{"id":635,"date":"2010-08-18T14:30:07","date_gmt":"2010-08-18T13:30:07","guid":{"rendered":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/?page_id=635"},"modified":"2010-08-23T11:04:52","modified_gmt":"2010-08-23T10:04:52","slug":"richtige-entscheidung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/?page_id=635","title":{"rendered":"Richtige Entscheidung"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: justify\">Serbisches Ausnahmetalent schmiedet in K\u00f6ln gro\u00dfe Pl\u00e4ne<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify\">von <strong>Alexey Imaew<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<p style=\"text-align: justify\">Es ist ein sonniger, warmer Sommertag. Hinter dem Fenster zwitschern die V\u00f6gel. Der Raum eines Studentenwohnheims in K\u00f6ln f\u00fcllt sich mit den wundersch\u00f6nen Kl\u00e4ngen einer Beethoven-Sonate. Im Zimmer sitzt ein junger sympathischer Mann am Klavier und l\u00e4sst seine Finger \u00fcber die Tasten gleiten. Boris Radulovi\u0107 hei\u00dft der 26-j\u00e4hrige Musiker. Er wurde in Belgrad geboren und erhielt seinen ersten Klavierunterricht mit sechs Jahren. Wenige Jahre sp\u00e4ter schaffte er es sogar zum Moderator einer Kindersendung im serbischen Fernsehen. Damals aber stellten ihn seine Musiklehrer vor die Wahl: \u201eEntweder Musik oder Fernsehen.\u201c Boris hat sich f\u00fcr die Musik entschieden. Vielleicht hat die Welt damit einen begabten Fernsehstar verloren, aber daf\u00fcr einen talentvollen Pianisten gewonnen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\u201eViele Leute denken, dass es einfach ist zu musizieren, dass es nur Spa\u00df macht. Aber das ist nicht so. S\u00e4nger \u00e4u\u00dfern ihre Gef\u00fchle mit Worten, der Pianist arbeitet mit abstraktem Stoff. Um so arbeiten zu k\u00f6nnen, muss man viele B\u00fccher lesen und sich viel mit der Welt besch\u00e4ftigen. Kurz gesagt, sich weiterbilden, sich vervollkommnen. Beim Spielen eines Musikst\u00fccks spiegelt sich die Seele des Musikers wieder.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Boris Radulovi\u0107 ist Preistr\u00e4ger vieler nationaler und internationaler Klavierwettbewerbe in unterschiedlichen Kategorien. Mehrfach wurde er mit einem Grand Prix und ersten Pl\u00e4tzen in L\u00e4ndern wie Italien, den Niederlanden und Russland pr\u00e4miert. Boris erhielt zahlreiche Stipendien von Stiftungen f\u00fcr junge Hochbegabte. Der junge Mann bekam einen Preis in Anerkennung seiner kulturellen Leistungen und wurde als \u201eSch\u00fcler der Generationen\u201c vom serbischen Thronfolger Aleksandar Karadjordjevi\u0107 ausgezeichnet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Sein Studium an der Musikhochschule K\u00f6ln hat er erfolgreich absolviert. Aber der junge Musiker entwickelt sich weiter und macht jetzt ein Konzertexamen, ein Aufbaustudium f\u00fcr instrumental besonders Begabte. Auch hier diskutieren die Meister der Musikwelt oft lange und heftig \u00fcber die Vor- und Nachteile einer bestimmten Schultradition, etwa der serbischen und der deutschen Klavierschule.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\u201eEs kommt drauf an, bei welchem Lehrer man studiert. Ich w\u00fcrde nicht die Grenze zwischen einer West- und einer Ost-Schule ziehen. In erster Linie h\u00e4ngt das Studium vom Lehrer ab. Mein Professor kommt zum Beispiel aus Estland, einem ehemaligen Teil der Sowjetunion. Er hat das Beste der russischen Schule bewahrt: die besondere Spieltechnik und das tiefe Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Musik und Psychologie. Das ist eine gute Kombination.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Immer noch flattern seine H\u00e4nde \u00fcber die Klaviertastatur. Alle H\u00e4nde hat Boris auch sonst voll zu tun: Er unterrichtet an der st\u00e4dtischen Musikschule in Solingen und wirkt bei verschiedenen Rundfunk- und Fernsehaufnahmen mit. So war er in der 11. Spielzeit der Konzertreihe \u201eBest of NRW\u201d zu h\u00f6ren. Im Rahmen dieses Projekts treten junge hochbegabte Musiker in verschiedenen deutschen St\u00e4dten auf. Die Konzerte der Hoffnungstr\u00e4ger Nordrhein-Westfalens werden vom WDR aufgezeichnet und im Radio \u00fcbertragen. Doch mittlerweile versucht Boris, abseits seiner Vorbilder eine eigene k\u00fcnstlerische Sprache zu finden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\u201eWenn man zu viele andere Musiker h\u00f6rt, f\u00e4ngt man unwillk\u00fcrlich an, sie nachzuahmen. Ich kann nat\u00fcrlich ein paar Namen nennen, die ich besonders mag und die alle kennen, wie Richter und Rubinstein, und weniger bekannte wie Dinu Lipatti, Claudio Arrau oder Radu Lupu. Von ihrer Spielart bin ich wirklich begeistert. Nach den Auff\u00fchrungen ihrer Werke war ich bereit, auf der Stelle zu sterben, mit den Worten \u201eOh, Gott, jetzt habe ich alles in meinem Leben geh\u00f6rt!