Kreuzberg gilt immer noch ale einer der angesagten Berliner Stadtteil. Aber seine Kieze verändern sind. Die Kneipen, die einst die Mittelpunkte ihrer Nachbarschaften waren, sterben. Was macht das nit den Menschen in Kreuzberg?
Eine Reportage von Lia Zimmermann, Greta Mülverstedt, Jelte Reinhardt und Lara Kasnar

Die Musik ist laut, Menschen unterhalten sich quer über alle Bänke und der Rauch steht bis zur Decke. Der Qualm der Zigaretten brennt in den Augen und versperrt die Sicht durch den Raum. Ein junger Mann beugt sich über den klebrig-nassen Tresen und bestellt die nächste Runde.
Dienstagabend, halb acht. Was in anderen Orten undenkbar wäre, ist in Berlin und besonders in Kreuzberg Alltag: Menschen, egal ob jung oder alt treffen sich an einem Wochentag abends in einer für den Bezirk typischen Kneipen und feiern bis tief in die Nacht hinein. Auch vor den Türen der Lokale zeichnet sich zu den späten Abendstunden ein ähnliches Bild ab. Die Straßen sind voller Menschen, es riecht nach Gras und im Sekundentakt heult eine Sirene auf – Kreuzberg, ein pulsierender Bezirk, der sich besonders in den Jahren nach dem Mauerfall zu einem der facettenreichsten Stadtteile Berlins entwickelt hat. Neben der hohen Arbeitslosigkeit und Straßenkriminalität zeichnet sich Kreuzberg durch sein alternatives, weltoffenes und tolerantes Lebensflair aus. Scheinbar widersprüchliche Lebenswelten prallen aufeinander. Neben sanierten Altbauwohnungen befinden sich wenige Meter entfernt heruntergekommene Wohnsiedlungen, Spätis und vermüllte Straßen. Das Image Selbstbildnis des Bezirks wird jedoch auch in besonderem Maße von seiner Kneipen- und Clubszene geprägt, deren Entstehung bis weit in die siebziger Jahre zurückreicht.
Damals wie heute sind Kneipen ein Ort des privaten Vergnügens, der politischen Zusammenkunft und bieten Raum für die Stabilisierung von sozialen Kontakten. In den letzten Jahren zeichnet sich jedoch in der Kulturszene Kreuzbergs ein zunehmendes Kneipensterben ab. Eine wichtige Ursache liegt dafür in den gestiegenen Preisen für Wohnraum, Geschäftsräume und Nebenkosten. Auch die Gastronomie ist von der Gentrifizierung betroffen. Der Bezirk passt sich allmählich seinen neuen Bewohner*innen und Besucher*innen an, ganz zum Leid der Alteingesessenen.
Diese Veränderungen wollen wir näher beleuchten und begeben uns dafür auf eine Reise durch den Westbezirk, vom Kottbusser Tor, über die Bergmannstraße und schließlich bis zum Görlitzer Park. Gespräche mit Barbesitzer:innen und Passant:innen gewähren einen Einblick, wie die lokale Kreuzberger Bevölkerung das Kneipensterben und den kulturellen Wandel in ihren Kiezen erlebt.
Der Kotti – Das Zentrum Kreuzbergs
Um zu verstehen, wie Kreuzberg heute tickt, braucht es einen Blick zurück. Damals, als Kreuzberg noch Randbezirk war. Die Zeit der 80er Jahre ist die Zeit des Multi-Kulti in Kreuzberg. Durchmischung der Kulturen, Subkulturen und alternative Lebensentwürfe prägten das Image, sowie die Strukturen des Bezirks entscheidend. Eine Kreuzberger Identität entsteht im geteilten Berlin. Das Gemeinschaftsgefühl und doch die Verschiedenheit der Menschen machen Kreuzberg aus. Ein Platz für jedermann. Das Dorf in der Großstadt.

