{"id":110,"date":"2016-01-28T17:16:54","date_gmt":"2016-01-28T16:16:54","guid":{"rendered":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/oralhistory\/?page_id=110"},"modified":"2016-08-20T20:08:32","modified_gmt":"2016-08-20T18:08:32","slug":"das-interview","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/oralhistory\/das-interview\/","title":{"rendered":"Das Interview"},"content":{"rendered":"<p>Das Interview steht im Mittelpunkt dieses Webprojekts. Unter diesem Men\u00fcpunkt findet ihr daher unsere Tipps und Tricks zum F\u00fchren eines Interviews, den wir in <a href=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/oralhistory\/das-interview\/checklisten-2\/\">Checklisten<\/a> und <a href=\"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/oralhistory\/das-interview\/praktischehinweise\/\">Praktische Hinweise<\/a> unterteilt haben.<\/p>\n<h2>Der Umgang mit Erinnerungen<\/h2>\n<p>Die Methode der Oral History sah sich in ihrer jungen Geschichte zun\u00e4chst einer starken Kritik seitens der etablierten Geschichtswissenschaften ausgesetzt und auch heute wird diese Praxis neue Quellen zu erschlie\u00dfen immer wieder kritisch betrachtet. In der Auseinandersetzung mit den methodischen Problemen der Oral History kann eine sinnvolle Nutzbarmachung von Interviews f\u00fcr die Geschichtswissenschaften sichergestellt werden.<\/p>\n<p>Wie bei jeder Quelle sollte man auch bei einem Zeitzeug*inneninterview nicht davon ausgehen, eine vollst\u00e4ndige Schilderung eines vergangenen Ereignisses zu bekommen. Interviewte vergessen, verdr\u00e4ngen und konstruieren ihre Erfahrungen und Erlebnisse, sie haben in der Zwischenzeit andere Bewertungen zur Kenntnis genommen und in ihre Erinnerung integriert. Auch Vorgespr\u00e4che, die der*die Interviewer*in mit den Interviewpartner*innen bereits gef\u00fchrt hat, sollten in die Interviewanalyse mit einbezogen werden. Ein Vorgespr\u00e4ch kann bereits dazu f\u00fchren, dass eine Auswahl getroffen wird, indem Erinnerungen \u00bbhervorgeholt\u00ab, \u00fcberdacht, Details f\u00fcr uninteressant, zu privat oder brisant und damit f\u00fcr nicht erz\u00e4hlw\u00fcrdig bewertet werden. Deswegen muss in der Auswertung des Interviews dem Nicht-Gesagten ebenso Aufmerksamkeit beigemessen werden wie dem Gesagten. Nicht unerheblich sind auch die pers\u00f6nliche und emotionale Verfassung eines*r Interviewten am Tag des Gespr\u00e4ches und der nur allzu menschliche Versuch der erinnernden Person, sich m\u00f6glichst positiv darzustellen.<\/p>\n<p>Die Interviewsituation selbst ist Teil der Quelle. Nicht die historische Repr\u00e4sentativit\u00e4t steht beim Zeitzeug*inneninterview im Vordergrund, sondern die Sichtbarmachung der Selbstdeutung des*der Zeitzeug*in.<\/p>\n<p>Maurice Halbwachs stellte in seiner Theorie des kollektiven Ged\u00e4chtnisses dar, dass die Erinnerung einer Person kein rein individueller Vorgang ist. Das kollektive Ged\u00e4chtnis einer Gesellschaft bietet als Bild der Vergangenheit einen Rahmen in dem sich individuelle Erfahrung entfaltet. Im kollektiven Ged\u00e4chtnis kann sich ein Individuum seiner pers\u00f6nlichen Erinnerung vergewissern oder bestehende L\u00fccken schlie\u00dfen. Auch schriftliche Quellen richten sich immer an eine \u00bbmehr oder weniger definierte \u00d6ffentlichkeit\u00ab und auch zeitgen\u00f6ssische Aufzeichnungen sind durch \u00bbaktuelle politische Debatten oder durch bestimmte Konventionen gepr\u00e4gt [&#8230;]. Selbst Briefe oder Tageb\u00fccher k\u00f6nnen durch eine innere oder \u00e4u\u00dfere Zensur gepr\u00e4gt werden.\u00ab (Dejung, Christoph: Oral History und kollektives Ged\u00e4chtnis. F\u00fcr eine sozialhistorische Erweiterung der Erinnerungsgeschichte, in: Geschichte und Gesellschaft 34. 2008, S.96-115, S.106).<\/p>\n<h2>Interview und Auswertung der Erinnerung<\/h2>\n<p>Ein Spezifikum der Oral History ist zweifellos, dass im Rahmen eines Interviews Quellen unter dem direkten Einfluss der forschenden Person entstehen \u2013 der*die Historiker*in schafft sich durch ein Interview eine eigene Quelle. Schon im Vorfeld des Interviews, n\u00e4mlich durch die Definition von Forschungsinteressen und Fragenkatalog, nimmt die forschende Person eine Auswahl vor. Sie hat ein spezifisches Interesse an bestimmten Erinnerungen und eine Vorstellung davon, welche Erz\u00e4hlungen relevant sind und welche nicht. Dadurch k\u00f6nnen Informationen vernachl\u00e4ssigt werden, in denen man keinen Erkenntnisgewinn vermutet, welche aber ebenfalls aufschlussreich sein k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Dem muss man methodisch begegnen. Hilfreich ist es, im Interview einen offenen, lebensgeschichtlichen Gespr\u00e4chseinstieg zu w\u00e4hlen. Die interviewte Person kann so eigene Themenschwerpunkte setzen und Lebensabschnitte in eine eigene Hierarchie einordnen. Der*die Historiker*in bekommt nicht nur Hinweise zur Selbstverortung der Person, sondern wird evtl. auch auf Lebensabschnitte oder Themen aufmerksam gemacht, denen er*sie vorher weniger Relevanz zugeordnet hatte. Die eigene Erfahrung in der Interviewsituation muss bei der Analyse reflektiert und transparent gemacht werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Interview steht im Mittelpunkt dieses Webprojekts. Unter diesem Men\u00fcpunkt findet ihr daher unsere Tipps und Tricks zum F\u00fchren eines Interviews, den wir in Checklisten und Praktische Hinweise unterteilt haben. 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