{"id":645,"date":"2010-08-18T14:38:50","date_gmt":"2010-08-18T13:38:50","guid":{"rendered":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/?page_id=645"},"modified":"2010-09-06T21:51:06","modified_gmt":"2010-09-06T20:51:06","slug":"dem-text-fehlt-ein-titel","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/?page_id=645","title":{"rendered":"Hier habe ich Freunde, hier bleibe ich"},"content":{"rendered":"<h2>Jugendaustausch in Brandenburg<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify\">von <strong>Anush Petrosyan<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">S\u00fcnke nimmt Lilit an die Hand und zieht sie auf die Tanzfl\u00e4che. Jenia schwenkt seine H\u00fcfte gegen Antoninas Schenkel. Nebenan tanzt Henri im Gleichschritt. Die f\u00fcnf T\u00e4nzer kommen aus Polen, Litauen, Armenien, der Ukraine und Deutschland. Sie sind geistig und k\u00f6rperlich behindert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In der Evangelischen Jugendbildungs- und Begegnungsst\u00e4tte Hirschluch haben sie sich f\u00fcr zehn sonnige Fr\u00fchlingstage zu einem Jugendaustausch getroffen. Mitten im Wald an einem kleinen See leben die insgesamt 50 Leute in kleinen H\u00fctten, deren Namen wie aus dem M\u00e4rchen klingen. \u201eF\u00fcr viele der jungen G\u00e4ste ist es das erste Mal, dass sie im Ausland sind\u201c, sagt Klaus Waiditschka, der Projektkoordinator des Vereins Jugendhilfe und Sozialarbeit JUSEV aus F\u00fcrstenwalde\/Spree. Er hat die Behinderten und ihre Betreuer nach Brandenburg eingeladen. \u201eDass die Behinderten mit Leuten aus anderen L\u00e4ndern \u00fcberhaupt zusammentreffen, ist eine wertvolle Erfahrung f\u00fcr sie.\u201c Es sei f\u00fcr sie wichtig, zusammen zu arbeiten, zu singen, zu spielen und Spa\u00df zu haben. \u201eNat\u00fcrlich ist es f\u00fcr Menschen mit geistiger Behinderung eine besondere Herausforderung, an einem fremden Ort zu sein und andere Gewohnheiten kennenzulernen\u201c, erkl\u00e4rt Waiditschka die andere Art der Essensversorgung oder einen Gottesdienst zu feiern. Dieses internationale Programm findet zum ersten Mal statt. Es soll k\u00fcnftig jedes Jahr Behinderte zusammenbringen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das Programm hat verschiedene Elemente. Sein H\u00f6hepunkt war die Auff\u00fchrung des M\u00e4rchens \u201eDer kleine Prinz\u201c von Antoine de Saint-Exup\u00e9ry. Malen, Basteln und Singen waren die Vorbereitung daf\u00fcr. Ohne Worte, nur mit Gesang, mit Tanz und Sport und mit handwerklichem Geschick halfen am Ende alle Beteiligten mit, den kleinen Prinzen zu seinem Planten fliegen zu lassen. Zur Premiere kamen die Eltern der 18- bis 25-J\u00e4hrigen und die Bewohner des kleinen Ortes, der etwa 70 Kilometer im Osten Berlins liegt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">W\u00e4hrend des t\u00e4glichen Programms wurde jede Szene einzeln f\u00fcr das gemeinsame Theaterst\u00fcck vorbereitet. \u201eEs war anstrengend alle diese geistig behinderten Leute zusammenzubringen. Aber in zwei Tagen waren sie schon so motiviert, dass sie nicht mehr nach Hause wollten\u201c, erinnert sich Workshopleiter Michal Stanowski. Der K\u00fcnstler ist Direktor des \u201eArt Therapy Centre\u201c im polnischen Lublin. Dort wird das Camp im n\u00e4chsten Jahr stattfinden, das aus EU-Mitteln finanziert wird.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\u201eHier habe ich Freunde, ich bleibe hier\u201c, sagt Roma aus der Ukraine etwas trotzig und vor Aufregung \u00fcberschlagen sich seine Worte. Dass sich G\u00e4ste nach diesen zehn Tagen nicht mehr wie in einem fremden Land gef\u00fchlt haben, mag an der Gruppe und an der Natur liegen, aber auch daran, dass es Behinderte in Deutschland leichter haben. \u201eHier kann ich alles allein machen, ohne meine Eltern. Ich f\u00fchle mich total selbstbewusst\u201c, strahlt Arman aus Jerewan seinen Betreuer an. Der 23-j\u00e4hrige Armenier kann nur auf Kr\u00fccken laufen. Zu Hause kommt er allein nicht mal in die Stra\u00dfenbahn.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><span style=\"color: #ffffff\">&#8211;<\/span><\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify\">\n<p>Die Autorin<\/p>\n<\/h2>\n<address><span lang=\"DE\"><strong>Anush Petrosyan<\/strong> ist in Eriwan, Armenien geboren. Sie hat von 2002-2007 an der Eriwaner Staatlichen Linguistischen Universit\u00e4t Germanistik und Psychologie studiert. Im Anschluss daran hat sie 10 Monate in Deutschland einen Freiwilligendienst absolviert.  Seitdem ist sie als Journalistin im Sozial- und Kulturbereich f\u00fcr die Online-Zeitung PanARMENIAN.Net t\u00e4tig. <\/span><\/address>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jugendaustausch in Brandenburg von Anush Petrosyan S\u00fcnke nimmt Lilit an die Hand und zieht sie auf die Tanzfl\u00e4che. Jenia schwenkt seine H\u00fcfte gegen Antoninas Schenkel. Nebenan tanzt Henri im Gleichschritt. 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