Jaqueline und der Rest der Welt

Eine Berliner Griechin spricht über Fußball und die Euro-Krise

von Jay Binneweg

Jacqueline Patlakas ist Besitzerin der „Taverna Athene“ in der Nähe der Station Möckernbrücke im Berliner Stadtteil Kreuzberg. Obwohl sie griechisches Essen in einem griechischen Restaurant serviert, fühlt sie sich als Deutsche, besonders als Berlinerin. Beim Fussballspiel Deutschland gegen Argentinien sitzt eine Hand voll Gäste im Partyzimmer des Restaurants. Sie waren in Stimmung, mit Schminke, Hut und Vuvuzela. Mit jedem deutschen Tor bringt der Kellner einen freien Schuss Ouzo. Etwas, das mit dem dritten und vierten Tor durchaus zur Verpflichtung wurde. Direkt vor dem Spiel Deutschland-Argentinien haben wir mit Jacqueline Patlakas über die Fußball-WM und die Euro-Krise geredet.

?: Viel wurde in den Medien über die Euro-Krise und Griechenland geschrieben. Was haben Sie für Erlebnisse damit?

!: Ab und zu kommen Jungs rein und bestellen Gyros. Dann sagen sie: „Ich habe schon bezahlt, mit dem Rettungspaket“. Was sie nicht verstehen: Ich zahle viele Steuern, mehr als sie. Wenn Leute nur „Bild“ oder „BZ“ lesen, verstehen sie die ganze Sache nicht. Obwohl, von dem, was ich gelesen und gehört habe, verstehe ich es auch nicht. Was ich weiß ist, dass Deutschland dieses ganze hin und her des Geldes braucht. Die Wirtschaft baut darauf. Griechenland musste drei U-Boote von Deutschland kaufen, egal ob es Geld hat oder nicht. Den Deutschen ist wichtiger, ihrer eigenen Wirtschaft zu helfen.

?: Und wie geht es Ihnen bei der WM?

!: Fußball ist mir völlig egal, aber es ist auch schlecht für das Geschäft. Erst kam das warme Wetter, die Leute wollen einfach nur draußen sein. Und dann die WM, sie möchten im Biergarten mit riesiger Leinwand sitzen. Deswegen ist für uns nächste Woche Zeit für Urlaub.

?: Wer wird heute die WM hier anschauen? Wird es im Restaurant eine griechische Gemeinschaft geben?

!: Möglicherweise kommen andere Nationalitäten zusammen. Aber die Griechen haben ein Leben zu Hause. Dennoch sind sie gut integriert. Um die WM anzusehen, müssen sie nicht hierher kommen – sie gehen hin, wo immer es ihnen beliebt und sondern sich nicht ab. Vielleicht heißt das Integration, aber es hilft uns nicht im Restaurant.

?: Sind Ihre Kunden meistens Griechen oder ist es eine Mischung?

!: Es ist mehr Mischung als Du denken würdest. Wir sind 25 Jahre hier. In den letzten Jahren kamen diese Jugendherbergen in der Nähe auf. Jetzt brauche ich mein Englisch. Ich habe neun Jahre Englisch in der Schule gelernt, aber nie benutzt. Du siehst dieses Schild: „ASK FOR AN ENGLISH MENU“. Aber das ist Berlin: Wir haben ein griechisches Restaurant gegründet, und statt eine griechische Umgebung zu finden, haben wir den Rest der Welt kennengelernt.

?: Wie fühlen Sie sich in Berlin?

!: Ich bin Deutsche. Meine Kinder sind Deutsche. Mein Mann ist Griechisch, so auch das Restaurant. Ich bin in Deutschland geboren, meine Mutter ist Deutsche. So fühle ich mich hier: Es ist Heimat.

?: Haben Sie Familie in Griechenland?

!: Ja, sicher. Wir machen dort jedes Jahr Urlaub. In zwei Wochen sind wir für einen Monat weg. Mein Mann sagt ab und zu, vielleicht gehen wir nach Griechenland, probieren da zu wohnen. Aber die Kinder sind noch nicht groß geworden und ausgezogen.

?: Haben Sie irgendwo anders in Deutschland gewohnt?

!: Was brauche ich noch? Ich bin in Berlin geboren und aufgewachsen. Berlin ist schön, grün, hat verschiedene Gegenden. Man findet hier was immer man will. Wenn wir reisen, fahren wir nach Griechenland. Ich hätte keine Lust, dort in ein kleines Dorf zu ziehen.

Der Autor

Jay Binneweg hat seinen BA in Journalism and German an der New Mexico State University abgeschlossen. Sein ausgeprägtes Interesse an Autos hat ihn zum Auto-Journalismus geführt.

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