{"id":17,"date":"2017-06-06T00:56:12","date_gmt":"2017-06-05T22:56:12","guid":{"rendered":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/theaitet\/?p=17"},"modified":"2017-06-06T00:56:12","modified_gmt":"2017-06-05T22:56:12","slug":"weshalb-heisst-dieser-blog-theaitetos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/userblogs.fu-berlin.de\/theaitet\/2017\/06\/06\/weshalb-heisst-dieser-blog-theaitetos\/","title":{"rendered":"Weshalb heisst dieser Blog  &#8222;Theaitetos&#8220;?"},"content":{"rendered":"<p>Theaitetos war ein griechischer Mathematiker, der im 4. Jhd. v.Chr. lebte und ein Sch\u00fcler Platons war. Platon l\u00e4sst ihn in seinem gleichnamigen Dialog mit Sokrates dar\u00fcber diskutieren, was Wissen (griech: Episteme) eigentlich ist.<\/p>\n<p>Hier geht es darum, dass es notwendig ist, das, was man meint, auch zu begr\u00fcnden. Hier geht es um Antworten auf Menschen, die der Meinung sind, sie br\u00e4uchten gar keine Wahrheitskriterien, und um Strategien, wie man dem begegnen kann, wenn sich jemand weigert, Gr\u00fcnde anzugeben.<\/p>\n<p>Solche Strategien sind heute wichtiger denn je. Denn diejenigen, die Fakten einfach leugnen und sich in Netzwerke zur\u00fcckziehen, die ihnen nur nach dem Mund reden, sind eben solche Verweigerer. Sie versuchen sich aus der Verantwortung f\u00fcr das, was sie denken und sagen, zu stehlen.<\/p>\n<p>Unser Theaitetos setzt etwas dagegen. Und das ist alles andere als antiquiert, l\u00e4ngst \u00fcberholt oder angestaubt. Im Gegenteil: es r\u00fcstet uns gegen das Postfaktische.<\/p>\n<p>Ein Beispiel: In dem Gespr\u00e4ch zwischen Sokrates und Theaitet in Platons Dialog wird auch der Homo mensura-Satz kritisch analysiert. Der Satz wird dem Sophisten Protagoras zugeschrieben. Er soll gesagt haben, dass jeder einzelne Mensch das Ma\u00df daf\u00fcr ist, wie etwas ist und wie es nicht ist. Dem einen erscheint eine Johannisbeertorte, die vor ihm steht, als zuckers\u00fc\u00df, dem anderen dieselbe Torte als sauer; f\u00fcr den einen f\u00fchlt sich das Wasser des Schwimmbeckens kalt an, dem anderen hei\u00df. Hier soll nach Protagoras nun niemand kommen und sagen, wie die Dinge wirklich sind, sondern sich mit diesen unterschiedlichen, aber gleicherma\u00dfen berechtigten Meinungen zufriedengeben.<\/p>\n<p>Sokrates und Theaitet nehmen die Grundlage f\u00fcr\u00a0 diese Argumentation genau auseinander. Sie zeigen gemeinsam, dass das lediglich eine wenig durchdachte erste Intuition ist. Tats\u00e4chlich m\u00fcssen wir voraussetzen, dass es keineswegs egal oder gleichwertig ist, wie jeder ein und dieselbe Sache beurteilt, und dass wir nur nicht richtig differenziert haben und bei den uns plausibel erscheinenden F\u00e4llen nicht genau genug hingesehen haben: denn wenn dem einen die Torte s\u00fc\u00df erscheint und dem anderen dieselbe Torte als sauer, dann nicht deshalb, weil man das gar nicht entscheiden kann, wie sie denn nun wirklich ist, sondern weil der eine die gleiche Torte mit seinen Geschmacksorganen wahrgenommen hat, die eine andere Disposition hatten, als die des anderen. Der eine hatte zuvor nur Wasser getrunken, und sein Sinn war aufnahmef\u00e4hig f\u00fcr die Geschmacksunterschiede der Torte, w\u00e4hrend\u00a0 der andere vielleicht gerade einen Karamellbonbon gegessen hatte. So war sein Geschmackssinn von dieser S\u00fc\u00dfe noch gereizt. Wenn man die Situation also vollst\u00e4ndig betrachtet, liegt gar kein Widerspruch oder lieegleichberechtigte Anspr\u00fcche vor.<\/p>\n<p>Sokrates zeigt auch: Wir verhalten uns in der Praxis auch tats\u00e4chlich gar nicht so, dass wir uns nach dieser Auffassung richten, sondern wir machen Unterschiede und finden in den Eigenschaften von Dingen Gr\u00fcnde daf\u00fcr, was von einem Gegenstand zutrifft und was nicht.<\/p>\n<p>Theaitet jedenfalls ist ein gelehriger Sch\u00fcler des Sokrates: Er l\u00e4sst sich vom Reiz des Postfaktischen nicht locken. Er macht es stattdessen wie der Protophilosoph Sokrates: er will etwas wirklich wissen und nicht nur irgendwelche Meinungen vertreten.<\/p>\n<p>Theaitetos ist daher kein schlechtes Modell. In dem Blog spielen diese und \u00e4hnliche Strategien, Analysen und Angebote eine zentrale Rolle.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Theaitetos war ein griechischer Mathematiker, der im 4. 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