Im Nachtleben war von all dem jedoch nichts zu spüren, berichtet Erdal, Besitzer einer kleinen Bar am Kotti: „Vor der Mauer gab es leider ein sehr begrenztes Nachleben, nicht wie heute. Es gab zwar ein paar Diskotheken, aber es durften nur die weißen Deutschen dahin gehen. Die Ausländer wurden einfach rausgeekelt, vor der Tür. Es gab ein paar Ausnahmen, am Ku’damm gab’s eine Disco, das „Far Out, da war so eine Multi-Kulti Atmosphäre oder Kantstraße gab’s auch eine kleine Disco, das „Abraxas“. (…). Hin und wieder waren wir auf solchen Punk-Rock Konzerten, aber die ganzen Clubs haben die Ausländer nicht reingelassen. Das ist eine traurige Geschichte, aber das war mal Kreuzberg.“
Er kam 1984 nach Berlin, erzählt Erdal, lebt seitdem am Schlesischen Tor. Mit der Deutschen Einheit 1990 rückt sein zu Hause von einem auf den anderen Tag ins Zentrum der neuen Hauptstadt. Doch der Mauerfall ändert vorerst nichts an den Umständen: „Also nach der Wende war es auch nicht so einfach als Ausländer. Es hat ein bisschen gedauert. Irgendwann habe ich meinen eigenen Laden aufgemacht am Mehringdamm. Mit drei Jungs zusammen. Da haben wir dann angefangen unsere eigenen Partys zu veranstalten und der Laden war immer voll. Jeden Abend, jedes Wochenende, voll.“
Vom Erzieher für türkische Kinder plötzlich zum Barbesitzer. Erdal war und ist damit Teil eines Strukturwandels. Zuwanderung prägte und prägt den Bezirk bis heute. Zunächst kamen Menschen als Gastarbeiter:innen. Aber im Laufe der Zeit wurden sie ein fester Bestandteil Kreuzbergs. Gerade mit dem Anwerbestopp 1972 holen viele Menschen ihre im Heimatland verbliebenen Familien nach Berlin oder gründen sie in ihrem neuen, nun dauerhaften zu Hause. Die Struktur verändert sich und die Bedürfnisse ebenso. Die Menschen sind keine Gäste, sondern gestaltende, selbstbewusste Kreuzberger:innen. Bildungs- und Erziehungseinrichtungen, konkret für Gastarbeiterfamilien, werden benötigt. Eine Entwicklung, an der Erdal in seinen ersten Jahren als Berliner aktiv teilnahm und diese mitgestaltete.
Heute ist eine neue Entwicklung im Gange. Das Milieu verändert sich erneut. Neue Strukturen dominieren. Erdals Rolle verändert sich. Seine neue Identität als Barbesitzer wird von Beginn an durch seine eigenen Erfahrungen bestimmt: „Unser Laden lief ja wie gesagt richtig gut, jedoch habe ich dann nach einiger Zeit, Ende der 90er, meine erste eigene Bar am Schlesischen Tor eröffnet, in der Schlesischen Straße, die Cake Bar. Allerdings war das gar keine reine Bar, sondern eine Bar mit Tanzfläche. (…). Die Idee war unser Markenzeichen und Alleinstellungsmerkmal, davon gab es nicht so viele. Es gab noch eine ähnliche in der Oranienstraße, die Schnabelbar, aber die hatte auch ne’ richtige Tür. Da haben mal ein paar Freunde von mir, die DJs waren, aufgelegt und haben mich eingeladen. Die haben mich an der Tür aber nicht reingelassen. Und da dachte ich mir, okay, mache ich aus der Cake Bar sowas Clubmäßiges, aber mit der Besonderheit, dass keiner vor der Tür entscheidet, wer reinkommen darf und wer nicht. Das war unsere Türpolitik: Alle Menschen dürfen rein. Und das hat auch gut funktioniert. Wenn irgendwer gestört hat, haben meine Freunde mir geholfen, reinen Tisch zu machen.“
Erdal will dem weltoffenen Image Taten folgen lassen. Die Menschen, die den Bezirk im Kern definieren und prägen, sollen auch ausnahmslos teilnehmen können. Eine wichtige Rolle auf seinem Weg spielte immer die Musik. Den Wandel der Musikszene in Berlin hat er nicht nur miterlebt, sondern zentral mitgesteuert und beeinflusst. Er hat Musik gemacht und die Musik hat ihn gemacht: „Wir haben als Club zum ersten Mal ‚Ethnic-Music‘ gespielt, also die Latino-Musik und die Balkan-Beats angeworfen. Wirklich als aller erste in ganz Berlin und dann wurd’ das über die Zeit gängiger. Das ‘Lido’ hat dann auch angefangen, dann immer mehr Läden und praktisch jeder hatte dann zumindest einen Balkan-Abend oder einen Latino-Abend oder sowas.”
In der Zeit als Erdal die kleine Cake Bar in Schlesischen Straßen betrieben hat, hat sich die Musik-Szene nach Berlin verlagert. Sony Music und Universal verlegten ihre Zentralen an die Spree. “Diese beiden Monsterfirmen, haben sich dann in Berlin angesiedelt und unter anderem am Speicher ein Gebäude gebaut. Und das hat die Musikwelt und auch ganz viele kleine Unternehmen und Tonstudios angezogen. Beispielsweise auch direkt bei uns, bei der kleinen Cake Bar in der Schlesischen Straße. Und darüber haben wir auch viele Musiker kennengelernt und einige haben bei uns aufgelegt. Ein paar kenne ich noch, aber die sind natürlich total berühmt geworden. Ein paar davon haben auch direkt bei mir gearbeitet. Die Rapperin Nura war meine Kellnerin. Sie hat in meiner Bar die ganzen Musiker und Leute aus den Tonstudios kennengelernt und so hat das dann angefangen. Die Cake hat sich richtig über die Musik etabliert, nicht über Cocktails oder so. Das war die zweite Sache, aber erstrangig war die Musik.”
