Versteppen

cap.20

Weißglut und Langwut brüteten unter den Poren und trieben Farfar Schweiß und Blut über Haut und durch die Adern. Es war ein Stampfen in seinem Körperblock, in den abgetrennten Gliedern das höchste Lärmen. Ferner: Er kollabierte jenseits jeder Helle. Ferner: Er fingerte sich selbst herum und herum. Das löschte ihn aus und ausein – und ineinander; wie ein Rätsel mit einem Mal abgefackelt ohne Flamme, gemahlen zu Schwaden von Rauch, gelöst in Rausch, wo vordem Atem/Atmen war. Er hing sicher an keinem seidenen Faden mehr. Nein.

Versteppen

cap.19

Kindsköpfig voraus, zugeschnürten Halses und die Zähne fallen aus. Farfar zog sich wiederum in die ganz eigene Zerstörung, die er euphemistisch Zerstreuung nannte; oder umgedreht und -kehrt und -wand: was er im Glauben sich zu vernichten anpackte, mißriet völlig und war einzig geeignet ihn immer weiter doch wieder über die Zeit zu bringen. Lachhaft, was er sich einbildete mit Absicht falsch zu benennen, doch im Verkennen dabei all zu ausdrücklich, was wahr war, enthüllte. Er riß sich zu Falschaussagen und ließ sich hinreizen zu Irrtümern: seinem ganzen Reich- und Königtum. Farfar vergab sich alles.

Versteppen

cap.18

Woraus er hinauswollte unters Aus und die mürben Glieder herausstecken aus dem überbleibenden Rumpf und mit dem vorankugeln und sich das Latschen aufgereckten Ganges vergehen lassen, sich abrunden. Farfar kam sich stets etwas zu großzügig aufgerundet vor, was sollte er tun: weniger wurde ihm immer zu mehr und schließlich zu sehr viel, das raushing, daß die Klappe nicht zuging, und rumorte, daß es drang durch verschlossene Tore, Mauern, die Spiralen der eingegrabenen Male durchtrennter Nabelschnüre trompeteten es schön. Die Lamellen der Jalousie boten Tagnachts und Nachtsüber die bewehrte Breitseite dem ewigen Licht, eine subtile Panzerung; und doch hätte er am liebsten dagegengetrommelt.

Versteppen

cap.17

Im stückweise ins Wache abblätternden Albtraum Farfar nixtuend, in Händen nichts, sich wund und auruhend. Ein Klumpen war eher und nun selbstzerbröselt fiel er sich noch schwer genug an die Gurgel. Zertretene Umgrenzung und leere Mitten. Farfar stöhnte etwas unwegsam die Kehle hinauf. Schon die ersten Sprachschritte führten ins Gestolpere, hinzu- und zugefügtes Chaos. Kauderwelsch am tosenden Wellengang der Sprache, der Strafe, entlang; dieser Züchtigung, der kein Sonnenuntergang entrinnt, kein Vollmond, kein Licht ausgeht und kein Sternlein entfällt aus hohen Höhen. Hier schwant einem wirklich alles.

Versteppen

cap.16

…hielt, stand und still sog sich Farfar aus den Fingern alle Griffe. Ins Leere ließ er sie entgleiten wie gestrandet auf eisversiegelten Ozeanen eine Pfütze, so ein trübes Wässerchen allmählich aufgehen mag im ewigen Eis und dann feste verschränkt mit dem, was trug und trägt. Es war nicht dunkel, doch Farfar sah zu erloschenen Lichtern. Es war nicht kalt, doch Farfar erkaltete zusehnens. Es dehnten Drachen den Raum. Wurzeln. Farfar hatte zur Not doch noch eine Nische Realität gekappt. Doch war sie unbewohnt und blank. Vor Glas hauchte Farfar aus in regelmässigen Stößen und leckte in gierigem Schlecken den feuchten Beschlag wieder auf: „Nicht dies, nicht das. Viel zu einzig für beides, viel zu rasch dahin!“ (in Farfars Kopf).