{"id":666,"date":"2010-08-18T14:45:24","date_gmt":"2010-08-18T13:45:24","guid":{"rendered":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/?page_id=666"},"modified":"2010-08-23T11:06:10","modified_gmt":"2010-08-23T10:06:10","slug":"vernunftmigration","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/?page_id=666","title":{"rendered":"Vernunftmigration"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: justify\">Eine junge Frau aus Sibirien beginnt ein neues Leben in Deutschland<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify\">von <strong>Alesja Kurnosowa<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/files\/2010\/08\/1a.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-624\" title=\"1a\" src=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/files\/2010\/08\/1a.jpg\" alt=\"\" width=\"420\" height=\"315\" srcset=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/files\/2010\/08\/1a.jpg 420w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/files\/2010\/08\/1a-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 420px) 85vw, 420px\" \/><\/a>Elena Tschatorova lebt seit mehr als drei Jahren in Deutschland. In ihre Heimatstadt Tomsk, das so genannte Herz Sibiriens, kehrt sie nur noch als Gast zur\u00fcck. Dort sind ihre Eltern und die strengen Winter geblieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Zum ersten Mal kam Elena als Studentin nach Deutschland. \u00dcber ein DAAD-Stipendium studierte die angehende Germanistin ein Semester an der Universit\u00e4t Leipzig. F\u00fcr sie sollte es eine gute M\u00f6glichkeit werden, sich beruflich zu entwickeln. Doch nach diesen sechs Monaten kam sie nur kurz nach Tomsk zur\u00fcck: Um ihr Visum zu verl\u00e4ngern und ihren Koffer neu zu packen. Sie wollte in Europa leben und dort als Dolmetscherin arbeiten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\u201eDas erste, was mir aufgefallen ist, war das Wetter\u201c, erinnert sie sich an ihre ersten Eindr\u00fccke, als sie das Flugzeug verlassen hat. \u201eIm Oktober war noch alles gr\u00fcn. Unglaublich! In meiner Stadt hat es geschneit und hier schien die Sonne.\u201c Das Leben in Deutschland kannte sie nur aus dem Fernsehen und aus B\u00fcchern. \u00dcber allt\u00e4gliche Probleme hat sie sich keine Gedanken gemacht. \u201eEs gibt Menschen, die ziemlich lange nicht mit den Deutschen klarkommen. Das Studium an sich war nicht schwer. Germanistik habe ich auch an meiner Heimatuni studiert. Von daher gab es \u00fcberhaupt keine Kommunikationsprobleme. Aber der s\u00e4chsische Dialekt war ein Horror f\u00fcr mich. Ihn kann ich bis heute nicht verstehen.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Dennoch konnte sie sich an das Leben hier schwer gew\u00f6hnen. \u201eBesonders haben mich die Busse fasziniert, die immer p\u00fcnktlich kamen. Die Deutschen waren immer freundlich und nett zu mir, besonders wenn man sagte, man habe ein DAAD-Stipendium\u201c, sagt die 25-J\u00e4hrige. Die Leute seien v\u00f6llig verr\u00fcckt nach M\u00fcll-Trennen. \u201eIn unserem Wohnheim lagen meine Nachbarinnen immer auf der Lauer, ob ich meinen Joghurt-Becher richtig entsorgt habe.\u201c Besonders ungew\u00f6hnlich fand sie, dass die Gesch\u00e4fte am Sonntag geschlossen haben. \u201eMan musste immer am Samstag einkaufen, um am Sonntag was zu Essen zu haben.\u201c Auff\u00e4llig fand sie, dass an der Kasse, im Bus oder beim Studium ihr jedes Mal ein sch\u00f6ner Tag gew\u00fcnscht wurde. \u201eMan wird immer begr\u00fc\u00dft, die Verk\u00e4uferinnen r\u00fcmpfen nicht die Nase, wenn man etwas anprobiert und es dann doch nicht kauft.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In Leipzig hat Elena ihre gro\u00dfe Liebe gefunden. Nach der Hochzeit mit dem 43 Jahre alten Michael, wurde der kleine Leon geboren. \u201eMein Mann und mein Sohn leben in Wiesbaden und nat\u00fcrlich bleibe ich auch hier. F\u00fcr meinen Sohn ist Deutschland die Heimat. Ich will mein Promotionsstudium fortsetzen, denn Doktoren sch\u00e4tzt man hier sehr. Dann versuche ich, eine Arbeit als Dolmetscherin zu bekommen. Ich meine, das passt am besten zu mir.