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Mate ist mehr als nur ein Getränk

Ob MioMio, ChariTea oder Club Mate, das koffeinhaltige Limogetränk hat in deutschen Supermärkten längst seinen festen Platz im Kühlregal gefunden. Mit den Ursprüngen der Flaschenlimo sind jedoch die Wenigsten vertraut. Ein kleiner Laden in Prenzlauer Berg widmet sich dem südamerikanischen Getränk und dem Teilen einer Kultur des Trinkens.

Mira Schwedes nimmt uns mit auf Entdeckungsreise

In einer ruhigen Straße in Prenzlauer Berg lädt ein kleiner Laden dazu ein, das südamerikanische Mate-Getränk richtig kennenzulernen. (Foto: Mira Schwedes)
In einer ruhigen Straße in Prenzlauer Berg lädt ein kleiner Laden dazu ein, das südamerikanische Mate-Getränk richtig kennenzulernen. (Foto: Mira Schwedes)

Es ist das dritte Wochenende im November und das Berlin Tea Festival öffnet zum vierten Mal seine Türen für alle Tee-Enthusiast:innen der Stadt. Unter den Ausstellenden ist auch Krithika do Canto, Mitinhaberin eines kleinen Ladens im Souterrain der Straßburger Straße in Berlin Prenzlauer Berg. Seit 2011 verkaufen Krithika und ihr Mann Fabricio do Canto in Meta Mate das gleichnamige südamerikanische Getränk und alles, was dazu gehört. Auf dem Berlin Tea Festival sind sie damit genau genommen Außenseiter. „Mate ist nicht wirklich ein Tee“ erklärt Krithika, „aber es gehört trotzdem mehr zu der Tee-Welt als zu der Kaffee-Welt.“ Darum ist Meta Mate nun also schon das dritte Jahr in Folge auf dem Tee-Festival vertreten, und verbreitet dort die Kultur des Matetrinkens. Denn Mate ist mehr als nur ein Getränk für Krithika. Mate ist ein gemeinschaftliches Ritual, entstanden aus indigenen Traditionen, mit komplexen Regeln und großer Bedeutung für die Gemeinschaft. Die zwei Räume in Prenzlauer Berg sind deshalb nicht nur Geschäft, sondern auch erweitertes Wohnzimmer, Treffpunkt und Aktivismusraum.

Der Laden besticht durch eine gemütliche Wohnzimmeratmosphäre und die Verkostung findet auf bunten Sesseln und Sofas statt. (Foto: Mira Schwedes)
Der Laden besticht durch eine gemütliche Wohnzimmeratmosphäre und die Verkostung findet auf bunten Sesseln und Sofas statt. (Foto: Mira Schwedes)

„Das Schönste am Mate-Trinken ist das Kollektiv, das Zusammenkommen.“

Am Samstagvormittag finden sich sechs Mate-Neulinge für die offene Verkostung auf den Sofas des Geschäfts ein. Bevor es überhaupt losgeht, führt Krithika alle Anwesenden in die Regeln und Rituale des gemeinsamen Matetrinkens ein. Sie übernimmt dabei die Rolle der Gastgeberin, bereitet jeden neuen Mate-Aufguss vor und reicht diesen in die Runde. Die Reihenfolge des Kreises, der sich um einen kleinen Tisch gebildet hat, bleibt für die gesamte Zeit gleich. Wenn jemand neues dazu kommt, muss sich diese Person an letzter Stelle in die Runde eingliedern. Als Gastgeberin bereitet Krithika den Mate nicht nur zu, sondern trinkt zudem die ersten zwei Aufgüsse selbst aus. Zum einen, weil der erste, kalte Aufguss dazu tendiert, bitter zu sein und um zu zeigen, dass der Mate gut und trinkbar ist. 

Die Mateblätter werden in einem geschwungenen Gefäß, welches traditionell aus Kürbissen hergestellt wird, mit heißem Wasser aufgegossen. Getrunken wird durch einen speziellen Strohhalm namens Bomba, der die Mateblätter durch ein Sieb am Ende des Halms zurückhält. Traditionell wird der ausgetrunkene Mate-Becher, oder die Calebasse, an die erste Person zurückgegeben, die im gleichen Becher mit heißem Wasser den Aufguss für die nächste Person vorbereitet – auch der Strohhalm wird geteilt. Damit seien sie zu Beginn angeeckt, erinnert sich Krithika. Das Teilen von Becher und Strohhalm erzeugte Verwirrung als Meta Mate vor mehr als 10 Jahren in Berlin eröffnete. Heute biete sie bei Verkostungen deshalb allen Teilnehmenden eigene Bombas an, aber die Calabasse wird weiter geteilt, um das gemeinschaftliche Ritual beizubehalten, denn: „Das schönste am Matetrinken ist das Kollektiv, das Zusammenkommen.“

