{"id":758,"date":"2010-08-23T12:35:01","date_gmt":"2010-08-23T11:35:01","guid":{"rendered":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/?page_id=758"},"modified":"2010-09-06T22:07:08","modified_gmt":"2010-09-06T21:07:08","slug":"zuruck-nach-simbabwe","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/?page_id=758","title":{"rendered":"Zur\u00fcck nach Simbabwe"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify\">\n<h2>Eine Frau aus Simbabwe will nach ihrem Studium in Berlin eine Schule f\u00fcr Behinderte gr\u00fcnden<\/h2>\n<p style=\"text-align: justify\"><strong> <\/strong>von<strong> Nora Hirshman<\/strong><\/p>\n<p>Saithembinkosi Dube ist keine durchschnittliche Studentin, gerade in Berlin. Erstmal spricht sie kein Deutsch und Thembi, so ihr Kurzname, ist 33 Jahre alt. Sie ist eine fr\u00f6hliche aber auch selbstsichere Erscheinung, eine kurvenreiche Afrikanerin mit wilden Haaren und einem tiefen Lachen. Berlin war nicht ihr Traumort, um zu studieren, wie f\u00fcr viele andere, die nach Berlin fahren, um vor ihren Eltern zu fl\u00fcchten und die ganze Nacht in hippen Diskos zu tanzen. Nein, obwohl Thembi aus Simbabwe kommt, behauptet sie: \u201eIch fliehe vor nichts.\u201c Sie ist weder deprimiert noch sieht sie kr\u00e4nklich oder untern\u00e4hrt aus. Sie hat zwei T\u00f6chter in ihrer Heimat gelassen. \u201eIch h\u00e4tte sie nicht dort gelassen, wenn sie in Gefahr sein w\u00fcrden\u201c, sagt Thembi. Ihre Schwestern sorgen um ihre T\u00f6chter, w\u00e4hrend Thembi in Berlin studiert. Sie spricht mit ihnen einmal pro Woche \u00fcber Skype mit ihrem Computer, den sie von ihrem Stipendium gekauft hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Thembi kam einzig und allein nach Deutschland, um zu studieren. Weil sie kein Deutsch spricht, ist ihre Verbindung zu Deutschland eher pragmatisch. Die Deutschen, die sie hier kennenlernt, verstehen nicht, warum sie zur\u00fcck gehen will. Ihr Studium in Berlin ist der dritte Teil eines Europ\u00e4ischen Masters, den der Deutsche Akademische Austauschdienst DAAD finanziert. Vorher studierte Thembi in Italien und den Niederlanden. Ihr Studienschwerpunkt liegt auf Sprachbehinderungen, besonders bei Kindern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Bisher hat sie nur vier andere Personen aus Simbabwe kennengelernt, und diese wohnen in Potsdam. \u201eEs ist eigentlich nicht ungew\u00f6hnlich f\u00fcr einen Simbabwer, in Deutschland zu studieren\u201c, sagt sie flie\u00dfend auf Englisch mit britischem Akzent. \u201eEs war zum Beispiel einfach, ein Visum zu bekommen.\u201c Auch hat sie nicht wirklich nach anderen Landsleuten gesucht. In ihrem Programm ist sie nicht die einzige Person aus Afrika. Ein anderer Student kommt aus Kenia, einem besser funktionierenden Land Afrikas.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Simbabwe ist f\u00fcr seinen Pr\u00e4sidenten Robert Mugabe bekannt, der seit \u00fcber 30 Jahren an der Macht ist und mittlerweile zu einem beklemmenden Diktator geworden ist. \u201eIm Allgemein sind die Leute der Meinung, Simbabwe ist ein Kerker\u201c, sagt sie. Daran w\u00fcrden die Medien teilweise Schuld tragen, weil sie nur \u00fcber Politik und Korruption und nicht \u00fcber das Alltagsleben der normalen Leute in Simbabwe schreiben. Thembi meint, dass die \u00d6konomie in Simbabwe zu schwach sei, weil die offizielle W\u00e4hrung der amerikanische Dollar