Nach einiger Zeit wurde Erdal gedrängt, mit seiner kleinen Bar zum Kottbusser Tor umzuziehen. “Irgendwann hat er [Hausbesitzer] dann aber, ohne mir Bescheid zu geben, den Laden weiterverkauft, an die koreanische Mafia. Über einen Makler hat er das Geld kassiert, der Mistkerl. Dann hat er mir eine Kündigung geschrieben. Danach wollte ich eigentlich aufhören, aber ein Freund von mir, der war Rechtsanwalt, hat mir vorgeschlagen mit ihm zusammen einen neuen Laden aufzumachen. Dann habe ich diese Location gefunden und habe mit ihm gemeinsam bis zur Pandemie die Bar geführt. Die Idee war anfangs genau die gleiche.”
Doch was geschieht, wenn man gezwungen ist, sein Selbst, seine Identität und das Schaffen aufzugeben. Wenn die Zeiten sich ändern und ein neuer Strukturwandel im Gange ist: „Hier (*zeigt auf den Bereich hinter uns*) war die Tanzfläche und drei Mal pro Woche gab’s ein DJ-Programm. Die Hausbesitzer über uns waren davon aber nicht begeistert und deswegen mussten wir das abschaffen.” Seitdem ist die Cake “nur noch” eine Bar. Mit den gestiegenen Mieten ist der Aufwand inzwischen allerdings fast zu groß für das, was man am Ende davon hat.
“Viel zu teuer”, sagt Erdal. “In dieser Bar springen am Ende vielleicht 2000 bis 3000 Euro raus. Wenn die Mieten nicht so hoch wären, dann würde sich das hier schon alles mehr lohnen. Aber in Kreuzberg ist das natürlich insgesamt sehr schlimm geworden. Momentan sind wir bei 5000 Euro. Wenn man einen alten Mietvertrag hat, dann ist das ein echter Glücksfall. Früher hätte man so einen Laden für nicht mal 2000 Euro vermietet und jetzt stehen wir schon bei 5000. Ich muss gucken, wie es weitergeht und wie die Zukunft vom Cake aussieht.”
Wenn Strukturwandel Ideen und Konzepte unter Druck setzen
Seine Ideen und Konzepte durch Druck von außen zerstört zu bekommen, ist kein Einzelfall. Im Gegenteil. „Der Klassiker so nen’ bisschen“, erzählt Wolfi. Er ist Gründer und Besitzer des fast 15 Jahre alten Multilayerladen am Kotti. Seine Zuwanderungsgeschichte nach Berlin ist ein bisschen anders: „Ich komm’, wie sich das eigentlich nicht gehört, aus Westdeutschland und wollte dann im ‚coolen‘ Berlin irgendwas aufmachen. Bin also so ein Feindbild eigentlich, immerhin nicht aus Schwaben, also nicht ganz das Feindbild erfüllt.“
Über Mainz als Zwischenstation zum Studieren folgte Kreuzberg und seine Idee, Teil des Nachtlebens zu werden. “Freunde von mir, teilweise mit denen ich auch früher schon Sachen organisiert hab’, die waren schon immer in Berlin und deswegen war ich auch viel hier”, erzählt Wolfi. “Dann war halt auch klar, dass wir Bock haben, sowas zumindest mal zusammen auszuprobieren und dann bin ich direkt nach meinem Studium nach Berlin gekommen. Ist halt auch nen’ bisschen geiler hier als in Mainz. Es ging uns tatsächlich viel mehr um Events und Veranstaltungen. Gleichzeitig, weil ich vorher Architektur studiert habe und noch ne’ Gruppe dabei war, die Musik gemacht hat und auch so ein Label hatten, sollte das für mich auch noch ein Architekturbüro und generell Atelier, also Arbeitsraum für uns alle sein. Anfangs hatte ich die irre Idee, dass ich parallel auch noch weiter Wettbewerbe und so weiter machen würde. Letztlich funktioniert das natürlich nicht, weil man nur ein Mensch ist. Also die Idee war tagsüber Arbeit und dann abends Barbetrieb. Am Anfang hatten wir dann auch fünfmal die Woche auf und auch fünfmal die Woche irgendeine Form von Event und wenn’s auch nur irgendwelche Freunde waren, die mit dem Laptop aufgelegt haben. Aber am Wochenende hatten wir dann halt immer Konzerte, DJ’s oder Ausstellungen.“
Doch auch Wolfi konnte seinen Plan nicht von Anfang bis Ende problemlos durchziehen:„Das wurde dann aber ziemlich schnell, nach genau drei Jahren, durch die toleranten, netten, weltoffenen Kreuzberger Superämter ad acta gelegt. Die Veranstaltungen wurden also alle verboten, eben weil sich die Nachbarn beschwert haben. Dadurch wurden wir dann praktisch gezwungen, nur ne’ Bar zu sein. Dann hatten wir auch überlegt, ob wir überhaupt weitermachen wollen ,weil es halt niemals unsere Idee und unser Wunsch gewesen wäre, einfach was aufzumachen, nur um ne’ Bar zu haben.“
Dazu gedrängt, etwas zu machen, was man sich nie hätte vorstellen können. Seine Visionen verboten bekommen. Das ist die Realität vieler Barbesitzer:innen und prägender Figuren des Kreuzberger Nachtlebens. Die Bedürfnisse ändern sich gemäß der Menschen, die sich im Bezirk aufhalten und hier leben. Das prägt die Strukturen. Das prägt Kreuzberg. Vor der Wende, wie heute. „Jemand, der hier in den letzten fünf Jahren hingezogen ist und sich die Miete leisten kann, ist eher nicht so alternativ, sondern eher reich. Der braucht eher nen’ schickes Restaurant als ne’ abgefuckte Bar,“ meint Wolfi.
