{"id":696,"date":"2010-08-18T15:44:04","date_gmt":"2010-08-18T14:44:04","guid":{"rendered":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/?page_id=696"},"modified":"2010-08-18T15:44:04","modified_gmt":"2010-08-18T14:44:04","slug":"nur-ein-name-auf-einem-zettel","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/?page_id=696","title":{"rendered":"Nur ein Name auf einem Zettel"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: justify\">Der Syrer Sebu Azad vermisst echte Freundschaft in Berlin<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify\">von <strong>Zarine Arakelyan<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/files\/2010\/08\/za2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-698\" title=\"za2\" src=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/files\/2010\/08\/za2.jpg\" alt=\"\" width=\"420\" height=\"315\" srcset=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/files\/2010\/08\/za2.jpg 420w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/files\/2010\/08\/za2-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 420px) 85vw, 420px\" \/><\/a>Deutschland gibt Ausl\u00e4ndern die M\u00f6glichkeit, sich frei zu f\u00fchlen. So meint Sebu Azad, ein Migrant aus Syrien. \u201eFrei bedeutet, dass ich Zeit habe, \u00fcber mein Leben nachzudenken, um zu wissen, wer ich bin, was ich will, wie viele Personen in mir stecken\u201c, schw\u00e4rmt der 35-J\u00e4hrige von seinem Leben in Berlin. \u201eWenn ich diese Freiheit in Syrien haben w\u00fcrde, w\u00fcrde ich zur\u00fcckfahren\u201c, so Sebu Azad.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Seit 1998 wohnt Sebu Azad in der deutschen Hauptstadt. Nur wegen privater Probleme sei er nach Deutschland gekommen. Schwierigkeiten mit Geld und Arbeit hatte er in Syrien nicht gehabt. In seiner Heimatstadt Hassake hat er in seinem eigenen Unternehmen Autoscheiben verkauft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Weil er keine Papiere hatte, musste er in seinen ersten Jahren in Berlin ab und zu schwarz arbeiten. Es reichte f\u00fcr Essen, Trinken und eine Unterkunft im Wohnheim. Dieses Leben hat acht Jahre gedauert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\u201eAls ich das erste Jahr in Deutschland war, war ich der deutschen Gesellschaft bedeutungslos. Ich war ein Nichts, nur ein Name auf einem Zettel. Das war alles\u201c, erinnert er sich. \u201eDie Leute hat nur gest\u00f6rt, dass sie mir Sozialgeld gegeben haben\u201c, sagt Sebu ruhig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nachdem er seine Aufenthaltserlaubnis bekommen hat, beginnt der junge Mann mit den<a href=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/files\/2010\/08\/za1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-697\" title=\"za1\" src=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/files\/2010\/08\/za1.jpg\" alt=\"\" width=\"315\" height=\"420\" srcset=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/files\/2010\/08\/za1.jpg 315w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/files\/2010\/08\/za1-225x300.jpg 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 315px) 85vw, 315px\" \/><\/a> traurigen Augen als Internettelefonverk\u00e4ufer zu jobben. Sp\u00e4ter arbeitet er in einer Leihfirma, einer Holzfirma und einer Autoglaserei. Seit f\u00fcnf Jahren hat Sebu Azad eine eigene Wohnung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Sprachlich habe er sich ganz gut integriert, schaut er zur\u00fcck, aber nicht kulturell. \u201eAls ich in Syrien war, habe ich Werte gelernt, die es hier nicht gibt: Die Sittlichkeit, der Umgang mit \u00e4lteren Leuten und Frauen.\u201c Auch Freundschaften zu kn\u00fcpfen, sei nicht leicht. \u201eEs dauert oft sehr lange, bis die Menschen einander nahekommen. Und wenn sie einander nahe sind, dauert es vielleicht nur Sekunden, dass sie auseinander gehen\u201c, sagt er. Sebu hat nur einen deutschen Freund. In Syrien tun Freunde alles f\u00fcreinander. Das vermisst Sebu in Berlin. \u201eEs ist eine Ausnahme, eine richtige enge Freundschaft zu finden. Man braucht mindestens zw\u00f6lf Jahre, um sie zu finden\u201c, erz\u00e4hlt er \u00fcber diese Beziehung.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">In seiner Zeit in Berlin hat Sebu Azad als freier Zuh\u00f6rer zwei Jahre Psychologie an der Freien Universit\u00e4t studiert. In f\u00fcnf Jahren wird er die deutsche Staatsb\u00fcrgerschaft kriegen. Seit 1998 konnte er nur einmal seine Familie in Syrien besuchen. Trotz der guten Beziehungen zu seiner Familie und jener Schwierigkeiten, die er in Berlin erlebt hat, f\u00fchlt sich Sebu Azad nicht als Syrer: \u201eEs ist sch\u00f6n, wenn man diese Familiengef\u00fchle hat, aber es hat gute und schlechte Seiten. Negativ ist, dass sich die Verwandten sehr viel in das Privatleben einmischen\u201c, erz\u00e4hlt er mit trauriger Stimme. \u201eNat\u00fcrlich genie\u00dfe ich das Leben in Syrien mehr als hier. Aber die Leute sind dort ganz anders. Ich f\u00fchle mich als Berliner.\u201c<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify\">\n<p>Die Autorin<\/p>\n<\/h2>\n<address><strong>Zarine Arakeljan<\/strong>, ist in der Republik Armenien, in der Stadt Sewan geboren. Sie hat an der Jerewaner Staatlichen Linguistischen Universit\u00e4t an der Fakult\u00e4t f\u00fcr Russisch, Literatur und Deutsch studiert. Bis Mai 2010 hat sie f\u00fcr die\u00a0 Fernsehorganisation \u201eA1+\u201c als Journalistin gearbeitet. Aktuell macht sie ein Praktikum beim Offen Kanal \u201eAlex\u201c in Berlin.<\/address>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Syrer Sebu Azad vermisst echte Freundschaft in Berlin von Zarine Arakelyan Deutschland gibt Ausl\u00e4ndern die M\u00f6glichkeit, sich frei zu f\u00fchlen. 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