ist. Aber der Dollar habe trotz Inflation die Lebensqualit\u00e4t verbessert. Zum Beispiel k\u00f6nne man jetzt Gesch\u00e4fte mit anderen L\u00e4ndern machen. \u201eSimbabwe ist nicht schlechter als andere L\u00e4nder. Alle L\u00e4nder haben ihre eigenen Probleme und ihre eigenen benachteiligten Leute\u201c, erkl\u00e4rt sie gelassen. Sie ist stolz auf Simbabwe und denkt, dass es jetzt mit der Koalitionsregierung zwischen Mugabe und der Opposition besser werde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Allerdings ist Thembi Teil einer kleinen Minderheit von berufst\u00e4tigen Menschen in Simbabwe, die zur Hochschule gegangen sind und bessere Chance im Leben haben. Sie arbeitet als Lektorin an der University of Zimbabwe in der Hauptstadt Harare. So hat sie Motivation und Zeit, durch Europa zu reisen und dort zu studieren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Mit alle ihren neuen Erfahrungen, der Bildung und dem Geld m\u00f6chte Thembi den Leuten in Simbabwe etwas zur\u00fcck geben. Ihr Plan ist, nach Ende dieses Europ\u00e4ischen Masters und vielleicht auch einem anderen Studium in Australien, eine staatliche Organisation f\u00fcr sprachbehinderte Kinder zu gr\u00fcnden. \u201eIch m\u00f6chte dies mit der Arbeit an der Universit\u00e4t verbinden, wo ich auch forschen kann\u201c, sagt sie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify\">Auf der letzten Station ihrer Reise hat Thembi Berlin als ein gro\u00dfartige Stadt empfunden, und auch als einen guten Ort f\u00fcr Ausl\u00e4nder. Nach ihrer Zeit in Italien, wo sehr wenige Leute Englisch sprechen, sei Berlin viel freundlicher f\u00fcr Englisch sprechende Menschen. \u201eDie \u00f6ffentlichen Verkehrsmittel haben mir gefallen, weil sie so verl\u00e4sslich sind und das Essen, besonders die verschiedenen Arten von Brot, mag ich sehr.\u201c Aber ganz egal, was die Leute hier sagen, Thembi hat gro\u00dfe Lust auf ihre R\u00fcckkehr nach Simbabwe, besonders darauf, das erste Mal nach einem Jahr ihre Familie wiederzusehen. Im August ist es soweit.<\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify\">\n<p>Die Autorin<\/p>\n<\/h2>\n<address><a href=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/files\/2010\/08\/nora_port.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-802\" title=\"nora_port\" src=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/files\/2010\/08\/nora_port.jpg\" alt=\"\" width=\"96\" height=\"171\" srcset=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/files\/2010\/08\/nora_port.jpg 237w, https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/migrationen\/files\/2010\/08\/nora_port-169x300.jpg 169w\" sizes=\"auto, (max-width: 96px) 85vw, 96px\" \/><\/a>Nora Hirshman ist in Brooklyn, New York geboren und ist in ihrem letzten Jahr an der Columbia Universit\u00e4t, New York, wo sie Germanistik und Englisch Literatur studiert. Sie macht im\u00a0 Juli und August 2010 ein Praktikantin f\u00fcr die J\u00fcdische Zeitung, Berlin.<\/address>\n<p style=\"text-align: justify\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Frau aus Simbabwe will nach ihrem Studium in Berlin eine Schule f\u00fcr Behinderte gr\u00fcnden von Nora Hirshman Saithembinkosi Dube ist keine durchschnittliche Studentin, gerade in Berlin. Erstmal spricht sie kein Deutsch und Thembi, so ihr Kurzname, ist 33 Jahre alt. 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