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cap. 15

Ist man aufs Engste Unange – und Eingerichtet aufs Schlimmste, passiert doch immer das Verflixtere, das Blässere: nur das Zwotschlechteste!; platzt aus des personifizierten Unheils geblähten Backen handfest heraus, weil einem ja partout alles Unheilvolle immer auch schreckstendlich verkörpert entgegentreten muß. „Schlag auf Schlag den blauen Flecken entgegen! Dann wichsen, du Wichser! Wichsen, Farfar, Wichsen“… und ein Rausch, der die Züge verwischt ohne Spiegel zu verbiegen. Abrieb an der Bettkannte: Überbleibsel, Geknirsch und das Herauszögern der Pause.

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cap. 14

Erst fiel die Decke auf Farfars Kopf, dann hart Farfars Kopf ins Wasser: das setzte Träume. Er vermachte sich murmelnd und gurgelnd und ertrinkend der Nachtwelt und riß die Klappe ganz weit auf, als wolle er sein Gesicht weitestmöglich verzerren bei Verzehr der Chimären. Wahnhaftes Fleisch lag ihm auf der Zunge. Draußen heulte der Verkehr auf und Überschwemmungen drohten. Irrsinninge Fabeln fuchtelten immer schneller vor Farfars inneren Augen herum; ein Zucken, ein ZickZack; „Bin abgehakt!“ Ein Schlächter zeichnet auf Leerfilm in imposanter Gebärde seinen Messermeisterschnitt auf und verteilt die Teile auf den bunten Scherben der Teller. Alles war außerordentlich partiell. Das ließ sich nicht abstreiten.

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cap.13

Ein Tag ist aller Nächte Anfang. Ausradieren war Farfars Anliegen. Kümmelschwer fiel es ihm in die Arme, obwohl er doch die Muskeln spannte und bestrebt war seinem Arm keine Regung zuzugestehen. Das war das eigentliche Wuchern der Wünsche, das unliebsam die ausgeschüttete Suppe versalzte, damit gings los, die rechte Würze, an der man sein Leben lang würgte: streberhaftes, so verhasstes Trachten nach Haltung läßt sichs nennen, nach belieben auch anders. Meinetwegen auch das große „Hab Acht“ aufs Einsetzen des Zitterns, schließlich, aufs abrundende und abschließende Tattern, den Abtrieb zum Abgang. Gibt es dafür wohl einen passenden „slang“?

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cap.12

Schwellungen an Schwellung, Schwellung über Schwellungen und Überschwellungen stetig tieferer Röte war der neue Körper; Er, dieser corpus, im Gegensatz zu ihm, Farfar, besaß nun restlos die sagenhafte Empfindsamkeit entzündeter Bereiche; Wer sich drüber Gedanken machen wollte, müßte zum Schluß kommen: Was dem Fleisch doch immer schon einzig wahrhaft gerecht wurde, die Krone aufsetzte waren seine Erkrankungen, die ein Feuerwerk an Metamorphosen und Seltsamkeiten auf ihm erblühen lassen, ein Aufspringen aller Schmerzen; „Nun bitter von Nöten klaffendes Gelächter! Bitte!“ Farfar drehte sich herum ins Zimmer zurück, nicht ohne die Gelegenheit abzupassen graziös die Bruchlinie der Scheibe zu streifen. Diesem Maestro entgegen winkt und weht die verdiente Brise Applaus von einem Ozean aus Verstimmung und Schlächterlaune.

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cap.11

„Schon wieder vergessen, daß nichts mehr war“ stand in den Sternen geschrien. Sich einen davon zur eigenen Stille runterpegeln und runterholen ! Das wärs! Verflixt! Zog sich Farfar doch schon wieder ein wirrer Streifen Nacht übern Leib, fuhr in den Mund rein und schlüpfte aus im Inneren seiner Birne spaßig zum altbekannten Gedankenfrustspiel. So blass war Farfar bereits, dass er sich selber beruhigend zusprechen mußte: „Sowieso sollte alles eigentlich viel weniger durchblutet werden“ Die befleckten Passanten mit obenhinauf gereckten Hälsen stimmten zu und fuhren sich zwecklos über die Kleider.

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cap.10

Farfar spulte hektisch das Ausgekotzte zurück in sich, den Hals hinab knisterte das Brechband und rollte sich auf überm stockfinster pochenden Herzen. Wers bloß mit den nötigen Messern freilegte und sich das ansähe! Nichts für Farfar; ihm fiel es schwer Blut zu sehen, schwerer noch sein Blut zu sehen; Hingegen nichts dagegen es zu vergießen, zumal das Eigene. Mit Wucht den Kopf voraus gegen die Scheibe und durchs Glas den Schädel. So schamlos rausgebracht war man genügend verunstaltet, um, heftig auf- und abatmend, mit weit offenen Augen in die Morgensonne zu starren und warme Rinnsale von den Schläfen über die Backe kriechen zu lassen. Unten liefen Passanten. Über ihnen stieß Farfar den Kopf hin und her und hinab tröpfelte sein Blut.

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cap.9

Hohes Lied auf rabenschwarzes Notenblatt gesunken. Farfar flatterte ungelenk mit seinem entleibten Endleib durch das unentwegte Lebensabflauen im querbeeten Tageabbauen, kurz gesagt: tatenloses Schuften. Doppelt papieren. Immer wieder gern zerknüllte er sich zur geballten Faust und ließ diese im höchsten Bogen niedergehen neben dem Mülleimer. Er zerriß sich in der Luft und lebte auf im Geräusch des Risses, das wie ein Laut und Schall gewordener Hirnschlag, wie überbordendes „Wahn-war-Sinn!“ das Trommelfell zerfetzte und sich als Narkotikum in den Schmerz einhüllte. Wie immer: Wirklich gute Garderobe kann auf ihren Träger glatt verzichten.