{"id":747,"date":"2010-08-23T12:27:21","date_gmt":"2010-08-23T11:27:21","guid":{"rendered":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/?page_id=747"},"modified":"2010-08-23T12:27:21","modified_gmt":"2010-08-23T11:27:21","slug":"integration-durch-werte-patriotismus","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/?page_id=747","title":{"rendered":"Integration durch Werte-Patriotismus?"},"content":{"rendered":"<h2>Europas Migranten brauchen dringend eine eingliedernde Identit\u00e4t. Die demokratischen Ideale der EU k\u00f6nnten das Fundament daf\u00fcr sein. Wie wahrscheinlich ist der Erfolg?<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify\">\nvon <strong>Marco Funk<br \/>\n<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/files\/2010\/08\/mf1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-750\" title=\"mf1\" src=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/files\/2010\/08\/mf1.jpg\" alt=\"\" width=\"420\" height=\"315\" srcset=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/files\/2010\/08\/mf1.jpg 420w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/files\/2010\/08\/mf1-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 420px) 85vw, 420px\" \/><\/a>Wie einst am Hafen von New York landen heute jeden Tag tausende von arbeitswilligen, hoffnungsvollen Migranten an den Str\u00e4nden des Mittelmeers. Sie kommen, um ein besseres Leben zu suchen, wie damals in den USA. Der einzige kleine Unterschied: in New York wurden sie mit der Freiheitsstatue begr\u00fc\u00dft. Auf Lampedusa gr\u00fc\u00dft zuerst mal das Auffanglager.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Europa ist l\u00e4ngst zu einem bedeutenden Einwanderungsziel geworden, aber es scheint dies noch nicht richtig begriffen zu haben. Migranten sind f\u00fcr Deutsche oder Franzosen immer noch keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit wie in den USA. Dabei sind sie aber von unglaublicher Bedeutung, nicht zuletzt als Antwort auf die stetig schrumpfende, \u00fcberalternde Bev\u00f6lkerung Europas. In der Politik spricht man bereits von einer demographischen Krise, die un\u00fcberwindbar scheint.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wenn Einwanderer die L\u00f6sung sein sollen, muss viel in der Europ\u00e4ischen Gesetzgebung geschehen. Integration ist heute ein bekanntes Stichwort, das aber \u00fcber Jahre hinweg vernachl\u00e4ssigt wurde. Diskriminierende Bildungssysteme, komplizierte Aufenthaltsregelungen und mangelnde Einwanderungsplanung haben zu teilweise erheblichen sozialen Spannungen gef\u00fchrt. Zudem macht es das ethnisch gepr\u00e4gte Nationalbewusstsein der europ\u00e4ischen L\u00e4nder f\u00fcr Migranten schwer, sich ihrer neuen Heimat zugeh\u00f6rig zu f\u00fchlen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Es gilt nun, die Fehlentwicklung der Vergangenheit m\u00f6glichst schnell zu korrigieren. Aber wie? Die meisten Fragen zur Einwanderungspolitik w\u00e4ren relativ einfach zu kl\u00e4ren, wenn alle EU-Staaten dieses Ziel gemeinsam und entschlossen anpacken w\u00fcrden. Viel schwieriger ist jedoch die Frage, wie ein Gef\u00fchl der europ\u00e4ischen Dazugeh\u00f6rigkeit unter Migranten geschaffen werden soll. Dies ist besonders wichtig f\u00fcr eine gelungene Integration.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Die Antwort liegt vielleicht in der vorhin aufgef\u00fchrten Symbolik. Braucht Europa eine Freiheitsstatue? K\u00f6nnte die Europ\u00e4ische Union als \u00fcbernationales, nicht-ethnisches Symbol der demokratischen Werte, die allen zustehen, unter Migranten eine Art \u201eWerte-Patriotismus\u201c schaffen wie in den USA?