{"id":684,"date":"2010-08-18T15:33:39","date_gmt":"2010-08-18T14:33:39","guid":{"rendered":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/?page_id=684"},"modified":"2010-08-18T15:33:39","modified_gmt":"2010-08-18T14:33:39","slug":"freiheit-atmen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/?page_id=684","title":{"rendered":"Freiheit atmen"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: justify\">Ein russisches Au-Pair-M\u00e4dchen \u00fcber ihre deutsche Gastfamilie<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify\">von <strong>Saira Sakarigaewa<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/files\/2010\/08\/zz1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-691\" title=\"zz1\" src=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/files\/2010\/08\/zz1.jpg\" alt=\"\" width=\"420\" height=\"315\" srcset=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/files\/2010\/08\/zz1.jpg 420w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/files\/2010\/08\/zz1-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 420px) 85vw, 420px\" \/><\/a>Saida (25) aus Russland, begann ihren Weg in Deutschland als Au-Pair-M\u00e4dchen in der kleinen norddeutschen Stadt Emden. Jetzt studiert sie Film- und Politikwissenschaft an der Freien Universit\u00e4t Berlin. Noch kann sie sich nicht als echte Berlinerin bezeichnen, aber langsam kommt dieses Gef\u00fchl. Um ein paar Fragen zu stellen, treffen wir uns in einem kleinem Berliner Pub, wo Saida sich etwas hinzuverdient.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">?: Saida, warum hast Du beschlossen, f\u00fcr ein ganzes Jahr Dein Studium, alle Freunde und die Verwandten zu verlassen und in eine fremde Familie mit ganz anderer Mentalit\u00e4t zu gehen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">!: Als unsere Lehrerin uns vom Au-Pair-Programm erz\u00e4hlt hat, dachte ich: Das ist eine perfekte Chance, meine Deutschkenntnisse zu verbessern. In Russland gibt es Stereotype \u00fcber Deutsche, sie seien p\u00fcnktlich, flei\u00dfig und eisig. Ob sie wirklich in dieses Klischee passen, wollte ich direkt an der Quelle erfahren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">?: Und, passen sie?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">!: Nicht ganz. Ich habe verschiedene Deutsche getroffen: arbeitsame und faule, eisige und ganz herzenswarme. Aber nat\u00fcrlich liebt jeder Deutsche Wurst und Bier. (Sie lacht.)<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">?: War die Integration in Deine Gastfamilie leicht?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">!: Meine Eltern sind geschieden. Deshalb war meine Gastfamilie f\u00fcr mich das Beispiel einer echten Familie. Sie war einfach toll. Sie nahmen mich nicht nur wie die Kinderfrau ihrer Kinder, sondern wie eine \u00e4ltere Tochter, mit echter Sorge und Liebe. Sie haben mich allen Verwandten vorgestellt, an den Feiertagen gingen wir in die Kirche. Deshalb war die Integration f\u00fcr mich von Anfang an sehr leicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">?: Dennoch war es eine ganz andere Art des Lebens, ungew\u00f6hnlich f\u00fcr Dich. Was war f\u00fcr Dich am kompliziertesten bei der Anpassung an das Leben in Deutschland?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">!: Vielleicht nur allt\u00e4gliche Einzelheiten. Zum Beispiel ist es in Deutschland \u00fcblich, den M\u00fcll in verschiedenen Containern zu sortieren. Oder die Wassereinsparung war f\u00fcr mich auch eine \u00dcberraschung. Bei uns haben wir keine Wasserz\u00e4hler und wir k\u00fcmmern uns nicht um verbrauchtes Wasser. Aber das sind Kleinlichkeiten, an die ich mich schnell gew\u00f6hnt <a href=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/files\/2010\/08\/zz2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-690 alignright\" title=\"zz2\" src=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/files\/2010\/08\/zz2.jpg\" alt=\"\" width=\"315\" height=\"420\" srcset=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/files\/2010\/08\/zz2.jpg 315w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/files\/2010\/08\/zz2-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 315px) 85vw, 315px\" \/><\/a>habe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">?: Du hast Gl\u00fcck mit Deiner Familie. Aber f\u00fcr viele Au-Pairs entpuppt sich Deutschland nicht immer als das erw\u00fcnschte Schlaraffenland. Warum passiert das?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">!: Die Gastfamilie spielt meistens eine entscheidende Rolle. Es h\u00e4ngt fast immer von der Familie ab, ob die Au-Pair-M\u00e4dchen zufrieden sind oder entt\u00e4uscht nach Hause fahren. Vom Land selbst h\u00e4ngt es meist nicht ab.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">?: Hast Du Dich w\u00e4hrend des Aufenthaltes mit deutschen Jugendlichen angefreundet? Hast Du leicht Kontakt zu ihnen gefunden?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">!: Ehrlich gesagt habe ich fast keine deutschen Freunde. Alle, mit denen ich seit meiner Au-Pair-Zeit befreundet bin sind ebenso Migranten wie ich: Russen, Vietnamesen, T\u00fcrken, Spanier und viele andere. Ob die Deutschen freundlich sind ist schwierig zu sagen. An einem Tag sind sie sehr freundlich und zu einer Freundschaft bereit, bis das der Tod uns scheidet. Am n\u00e4chsten Tag gehen sie einfach vorbei, ohne dich zu beachten. Ich bin schon das dritte Jahr in Deutschland, aber das bleibt ein Geheimnis f\u00fcr mich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">!: Fr\u00fcher hast Du in Emden gewohnt. Jetzt bist Du nach Berlin gezogen. Wo f\u00fchlst Du Dich behaglicher?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">?: Emden ist eine kleine Stadt in Westdeutschland. Die Leute dort sind spie\u00dfig. Das Leben l\u00e4uft da nicht schlecht, aber es ist ein bisschen langweilig und vorhersehbar. Berlin ist etwas ganz anderes, eine Stadt, die die Freiheit atmet. Es ist die Mischung der Kulturen. Berlin ist ein Ort, wo der echte pulsierende Rhythmus des modernen Lebens empfunden wird. Daf\u00fcr mag ich Berlin!<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify\">\n<p>Die Autorin<\/p>\n<\/h2>\n<address>Saira Sakarigaewa, wurde in Dagestan, Russland geboren. Sie studierte Linguistik, Anglistik und Germanistik und interkulturelle Kommunikation  in der Dagestaner Staatlichen Universit\u00e4t bis 2006. Heute arbeitet sie f\u00fcr die Jugend-Zeitung \u201eOrlyonok-Dagestan\u201c als Nachrichtenredakteurin.<\/address>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein russisches Au-Pair-M\u00e4dchen \u00fcber ihre deutsche Gastfamilie von Saira Sakarigaewa Saida (25) aus Russland, begann ihren Weg in Deutschland als Au-Pair-M\u00e4dchen in der kleinen norddeutschen Stadt Emden. Jetzt studiert sie Film- und Politikwissenschaft an der Freien Universit\u00e4t Berlin. Noch kann sie sich nicht als echte Berlinerin bezeichnen, aber langsam kommt dieses Gef\u00fchl. 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