu viel f\u00fcr den deutschen Mann. Matthias wollte eine ruhigere Freundin, und auch die bunten Kleider von Angelina schienen ihm manchmal ungeh\u00f6rig. Die Verliebten stritten sich ums Geld. So wollte Matthias, dass seine Zuk\u00fcnftige in ihrer gemeinsamem Urlaubsreise die H\u00e4lfte des Benzingeldes zahle. Die Russen hingegen sind \u00fcberzeugt, dass der Mann alle Kosten selbst tragen m\u00fcsse. Solche Unterschiede gab es h\u00e4ufig und f\u00fchrten immer wieder zu Streit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/files\/2010\/08\/liebeohnegrenzen1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-592\" title=\"liebeohnegrenzen1\" src=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/files\/2010\/08\/liebeohnegrenzen1.jpg\" alt=\"\" width=\"420\" height=\"314\" \/><\/a>Auch Katja und Mattia streiten h\u00e4ufig. Jedoch ist die Ursache ihres Zwistes der J\u00e4hzorn der beiden. Sie haben sich an einer Universit\u00e4t in Russland kennen gelernt, wohin der italienische Student \u00fcber ein Austauschprogramm gekommen war. Mattia reist gern durch die Welt und liebt die Sprachen und Kulturen anderer L\u00e4nder. \u00dcber Russland hatte der 23-J\u00e4hrige viel geh\u00f6rt: Roter Platz, Wodka, KGB und die sch\u00f6nen schlanken Blondinen. Vor seiner Ankunft in Russland hat er schon mehrmals eine ausl\u00e4ndische Freundin gehabt. Die Idee, eine russische Frau zu finden, gefiel ihm. Aber er konnte sich nicht vorstellen, dass er sich so sehr verlieben w\u00fcrde. Katja ist keine Blondine und wird im Ausland selten als Russin wahrgenommen. Die 25-J\u00e4hrige hat allerdings sofort bemerkt, dass Mattia aus dem Ausland kommt. Zuerst war sie sehr neugierig und wollte wissen, ob die italienischen M\u00e4nner wirklich so leidenschaftlich sind, wie sie geh\u00f6rt hatte. Aber bald spielte die Nationalit\u00e4t keine Rolle mehr. Katja hatte sich in seine pers\u00f6nlichen Eigenschaften verliebt, nicht in seine Herkunft. F\u00fcr Mattia war es ein Gl\u00fcck, eine russische Freundin zu finden. Sie hat ihm geholfen, alle Probleme, die im Leben in Russland erscheinen k\u00f6nnen, zu l\u00f6sen. Mit ihr war die Integration in den russischen Alltag viel leichter. Sie hat ihm auch geholfen, Russisch zu lernen. Heute reden Katja und Mattia miteinander nur auf Russisch. Aber wenn sie sich streiten, wechseln sie sofort ins Englische. In solchen Momenten, sagt sie, wolle sie nicht mit ihm Russisch sprechen und die russische Kultur mit ihm teilen. Jedoch k\u00f6nne der Streit mit dem Liebsten auch ein bisschen Spa\u00df machen. Gerade in solchen Momenten, wenn Mattia sein wahrhaftes italienisches Temperament zeigt. Katja und Mattia sind schon neun Monate zusammen. Jetzt gibt es au\u00dfer der Mentalit\u00e4tsschwierigkeit auch noch ein Distanzproblem zwischen ihnen. Momentan m\u00fcssen sie ihre Ausbildung in verschiedenen L\u00e4ndern fortsetzen. Noch k\u00f6nnen sie nicht ahnen, was aus ihnen wird. Aber sie wissen gut, dass eine gemeinsame Zukunft nur dann m\u00f6glich ist, wenn sie sie zusammen bilden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das ist Marcello und Miriam gelungen. Beide haben sich vor f\u00fcnf Jahren im s\u00fcditalienischen Lecce kennen gelernt. Miriam war im Rahmen eines Studentenaustauschs aus Barcelona dorthin gekommen. Sie hatte keinen einzigen Bekannten in Italien, und Marcello wusste \u00fcber die katalonische Kultur rein gar nichts. Ihr Treffen war rein zuf\u00e4llig, aber das Interesse aneinander um so gr\u00f6\u00dfer. Miriams katalonischer Charakter, ihre W\u00fcrde und Demut und die Achtung vor seinen Landsleuten haben Marcello bezaubert. Abgesehen davon, dass sie verschiedene Mentalit\u00e4ten haben, finden sie immer eine gemeinsame L\u00f6sung. Daf\u00fcr ist Marcello seiner Freundin sehr dankbar. Wenn Miriam ihm ihre Meinung zeigt, bereichert das immer wieder seine Vorstellungen und er versteht, dass er manchmal zu definitiv und ungerecht ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In der ersten Zeit ihrer Beziehung, hatten Miriam und Marcello sprachliche Schwierigkeiten. So musste er sich anpassen und einfacher Italienisch mit Miriam sprechen, um Missverst\u00e4ndnisse zu vermeiden. Dennoch haben die verschiedenen Sprachen