{"id":727,"date":"2010-08-23T11:53:17","date_gmt":"2010-08-23T10:53:17","guid":{"rendered":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/?page_id=727"},"modified":"2010-08-23T11:53:17","modified_gmt":"2010-08-23T10:53:17","slug":"salz-aus-tadschikistan","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/?page_id=727","title":{"rendered":"Salz aus Tadschikistan"},"content":{"rendered":"<h2 style=\"text-align: justify\">Ausl\u00e4ndische Studenten kommen sich beim Essen n\u00e4her<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify\">Von <strong>Julianna Samper<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<p style=\"text-align: justify\">Der Geruch von ged\u00e4mpftem Gem\u00fcse mit einer fremden Gew\u00fcrzmischung schwebt in der Luft. Auf dem Tisch stapelt sich Brot, dazu ein Salat mit klein geschnittenen Gurken, Tomaten und Zitronensaft. Daneben steht eine Sch\u00fcssel mit Gem\u00fcse &#8211; Broccoli, Karotten, Kartoffeln und Zwiebeln, dazwischen Rindfleisch. Die Gew\u00fcrze, typisch f\u00fcr Tadschikistan &#8211; unter anderem Zira, Bergsalz vom Pamirgebirge und Curry &#8211; geben dem Gericht, Schurbo, eine subtile orangene Farbe. Alle Zutaten wurden zusammen gekocht in einem urspr\u00fcnglich aus Tadschikistan und Usbekistan kommenden metallenen Kochtopf, Kazan\u2013deg genannt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Das Essen stellt eine Methode der Anpassung dar. Heute kann man \u00fcberall typisches Essen unterschiedlichster Ethnien finden, besonderes in Gro\u00dfst\u00e4dten wie Berlin. Aber man denkt oft nicht dar\u00fcber nach, wie dieses typische Essen dort hingekommen ist, nicht an die Geschichte des Restaurants oder gar seines Eigent\u00fcmers. Es sind nicht nur Menschen, die immigrieren, sondern auch das Essen. Beides hat eine beiderseitige Adaption erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Malika Avezova stammt aus Tadschikistan. Die 18-J\u00e4hrige ist als DAAD-Stipendiatin zum Studium nach Berlin gekommen und hat hier keine Verwandten, sondern nur eine Gruppe von Freunden. Sie kommen aus verschiedenen L\u00e4ndern und veranstalten gerne internationale Abende. \u201eAuf jeden Fall bringt es die Leute zusammen\u201c, sagt sie. \u201eEs gibt viele Gerichte, die ich mag aber auch viele, die ich nicht mag\u201c, erkl\u00e4rt sie bei diesen Internationalen Abenden, wo jede Person ein typisches Gericht mitbringen soll. Unter anderem isst sie gerne japanisches Sushi und kann sich ein Fr\u00fchst\u00fcck ohne das typisch deutsche M\u00fcsli nicht vorstellen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Unter anderem, isst Avezova gerne in dem usbekisch-tadschikischen Restaurant \u201eCaf\u00e9 Taschkent\u201c, um ein Bisschen ihre Heimat zu empfinden. Dieses Restaurant liegt im Berliner Stadtteil Pankow. Schon beim Eintreten bieten helle Farben wie D\u00e4mmerungsrosa, Gelb und Blau eine gem\u00fctliche Atmosph\u00e4re. Nah\u00f6stliche Dekoration h\u00e4ngen an den W\u00e4nden und die typischen Samoware stehen auf der Bar. Das alles gibt dem Restaurant einen eleganten und dennoch bescheidenen Eindruck.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Gastst\u00e4tte geh\u00f6rt einer usbekischen Familie, die vor f\u00fcnf Jahren nach Berlin gekommen ist, weil die wirtschaftliche Lage in ihrer zentralasiatischen Heimat schlecht war. \u201eEs war am Anfang anstrengend, sich hier anzupassen\u201c, sagt Regina Rajapova, die mit ihren Eltern Besitzerin des Restaurants ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Regina Rajapova kann in Berlin alle Zutaten f\u00fcr ihr Restaurant finden. Dennoch bestellt sie Gew\u00fcrze aus Usbekistan, weil der Geschmack trotzdem ein bisschen anders sei. \u201eDas usbekische Essen hat viel Fett\u201c, erkl\u00e4rt die 26-J\u00e4hrige. Deswegen habe sie gelernt, mit weniger Fett zu kochen, um das Essen an den deutschen Geschmack anzupassen. \u201eDie Deutschen, die hierher kommen, lieben unser Essen. Sie kommen immer wieder.\u201c Aber sie habe auch viele russische, usbekische und tadschikische Kunden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Man muss seine Kultur nicht aufgeben, sondern kann viele Dinge \u00fcber andere Leute und ihr Leben lernen, um sich leichter anzupassen. Gleichzeitig hat man die Chance, anderen Menschen etwas \u00fcber seine eigene Kultur zu zeigen. Unter anderem das, was nicht in den B\u00fcchern steht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Es ist ganz klar, dass Kulturen sehr unterschiedlich sind. Aber Malika Avezova f\u00fchlt sich in Deutschland nicht fremd. \u201eIn Moskau war ich fremd, weil ich nicht zu der russischen Kultur geh\u00f6rte. In Tadschikistan war ich fremd, weil die Leute denken, dass ich in der westlichen Kultur aufgewachsen bin, und meine eigene Kultur und Religion vergessen habe, obwohl es nicht so war. Ich sch\u00e4tze die tadschikischen Traditionen\u201c, sagt Avezova. Sie findet im Gegenteil, dass in Berlin alles freiwillig ist und niemand etwas sagen kann gegen das, was sie macht. \u201eIm Rahmen der H\u00f6flichkeit und Erziehung nat\u00fcrlich.\u201c<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wenn man in ein anderes Land zieht, sucht man gew\u00f6hnlich nach einem Gef\u00fchl von Zuhause. Aber das kommt nicht, bis man sich an die Leute, die Sprache und das Essen gew\u00f6hnt hat \u2026 An das neue Leben eben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">\n<h2 style=\"text-align: justify\">\n<p>Die Autorin<\/p>\n<\/h2>\n<address><a href=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/files\/2010\/08\/juliann_port.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-728\" title=\"juliann_port\" src=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/files\/2010\/08\/juliann_port.jpg\" alt=\"\" width=\"87\" height=\"154\" \/><\/a>Julianna Samper ist in New York geboren, aber in Bogota, Kolumbien aufgewachsen. Im Jahr 2000 hat sie in den USA, in Florida, ihr Abitur gemacht. Sie begann ihr Studium der Journalistik an der University of Florida mit Franz\u00f6sisch und Deutsch als Nebenf\u00e4cher. \u00a0Sie wird im Dezember 2010 ihren Abschluss machen und strebt danach einen Master in Wirtschaft an. Journalistisch ist sie an sozialen Konflikten und dem Zusammentreffen unterschiedlicher Kulturen interessiert.<\/address>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ausl\u00e4ndische Studenten kommen sich beim Essen n\u00e4her Von Julianna Samper Der Geruch von ged\u00e4mpftem Gem\u00fcse mit einer fremden Gew\u00fcrzmischung schwebt in der Luft. Auf dem Tisch stapelt sich Brot, dazu ein Salat mit klein geschnittenen Gurken, Tomaten und Zitronensaft. Daneben steht eine Sch\u00fcssel mit Gem\u00fcse &#8211; Broccoli, Karotten, Kartoffeln und Zwiebeln, dazwischen Rindfleisch. 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