Erdal, Wolfi und viele andere Kneipenbesitzer:innen trifft der Strukturwandel nicht allein. Anwohner:innen wie Ann bekommen ihn hautnah am Verlust ihrer Lieblingsläden zu spüren.Unweit einer der lebhaftesten Straßen Kreuzbergs, der Oranienstraße, treffen wir sie auf dem Rückweg vom Wocheneinkauf. Am liebsten geht Ann zu dem kleinen Gemüseladen bei ihr um die Ecke. Ein paar Häuser weiter ist ein toller Buchladen und ihr absoluter Lieblingsort: Das Babylon Kino. “Ich habe hier ein total dörfliches Gefühl. Berlin ist wie eine Zusammensetzung aus vielen kleinen Dörfern und jeder hat seinen Kiez. Hier kenne ich alle, man quatscht mit allen.”
Für Ann geht ein Stück Lebensqualität ihres Kiezes durch die Schließungen von für sie “identitätsstiftenden” Läden verloren. Ersetzt werden diese durch neue, in ihren Augen unpassende Geschäfte. Auch hier ein großes Problem, wie sich zeigt. Dennoch schwärmt sie über ihren Kiez: “Ich finde, es ist das perfekte Stadtleben hier. Ich habe überhaupt kein Großstadtgefühl. Aber bin trotzdem total zentral.” Kein Großstadtgefühl unweit des Kottbusser Tors? Was sich für den einen möglicherweise skurril anhören mag, verkörpert für Ann ihre ideale Lebensrealität.
Die gebürtige Bayerin kommt ursprünglich aus einem kleinen Dorf. Dass auch sie manchmal sogenannte “Abturn”-Momente verspürt, gehört für sie dazu. Besonders wertvoll ist ihr an ihrer Umgebung Kreuzbergs Multikulturalität. Es sei schön zu sehen, wie die Leute gelernt haben, super zusammenzuleben
Rund um die Bergmannstraße
Unweit der Bergmannstraße in einer kleinen, ruhigen Straße steht die Kneipe Zum Goldenen Handwerk. Die Kneipe, die bereits seit 1884 existiert, ist mit ihrer langen Tradition ein Ort, an dem Geschichte und Gegenwart miteinander verschmelzen. In der Kneipe findet man nicht nur Erinnerungen an die Vergangenheit, sondern auch Geschichten, die das Dekor an den Wänden erzählt. So schmücken unter anderem alte Schilder der Kreuzberger Bierbrauerei und Bilder von alten Bars aus längst vergangenen Zeiten die Wände. Auch die Jukebox in der Ecke gibt der Bar einen nostalgischen Flair.

Doch trotz dieser Vergangenheit ist die Kneipe ein Ort der Gegenwart, ein Ort, an dem das Leben weitergeht. Veränderungen hat es im Laufe der Jahre viele gegeben, wie Marina bezeugen kann. Seit 45 Jahren arbeitet sie in der Bar Zum goldenen Handwerk und beobachtet die Menschen und den Kiez „Das Publikum hat sich stark verändert“, bemerkt Marina, während sie die Vergangenheit reflektiert. Früher dominierten die Stammgäste, aber jetzt ist es die Laufkundschaft, die die Szenerie prägt. „Das lockt ein anderes Publikum an“, fügt sie hinzu.
Früher hätten die Menschen ihre Stammkneipe gehabt, zu der sie immer nach der Arbeit gegangen seien, aber jetzt nach der Wiedervereinigung habe man unbegrenzte Möglichkeiten, erzählt Marina. Auch die Altersstruktur der Gäste habe sich sehr verändert, in den letzten Jahren sei das Publikum immer jünger geworden. 20-Jährige mischten sich nun unter 60-Jährige. Das ergibt, so Marina, eine ganz eigene Atmosphäre und macht die Kneipe zu etwas ganz besonderem, einem Ort der Begegnung, an dem sie immer wieder auf neue, interessante Gesprächspartner trifft. “Früher war es manchmal fast langweilig, wenn immer die gleichen Leute da waren“, bemerkt sie.
