gelinde Schwere

Einsam

Wenn der Tag zu Ende gebrannt ist,
Ist es schwer, nach Hause zu gehn,
Wo viermal die starre Wand ist
Und die leeren Stühle stehn.
Besser begegnet man andern Verirrten,
Um vereint zum Wein zu finden.
Elend läßt sich mit Gift bewirten.
Und ein Blinder führt einen Blinden.
Freundin, Verlorene, ich könnte dich bitten,
Aber du wirst mich um Geld erhören.
Und wir eilen mit ungleichen Schritten,
Um uns tiefer noch zu zerstören.
Wer hat den Mut, ohne Rausch, ohne Blende
Durch die leeren Pausen zu gehn
Und einsam der Tageswende
In die erlöschenden Augen zu sehn!

(Berthold Viertel)

Fabelhart

Leidensbuch

Leidensbuch ist zugeschlagen,
Rosensäfte ausgeweint
In die Seiten, wo sie lagen,
Hingeschrieben und versteint
Ein Gestrüpp entlaubter Fragen,
Die dein Mund vorzeit verneint,
Und kein Grünblatt, auszusagen,
Wie’s dein Herz wie anders meint.

(Georg von der Vring)