gelinde Schwere

Einsam

Wenn der Tag zu Ende gebrannt ist,
Ist es schwer, nach Hause zu gehn,
Wo viermal die starre Wand ist
Und die leeren Stühle stehn.
Besser begegnet man andern Verirrten,
Um vereint zum Wein zu finden.
Elend läßt sich mit Gift bewirten.
Und ein Blinder führt einen Blinden.
Freundin, Verlorene, ich könnte dich bitten,
Aber du wirst mich um Geld erhören.
Und wir eilen mit ungleichen Schritten,
Um uns tiefer noch zu zerstören.
Wer hat den Mut, ohne Rausch, ohne Blende
Durch die leeren Pausen zu gehn
Und einsam der Tageswende
In die erlöschenden Augen zu sehn!

(Berthold Viertel)

Fabelhart

Leidensbuch

Leidensbuch ist zugeschlagen,
Rosensäfte ausgeweint
In die Seiten, wo sie lagen,
Hingeschrieben und versteint
Ein Gestrüpp entlaubter Fragen,
Die dein Mund vorzeit verneint,
Und kein Grünblatt, auszusagen,
Wie’s dein Herz wie anders meint.

(Georg von der Vring)

Versteppen

cap.33

Clown- bis klauenesk gekrümmter, zu gespieltem, gepflegtestem Fehlen von Zorn und Zornesglut gekrümmter Grad-/Gradsoheit verfallen, in gewand schlechtem Witz und in knifflig Lauem bereits schleierhaft verfangen und in Auflösung begriffen und erst aufgelöst begriffen ( wie auch anders?): Farfar; Die Erkenntnis kommt zuletzt und ist zur Last von allem Letzten das Letzte, was man sich hätte verkneifen können und sollen und nicht verkniff. So spät noch aufgebahrt in ausgewachsenstem Ich, shit- und showgestählt zur Schau gestellt dem abgenickten Nein!

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cap.32

Auch eingebrockt hat sich jetzt ausgebadet. Ausgewachsene Ausgeburt schleppt sich müde über die Stränge. Farfars Sich-mit-sich-austreiben geht zu Schanden, weil zu gehaltlos war, was diese beide Seiten an Schärfen aufzubieten hatten. Man hockt zusammen in nichts und teilt den Platz aus. „Fiebere dich zurück zum einen Körper.“ Die große Zehe und der große wippen mitsamt dem Wimpernschlag; und Farfar nur noch am Von-Sekundenzeigern-Phantasieren dran, die im Tempo von Stundenzeigern vorwärtsrückten und die fädchenschmal sind und eng an der Enge der Zeit. Farfar steckt fest in der Luft, lose schleifend übern Boden harschen Tons.

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cap.31

Tropfenden Tränen säenden Auges, tappenden Fußes und so weiter mit weiterem Ballast durch das Wüste zu wandern, das aller Sicht verdampft. Und: „Ist hier Niemand, ist Niemand? niemand jemals Jemand, niemals hier Jemand; Jemand niemals jemals Niemand?“ und so nur weiter faseln, rastlos kaputtem Gefühls Betäubungsfülle sich beträufeln, dass all das Alles, was wahrhaft wenig ist wie zu keinen Zeiten, endlich ausklinge und keinen Raum mit Leben erfülle. Fäulnis Farfar. Fern deutet sich Düster, täuscht sich voran ins Dunklere. Wenns nicht mehr Licht würde, dann wäre irgendwann die Schwärze dicht genug tatsächlich zum Greifen, zur spürbaren Berührung.

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cap.30

Mehrere Tage lang, durchs Komma getrennt vom Untergang. „Mein Leib ist ein wohlverdienter Klotz am Bein, mein beleibtes Bein am Beinhaus Leib ein Klotz“ Es fing schon verdüsternd damit an, dass es sich so schmerzhaft über Farfar legte und da gut lag. Das ganze Gemurmel. von Niemandem, flatternd aus tiefversunkenen Sprachen, kleine Pickel auf der porenreinen menschlichen Kultur. Ausgedrückt und zer-. und es mag aus jeder Zeile fallen ein Einfallen ins herab und ins offene Grab, das die Raben bröckchenweise warten.