\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Aber nicht nur in Deutschland konzertiert Boris Radulovi\u0107. Er hatte Auftritte in der Schweiz, \u00d6sterreich, Kroatien, Estland, Slowenien und Japan. Wie viel er dabei verdient, will er nicht sagen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\u201eAls Student bekommt man f\u00fcr ein anderthalbst\u00fcndiges Konzert genug Geld, um zehn Leute in ein Restaurant einzuladen. Das ist nicht wahnsinnig viel, aber auch nicht wenig.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Trotz des gespannten Lebens, das f\u00fcr Boris aus Studium, Unterricht, Konzerten und \u00dcben besteht, versucht der Musiker, auch Zeit f\u00fcr seine Freunde zu finden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\u201eUm Gottes Willen, ich bin kein Sonderling. Ich gehe oft mit meinen Freunden ins Kino oder in ein Pub. Manchmal auch in einen Klub. Wenn ich eine Party mache, h\u00f6re ich gerne auch Elektro oder House. Ich tanze gern und zu Hause h\u00f6re ich alten Jazz, Blues, Rock und gerne auch Pop. Dank dieser Musik kann ich von der Welt abschalten.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Seine Entscheidung, den Weg in die Musikwelt zu gehen, hat Boris noch nie bereut. Die gespannten Saiten des Klaviers werden immer noch mit den mit Filz \u00fcberzogenen H\u00e4mmerchen angeschlagen. Die T\u00f6ne werden begleitet von der V\u00f6gelsymphonie im Garten. Im Gesicht des Pianisten sind gleichzeitig Konzentration und Entspannung zu sehen. Absolute Zufriedenheit. Absolute Harmonie. Genau so wie in der Sonate von Beethoven.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\u201eWenn jemand sieht, wie viel Freude ich am Spiel einer Beethoven-Sonate habe, w\u00e4hrend er tausende und abertausende Regeln und Gesetze f\u00fcr sein Jurastudium paukt, wird er langsam neidisch auf mich. Ich kann ihn verstehen und w\u00fcnschte, alle k\u00f6nnten genauso wie ich sagen: Ich habe eine richtige Entscheidung getroffen und bin wahnsinnig gl\u00fccklich.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"color: #ffffff\">_<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"color: #ffffff\">_<\/span><\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify\">\n<p>Der Autor<\/p>\n<\/h2>\n<p><span style=\"color: #ffffff\"> <\/span>Alexej Imaew wurde in Baschkortostan, Russland geboren. Er studierte an der Kasaner Staatlichen P\u00e4dagogischen Universit\u00e4t Deutsch und Englisch. Bis 2007 arbeitete er als Journalist und stellvertretender Programmleiter f\u00fcr den Radiosender \u201eEuropa Plus\u201c, seit 2008 ist er freier Mitarbeiter f\u00fcr die DW-Radio in Russland.<\/p>\n<address> <\/address>\n<address><span style=\"color: #ffffff\">_<\/span><\/address>\n<address><span style=\"color: #ffffff\">_<\/span><\/address>\n<address><span style=\"color: #ffffff\">_<\/span><br \/>\n<\/address>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Serbisches Ausnahmetalent schmiedet in K\u00f6ln gro\u00dfe Pl\u00e4ne von Alexey Imaew Es ist ein sonniger, warmer Sommertag. Hinter dem Fenster zwitschern die V\u00f6gel. Der Raum eines Studentenwohnheims in K\u00f6ln f\u00fcllt sich mit den wundersch\u00f6nen Kl\u00e4ngen einer Beethoven-Sonate. Im Zimmer sitzt ein junger sympathischer Mann am Klavier und l\u00e4sst seine Finger \u00fcber die Tasten gleiten. Boris Radulovi\u0107 &hellip; <a href=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/?page_id=635\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eRichtige Entscheidung\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":755,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-635","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/635","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/755"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=635"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/635\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":644,"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/635\/revisions\/644"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=635"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}