Doch der Kiezwandel erstreckt sich über die Grenzen der Kneipe hinaus. Kreuzberg, einst ein Ort, den viele mieden, ist jetzt das Ziel vieler, und das nicht ohne Konsequenzen. „Früher haben alle die Nase gerümpft, wenn man gesagt hat, dass man in Kreuzberg wohnt“, erinnert sich Marina. „Heute wollen alle herziehen, aber kein Mensch kann sich das mehr leisten.“ Die Mieten steigen, kleine Läden müssen aufgrund der hohen Mieten raus, der Kiez verändert sich.
Eine Kreuzbergerin, die seit 40 Jahren in ihrer Wohnung nur wenige Ecken von der tobenden Bergmannstraße entfernt wohnt, stellt einen tiefgreifenden Wandel besonders in der Veränderung des Straßenbildes fest. “Da ist nichts mehr von früher zu erkennen. Das ist echt schade, weil es ein Verlust von Geschichte ist”.Dass die steigenden Ladenmieten eine enorme Auswirkung auf die Geschäftsinfrastruktur haben, zeigt sich besonders in der Bergmannstraße. Die Straße befindet sich in einem ständigen Wandel, geprägt von Neueröffnungen und Geschäftsaufgaben. Positiv blickt Maria jenem Wandel nicht entgegen, Restaurants meidet sie aufgrund mangelnder Essensqualität. Schon lange fühlt sie sich im eigenen Kiez nicht mehr wohl. Grund dafür seien die vermehrt dreckigen Straßen. Lediglich dem Zustrom von jungen Menschen in ihrer Nachbarschaft kann sie etwas positives abgewinnen. Dem Ansturm von Tourist:innen in Kreuzberg dagegen eher nicht. “Kleine Kiezkneipen sind mittlerweile Rarität geworden”, sagt sie.“Aber selbst da sitzen schon Touristen und die Atmosphäre ist dadurch völlig verändert. Die Leute suchen was bestimmtes und zerstören es dann. Das ist leider so.”
Ähnliche Phänomene beobachtet auch Thomas, der seit 1979 in der Willibald-Alexis-Straße wohnt. “Auch damals war Wohnungsnot, ähnlich wie heute. Jedes zweite Haus war besetzt. Anfang der 90er wurde das Haus saniert, Leute ohne alten Mietvertrag können sich das nun gar nicht mehr leisten”, so Thomas. Dem alten Charme der Bergmannstraße trauert auch er hinterher: “Eine Straße, die früher dafür bekannt war, dass sie voller Trödelläden war. Jetzt ist es eine Fressmeile und es gibt viele schicke Läden. Die sind aber alle austauschbar, das findet man überall. Von daher ist das nichts Originelles mehr. Die Bergmannstraße ist wirklich nur noch für Touristen”. Auch die Markthalle sei dreimal so teuer geworden, früher seien dort nur Gemüseläden gewesen, heute seien nur noch zwei davon übrig, erzählt er. Das einzige, was für ihn und seine Frau noch immer so ist wie früher, ist der Kreuzberg, der noch immer ihr unschlagbarer Lieblingsort im Kiez ist. Ihre Lieblingskneipen gibt es nicht mehr. Breit gemacht haben sich vor allem “Ecken-Bäcker”, wie er sagt. “Wo vorher normale Kneipen waren, sind jetzt Spätis.”
Zurück in der Kneipe Zum goldenen Handwerk, sprechen wir auch mit Marina über das Kneipensterben. Früher gab es allein in ihrer Straße fünf Kneipen, nun ist nur noch eine da, die es geschafft hat, sich zu halten. Ein Grund, warum viele Kneipen schließen, erzählt sie, seien neben den hohen Mieten auch die schlechten Arbeitszeiten. “Kneipe ist mit Arbeit verbunden. Das ist Wochenend- und Feiertagsarbeit und meistens auch Schicht. So möchte ja heute keiner mehr arbeiten. Die Arbeitswelt von heute ist komplett anders als früher.”
Doch trotz dieser Veränderungen bewahrt Kreuzberg sein einzigartiges Flair. „Hier hat man noch ein richtiges Kiezgefühl“, betont Marina. Auch wenn es zunehmend touristischer wird, gibt es noch alte Kreuzberger und auch mit den neuen bleibt der freundliche Umgang miteinander erhalten. “Ich kenne jeden hier, immer wenn man sich sieht, grüßt man sich und quatscht ein bisschen. Das finde ich toll. Auch wenn immer neue Leute dazu kommen”. In einer Stadt, die sich ständig verändert, bleibt diese Kneipe ein Ankerpunkt, an dem sich Leute unterschiedlicher Generationen treffen und gemeinsam eine schöne Zeit haben können. Es ist ein Ort des Wandels, aber auch ein Ort der Beständigkeit, ein Ort, der den Geist von Kreuzberg in sich trägt und weitergibt, von Generation zu Generation.