ihnen geholfen, einander n\u00e4her zu kommen. Zu guter letzt haben sie eine eigene gemischte Sprache entwickelt, die nur sie beide verstehen. Heute wohnen Marcello und Miriam zusammen in Italien. Aber sie fahren oft gemeinsam nach Barcelona. Viele Dinge gefallen Marcello in Spanien: die Offenheit und der Zivilisationgrad der katalonischen Leute, und wie das Leben in Spanien organisiert wird. Marcello ist sicher, dass die katalonische Kultur ihn nicht so bezaubern w\u00fcrde, wenn Miriam nicht bei ihm w\u00e4re. Gerade sie hat ihm das Wesen Kataloniens ge\u00f6ffnet, hat ihm Orte gezeigt, die f\u00fcr gew\u00f6hnliche Touristen nicht sichtbar sind. Das Konzept der internationalen Paare gef\u00e4llt Marcello sehr. Er stimmt total den Worten eines italienischen S\u00e4ngers zu, die er einmal geh\u00f6rt hat: \u201eEs ist ausreichend, dass eine Generation Leute aus einem anderen Land heiratet, um den Faschismus in der Welt auszurotten\u201d.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Ihren Beitrag zur Rettung der Welt vom Faschismus leisten auch Nadja und Alpaslan. Sie sind schon seit elf Jahren zusammen. Sie nennt sich \u201eBiodeutsche\u201c, er ist ein Berliner mit t\u00fcrkischen Wurzeln. Sie haben sich im Hauptgeb\u00e4ude der Technischen Universit\u00e4t kennengelernt. Obwohl sie verschiedene Fachrichtungen studiert haben, \u00fcberschneiden sich ihre Arbeit und ihre sozialen Aktivit\u00e4ten. Schon vor ihrem Treffen mit Alpaslan wusste Nadja viel \u00fcber die t\u00fcrkische Kultur, denn sie ist in Kreuzberg, dem wohl multikulturellsten Stadtteil von Berlin, aufgewachsen. So hat sie sich nie \u00fcber die Herkunft ihres Freundes Gedanken gemacht. Nat\u00fcrlich, im Alltag, wie bei jedem Paar, gibt es Streit zwischen beiden. Aber er ist nicht mit der Herkunft der Verliebten verbunden und betrifft nicht die Frage ihrer Kultur. Der Streit passiert zwischen den Menschen, nicht zwischen den Nationalit\u00e4ten. Nadja und Alpaslan sind sich bewusst, dass sie eine binationale Beziehung f\u00fchren. Sie vergleichen ihre Traditionen und Kulturen, aber bewerten sie nicht. Er kritisiert seine Kultur genauso wie Nadja ihre kritisiert. Dazu kommt, dass heute die Kulturen und die Nationalit\u00e4ten so gemischt sind, dass es schwierig ist, eine von der anderen zu trennen. Nadja ist nie in einer \u201erein deutschen\u201c Umgebung aufgewachsen und auch Alpaslan ist in Kreuzberg nicht nur unter T\u00fcrken gro\u00df geworden. Deshalb f\u00fchlen sich beide wie Berliner, und diese Gemeinsamkeit ist viel wichtiger f\u00fcr sie, als die zahlreichen Unterschiede in den Mentalit\u00e4ten. Das wichtigste ist eine echte Liebe. Eine Liebe ohne Grenzen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<h2 style=\"text-align: left\">\n<p>Die Autorin<\/p>\n<\/h2>\n<address> <\/address>\n<address> <\/address>\n<address><a href=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/files\/2010\/08\/Ekaterina-Dolgina-Portr\u00e4t1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-593\" title=\"Ekaterina Dolgina Portr\u00e4t1\" src=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/files\/2010\/08\/Ekaterina-Dolgina-Portr\u00e4t1.jpg\" alt=\"\" width=\"112\" height=\"166\" \/><\/a><strong> <\/strong>Ekaterina Dolgina wurde in Zlatoust, in der Tscheljabinsker Region in Russland geboren. Sie hat Journalistik an der Uraler Staatlichen Universit\u00e4t in Ekaterinburg studiert. Sie arbeitet am Universit\u00e4tsfernsehstudio &#8222;TRK UrGU&#8220;, wo sie als Korrespondentin, Redakteurin, Schnitterin und Moderatorin t\u00e4tig ist. Zusammen mit den Studenten der Fakult\u00e4t der Journalistik produziert sie eine Studiensendung. Au\u00dferdem hat sie eine eigene Jugendsendung, die im Stadtsender ausgestrahlt wird. <\/address>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Binationale Paare suchen, finden und verlieren ihr Gl\u00fcck von EKATERINA DOLGINA Die Globalisierung kennt keine Grenzen. Sie hat die Wirtschaft, die Politik und die Wissenschaft ergriffen. Aber das ist nicht alles. In der Metro oder im Nachtclub auf einer Party fallen immer \u00f6fter gemischte Paare auf. Gelangt die Globalisierung schon bis in unser Privatleben? 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