Mit heißem Wasser aus einer Thermoskanne bereitet Inhaberin Krithika Mate für die Verkostung zu. (Foto: Mira Schwedes)
Mit heißem Wasser aus einer Thermoskanne bereitet Inhaberin Krithika Mate für die Verkostung zu. (Foto: Mira Schwedes)

Das Meta Mate Publikum ist so divers wie die Mate-Sorten

Insgesamt sechs Mates machen bei der Verkostung die Runde. Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Sorten sind auch für Mate-Neulinge unschwer zu erkennen. Genauso, wie die seit vielen Jahren in Deutschland sehr beliebten Mate-Limos nur wenig mit dem frisch aufgegossenen Heißgetränk zu tun haben, sind auch die Unterschiede zwischen den verschiedenen Mate-Arten wie Tag und Nacht. Neben der viel verkauften klassisch angebaut und getrockneten argentinischen Mate gibt es rohe Mate, geröstete Mate, geräucherte Mate und vieles, vieles mehr. Durch verschiedene Zubereitungstechniken unterscheiden sich auch Inhaltsstoffe und Wirkung der Mates voneinander, aber gemeinsam haben alle eine aufweckende Wirkung, ohne aufputschend zu sein.

Mateblätter gibt es in einer riesigen Vielfalt. Sorten können sich z.B. in Anbau, Ernte und Verarbeitung unterscheiden. (Foto: Mira Schwedes)
Mateblätter gibt es in einer riesigen Vielfalt. Sorten können sich z.B. in Anbau, Ernte und Verarbeitung unterscheiden. (Foto: Mira Schwedes)

Als Krithika und Fabricio do Canto Meta Mate Anfang der 2010er gemeinsam gegründet haben, konnten sie nur wenige Sorten anbieten. Über die Jahre haben sie sich ein großes Netzwerk von Bauern und Bäuerinnen, Betrieben und Händlern aufgebaut und ihr Sortiment um besondere und vor allem biologisch und fair hergestellte Sorten ergänzt. Ihr Engagement ist geprägt von einer engen Zusammenarbeit mit kleinen Mate-Bauern, insbesondere in Brasilien, dem Heimatland von Fabricio. In dem Bemühen, eine Alternative zum Massenanbau auf großen Mate-Plantagen zu ermöglichen, setzt sich Meta Mate für kleine Unternehmen und einen natürlichen und biologischen Anbau ein. Dadurch sind auch Ideen für ganz neue Sorten entstanden. Eine davon ist Raw Mate, welche handgepflückt, nach der Ernte gefroren und dann bei niedrigen Temperaturen getrocknet wird, um Mineralien und Antioxidantien zu erhalten. 

So divers wie das Sortiment ist mittlerweile auch das Publikum von Meta Mate. Von südamerikanischen Expats, über Studierende und IT-Fachleuten zu Fitnessgurus, sei wirklich alles mit dabei, berichtet Krithika. „Viele Leute haben die Nase voll von zu viel Kaffee im Büro oder zu viel Club Mate. Die kommen dann zu uns.“ Und was hält sie selbst von den vielen Mate-Limos? Mit richtigem Mate habe das nicht viel zu tun, aber es könne ein guter Anfangspunkt sein, um Menschen die Mate-Welt näher zu bringen. 

Die Mateblätter können mehrmals aufgegossen werden. Mit jedem neuen Aufguss verändert sich dabei auch der Geschmack des Getränks. (Foto: Mira Schwedes)
Die Mateblätter können mehrmals aufgegossen werden. Mit jedem neuen Aufguss verändert sich dabei auch der Geschmack des Getränks. (Foto: Mira Schwedes)

„Beim Matetrinken vergisst man die Zeit“

Plötzlich ist der letzte Schluck getrunken und unbemerkt sind mehr als zwei Stunden verstrichen. Krithika ist nicht überrascht: „Beim Matetrinken vergisst man die Zeit“, bestätigt sie.

Und wonach es nun schmeckt? Die Teilnehmenden finden ganz unterschiedliche Beschreibungen für das Getränk: Ungewohnt, intensiv, bitter, erdig. Vergleiche mit schwarzem Kaffee und Grün- oder Schwarztee werden versucht, aber ganz einfangen kann das eigene Aroma der Matepflanze niemand so richtig. Probieren muss also jeder und jede für sich selbst.