Zwischen dem Görlitzer Bahnhof und Schlesischen Tor
“Ich mag Kreuzberg, weil es sehr divers ist. Man kann viel von der Stadt konsumieren, ohne dass die Stadt zu viel von einem fordert”. Dieser Satz einer Passantin am Lausitzer Platz beschreibt Kreuzberg treffend. Die gebürtige Französin hat schon in vielen Städten gelebt ,unter anderem Paris und New York, aber Berlin ist ihre Lieblingsstadt, wie sie betont. Vor allem schätzt sie, dass man in Berlin jede Stimmung und Facette ausleben kann. “Egal in welcher Stimmung ich bin, es gibt einen Ort, an den ich gehen kann.” Nach Kreuzberg würde sie immer gehen, wenn sie Lust auf eine Kneipe hat, in der man auch mal die eine oder andere Partie Dart spielen kann. Genauso gut könnte sie allerdings auch fünf Minuten weiter laufen und in eine der hippen internationalen Bars gehen.
Was sie bei ihrem Umzug nach Kreuzberg sehr überrascht hat, ist, wie durchmischt es ist. In Paris hätte sie niemals in einer Gegend gewohnt, in der auch ein Taxifahrer wohnt, erzählt sie. In Kreuzberg ist es ihr direkter Nachbar im Haus. Das wäre etwas, was sie sehr an Kreuzberg schätze. “Das finde ich besonders toll, dass man nicht anhand deines Wohnortes dein Einkommen und deinen Status ablesen kann”.
Seit August 2014 lebt die weltenbummelende Französin nun schon in Berlin und auch wenn ihr einige Veränderungen seitdem aufgefallen sind, bewertet sie diese nicht unbedingt als etwas Schlechtes. Ihre Freundin Julia, die seit Juni 2015 in Kreuzberg lebt, sieht die Veränderung sogar als Chance. “Es verändert sich definitiv. Aber nicht nur zum Nachteil. Es bringt auch viel Potential nach Berlin. Das wird häufig vergessen. Zum Beispiel in meiner Straße versuchen wir, eine richtige Nachbarschaft zu haben und ich denke, das ist vor allem, weil da auch sehr viele internationale Menschen leben, die hier eine Community aufbauen möchten. Die haben eine andere Einstellung dazu. Ich weiß nicht, ob so eine Nachbarschaft hier vor 20 Jahren möglich gewesen wäre”.
Des Weiteren relativiert sie die Veränderung. “Ich komme ursprünglich aus Amsterdam und ich bin nach Berlin gezogen, weil ich in einer größeren und günstigen Stadt leben wollte. Und auch wenn sich Dinge verändern und die Preise steigen, denke ich, dass Berlin damit nicht alleine dasteht. Auch in anderen Ländern und Städten steigen die Preise. Berlin ist jetzt zwar nicht mehr so günstig wie früher, aber im Vergleich zu anderen Städten wie Paris oder New York ist es trotzdem noch günstig. Ich verstehe schon, dass viele Menschen es schwer finden, dass die Mieten so steigen, aber ich denke trotzdem, dass ich diesen Lifestyle, den ich hier lebe, nicht in anderen Städten leben könnte”. Trotzdem erkennen beide an, dass es für viele nicht mehr möglich ist, in Kreuzberg zu leben und viele Einwohner und Einwohnerinnen, die schon seit Jahren dort gelebt haben, vertrieben wurden. Für viele ist nun die einzige Möglichkeit, in Kreuzberg zu leben, in eine WG zu ziehen. So soll es laut den beiden in ihrem Haus keine Seltenheit sein, dass sechs Leute in einer 50- Quadratmeter- Wohnung zusammen leben. Es stellt sich die Frage, ob es bei diesen Veränderungen auch in Zukunft möglich sein wird, dass der Taxifahrer bei ihr im Haus leben bleibt.

Dass das Kneipensterben in Kreuzberg nicht nur mit steigenden Mieten und der Entstehung neuer urbaner Lokale zusammenhängt, erzählt Jens Maess. Er ist Besitzer der Konrad Tönz Bar, die seit 1996 in der Falckensteinstraße, unweit des Schlesischen Tors, existiert. Sobald man die massive dunkelgrüne Tür von außen hindurchschreitet, begibt man sich auf eine Zeitreise in die 60er und 70er Jahre. Die Wände und das Mobiliar in der Kneipe sind mit sämtlichen retrostilistischen Dekorationselementen ausgestattet. Doch nicht nur die Einrichtung, sondern auch das Angebot an besonderen Getränken und Musik zeichnet die Kneipe aus. “Über die Jahre kam durch mich mehr Jazzmusik und internationale Musik in den Laden, aber auch Musik aus den 80ern, die mittlerweile schon als Retro gilt. Ich spiele vor allem die Anfänge der NDW, aber nicht Nena, die kommt mir nicht ins Haus. Am Wochenende legen bei uns verschiedene DJs auf. Anders als bei Clubs bieten wir DJs die Möglichkeit, das zu machen, worauf sie Bock haben. In Clubs müssen sie halt das machen, was dem Publikum gefällt, aber hier dürfen sie spielen, was woanders nicht geht.”