\u201c Nat\u00fcrlich vergisst sie Tomsk und ihre Eltern nicht. Mindestens ein Mal pro Jahr besucht sie ihre alte Heimat. \u201eMein Mann will nicht nach Russland ziehen und f\u00fcr meinen Sohn wird es besser sein, hier aufzuwachsen und zu studieren.\u201c, meint sie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\u201eIm Gro\u00dfen und Ganzen finde ich das Leben in Deutschland sch\u00f6n. Ich bin seit \u00fcber drei Jahren hier und habe keine Probleme im Sozialen und Privaten\u201c. Die kulturellen Verschiedenheiten durchlebt jeder Ausl\u00e4nder auf seine Art. F\u00fcr die einen bleibt Deutschland fremd, die anderen finden hier zu sich selbst und k\u00f6nnen sich ein anderes Leben nicht vorstellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">J\u00e4hrlich kommen \u00fcber 400.000 Ausl\u00e4nder nach Deutschland, 60 Prozent davon sind junge Wissenschaftler. Die Mehrzahl der Russen unter ihnen kommt als Aussiedler nach Deutschland. Die ersten Russlanddeutschen sind schon 1950 \u00fcbergesiedelt. In den 90er Jahren, als die russische Wirtschaft ihren Wendepunkt erlebte und das Lebensniveau vieler Russen sank, ist die Zahl der Aussiedler aus Russland bedeutend gewachsen. Jetzt gehen vorallem die besonders gut Ausgebildeten, Menschen mit wissenschaftlichen Graden, Doktoren und Professoren. Etwa 80.000 russische Wissenschaftler verlie\u00dfen damals ihre Heimat. Zu dieser Zeit schimmerten die Zeitungen bunt \u00fcber die Krise der russischen Wissenschaft. So verlor Russland etwa 50 Milliarden Dollar in der Zeit der Schocktherapie. Dieser Prozess dauert bis heute an, wenn auch in geringerem Ausma\u00df. Heute meisten viele Russen, ihr Heimatland gebe ihnen genug Chancen f\u00fcr eine berufliche Entwicklung und zur Erh\u00f6hung des Lebensniveaus.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<h2 style=\"text-align: justify\">\n<p>Die Autorin<\/p>\n<p><span style=\"color: #ffffff\"> <\/span><\/h2>\n<address><a href=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/files\/2010\/08\/akbio.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-623\" title=\"akbio\" src=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/files\/2010\/08\/akbio.jpg\" alt=\"\" width=\"145\" height=\"191\" \/><\/a><strong> <\/strong><\/address>\n<address><span style=\"color: #ffffff\">_<\/span><br \/>\n<\/address>\n<address><strong>Alessja Kurnosowa<\/strong> wurde in der Stadt Kolpaschevo im Tomsker Gebiet in Russland geboren. Bis 2007 studierte sie an der Tomsker Staatlichen Universit\u00e4t \u201eGermanistik\u201c, sowie \u201eDolmetscher und \u00dcbersetzung in der modernen Kommunikation&#8220;. Seit 2007 arbeitet sie an der TSU als Deutschlektorin. Als Fernsehjournalistin arbeitet sie von 2007 bis 2008 beim Fernsehsender &#8222;Stern Tomsk&#8220;, seit 2008 f\u00fcr die Staatliche Rundfunk- und Fernsehgesellschaft &#8222;Russland 1&#8220; und f\u00fcr die Fernsehsendung &#8222;Vesti Tomsk&#8220; als Korrespondentin im Nachrichtendienst. <\/address>\n<address><span style=\"color: #ffffff\">_<\/span><\/address>\n<address><span style=\"color: #ffffff\">_<\/span><\/address>\n<address><span style=\"color: #ffffff\">_<\/span><\/address>\n<address><span style=\"color: #ffffff\">&#8211;<\/span><\/address>\n<address><span style=\"color: #ffffff\">&#8211;<\/span><\/address>\n<address><span style=\"color: #ffffff\">_<\/span><\/address>\n<address><span style=\"color: #ffffff\">_<\/span><\/address>\n<address><span style=\"color: #ffffff\">&#8211;<\/span><\/address>\n<address><span style=\"color: #ffffff\">&#8211;<\/span><br \/>\n<\/address>\n<address> <\/address>\n<address> <\/address>\n<address> <\/address>\n<address> <\/address>\n<address> <\/address>\n<address> <\/address>\n<address> <\/address>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine junge Frau aus Sibirien beginnt ein neues Leben in Deutschland von Alesja Kurnosowa Elena Tschatorova lebt seit mehr als drei Jahren in Deutschland. 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