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Integrationsexpertin Lamya Kaddor, Autorin des Buches \u201eMuslimisch, weiblich, deutsch\u201c, ist da eher pessimistisch. Ihrer Meinung nach ist die EU f\u00fcr die meisten Migranten zu weit weg; Br\u00fcssel hat f\u00fcr sie keine gro\u00dfe Bedeutung. Au\u00dferdem seien die meisten Migranten nicht in der Lage, europ\u00e4ische Werte von der europ\u00e4ischen Mehrheitskultur zu trennen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Wenn sie es trotzdem schaffen w\u00fcrden, sich in irgendeiner Weise mit der EU zu identifizieren, w\u00fcrde die fehlende Fremdbest\u00e4tigung aus einer zunehmend euroskeptischen Mehrheitsbev\u00f6lkerung ihr fragiles Dazugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl sofort wieder l\u00f6schen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Fremdbest\u00e4tigung beiseite, w\u00fcrde es Migranten \u00fcberhaupt leichter fallen, sich eher mit europ\u00e4ischen Werten zu identifizieren als mit nationaler Symbolik? Es ist jedenfalls denkbar, dass ein Europa-Neuank\u00f6mmling aus Afrika mit Tiroler Volksmusik weniger anfangen kann als mit dem EU Recht auf angemessene Arbeitsbedingungen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\"><a href=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/files\/2010\/08\/mf2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-748\" title=\"mf2\" src=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/files\/2010\/08\/mf2.jpg\" alt=\"\" width=\"420\" height=\"315\" srcset=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/files\/2010\/08\/mf2.jpg 420w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/files\/2010\/08\/mf2-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 420px) 85vw, 420px\" \/><\/a>Barbara John, langj\u00e4hrige Politikerin und ehemalige Ausl\u00e4nderbeauftragte des Berliner Senats, ist der Meinung dass sich Migranten eher mit dem Lokalen identifizieren k\u00f6nnen und weniger mit dem Nationalen oder \u00dcbernationalen. \u201eMan soll zuerst die nationale Definition breiter machen bevor man das Europ\u00e4ische hervorheben kann\u201c, sagt sie. Europa sei nach wie vor abstrakt, es k\u00f6nne Migranten daher keine klaren Anhaltspunkte verleihen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Demokratische Werte sind in der Tat abstrakt, aber immerhin wurden die Vereinigten Staaten von Amerika auf genau diesem ideologischen Fundament gebaut. Wenn das in den USA funktioniert hat, k\u00f6nnte es auch in Europa geschehen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Nicht so leicht, meint Dr. Ulrike Gu\u00e9rot vom European Council on Foreign Relations. Das Problem liege darin, dass Europa keine emotionale Wurzel habe. Europa hat kein Gr\u00fcndungsmythos wie die USA; die technokratische Enstehungsgeschichte der Charta der Grundrechte der Europ\u00e4ischen Union kann mit der Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung der \u201eFounding Fathers\u201c nicht mithalten. \u201eEin Binnenmarkt hat keine Seele\u201c, so Gu\u00e9rot, deshalb fehle es an einem paneurop\u00e4ischen Einheitsgef\u00fchl, an dem jeder feierlich teilhaben kann.<\/p>\n<p>Es wird also wohl nichts mit der europ\u00e4ischen Freihheitsstatue. Wie Integration und Dazugeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl geschaffen werden sollen bleibt eben noch offen, wie auch das Auffanglager auf Lampedusa.<\/p>\n<h2><\/h2>\n<h2>\n<p>Der Autor<\/p>\n<\/h2>\n<address><a href=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/files\/2010\/08\/marco_port.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-749\" title=\"marco_port\" src=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/files\/2010\/08\/marco_port.jpg\" alt=\"\" width=\"97\" height=\"175\" \/><\/a><\/address>\n<address>\n<\/address>\n<address>\n<\/address>\n<address>\n<\/address>\n<address>\n<\/address>\n<address>\n<\/address>\n<address>\n<\/address>\n<address>Marco Funk ist in den USA, S\u00fcdtirol (Italien) und England multikulturell aufgewachsen. Heute studiert er Politikwissenschaft und Journalismus an der University of Central Florida in Orlando, USA. Zu seinen Interessen geh\u00f6ren internationale Geopolitik, Europ\u00e4ische Integration, US Au\u00dfenpolitik und transatlantische Beziehungen.<\/address>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Europas Migranten brauchen dringend eine eingliedernde Identit\u00e4t. Die demokratischen Ideale der EU k\u00f6nnten das Fundament daf\u00fcr sein. Wie wahrscheinlich ist der Erfolg? von Marco Funk Wie einst am Hafen von New York landen heute jeden Tag tausende von arbeitswilligen, hoffnungsvollen Migranten an den Str\u00e4nden des Mittelmeers. 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