Die Kneipe spricht gezielt ein älteres Publikum an, wie der Besitzer betont. Er habe kein Red Bull und kein Club Mate im Angebot und generell auch höhere Preise als andere Lokale, die für besonders junge Menschen attraktiver seien. Die Konrad Tönz Bar befindet sich zudem ein Stück von der Schlesischen Straße entfernt. Jens erkennt darin jedoch ein Alleinstellungsmerkmal für sein Gewerbe. “Wenn man einen Laden auf der Hauptstraße hat, kommen die Leute einfach rein. Die wollen einfach trinken und Musik hören, egal wo. Bei mir ist es zum Glück so, dass die Leute wissen, warum sie herkommen.”
Was etwas verwundern mag, ist die Tatsache, dass die Bar in den 90er von zwei Studenten gegründet wurde. Jens, der seit 18 Jahren Geschäftsführer der Bar ist, erzählt, dass die Bedingungen für die Gründung einer Bar damals noch wesentlich einfacher waren. “Die Ecke hier war relativ tot und hier wollte auch keiner hin, außer türkische Familien und n’ paar junge Leute, die alternativ gelebt haben. Durch die Öffnung der Mauer wurden die Clubs aus Prenzlauer Berg vertrieben und haben sich nach Kreuzberg verlagert. Hier war ja Platz und es gab viele Möglichkeiten.” Die Gründer der Konrad Tönz Bar konnten das Lokal für wenig Geld kaufen, weil die Eigentümer damals froh waren, dass überhaupt wieder Leben in die Straßen kam. Es siedelten sich so nicht nur Kneipen, sondern auch kleine Geschäfte für den täglichen Bedarf im Kiez an.
Im Laufe der letzten Jahre erlitten sie das gleiche Schicksal, mit dem sich auch schon die Einrichtungen in der Bergmannstraße und am Kottbusser Tor konfrontiert sahen. Die Mieten stiegen rasant in die Höhe und zwangen die Besitzer, ihre Läden aufzugeben. Eine wichtige Ursache für die Mieterhöhungen erkennt Jens in den Touristen, die nach Kreuzberg kommen. Obwohl Kreuzberg auch heute noch als Problembezirk gilt, der regelmäßig negative Schlagzeilen macht, hat sich das öffentliche Bild des Bezirks ein Stück weit zum Positiven gewandelt. Die Entstehung und Verdichtung von Kneipen und Bars haben zu diesem widersprüchlichen Phänomen beigetragen.
Bereits im 19. Jahrhundert profitierte der ehemalige arme Arbeiterbezirk von seiner Vergnügungskultur. Die Menge an Kneipen, Bars und Clubs in Kreuzberg wird heute jedoch auch von vielen Reiseführern betont, was dazu führt, dass vermehrt feierlustige Touristen in den Bezirk strömen, die einen Wandel in der Gastronomie bewirken. An die Stelle von alteingesessenen Kneipen treten hippe Bars und Restaurants. Die Bedürfnisse der lokalen Bevölkerung geraten dabei in den Hintergrund. Der Bezirk passt sich den Wünschen seiner Kurzzeitgäste an und verliert mit diesem Schritt einen Teil seiner Identität, einen Teil seines Zeitgeistes.
Einen weiteren Grund für den Anstieg des Kneipensterbens sieht Jens in den Gastronomen selbst. Jens Maess ist gelernter Kaufmann. In den Anfängen seines Berufslebens war er im Großhandel tätig und belieferte Eventlocations und Clubs wie das E-Werk und den Tresor mit Getränken und Spirituosen. Schnell erkannte er, warum viele Gastronomen in ihrer beruflichen Tätigkeit scheitern. “Viele können nicht rechnen. Das ist einer der Gründe, warum in der Gastronomie so viel zusammenbricht. Das war früher auch schon so, aber jetzt wird’s noch härter durch die gestiegenen Mieten und Nebenkosten. Viele haben im kaufmännischen Bereich eben keine Ahnung. Die haben dann ne’ Idee, aber man braucht halt n’ gewisses Kapital. Die Bank finanziert das nicht. Man muss als Gastronom nicht alles mitmachen, aber man muss rechnen können. Man muss wissen, dass man am Ende Strom, Gas, Miete und Waren zahlen muss und Geld an die Mitarbeiter und an das Finanzamt geht.”
Trotz des Wandels in der Gastronomie und im Einzelhandel, sieht Jens dem Kneipensterben vergleichsweise gelassen entgegen. “Durch Shoppingmalls gehen viele kleine Läden kaputt. Das ist bei Kneipen nicht ganz so schlimm, getrunken wird immer, das ist das Gute.” Als Kneipeneigentümer ist Jens von den hohen Mieten glücklicherweise nicht betroffen, allerdings erzählt er uns, dass die Konrad Tönz Bar durch die Corona-Pandemie einen Break erfuhr. “Ab halb eins ist dann Ruhe. Da war’s früher so, dass dann viele Leute gegangen sind, aber auch neue gekommen sind und dann bis vier oder fünf im Laden blieben. Das fällt aktuell weg. Heute haben viele auch nicht mehr das Geld so locker sitzen, um mehrmals die Woche in eine Kneipe zu gehen und sind dann eher am Wochenende unterwegs. An den Wochenenden muss man als Gastronom sein Geld verdienen, damit man unter der Woche seine Kosten decken kann.”
Die Kneipenkultur Kreuzbergs befindet sich mitten in einem tiefgreifenden Wandel. Eine alteingesessene Kneipe wie die Konrad Tönz Bar mit ihrem ganz eigenen Charme und ihrem Publikum ist in Kreuzberg eine Seltenheit geworden. Diese Erkenntnis wird am Ende des Gespräches mit Jens besonders deutlich. Alt-Berliner Lokale haben sowohl für Ladenbesitzer, als auch für Gäste einen großen Wert. “Die Leute freuen sich eben auch, wenn man noch da ist. Berlin ist echt schnelllebig und die Stadt hat immer wieder neue Läden. Es bleibt wenig übrig von den Alteingesessenen und da sind die Leute ganz froh, wenn sie ihr Wohnzimmer noch haben.”
Der Wandel nach dem Mauerfall
Kreuzberg hat sich in den Jahren nach dem Mauerfall von einem sozioökonomisch schwachen Stadtteil zu einem der gefragtesten Szenebezirke Berlins gewandelt. Der ehemalige Randbezirk ist ein Paradebeispiel für das Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen und bietet Raum für Lebensentwürfe aller Art. Im Zentrum Kreuzbergs stehen zudem die vielfältigen Bars und Kneipen, die einen wesentlichen Teil zum typischen Kiezgefühl beitragen.
In den letzten Jahrzehnten zeichnet sich in der Kneipenkultur jedoch ein vermehrtes Aussterben an alteingesessenen Kneipen ab. Die Gründe für dieses Phänomen sind vielfältig. Das Aussterben der alten Kneipen entsteht vor allem durch die veränderte öffentliche Wahrnehmung Kreuzbergs. Schon lange verkörpert Kreuzberg nicht mehr nur das Image des “Problembezirks”, sondern weist eine bemerkenswerte gesellschaftlich-strukturelle Ambivalenz auf.
Nach 1989 wurde der Bezirk attraktiv für sozioökonomisch besser gestellte Menschen. Die Mieten für Wohnraum stiegen und waren für viele ehemalige Anwohner, aber auch für Ladenbesitzer kaum noch zu stemmen. Das pulsierende Kreuzberger Nachtleben geriet zunehmend in den Blick der Öffentlichkeit. Touristen strömen seither in den Bezirk und tragen zum kulturellen und sozio-ökonomischen Wandel Kreuzbergs bei. Viele Alt-Berliner Lokale sind diesen Veränderungen nicht gewachsen und verschwinden aus dem Stadtbild . An ihrer Stelle entstehen neue Geschäfte und Restaurants, die sich den Vorlieben der Touristen und Zugezogenen anpassen. Vom typischen alten Charme, der die Kneipen, aber auch Orte wie die Oranienstraße und die Bergmannstraße prägte, bleibt nur wenig übrig.
Wie sich aus den Gesprächen mit Barbesitzer:innen und Passant:innen herausstellt, befindet sich der Bezirk mit diesem Problem in einem Dilemma. Auf der einen Seite verhilft der Wandel Kreuzberg zu einem verbesserten Image und damit auch zu einer steigenden Lebensqualität, jedoch verliert der Stadtteil auch einen großen Teil seiner ursprünglichen Identität. Das, was vom alten Kreuzberg noch übrig bleibt, wird von der lokalen Bevölkerung wohlwollend angenommen. Die Menschen sind dankbar, wenn ihre alte Stammkneipe auch heute noch Bestand hat oder ein kleiner Kiezladen trotz hoher Mieten noch existiert. Diese Orte sind ausschlaggebend für das ehrliche und authentische Kiezgefühl in Kreuzberg und identitätsstiftend für die Nachbarschaft. Klar wird, wie wichtig die alten Berliner Kneipen für das soziale Miteinander der Kiezbewohner*innen sind.
Wie sich die Entwicklung des Kreuzberger Kulturleben in den nächsten Jahren gestalten wird, ist ungewiss. Jedoch ist es trotz des Anstiegs neuer gastronomischer Konzepte und Einrichtungen von enormer Bedeutung, die alten Kneipen als öffentliche Orte zu bewahren und zu würdigen. Denn anders als die modernen und touristischen Bars, vermitteln sie ihren Gästen ein einzigartiges Gefühl der Begegnung, der Verbundenheit und der Gemeinschaft, mitten in einer schnelllebigen und anonymen Großstadt.




